Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1935)
- Date
- 1935-08-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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15.rAugust 1935 De^r Israelit Nr. 33; Seite 11 Personalien. Die Bestattung Leo Deutschländers V'XT' Wien, 15. Äug. Mit Blitzeseile verbreitete sich die ^erschütternde Todesnachricht im jüdischen Wien und im Ausland, ■das telegrafisch benachrichtigt wurde. Die „Jüdische Presse" ließ sofort Sonderabdrucke der vorwöchigen Meldung in den Bethäusern affichieren. Um 9.45 Uhr wurde der Verblichene vom Sanatorium in die Räumlichkeiten der Keren Hathora-Zentrale, der Stätte seiner segensreichen Wirksamkeit, überführt. Hier schon fand sich trotz der späten Nachtstunde und obwohl der Fasttag kaum vorbei war, eine große Zahl von Freunden des Niftar, führenden Persönlichkeiten der Wiener Orthodoxie, ein, die in tiefbewegtem Zug dem Wagen am Dr. Krüger- Heim vorbei, dessen sämtliche Fenster beleuchtet waren, folgten. Mitglieder <üer Agudas Jisroel-Jugendgruppe bezogen die Ehrenwache. Die Bestattung selbst war für Freitag 11 Uhr vormittags angesetzt. Aber lange vorher schon sah man aus allen Richtungen die Menschen herbeiströmen. Der Verkehr mußte aus der Leopoldsgasse abgelenkt werden. Kopf an Kopf standen inzwischen oben diejenigen, die Einlaß fanden, und lauschten mit Tränen in den Augen den ergreifenden Hespedim. Herr Wolf Pappenheim' würdigte die Verdienste des Niftar um die Agudas Jisroel im allgemeinen, um den Keren Hathora und um das Beth Jakob-Schulwerk im besonderen. Nach ihm sprach Rabbinatsassessor Schlomo Baumgarten ergreifende Abschiedsworte in Vertretung des ehrw. Herrn Oberrabbiner Fürst. Erschütternd wirkte das letzte Lebewohl, das Herr Rabb. Moses Blech mit tränenerstickter Stimme in tiefster Wehmut dem Verblichenen gab. Namens des Vorstandes der Adas Jisroel nahm Herr Komm.-Rat Siegmund Bondi vom Niftar Abschied; indem er sein bezwingendes, stets liebenswürdiges und hilfsbereites Wesen schilderte. Herr Schabse Schönfeld würdigte den väterlichen Vorgesetzten, der mehr als das ein opferbereiter Freund war, für alle persönlichen Sorgen des Alltags Rat und Hilfe wußte, und dem seine Mitarbeiter ein ewiges, treues Angedenken bewahren werden. Von einer unübersehbaren Menschenmenge gefolgt, nahm nun der Wagen mit der Mitoh seinen Weg über die Leopoldsgasse, Krumrabaumgasse, an der Schiffschul vorbei, wo Halt gemacht wurde und Herr Isak T h u m i m namens des Vorstandes des Badner Waisenhauses der Agudas Jisroel dem Niftar für seine Mitarbeit dankte, und Oberen Donaustraße bis zur Salztorbrücke. Auch am Bes-Hachajim fanden sich ungezählte Freunde und Verehrer des Verblichenen, Delegationen verschiedener Körperschaften und Vereinigungen ein, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Hier sprach als' erster Herr Rabb. Dr. Joel P o 11 a k , der jahrelang ein Wegbegleiter des Niftar war, mit ihm bei der Errichtung und Leitung des- Wiener Beth Jakob- Lehrerinnenseminars zusammenarbeitete und sich zum Kreise seiner intimsten Freunde zählte. Meisterhaft ließ er das Bild des unvergeßlichen Toten wiedererstehen, seine aufopferungsvolle Hingabe an sein Lebenswerk, seine , grandiosen Erfplge und — trotz alledem '■— seihe bescheidene Zurückgezogenheit und seih liebevolles Sich-Einfühlen in die Nöte und Bedürfnissei seiner „KSnder". Denn Kinder sind ihm die zehntausenden Beth Jakob-Lehrerinnen > und -Schülerinnen in aller Welt, die seinen Namen hinaustragen werden und einen lebenden, jüdisches Leben spendenden Gedenkstein bilden.. Ergreifend waren die Abschiedsworte, die Herr Rabb. M.'Flesch namens der Stump erschul, deren Mitglied Dr. Deutschländer war,, hielt. Dann sprachen noch Herr Oberrabbiner Dr. C a r 1 e b a c h , Baden b. W., Herr Heinrich E i s e m a n n , 'Frankfurt a. M. im persönlichen Auftrag des: Präsidenten der Agudas Jisroel-Weltorganisation, Jacob Rosenheim, der aus äußeren Gründen an der Reise nach Wien verhindert war, im Namen der Exekutive der Agudas Jisroel und im Namen der Familie. Schließlieh hielt ein Vertreter der Bne-Brith dem Bruder einen warmgefühlten Nachruf. Heübronin a. N., 10. Aug. Am asa ntftfrn trug unsere Israelitische Religionsgesellschaft Adaß Jeschurun einen ihrer besten Männer, Moses Reis, 62jährig, zu Grabe. Als Mitbegründer der nunmehr 25 Jahre bestehenden Gemeinde gehörte er jahrelang dem Vorstand an. Dieser seiner Kehila galt neben den k Sorgen um seine Familie seine unermüdliche Arbeitskraft, sein ganzes Denken und Streben. Als wahrer rmnsa "rns 'ansa poir war er jedem ein väterlicher Freund und Ratgeber. Sein Wesenszug aber war das vorbildliche nnx&a pnpn, jenes Ausüben der g'ttlichen Gebote, welches der reinen Liebe zur min entspringt. Es verging keine Mahlzeit, bei der nicht etwas „gelernt" wurde und wie freute er sich, von Gästen am Tisch, die in seinem Haus die große Wohltat von wahrer dtttik nopn erfahren durften, Worte der Thora zu hören. Eine schwere Krankheit fesselte Moses Reis in den letzten Wochen ans Bett; da durften wir seine alles in Liebe hinnehmende Demut bewundern, die nie ein Wort der Klage über seine Lippen kommen ließ. Nun stehen nicht nur seine Gattin, eine ebenbürtige Frau aus altjüdischem Frankfurter Haus, nicht nur seine zwei Söhne, die erzogen niinn >3na w run'm sein Glück bedeuteten, sondern auch eine große Zahl trauernder Freunde an seinem Grabe, Möge uns allen sein ni5T beistehen, möge vor allem unsere Gemeinde das große Erbe, das er hinterlassen, mit seinem Pflichtbewußtsein und mit seinem Ernst übernehmen. n"Tnn K. F. Die Frankfurter Woche. Jakob Dahlheim V"T' Am 3Kon3»'A verschied in Zürich Jakob D a h 1 h e i m. Räumlich seit einigen Jahren von Frankfurt getrennt, gehörte er mit seiner Sehnsucht, seinem Denken und Fühlen seiner Geburts- und Heimatstadt. Verehrt von Frau und Kindern, geschätzt und geachtet von einem Freundeskreis, den er sich in Zürich bald erworben hatte, verband ihn mit Frankfurt so viel, daß er in.der Ferne nid ganz heimisch werden konnte. Jakob Dahlheim bn war ein Edelmensch, wie es in unserer Zeit wenige gibt, von tiefer Herzensfrömmigkeit beseelt, hilfsbereit, wo immer es galt, seelische und materielle Not zu lindern, einm^ «pm diVe7 am«» Es trauert um seinen Heimgang in Frankfurt und darüber, hinaus, wo man ihn kannte, ein großer Freundeskreis. Einen wahrhaft treusorgenden Vater hat sein Lieblingskind, die Löb Reis'sche Synagoge am Hermesweg, verloren. Seit dem Tode von Jakob Posen >"2tt/ mit dem ihn innige Freundschaft verband, war er ihr erster Vorstand und Mitglied der Verwaltung der Religionsschule im Hermesweg und in der Unterlindau. Jeder äußerlichen na? abhold, galt seine Sorge seiner „Schul", für die er unermüdlich, ohne in der Oeffentlichkeit davon viel Reden zu machen, arbeitete. Sein größter Kummer war es, als er durch die Verhältnisse der Zeit zur Untätigkeit verurteilt war, nicht mehr so helfen und Not lindern zu können, wie es sein echt jüdisches Herz gewohnt war und wie er es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte. Sein Andenken wird in den Herzen derer, die ihn kannten, besonders aber bei den Besuchern der Löb Reis'schen Synagoge fortleben, als das Andenken an einen ihrer Besten. Sie alle, vorweg aber seine um ihn trauernde Familie, möge '"fi trösten. Q'^Brrpiji»» •>VaR ns? ■ rraxjn Aus Rödelheim. Am vergangenen inru rav fand in der altehrwürdigen Synagoge der Gemeinde Rödelheim eine schlichte aber würdige Feier statt zu Ehren des seit 40 Jahren bei uns. wirkenden Lehrers und Kantors Herrn Julian Zinkes. Größere Ehrungen hatte Herr Zinkes, der auch in Frankfurter Kreisen kein Unbekannter ist, in seiner Bescheidenheit abgelehnt. Herr Zinkes war seiner Gemeinde in all den Jahren nicht nur Lehrer und Kantor, sondern auch ihr treuer Seelsorger und er erwarb sich im Laufe der Jahrzehnte das Vertrauen aller Gemeindemitglieder, Auch über den Kreis seiner Gemeindemitglieder hinaus in Rödelheim erfreut sich der Jubilar allgemeiner Achtung und Beliebtheit. Wie sehr er in seiner Gemeinde verwurzelt ist, geht daraus hervor, daß ihn die Gemeinde schon seit Jahren zum ersten Vorsitzenden, der seit 130 Jahren bestehenden Chewrah Kadischah (Beerdigungsbrüderschaft) gewählt hat. Seit 40 Jahren gibt Herr Zinkes jeden Samstag nach dem Morgeng'ttesdienst Schrifterklärungen zum Wochenabschnitt, und seit 25 Jahren hält er vor dem Nachmittagsg'ttesdienst einen Chumisch-Raschi-Schiur ab, der sich stets regen Besuches erfreut. Um den heutigen Interessen der Jugend Rechnung zu tragen, hat Herr Zinkes seit ca. 1% Jahren einen Iwrith- Kurs eingerichtet, der von fast allen jüngeren Gemeindemitgliedern besucht wird. Wir wünschen dem Jubilar noch recht lange Jahre segensreichen Wirkens. •»"»1>i* Die Stelle unseres Rabbiners wird voraussichtlich demnächst n e u zu besetzen sein. Jüngere Herren, die im Besitze der riKTlD mnn sind und über rednerische Begabung verfügen, belieben ihre Bewerbung unter Angabe ihres Lebenslaufes dem Vorstand des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands, Köln, Hohenstaufenring 19 baldigst einzureichen. Kontoristin perf. in Stenographie u. Maschinenschr. u. gut. englisch. Sprachkenntnissen per sof. gesucht. Gehalt nach Tarif. Julius Berne! Spittlertorgraben 7 Nürnberg. Alleinw. Herr i. holl.' Prov.-Stadt sucht zur Führung s. kl. Haus. frommes gebildetes Mädchen ungef.25J.alt. Off.m. Bild u. Ang. dergeist. u. relig. 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