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Der Israelit · 1935-08-15 · Heft 33 (15.8.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 33 (15.8.1935)
Date
1935-08-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 33 Der Israelit .15. August 1935 Polen. Wegen judenfeindlicher Ausschreitungen verurteilt. Warschau, 11. August. Vor dem Kreisgericht in Plock fand die Verhandlung gegen elf Mitglieder eines Arbeitslagers statt, die am 9. Juni d. J. in dem Städtchen Radcionz judenfeindliche Ausschreitungen hervorgerufen, die Fensterscheiben jüdischer Häuser zertrümmert, ein jüdisches Geschäft geplündert und der einschreitenden Polizei Widerstand geleistet hatten. Von den Angeklagten wurden einer zu zehn, sechs zu sechs und einer zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Zwei wurden" freigesprochen. Die Misrachi-Weltkonferenz in Krakau. Krakau, 12. Aug. Am Sonntag wurde im Saale des Lichtspieltheaters Atlantic die Misrachi-Weltkonferenz eröffnet. Im Präsidium sitzen neben Rabb. Meier Berlin u. a. Rabbi Ami el, Antwerpen; Rabb. Fischmann, Jerusalem; H. Farbstein, Warschau. Rabbi Fischmann gab einen Ueberblick über die wichtigsten Aufgaben der Konferenz. Es wurde ein Begrüßungstelegramm von Oberrabbiner Kuk verlesen, das mit einem Huldigungstelegramm und den Wünschen baldiger voller Genesung von der Versammlung beantwortet wurde. Nach den üblichen Begrüßungen und Erwiderungen, sowie Gedenkworten zu Ehren der Verstorbenen zog sich die Konferenz am Nachmittag zu einer internen Sitzung zurück. Litauen. Zur zweiten litauischen Landeskonferenz von Zeürei Agudas JisroeL Kowno, 12, Aug-. Fast gleichzeitig mit dem westeuropäischen Treffen in Antwerpen findet auch in Osteuropa ein Treffen statt; auf den 19. Men. Aw (18. Aug.} ist die zweite litauische Landeskonferenz von Agudas Jisroel angesetzt. Es sei uns hier erlaubt/ den Grund zu suchen für die Tatsache, daß Litauens Orthodoxie erst so spät den Weg zur agudistischen Weltorganisation gefunden, und einen kurzen Ueberblick zu geben über das bisher Geleistete. Der litauische fromme Jude ist von Haus aus ein Individualist reinsten Wassers. So konnte auch nur aus litauischem Boden die Mussar-Bewegung hervorwachsen, denn sie stellt jeden Einzelnen auf sich selbst, heißt ihn sich besinnen und den Weg, den er einzuschlagen bereit ist, wieder und wieder zu überprüfen und das alles — in einem, wie wir es nennen wollen, monologistischen Dialpg mit dem Mussar-ISO Von diesem Gesichtspunkt aus wäre es verfehlt, ja zwecklos und falsch, den Mussar, wie er in Litauen gemeistert wird, einfach in ein anderes Land verpflanzen zu wollen. Auch in der litauischen Lernmethode ist dieser Individualismus stark ausgeprägt. Weil jede mao z. B. stark auf psychologischen Grunderkenntnissen beruht, die man aus sich schöpft, sie anwendet, ohne vorher deren Allgemeingültigkeit bewiesen zu haben. Diese Allgemeingültigkeit wird gewöhnlich abhängen von dem mir-Wissen des Betreffenden, aber dieser (hier höchst oberflächlich skizzierte) Derech Halimud macht den Lernenden egozentrisch, selbstisch und eigenbewußt. So war es denn gewaltig schwer, diese Individualisten in eine Organisation zusammenzuschließen, in eine Organisation, die nicht nur vereinzelte Bereiche in ihre Sphäre zieht, wozu der Individualist noch bereit wäre, sondern das ganze Leben in seiner ganzen Vielfarbigkeit und Vielseitigkeit beherrschen will. Daher führte jeder vom alten Lamdonim-Geschlecht ein Eigendasein, besorgte sich nicht um das, was in der Jugend vor sich ging — bis er eines Tages bemerkte, daß ihm selbst" gewichtige Teile der frommen Jugend verloren gegangen waren, die den Anschluß ans misrachistische oder gar revisionistische Lager gesucht und gefunden hatten. Man begann es zu versuchen mit dem neutralen Tifereth Bachurim; aber dies zeitigte nicht den ge- Die Woche. Berlin. Der „Hilfsverein der deutschen Juden" gibt bekannt, daß er von nun an sich nur noch „ H i 1 f s v e r e in der Juden in Deutschland,, betiteln wird. — Der Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland hat in Gemeinschaft mit der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde, Berlin, eine aus bewährten Künstlern bestehende Wanderbühne gegründet, die in der Provinz spielen und auch die einzelnen Kulturbünde im Reiche mit nötigen Kräften versorgen wird. München. In der Münchener Ausgabe des „Völkischen Beobachters" Nr. 221 werden endgültige Zahlen aus der Volkszählung vom 16. Juni 1933 über die Bevölkerung Münchens wiedergegeben. Danach betrug zu diesem Zeitpunkt die Zahl der Juden in München 9005, was eine Abnahme gegenüber dem Jahre 1925 um 1063 bedeutet. Warschau, Gegen den Willen der nationaldemokratischen Stadtverordneten von Bromberg hat die polnische Regierung das von einer Bromberger Jüdin in Amerika gestiftete Legat von einer halben .. Million Dollar für die jüdischen Armen der Stadt bestätigt. Die Nationaldemokraten gaben sich alle Mühe, das Legat allgemein städtischen Zwecken zuzuführen. —- Bei der Durchführung von Kanalisationsarbeiten in Bialystok sind in den Wänden der dortigen Großen Synagoge tiefe Risse entstanden, Eine Baukommission hat festgestellt, daß für die Synagoge Einsturzgefahr besteht. Ihre Räumung wurde angeordnet. Bei der jüdischen Bevölkerung hat die Nachricht von der Gefährdung der historischen Synagoge einen tiefen Eindruck gemacht. — Im Laufe dieser Woche reisten 850 Olim aus Polen nach Palästina ab. Ein Transport von 500 Personen wurde über Konstanza, ein zwei- . ter von 350 Personen über Triest abgefertigt. Wifina. Im Rahmen der vom Jiddischen Wissenschaftlichen Institut einberufenen WeltkuliuHagung wird am 17, August ein „Tag der Jiddischen Kultur" veranstaltet. Bisher haben neun Schriftsteller Referate für den Literaturtag angekündigt. Lemberg. In R a w a R u s k a ist Rabbi Leibusch Rokeach, ein Sohn des alten Beizer Rebben und Vetter de« heutigen Rabbi in Beiz, im Alter von 85 Jahren gestorben. Rom. Mussolini hat den Oberrabbiner von Alexandrien, Prof. David P r a t o , in längerer Audienz empfangen und unterhielt sich mit ihm in herzlicher Weise über jüdische Angelegenheiten. Prato. gilt bekanntlich als Kandidat für den Oberrabbinerposten in Rom. Paris, Der Oberrabbiner von Marokko, Raphael E n c a c u a de S a 1 e , ist in Raba, seinem Amtssitz, im 89, Lebensjahre gestorben. Er galt als einer der größten talmudisohen und kabbalistischen Autoritäten in der nordafrikanischen Judenheit. Sofia. Ein Antisemiten- Trupp aus dem Verbände „Rodna Saschtita" rottete sich gegen das Gemeindehaus der Aschkenasim zusammen und riß die Schilder herunter. Dieser bulgarische „Verband, der eine Zeitlang verboten war, scheint nun seine Tätigkeit mit Judenexzessen wieder aufzunehmen. Man-, ehester. Die 300 Jugendlichen der „Jewish Lade Brigade" in Manchester haben die Auszeichnung erhalten, sich „die bestorganisierte Kadetteneinheit in England" nennen zu dürfen. Jerusalem. Der 9. Aw ist in Jerusalem ruhig verlaufen. Der Pilgermarsch am Vorabend zur heiligen Mauer war dieses Jahr noch stärker denn je und umfaßte viele Zehntausende, so daß in den umliegenden engen Straßen sich die Massen drängten und lange anstehen mußten, bis sie an die heiligen Steine herankommen konnten," doch verlief alles in bester Ordnung, — Die Judenstaatspartei, der erst die Genehmigung von den Behörden versagt worden war, wurde nun nach Aenderung ihrer Statuten von der Palästinaregierung legalisiert. — In das Vereinsregister wurde ein Arabischer Nationalfonds eingetragen, mit der Aufgabe, in Palästina Grund und Boden zu erwerben und ihn zu kultivieren. — In Tel Awiw wurde eine Gesellschaftzur Förderung des polnisch-palästinensischen Handels, gegründet. Tel Awiw. Die Arbeiterkrankenkasse „Kupath C h o 1 i m " zählt, nach ihrem jetzt erschienenen Tätigkeitsbericht, 44.000 Mitglieder. wünschten Erfolgr Bis endlich vor zwei Jahren einige weiter blickende Männer eine vom Ausland nicht weiter beachtete Konferenz in Schaulen zusammenriefen, auf deren Tagesordnung auch der Punkt stand „Anschluß an eine orthodoxe Weltorganisation", Mit dieser Konferenz (Tamus 5693) erstand offiziell die litauische Agudas Jisroel unter dem Namen Zeirei Agudas Jisroel. Man begann die Arbeit mit Erez Jisroel als dem „Schlüssel zur jüdischen Neschomoh" (wie man damals sagte). Es fanden sich junge Idealisten, die ohne jede sichere Aussicht auf ein Zertifikat sich bereit _ erklärten, auf eine agudistische --Hachschara zu gehen. Die agudistischen Chaluzim wurden populär und beliebt wegen ihrer strengen Redlichkeit, man erhielt Zertifikate, gründete neue Kibbuzim in allen mögliehen Städten und Städtchen, so daß es uns heute sehr 'schwer fällt, den vielen wartenden Chaluzim mit der kleinen uns zur Verfügung stehenden Zahl Zertifikate auch nur einigermaßen gerecht zu werden. Die Zeitung „Idischer Lebn", welche bald nach, der Konferenz als zwei- Wochen-Blatt erscheinen konnte Und seit einigen Wochen zum wöchentlichen Blatt wurde, trug s«hr viel dazu bei, die agudistischen Gedanken in weitesten Kreisen bekannt zu machen. Man kam den Jeschiwoth zu Hilfe mit dem „Fond für arme begabte Jeschiwah-Bachurdm", der schon erkleckliche Summen verteilen konnte, gründete eine orthodoxe Handwerker-Organisation „Owadjah", die dem Merkas Zeirei Agudas Jisroel untersteht, eröffnet in Kürze Fachschulen usw. Agudas Jisroel wurde bereits zum beachtlichen Faktor innerhalb der litauischen Judenheit insbesondere und der Gesamtjudenheit überhaupt, was auch das Interesse, das prominente Persönlichkeiten aus Erez Jisroel, Polen, Deutschland und den Randstaaten an der zweiten Konferenz nehmen, beweist. Und wir erhoffen von diesem Treffen einen weiteren starken Aufschwung des agudistischen Lebens und wünschen ihm eine recht stattliche Beteiligung, auf daß die Konferenz zur machtvollen Kundgebung eines geschlossenen orthodoxen litauischen Judentums werde. Frankreich. Gegen einen Legislative Council in Palästina, P a r i s , 12. August. Die Exekutive der Weltunion der Zionisten-Revisionisten hat dem englischen Minister für die Kolonien, Malcolm Macdonald, und dem High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchope, ein ausführliches Memorandum übersandt, in dem der Beunruhigung über die offensichtlich erneuten Bemühungen, die Einsetzung eines Legislative Council in Palästina zu beschleunigen, Ausdruck gegeben wird. England. Die Aufgaben der Weltkonierenz Jüdischer Auslandspol^n. London, 9. August. An der ersten Weltkonferenz der Verbände im Ausland lebender polnischer Juden, die in London in der Zeit vom 7» bis 11. September stattfindet, werden auch hervorragende jüdische Führer aus Polen selbst, jedoch nur als Beobachter, teilnehmen, da die in Polen lebenden Juden keine eigene Vertetung auf dem Kongreß haben. Der Verband der p o 1 n i s chen Juden in Amerika entsendet zur Konferenz eine Abordnung von fünf Delegierten, aus Kanada kommen zwei, aus Palästina fünf Delegierte, ferner sind Abordnungen au« Oesterreich, Frankreich, B e 1g i e n, Holland, Rumänien, Italien, Griechenland, Mexiko und anderen Ländern angemeldet. Der jetzt in Holland lebende frühere Vorsitzende des Verbandes der Östjuden in Deutschland, Dr. Taubes, bereist zurzeit alle europäischen Länder, um die Landsmannschaften polnischer Juden für die Weltkonferenz vorzubereiten. Neben den Verbänden in Amerika und England wird der Verband der polnischen Juden in Palästina, der 30.000 Mitglieder umfaßt, auf der Konferenz eine besondere Rolle spielen. Einberufer sind die Verbände polnischer Juden in England, Amerika und Palästina.

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