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Der Israelit · 1935-08-15 · Heft 33 (15.8.1935) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 33 (15.8.1935)
Date
1935-08-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Daß dies die! jüdische Geschichtsbetrachtung ist, beweist Breslaüe'r aus einer reichen Fülle von Belegstellen aus dem jüdischen Schrifttum, die in so knapper Andeutungen dek Anmerkungenenthalten ist, daß es vielleicht bei einer zweiten Auflage^ zü empfehlen' wäre, diese im- Anhäng im Wortlaut ' zu bringen/ tf/ep. -auch üüt: wenige Seiten dieser »meisterhaften Zusammenstellung der Grundsätze jüdischer- Geschichtsauffassung durchgedachthat, wird sich rasch in die präg-- nante, kraftvolle, aber der Eigenartr der Gedanken angepaßte Sprache einlesen und auch die Schreibung der hebräischen Worte,- die bewußt der Aussprache angeglichen ist, verstehen. Die in einem geschichtlichen Wegweiser vielleicht zahlreicher erwarteten Geschichtsbilder, die. durch die erforderliche Kürze der Darstellung nicht, ausgeführt Würden, sowie die entsprechenden Hin- Korrespondenizen. Deutsches Reich., . Anträge, Forderungen und Verordnungen betreffend Ausschluß von Juden. Berlin, 9. August. Eine große Anzahl von Städten haben Beschlüsse gefaßt, bei städtischen Aufträgen nur solche Geschäfte zu berücksichtigen, die mit jüdischen Firmen in kei- . ner Verbindung stehen. U. a.- werden von der" „Frankfurter Zeitung" auch O p"l a d e n und Alsfeld in - Oberhessen genannt. Der Landesbauernführer der Landesbauernschäft B r a u n s c h w e i g hat, nach einem Berichte der „Preußischen Zeitung", im- Verkündungsblätt seiner Landesbauernschäft eine Verfügung erlassen, in der die Kreisbauernfhürer aufgefordert werden, diejenigen ehrenamtlich tätigen Bauern, die nach der Machtergreifung und auch heutenoch mit Juden Handel treiben, sowie sämtliche andere Bauern, die mit Juden handeln, zu melden, Auch die Handwerkskammer der Pfalz hat, nach einem Berichte der /.Rheinischen NS-Ffont" in Neustadt a. d. Hardt, in einem, Rundschreiben an sämtliche Innungen und Kreishandwerkschaften verfügt, daß es für jeden "Angehörigen der Partei: bei sofortigem Ausschluß verboten sei, mit Juden Verkehr zu pflegen oder in jüdischen Geschäften einzukaufen. Das gelte nicht allein für Parteigenossen, sondern auch für jeden Volksgenossen, Nach' einem Berichte der „Kölnischen Zeitung" haben die Gemeindeältesten von Ruppichteroth in ihrer letzten Sitzugn zur „Änsiedlung von!!Juden",, folgende Forderungen aufgestellt: 1. Kein Jude und keine Jüdin darf in der Gemeinde Ruppichteroth zuziehen. .2. Kein Jude darf ein Haus oder ein Grundstück in der Gemeinde'erwerben. 3,.- Kein Handwerker, kein Geschäftsmarin oder sonst ein. Volksgenosse erhält eine ..Gemeindearbeit. oder Gemeindelieferung, der noch mit-Juden Verkehr pflegt bezw. - diese in ihrem Händeln unterstützt. 4. Das Kaufen bei Juden bedeutet Verrat':am Volk undj damit an der Nation. •:;i'1 - Neue Bädersperren für Juden. r Berlin, 12. Angust. Das Baden in städtischen Schwimmbädern wurde, nach 'Zeitungsberichten, den Juden ferner verboten in M a g de b u r g wie in Fre i l as s i n g in Bayern^ Im M o o rba d e. F r e i e n w aide, ist, nach dem. . V. B., ein Plakat, angebracht, das Juden aus den -Mauern der Badestadt verweist'.; Im städtischen Freibad zu Bie 1 e f el d ist mit iVerordnung'des stellver-, tretenden Bürgermeisters den Jüdeiiider Zutritt ver- . boten. Ebenso hat die Polizeiverwaltung, in. Bad Hönningen : das Betreten des- Thermals c h w i m m b a:d e s- .verboten. Mit.sofortiger)' Wir-r kung: wurde das Sch.wanse.ebad in Weimar für Juden geschlossen.; .; ■ - .•<-■<■ weise auf die gesetzlichen Teile des "Judentums,- die an einer Stelle (Kap. 29^ als 'Beispiel herangezogen" wurden, hat Breslaue/r sicli für eine spätere Arbeit vorbehalten. Schön beim zusammenhängenden Lesen l1des Büiches spürt man die Kraft der "Gedanken. Besonders geeignet aber erscheint es als Leitfaden 'für Arbeitsgemeinschaften ernster, suchender Jugendvereine; es reiht dem iAppell ans Gefühl,-der aus S. Schwabs ^Heimkehr" spricht, den Appell an die Logik an, ^es sagt unserer JugencL, was :Schoeps und Gerson dieihre^ ahnen lassen. Wertvoll , ist es für jüdische Lehrer, die es zur Grundlage ihres Unterrichts in höheren Klassen machen können. Ein jeder aber, dem unsere Tage ein großes Fragezeichen noch sind, lese dieses Buch, und beruhigt und beglückt wird er das Golusschicksal tragen! y Als Vorsitzender des Landesverkehrsverban desHarz hat, nach einem Berichte der „Frankfurter Zeitung", Ministerpräsident Klagges an die Fremdenverkehrsplätze des Harzgebietes eine Anordnung erlassen, wonach u. a. die Entschließung bekanntzugeben sei, daß Juden in den betreffenden Orten unerwünscht seien. Die Aufnahme von Inseraten jüdischer Häuser in Werbeschriften oder Wohnungsanzeigern sei grundsätzlich abzulehnen. — Eine ähnliche Maßnähme wird von der Externst e i n - S t i f t u n g bekannt, die Juden den Besuch der Externsteine verboten hat. Gründe für Festnahme und Bestrafung wegen groben Unfugs. Berlin, 9, August. Das „Sc h w a r z e K o r p s " , die Zeitschrift der SS:, beschäftigt sich in einem längeren1 Aufsatz mit den Voraussetzungen, unter denen jedermann eine vorläufige Festnahme vornehmen dürfe (§ 127 StPO). Die Zeitschrift erklärt, daß an sich eine strafbare Handlung Voraussetzung für eine solche Festnahme sei. .Derartige Voraussetzungen lägen — wie das „Schwarze Korps" erklärt —- u. a. vor, wenn ein Jude sich tinter Mißbrauch seines G&strechtes mit einer deutschen Frau öffentlich sehen lasse, wenn er sich in einem öffentlichen Tanzlokal anmaßend benehme, oder wenn Juden sich in deutschen Bädern lärmend und auffällig verhielten. In allen diesen Fällen k ö n n e 'eine Festnahme und eine-Bestrafung wegen groben Unfugs (§ 360 StGB) erfolgen. „Jeder Volksgenosse — so wird weiter gesagt — der einen Juden bei der Begehung einer nach § 360 Ziffer II des Strafgesetzbuches strafbaren Handlung auf frischer Tat ertappt öder ihn unmittelbar, im Anschluß an die Tat; verfolgt, ist berechtigt, ihn festzunehmen." Immer noch jüdische Mischehen? Mannheim, 8. August. „Das Israelitische Gem'eindeblatt" in .Mannheim veröffentlicht einen Aufsatz über die Zahl der jüdischen Ehen und Mischehen,, die in Mannheim im Jahre 1934 geschlossen worden sind, In den letzten Jahren, so heißt es in dem Aufsatz, kam zu der Abnahme der jüdischen Eheschließungen die Zunähme der' Mischehen,' wodurch sich die Ziffer der reinjüdischen Ehen noch mehr verringerte. Jetzt ist die Zahl der jüdischen Mischehen in dauerndem Rückgang begriffen. Noch im Jahre 1933 waren 44 Proz. sämtlicher in Mannheim geschlossener jüdischer Ehen,'Mischehen, im Jahre 1934 nur noch 20 Pfoz. Von den 1934 insgesamt 35 geschlossenen jüda- cshen Ehen waren nämlich nur 7 Mischehen, dagegenim Jahre 1933:>von .45-'geschlossenen jüdischen- Ehen 20 Mischehen: : Trotz Rückgang der Gesamtzahl ider jüdischen Eheschließungen um 10, 'hat also die; Zahl die reinjüdischen Ehen' zugenommen, und zwar von 25 auf 28. Dabei-ist festzustellen, daß die Mischehen hauptsächlich 1 von jüdischen n Männern eingegangen worden sind. ...... ■ ' ■ •.-!«'.':;!,;• ,if.' ' ' .Y-"-: Mi ■ Deutsche Verleger und jüdische Autoren. München, 8. Aug. Die „Nationalsozialistische s Parteikorrespondenz" berichtet von folgendem Urteil des, O b e r I a nd e s- & c h t s M ü n c h e n : Ein!: Verleger .habe sich geweigert, das Buch eines jüdischen^ Autors,, über dessen Verlegung 1929 ein Vertrag abgeschlossen worden sei, zu drucken und zu vertreiben. Die Sache sei vom Oberlandesgericht München dahin entschieden worden, daß . die Klage des jüdischen Autors abzuweisen sei. Infolge der völlig veränderten politischen Verhältnisse könne einem Verleger aus wirtschaftlichen Gründen nicht zugemutet werden, die gemachten Zusicherungen zu erfüllen. Der Verleger sei nach § 275 BGB. frei von der geschuldeten Leistung. ' Ungarn. Das ungarische Judentum in Zahlen. Budapest, 8. August. , Bemerkenswerte statistische Daten über das ungarische Judentum hat Dr. Ernst Winkler in einer soeben erschienenen Studie veröffentlicht. Laut der Volkszählung im Jahre 1930 betrug die Gesamtbevölkerung Ungarns 8.688,319, die jüdische Bevölkerung 444.567 Seelen. Seit dem Weltkriege ist ein starker Rückgang der jüdischen Bevölkerung zu verzeichnen. Während 1920—30 die- Gesamtbevölkerung des Landes um 8,7 Proz. anstieg, sank die Zahl der Juden um 6.1 Proz. (28.788 Seelen). Die Fruchtbarkeit der jüdischen Ehen hat seit dem Kriege wesentlich abgenommen. Die Zahl der ungarischen Juden, die den Kongreßgemeinden angehören, beträgt 302.145, die der Orthodoxie 124.982, die der status quo-Gemeinden 17.440, Iii Ungarn gibt es heute 105 Kongreß- Muttergemeinden und 84 FiHalgemeinden. In diesen wirken 44 Rabbiner, 6 Rabbinerstellvertreter und 132 Religionslehreri Von sämtlichen Elementarschulen des Landes machten die der jüdischen Konfession i. J. 1932 nur 2,3 Proz. aus. Die Zahl der jüdischen Lehrer stellt 1,8; Proz, der Gesamtlehrerschaft dar. Rumänien. Rumänischer Brief, Bukarest, 12. Aug. Die Lage der Juden in Rumänien läßt sich mit kurzen Worten so zeichnen: Von den Regierenden und zuständigen Ministerstellen werden beruhigende Erklärungen gegeben, : im Volke aber treiben die von gewissen Hetzern ausgestreuten Saaten nach wie vor ihre Früchte, die im Moldaustaat stets einen günstigen Boden haben. An Stelle des Numerus clausus tauchte vor einiger Zeit der Numerus Valachius auf, der sich, nicht allein gegen die Juden, sondern gegen alle nationalen Minderheiten in Rumänien richtet. Nach dem Gesetze des „geringsten Widerstandes" hat sich aber die vom ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Alexander Vaidä V o e v o d geführte Bewegung insbesondere die Juden zur Zielscheibe genommen. Die Entwicklung des Parteilebens in Runrjpien hat aber jetzt zum Zusammenbruch dieser Bewegung geführt, ihr Organ „Frontul Romanesc"' hat sein 'Erscheinen eingestellt. Ob die Mähner der; Vaidagruppe nichts bei den an- ' deren verwandten und ähnliche Ziele verfolgenden Organisationen Unterschlupf finden, bleibt abzuwarten. Die Polizei ist überall zur Stelle, um Ueberspitzung und Ueberhitzung der Leidenschaften zu verhindern. Im lieblichen Bade, das auf den Namen der feinsinnigen und menschenfreundlichen Ddchterkönigin Carmen Sylya lautet, hatte sich ein Lager der natiönalchristlichen Jugend aus der Cuza- und Gogapartei /breitgemacht, dessen Mitglieder die Aufgabe übernommen hatten, die jüdischen Gäste zu belästigen und möglichst zu vertreiben. Nunmehr hat auf Anordnung der Verwaltung die Polizei das Lager aufgelöst, was nicht ohne Kampf abging. - Die jungen Cuzisten leisteten Widerstand bis aufs Aeußerste und ergaben sich erst, als alle ihre Abwehrmdttel erschöpft waren. Es herrscht eine optimistische Stimmung unterden Juden inBezug auf ihre politische Lage, die, sich auf manche untrügerische Symptome stützt.

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