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Der Israelit · 1935-08-15 · Heft 33 (15.8.1935) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 33 (15.8.1935)
Date
1935-08-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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15. August 1935 Der Israelit Nr. 33 Seite 5 j r o g r a m m a t i s c h en P1 a 11 f o r m für ihre Betätigung , der über ihre Wünsche und Ziele Maren Aufschluß gibt. Die Ziele sind weit, sehr -weit gesteckt. Die ,,Neue Zionistische Organisation" wünscht nicht mehr und nicht weniger, als einen j ü d i s c h e n Staat in Palästina mit allgemeinem freiem Stimmrecht, parlamentarischer Vertretung, einer eigenen Regierung, eigener Steuerhoheit, Vertretungen beim Völkerbunde und bei den einzelnen Regierungen. Vorbedingung zur Erreichung dieses Zieles sei eine Ausbreitung der jüdischen Kolonisation im West- und Ostjordanland durch eine entsprechende Bodengesetzgebung, freie Einwanderung, Schutz der Landesproduktion, Ueberführung der Touristen zur produktiven Siedlungsarbeit, Mitbestimmungsrecht des jüdischen Volkes bei allen Institutionen gesetzgeberischen Charakters, Beseitigung aller fundamentalen Mängel der Mandatspolitik usw. Die NZO. jglaubt an den loyalen Willen der britischen Nation, alle Mandatsverpflichtungen zu erfüllen, und -dekretiert ihrerseits die unerschütterliche Loyalität Israels der britischen Nation gegenüber. Es wäre müßig, sich mit dieser „radikalen Liquidierung des Golus", die ein Wunschtraum "bleibt, allsolange diese Wünsche den Adressaten, die britische Weltmacht und den Völkerbund aiicht erreichen, irgendwie auseinandersetzen zu -wollen. Wichtiger erscheint uns, was in diesem Entwürfe über die geistige Struktur des ~von der NZO. mit dem Geistesauge bereits gesehenen neuen Palästina enthalten ist, Wir lesen «darüber wörtlich: „In den letzten Jahren ist - bei einem Teil der Chaluzim, weil in der Hauptsache der Lehre des IKlassenegoismu« verfallen, der Stolz des Leidens für eine Sache dem Geist der persönlichen materiellen Vorteile gewichen. Die NZO., die im Namen der Aermsten unter den Juden der Welt auftritt, die -erfüllt ist vom Glauben an jenes Ideal sozialer Gerechtigkeit, das in der -sinaitischen Lehre und b e i den Propheten niedergelegt ist, die NZO. ruft die jüdische Pionier-Jugend zu Opfern und Leiden auf, auf daß der jüdische Staat einst die Erfüllung jener sozialen Vision verkörpern könne. Es wird des Volkes Pflicht und eine der Hauptaufgaben jener öffentlichen "Fonds sein, die Opferleistung der Jugend damit zu "beantworten, daß es ihr zu einem gewissen Maß wirtschaftlicher Unabhängigkeit verhilft." Es ist unseres^ Wissens zum ersten Male, daß eine zionistische Körperschaft, außer dem Mis- Tachi, von Idealen, die in 'der sinaitischen lehre und bei den Propheten niedergelegt sind, spricht, und diese mit zur Plattform ihrer Betätigung macht. Leider ist nicht mit aller Deutlichkeit gesagt, wozu die Sinaiideale die jüdische Pionier jugend verpflichten und welcher Art die Opfer sein sollen, die von ihr verlangt werden. Wäre es nicht sehr billig, von der jüdischen Pionierjugend das kleine Opfer zu verlangen, daß sie beispielsweise auf Vergnügungsfahrten und Fußballspiele am S a b bat, der doch zumindest ebenso wie „das Ideal der sozialen Gerechtigkeit" in der sinaitischen Lehre und b ei den Propheten sein Fundament hat, verzichtet? Wir wollen nicht sagen, daß die „Neue Zionistische Organisation" dieses Opfer von ihrer Jugend nicht verlangt, aber eindeutig ausgesprochen ist es in dem veröffentlichten, an kühnen Wünschen und Maximalf orderungen in politischer Beziehung gerade nicht armen Entwurf für dieprogrammatische Plattform ihrer Tätigkeit nicht. Wo wir hingehören ... s In einer" Zeit, da uns überall in Stadt und Land mit Plakaten und Warnungstafeln zu Bewußtsein gebracht wird, wo wir nicht hingehören, werden zwei Bekanntmachungen uns in Erinnerung gebracht, ergreifende letzte Dokumente des Chofez Chajim, die dem Juden sagen, wo er hingehört. Man kann nicht umhin, daran zu denken, daß manche Ermahnung von anderer Seite uns vielleicht erspart bliebe, wenn das jüdische Volk in seiher Gesamtheit die letzten Mahnungen des alten Weltweisen von Radin in all ihren Teilen erfassen, beherzigen und betätigen wollte. Zum zweiten Mal werden wir in den kommenden Tagen das Jahrzeitsgedenken des Chofez Chajim begehen. Noch kurz bevor er die Augen geschlossen hatte, 'diktierte., er seiner Umgebung die beiden Aufrufe an das jüdische Volk in die Feder. Der eine Aufruf unter dem Titel bW212 WlTlb beschwört die Eltern, ihre Kinder nicht der unjjidischen Schule zu überantworten und, wo der verderbende Einfluß von Straße und Schule unvermeidlich' ist, die Kinder durch dag Gegengift des Thorastudiums auf der Jeschiwa immun zu machen und deren Seele für das Judentum zu retten. „Wer sein Kind ohne gesetzliche Not einer Schule der G'ttesleugnung zuführt, der hat sein Kind mit Händen dem Moloch zugeführt ..." Der zweite Aufruf richtet sich in ergreifenden Worten an die jüdische Frau, die Hüterin der jüdischen Reinheit im Hause und in der Familie. Wortreich wird der Rabbi bei der Schilderung der sittlichen Gefahren, die aus einer Lockerung der Znius-Gesetze für die Zukunft unseres Volkes drohen. Und jedes Wort ein Seufzer, ein Notschrei aus einer großen jüdischen Seele, die die letzte Erlösung ahnt, auf dem Marsche sieht, aber aufgehalten sieht von der Pflichtvergessenheit einzelner jüdischer Söhne und Töchter. „Wir finden und scharen uns um das jüdische Gesetz in seiner Totalität, unter Beachtung der kleinsten Vorschrift als eines wichtigen Gliedes in der Kette, und wir bewirken auf diesem Wege die Rettung des Judentums, die Rettung der Judenheit, die Rettung der Welt." Indem uns die Sachwalter des großen Erbes von Radin diese Vermächtnisse noch einmal in Erinnerung rufen, appellieren sie an die jüdische Welt, daß sie sich jetzt noch mehr den ewigen Mussarwerken des Chofez Chajim zuwende, deren Erlös den Pflanzstätten der Thora, den. Jeschiwoth in Litauen und Randpolen, zufließt. Nie zu einer anderen Zeit waren die Werke des Chofez Chajim so aktuell wie heute, als Wegezeichen, die uns sagen, wo wir hingehören .. . * Trosi aus Trümmern. Der Prophet, der in diesen Wochen siebenmal seine Stimme erhebt, um uns zu trösten und aufzurichten, hat den eigentlichen Zusammenbruch nicht erlebt, die Ruinen, aus denen er uns in den prächtigsten Wortbildern den Tempel neu erstehen läßt, nicht gesehen. Nicht aus Trümmern, wie später Jirmejahus Lied, dringt sein Trostruf, aus G'ttes Haus kommt er, das damals noch auf Zions Höhen in voller Pracht stand. Noch sitzt auf Davids Thron der fromme Chiskijah, dessen Szepter ein „Stab G'ttes" ist, in dessen Tagen von Grenze bis zur Grenze, nach einer Feststellung des Talmuds, kein Kind anzutreffen war, das nicht bewandert gewesen wäre in allen Teilen von Gesetz und Lehre. Wohl' sah das prophetische Auge, nach der östlichen Reichshälfte gerichtet, Verödung an Stelle der von den Stämmen Israels verlassenen Haine und Weinberge. Wie ein drohender Finger wies von den Einöden Samarjas nach Judäa: „Haltet treu und fest zu eurem G'tte, auf daß ihr nicht das Schicksal der Brüder teilet!" In Zion und Jerusalem selbst war das Volk noch nicht in dem Maße des Trostes bedürftig, wie ihn der Prophet spendet. Aber er die künftige Entwicklung des Dorfes außerordentlich günstig beeinflussen wird. In Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der zoologischen und botanischen Abteilungen der Hebräischen Universität Jerusalem wird eine wissenschaftliche Expedition der Universitäten Birmingham und Oxford eine gründliche Bestandsaufnahme der T i e rii nd Pflanzenwelt des "Hui eh- Tales vornehmen. Diese Arbeit hat zunächst eine streng wissenschaftliche Zielsetzung, dürfte aber zugleich der Neuersehließung des Nordens Palästinas dienen, die mit der Ansiedlung jüdischer Landwirte im Huleh-Tal "begonnen hat; In Kirjath Anawim bei Jerusalem wurde der Grundstein für ein neues landwirtschaftliches Institut gelegt, das .sieh der Schädlingsbekämpfung widmen soll. Die Anstalt steht im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Versuchsstation der Jewish Agency Rechowoth und wird von Prof. Dr. Bodenheimer, dem Zoologen, der Hebräischen Universität Jerusalem, geleitet werden. Einen der wichtigsten Punkte in den Zukunfteplanen der Universität bildet die Errichtung eines Landwirtschaftlichen Institutes; Die Durchführung stößt, jedoch auf zahlreiche Hindernisse. Das bisherige Fehlen eines solchen Institutes wird in den Kreisen der Studenten besonders schmerzlich empfunden, die ihre theoretischen Studien dem realen Aufbau des Landes nutzbar zu machen wünschen. Aus dem Willen heraus, die Errichtung des Landwirtschaftlichen Institutes zu beschleunigen, haben die Studenten im Amphitheater auf dem . Skopusberge eine öffentliche Demonstration veranstaltet, um die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit^ für den Gedanken zu gewinnen und die Universität auf diese Weise bei der Durchführung des Planes zu unterstützen. (WalHschiund in Palästina.) 12 Kilometer von Herzliah entfernt wurde ein großer Walfisch an den Strand gespült. Etwas derartiges hat sich in den letzten Jahrhunderten nicht ereignet, denn in keiner der zahlreichen Reisebeschreibungen Palästinas, die in den letzten Jahrhunderten gedruckt wurden, findet sich irgendeine Erwähnung — sei es von Augenzeugen, sei es auch nur auf Grund Hörensagens — die darauf schließen läßt, daß eines dieser riesigen Säugetiere, die im Norden des Atlantischen und des Stillen Ozeans zu Hause sind, in der Nähe Palästinas aufgetaucht wäre. Auch in Europa nähert sich der Walfisch nie dem Ufer. Die englische Chronik berichtet es als ein großes Wunder, daß im Jahre 1769 das Meer einen großen Walfisch an das Ufer des Firth of Förth spülte, dessen Länge 16.20 m betrug. Der jetzige Fund also ist der erstaunlichste und wichtigste in der Tierwelt Palästinas. Die Hebräische Universität hat das Skelett dieses Riesen ihrem zoologischen Museum einverleibt. (Münz1 Maimonides Buch in Hebräisch und Englisch.) Die bekannte Maimonides-Biographie des Rabbiner Dr. J. Münz, der jetzt mit seiner Familie in Palästina lebt, ist in gekürzter Neubearbeitung in h e b räiseher Sprache erschienen. Die Herausgabe erfolgte durch den Omonuth-Verlag unter Förderung durch die Kulturkommission Jerusalem als Schul- und Jugendbuch. Die 'Stadtverwaltung Tel Awiw hat bestimmt, daß allen im „Rambamjahr" zur Entlassung kommenden Schülern und Schülerinnen dieses Buch in besonderem Geschenkband mit einer Widmung der Stadt überreicht wird. — Gleichzeitig erschien in dem Verlag The Winohell-Thomas Company, Boston USA., eine (textlich ungekürzte) englische Ausgabe, die in besonders hohem Maße Ver- ' breitung und Anerkennung gefunden hat. Die Uebersetzung erfolgte durch den amerikanischen Schriftsteller Dr. H. T. Sehnittkind. — Eine abgekürzte neue deutsche Auflage ist in Vorbereitung. Wochenkalender. Von. 17. — 24. August 1935 / Vom 18. — 25. Ab 5695 "»Öl»!p Samstag 17 18 'na twa & Sonntag 18 19 Montag 19 20 ib Dienstag 20 21 nb Mittwoch Aug. 21 3K 22 •b Donnerstag 22 23 tb Freitag 23 24 nb Samstag 24 25 & npy snnn y^sa nm Mauled: Donnerstag vorm. 10 Uhr 12'/ä Min.

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