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Der Israelit · 1935-08-15 · Heft 33 (15.8.1935) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 33 (15.8.1935)
Date
1935-08-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr, 33_' Heiligtums in die Verbannung getrieben wurden, da verbannte sich die Schechina nicht mit ihnen; aber als .die Schulkinder in die Verbannung getrieben wurden, da verbannte sich die Schechina mit ihnen . . .", wenn er so allem Egoismus den Kampf ansagte und die Arbeit für das jüdische Kind — den Jüngling durch den Keren Hatorah und das Mädchen durch Beth Jakob — als das letzte Ziel erkannte, dann dachte er an die vielen Hemmungen, die Unverstand und Herzensenge der Erreichung dieses Zieles entgegentürmten! Er hat aber alle Schwierigkeiten gemeistert, weil sich an seinem reinen Willen aller Widerstand schließlich brechen mußte! Und so erstanden ihm die Helfer in aller Welt, die für Beth Jakob gaben, weil sie ihm huldigen wollten! Und solche Huldigung, .die dem Werk diente, 1 ließ er sich gefallen, nur solche! Vor wenigen Tagen hat er erst sein 45. Lebensjahr vollendet! Wer denkt da nicht an den Lubliner Raw, an Meir Schapiro, den Freund, mit dem er sich so trefflich verstand: Beide hatten ihr Leben der Agudas Jisroel verschrieben, beide gingen auf der Höhe von uns, nachdem sie Uebermenschliches geleistet hatten, beide leben fort in Tausenden und Abertausenden, deren durch sie der Tauroh zugewandtes Leben zu einem nie verklingenden WTj? wird, beide konnten draußen eine neue jüdische Welt erbauen, weil ihnen drinnen die Welt ihres privaten Lebens von einer edlen, selbstvergessenen *1TS? geschirmt wurde. Meir Schapiro — Leo Deutschländer — hier der deutsche Doktor, dort der polnische Godaul — sie kamen aus zwei Welten und fanden sich, D e r I s r a e 1 i t sie, denen beiden Vaterglück versagt war, als Väter und Erzieher ungezählter, tausender junger Menschen. Solange Lublins Jeschiwa steht, wird aus jedem ihrer Sjteihe ein sehnsüchtiges Klagen tönen nach Meir Schapiro — solange Krakaus Seminar steht, wird aus jedem seiner Steine ein sehnsüchtiges Kla gen tönen nach Schmuel Deutschländer! Und hunderttausend Herzen entströmt -die Klage, die Rabbi Meir Rotenburg einst um die beiden Größten'unseres Volkes anstimmte: im» iT'V-'XK nnap!? unn bruz '\t -'To ms/m So weinen wir, und aus ünserm Schmerz steigt die Frage: Wie soll unser Leben weitergehn — ohne Leo Deutschländer? Ohne ihn der Keren Hatorah — ohne ihn Beth Jakob — ohne ihn Agudas Jisroel — ohne ihn seine Frau — ohne ihn seine Freunde — ohne ihn die jüdische Welt, die einen ihrer bedeutendsten Menschen in Leo Deutschländer verloren hat!! In einer seiner Veröffentlichungen über den Keren Hatorah spricht Leo Deutschender von den großen Männern, die wir in kurzer Folge verloren haben: vom Chofez Chajim, dem Gewissen unserer Zeit — vom Czortkower Rebbe, der Seele unserer Bewegung — von Rabbi Meir Schapiro, dem kraftvollen Liebling unseres »Volkes — von Rabbi Mosche Mordechai Epstein, dem Märtyrer des Heiligen Landes! In diesen Kreis unserer Großen tritt nun er selber ein — und er lebt weiter in Gedächtnis und Dankbarkeit von uns allen: Leo Deutsch 1 ä n d e r , der Liebling G'ttes und der Menschen! . p^Tt IST *^gg£«®faSÄÄ*Ä i Wochenrundschau. Die religiös-liberale Offensive in Palästina. Den Beschluß des Vorstandes des W e 11 v e rbandes für re 1 i giös-1 i bera1es Judentum auf der Haager Konferenz, aktiv an der religiösen'Aufbauarbeit in Palästina sich zu beteiligen, versieht Heinrich Stern im Berliner Zentralorgan des religiös-liberalen Judentums mit folgender Glosse: „Man will nicht den für das westeuropäische und amerikanische Judentum in seinen Formen und Organisationen geschichtlich gewordenen religiösen Liberalismus in das werdende, ganz anderen Bedingungen unterliegende junge Land durch eine Art Missionstätigkeit, gewissermaßen auf Flaschen gezogen, importieren. Palästina soll sein eigenes religiöses Leben sich selber aufbauen. Jeder von uns weiß von seinen Freunden drüben, daß sie noch keinen religiösen Mittelpunkt haben, um das sich ihr Judentum scharen kann. So nah auch die einzelnen Menschen aneinanderwohnen, so herrlich kameradschaftliche Hilfsbereitschaft beim Hausbau, bei der Feldbestellung sich bewährt, als Juden sind Hunderte und Tausende dieser Menschen einsam, weil ihnen das fehlt, ohne das wahre Juden sich einsam fühlen: die betende, die lernende, die feiernde jüdische Gemeinschaft. Auch drüben wird gebetet und gelernt, aber in Formen und Gedanken, die das heutige Leben nicht mehr verträgt. Auch drüben wird gefeiert, aber — vielleicht mit Ausnahme des Oneg Schabbath — ohne Beziehung auf das Judentum, selbst da, wo engste Beziehung auf das Land gegeben ist. Die Erntefeste 15. August 1935 in Palästina, wie sie uns geschildert worden sind, die Feste des Wassers und der Bäume, so "lebendig sie die Liebe zum Lande verkörpern, könnten an sich ebensovon palästinensischen Arabern oder Christen gefeiert werden. Die geheimnisvoll«! Verbindung zwischen jüdischem Menschen, und Judentum, zwischen Natur-und Geist, zwischen Seele und Körper ist noch nicht gefunden." ' Und die Reformg'ttesdienste mit Orgelklang; und Frauenchorgesang; die Feste der Mädchenkonfirmation, ein Bestandteil des Reformtempelrituals — oder gar die Sonntagsfestg'ttesdienstef. wie sie das liberale Judentum Amerikas nach, dem Muster einer kleinen Wihkelsynagoge in Berlin fast allgemein eingeführt hat? Wird im. Rahmen dieser Veranstaltungen mit mehr Beziehung auf das Judentum gebetet und gefeiert? Wird ein von solchem Geiste getragener „religiöser Aufbau" eher imstande sein, „die geheimnisvolle Vrbindung zwischen dem jüdischen Menschen und dem Judentum" in Palästina herzustellen? Der gleiche Autor begrüßt es in einer anderen Betrachtung im Berliner ,,Gemeindeblatt", daß beide, die alten Stockliberalen wie die zionistisch Eingestellten, im Haag es ausgesprochen. haberi, daß das liberale Judentum sich gegen die Säkularisation des Judentums; zur Wehr zu setzen hätten und gegen die Auffassung; daß „Israel ein Volk werde wieandere Völker." Der Historiker erinnert sich aber, daß beide Richtungen von jenem Gleichheitsgedanken ihren Ausgang nahmen und in ihrer historischen Entwicklung bedingt waren. „Israel ein Volk wie andere Völker!" Der Liberalismus erstrebte dieses Ziel, indem er dem Einzelnen den We£ aus dem eigenen, religiös umhegten Kreise in die Umwelt wies, der Zionismus strebte ihm kollektiv zu, indem er den Einzelnen zur Fahnerief, die Fahne aber in die Reihe der anderen. Fahnen stellte. Wollte nun die liberal-zionistische Allianz jene unglückselige Theorie des ü'Ufi "»Hl aufgeben, so müßte sie von Grund aus umlernen und die praktischen Konsequenzen aus der Umstellung zuerst in den Gemeinden und Tempeln. des europäischen Reformjudentums ziehen, bevor sie sich anschickte, auf die Erneuerung des jüdischen Lebens in Palästina Einfluß zu nehmen. Die programmatische Plattform der Neuzioriisten. Die Leitung der von der ' revisionistischen Partei gegründeten „Neuen Zionistischen Organisation" veröffentlicht nunmehr den Entwurf einer Einiges zum zweiten Abschnitt des Schma-Gebetes. Unser tägliches Schma-Gebet setzt sich aus drei Teilen zusammen, die an verschiedenen Stellen der Thora zu finden sind. Der erste Abschnitt ist in M. V, Kap. 6, S. 4—9 enthalten. Der zweite Teil mit "fii beginnend ist der wesentliche Inhalt des Kap. 11 der heutigen Sidrah. Es schließt sich als dritter Teil das Zizithkapitel aus M. IV. der Sidrah Tbv an. Diese tvenig" chronologische Anordnung wird im Talmud so begründet: Erst unterstellen wir uns mit dem. VßV gauz allgemein dem D'rc ~ n•■; n n?. dem ,,Joche des G'tte&reiches", dann erst gehen wir mit dem zu den einzelnen Geboten über. Zizith ist ein Gebot, das, im Gegensatze zu den anderen, im zweiten Abschnitt genannten, nur bei Tag seine Gültigkeit hat, darum kommt das an letzte Stelle. Der zweite Abschnitt des Schma-Gebetes im heutigen Wochenabschnitt gliedert sich wiederum in drei Teile: 1. Eine Verheißung im Falle der Einhaltung der Gebote; 2. eine Warnung und Strafandrohung für denf Fall der Abkehr; 3. wiederum eine Mahnung onnwi' all diese Worte uns zu Herzen zu nehmen usw. Nach Sifri (siehe auch Raschi zur Stelle) ist dieses DflötM die natürliche Fortsetzung des mnv Etwa so: Wenn euch auch der Zorn G'ttes, selbstverschuldet, treffen sollte, so glaubet euch nicht von den Pflichten G'tt gegenüber entbunden. „Wo ist der Scheidebrief, den der g'ttliche Gemahl eurer Mutter geschickt hätte?" fragt der Prophet diejenigen, die wähnten, mit dem Verlust des Bodens und des staatlichen Lebens sei ihr Verhältnis zu G'tt endgültig gelöst. Im Gegenteil, jetzt erst recht nV« nan m onom oaaai» b9r habt ihr euch meine Worte zu Herzen zu nehmen und in die Seele einzuprägen. Die Tefillin an Hand und Stirn werden hier genannt, die Pflicht, zu lernen und zu lehren, die Pflicht, die Mesüsoh als Zeichen der G'tteshut an die Pfosten des Hauses anzubringen, lauter Vorschriften, ' die auch und erst recht in unserem Golusleben uns die Bindung .an G'tt sichern, unsere Golusnächt durch Symbole der G'tteshörigkeit und G'ttesliebe erhellen. Nach einer geistvollen Erklärung des n^3j?i an? spiegelt sich dieser Gedanke auch in der Formulierung der Segenssprüche für diese Geböte deutlich wider. Wir sagen, wenn wir die Gebetriemen an den linken Arm binden: l^»Bft mani» Die Bezeichnung ]'5>»sn für die Gebetriemen ist nirgends in der Thora oder in der alten Schrift zu finden. Sie werden msuu genannt. r^'Dn (von ^a) bezeichnet „Rechten", das innere Ringen, den Kampf ums Brot und gegen die Widerstände des Gplusdaseins. Diese Zeichen der G'ttesliebe - n»nr bv orvma ^aV onina '3»">» - die wie ein G'ttessiegel uns täglich auf Herz und Arm aufgeprägt werden, bringen die Beruhigung (rvlnb) in das Ringen des Tages (v^'snh Licht in Nacht und Dunkel. A b a j e , der große Talmudlehrfer, war frohgemut den ganzen Tag. „Ich habe ja," so begründete er diese Freude, „Tefillin an". Aehnlich verhält er sich .auch mit dem Segensspruch beim Anbringen der Mesusoh. Was sollte: sonst nma yiapb; heißen, wenn doch nnm nicht das heilige Pergamentröllchen selbst, sondern den Pfosten, an dem dieses angebracht wird, bezeichnet? nnt». von fln bedeutet das Verrückbare, das Wankende und Zerfallende, sap dagegen das Stabile, Ünverrückbare und Unwandelbare, Wir: machen, wenn wir das Zeichen der G'ttesliebe als Posten vor unsere Türe stellen, die Antithese zur Synthese, wir zwingen das Schwankende unseres Lebens ins Zeichen des Stabilen und ewig Wertbeständigen, danken G'tt dafür, daß er uns die Fähigkeit und die Möglichkeit' gegeben hat, Hrnn ynaj?1-? alles, was fließt und vergänglich ist, in. den Bereich .des Ewigen und Gütlichen zu rücken. Diese Symbole der G'tteshuld bewirken es auch mitten in den Auswirkungen des g'ttlichen Zornes, daß D3,a' w daß wir bestehen trnwn wo yn»n, uns bei allem und allem einen Himmel auf Erden errichten können. (Die Hebräische Universität und der 'Aufbau Palästinas.) Die g e o'l o g i s c h e Abteilung der,Hebräxschen Universität Jerusalem ist seit vielen Jahnen an den Versuchen beteiligt, neue Wasserquellen im Lande zu finden. Es ist ihr schon häufig gelungen, durch geologische Prüfung des Bodens" die Bohrarbeiten anzuleiten und zu ermöglichen. In letzter Zeit konnte der Leiter der Abteilung, Dr, Picard, mit Hilfe seines Assistenten, Awnimelech, in der Nähe des Jugenddorfes Ben-Schemen Wasser finden, was

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