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Der Israelit · 1935-08-08 · Heft 32 (8.8.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 32 (8.8.1935)
Date
1935-08-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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8/ August 1935 Der Israelit Nr. 32 Seite 9 für das Gesamtjudentum sein. Die.Tagung war in diesem Jahre von besonderer Wichtigkeit, da sie zu dem Zwecke einberufen war, „dem amerikanischen Reformjudenium «ine neue Grundlage zu geben unter Berücksichtigung der großen Aenderungen im amerikanischen Leben seit 1885, dem Jahre, in dem die sogen. Pittsburgh Plattform als Grundlage und Richtlinie des amerikanischen Reformjudentums angenommen worden war". Die sogen. „Pittsburgh Plattform" enthält 8 Grundsätze. Auf der diesjährigen Konferenz handelte es sich hauptsächlich um eine Revision des fünften Grundsatzes, der folgenden Wortlaut hat; „In diesem neuen Zeitalter allumfassender Herzens- und Geistesbildung erkennen wir das Näherkommen der Verwirklichung von Israels großer messianischer Hoffnung auf die Errichtung eines Königreiches von Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden unter allen Menschen. Wir betrachten uns nicht länger als eine Nation, sondern vielmehr als eine religiöse Gemeinschaft und erwarten daher, weder eine Rückkehr nach Palästina, noch einen mit Opfern verbundenen G'ttesdienst unter den Söhnen Aarons, noch die Wiederinkraftsetzung irgend eines den jüdischen Staat betreffenden Gesetzes." Die Entwicklung der Rassenfrage in Europa und die Fortschritte im Aufbau Palästinas, an welch letzterem das amerikanische Judentum bekanntlich sehr f aktiv beteiligt ist, mußte die Reformrabbis an der absoluten Richtigkeit des zitierten Axioms zweifeln machen. Bereits im Januar ds. Js. hatten 241 Rabbis von ■den etwa 350 Mitgliedern der Central Conference of American Rabbis eine vielbeachtete Erklärung unterzeichnet, in der sie sich zwar als Einzelpersonen, jedoch unterausdrücklicher Betonung ihrer Zugehörigkeit zur Central Conference mit den Ideen der „Palästinensischen Arbeiterbewegung" (Palestine Labor movement) identisch erklärten. Dort heißt es ti. &.: „ . . . Der alte Grundsatz „Zion bemischpot tipodeh", Zion kann nur durch Gerechtigkeit erlöst werden, scheint uns von so grundtiefer Wahrheit .zu sein wie von jeher . . . Das- Ziel der Palästinensischen Arbeiterbewegung ist, wirtschaftliche Betätigung mehr ilach ihrem Werte als Dienst an der Gemeinschaft zu beurteilen, als nach dem Profit des Einzelnen . . . Sie betont, daß das Wohlergehen der Menge wichtiger ist, als der Luxus einiger Weniger . . , Das Programm der Histadruth in Palästina und der League for Labor in America scheint uns eins zu sein mit den wichtigsten Prinzipien des prophetischen Ideals. Viele ihrer wirtschaftlichen Bestrebungen sind Teil des Programms für soziale" Gere chtigkait der Central Conference of American- Rabbis, Wir schließen dah«r mit der Erklärung, daß das Liberale Judentum, wie wir es sehen, neben seiner allgemeinen Sympathie mit der Wiedererrichtung Palästinas als jüdischer Heimstätte, einem Arbeiterpalästina besonderen Enthusiasmus entgegenbringen sollte ..." Es sei bemerkt, "daß außer den 241 -Rabbis, die diese Erklärung unterzeichneten, noch andere Reformrabbiner, deren Unterschrift. sich nicht unter diesem Dokument befindet, Zionisten sind, wie z. B. der bekannte Dr. Stephan S. Wise; diese haben die Erklärung nur deshalb nicht unterzeichnet, weil sie anderen Richtungen des Zionismus angehören, während diese Erklärung sich speziell mit der zionistischen Arbeiterbewegung beschäftigte. Auf Grund dieser Erklärung zu Beginn ds. Js., aus der hervorgeht, daß slz der amerikanischen Reform- " rabbiner- Zionisten sind, durfte man der Konferenz" in Chicago mit großen Erwartungen entgegensehen und mit einer positiven Aenderung ihrer Stellungnahme zu Erez Jisroel rechnen, Diese Erwartung ist jedoch nicht ganz erfüllt worden. Man hat lediglich eine Resolution angenommen' des Inhalts, „daß die Central Conference of American Rabbis nicht länger eine anti-zionistische Körperschaft ist, und daß die Frage Zionismus oder Anti-Zionismus der Entscheidung der einzelnen Rabbis überlassen ist." Dieser Beschluß wurde von einer großen Mehrheit angenommen. Das Ergebnis der Konferenz besteht' praktisch darin, daß für die Zukunft; den Rabbis nichts im Wege, steht, sich als Zionisten zu bekennen; bisher waren sie als Mitglieder, der Central Conference nur „geduldet^ da sie sich ja mit einem der Hauptgrundsätze des amerikanischen Reformjudentums im Widerspruch befanden. Man darf wohl mit einer weiteren Aenderung des Programms des Reformjudentums in Amerika zu Erez Jisroel und mit einer positiveren Die Woche, Berlin, Als Vertreter der Jüdischen Gemeinde sind in den Rat des Preußischen Landesverbandes neü eingetreten: Dr. S. Moses an Stelle von Sahnan Schocken, und Rechtsanwalt ~Dr. P. Sulzberger. In die Repräsentantenversammlung traten in Steile der ausgetretenen Herren Hornstein und Prof. Pick die Stellvertreter D. Heimann und'Daniel Boruch. — Eine Reihe von Pressemeldungen über die Anbringung von Tafeln „Juden unerwünscht" liegen weiter aus verschiedenen Orten vor: so aus Herrenalb, Deutsch-Krone, Labiau, Braunlage u. a. — In Wittlich, Gladbeck und Bergzabern (Pfaiz) sind von den Stadtverwaltungen Beschlüsse gefaßt "worden, wonach Juden keine Häuser oder Grundstücke erwerben können. Wittlich und Koblenz brechen die Geschäftsverbindungen mit solchen einheimischen Firmen ab, die bei Juden einkaufen. Kiel. Der Bürgermeister von Westerland-Sylt erklärte, daß jüdische Kurgäste in Westerland nach wie vor in höchstem Grade unerwünscht seien. Jerusalem. Die „Hadassah" wird sich jetzt auf die Errichtung einer großen Universitätsklinik konzentrieren und ihre übrigen Arbeiten in Palästina liquidieren. Deren Weiterführung soll dem Jisehuw selber überlassen bleiben. — Nach Mitteilungen der arabischen Presse hat das Colonial Office folgende städtische Anleihen genehmigt: Jerusalem 1 Million Lst:, Jaffa-Haifa und Tel Awiw je eine halbe Million, Lst. Laufzeit 25 Jahre. — Die englischen Polizisten sollen durch Einführung einer Sonderuniform von den eingeborenen Polizisten unterschieden werden. — Die Palästina-Regierung beabsichtigt, ein großes zehnstöckiges Verwaltungsgebäude zur Aufnahme sämtlicher Abteilungen der Verwaltungen zu erbauen. — Der High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, hat am 6. August seinen Urlaub angetreten, den er in England verbringen wird. — Wegen des Wassermangels hat der Jerusalemer Distriktskommissar die Bevölkerung aufgefordert, mit den Wässervorräten sparsam umzugehen. Es werden Maßnahmen zur rationellen Wasser Verteilung getroffen. Tfel Awiw. Der Distriktsrat hat die Grünblatt-Gruppe aufgefordert, nähere Einzelheiten zur Durchführung ihres Planes einzureichen, der eine Erweiterung des Stadtgebietes von Tel Awiw nach der Seeseite durch Trockenlegung eines Meeresstreifens vorsieht. London. Im Unterhaus richtete Abgeordneter Williams eine Anfrage an den Colnialminister wegen des Hungerstreiks der wegen illegaler Einwanderung Inhaftierten in Palästina. Rom. .Prof. David Prato, Oberrabbiner von Alexandrien, hta die Berufung als Oberrabbiner von Italien abgelehnt. Warschau, In Lowicz hat der 26 Jahre alte Josef Urbach, ein Führer des. Haschomer Hazair, Selbstmord begangen, weil ihm ZI. 150.— für die Reise nach Palästina fehlten. 8 Jahre lang hat Urbach auf ein Zertifikat gewartet. — Auf dem vom 7. bis 11. August in Brüssel stattfindenden internationalen Tierschutzkongreß ist ein Referat über den Kampf gegen die rituelle Schechita in Polen vorgesehen. Der Kongreß will eine einheitliche Stellungnahme zur allgemeinen Einführung einer „humanen Schlachtmethode" herbeiführen, Sofia« Der Ministerpräsident empfing eine Delegation des Zehtralkonsistoriums der bulgarischen Juden, die" den Wunsch zum Ausdruck brachte, daß der bisherige Status der bulgarischen Judenheit als nationale Minderheit erhalten bleibe. Wien. Das erste jüdisch-palästinensische Fischerei-Motorboot „Bikura" fährt dieser Tage aus der Werft in Rovigno nach Haifa ab. Es wird dort jüdischen Matrosen zur Weiterführung übergeben. Stellungnahme in den nächsten Jahren rechnen; wenn die jüngere Generation der Reformrabbiner noch mehr Einfluß gewonnen haben wird. Aber schon jetzt wird sich nach dieser Resolution vermutlich eine Hemmung gegen die immer mehr um sich greifende Assimilation geltend machen. Denn die jüdische Erziehung in den von den Rabbis geleiteten Sonntagsschulen wird an Erez Jisroel und an einer Diskussion der damit in Verbindung stehenden Fragen nicht mehr vorbei gehen können noch wollen. Insofern war also diese Konferenz von wesentlicher "Bedeutung als der Beginn eines Wendepunktes im amerikanischen Reformjudentum, Interessant ist noch, daß man das Problem offenbar mehr von der politischen Seite als von der religiösen gesehen hat. Zu einem anderen Ergebnis wäre man wohl aber auch dann nicht gelangt, wenn man die Frage als religiöse behandelt hätte. Eine klare. Stellungnahme gegen die Assimilation und eine grundsätzliche Umkehr erfordert eben großen Mut, und den mögen wohl die Rabbis als einzelne in ihren Gemeinden haben, aber die Körperschaft, die sich als verantwortlich für die Geistesrichtung des amerikanischen Reformjudentums hält, konnte diesen Mut noch nicht aufbringen. Dr. S. Lonnerstädter. SprechsaaL Der Bethaus-Streit in Marienbad. Marienbad, 24. Juli. An die Redaktion der Zeitschrift „Der Israelit" Frankfurt a. M. Rechneigrabenstr. 7 In der Blattfolge 29 Ihres gesch. Blattes vom 18. Juli veröffentlichen Sie auf Setie 10 einen Marienbader Badebrief, in welchem die hiesige Kultusgemeinde angegriffen wird. Unter anderem wird behauptet, der Vorstand habe aus bisher unbekannten Gründen die orthodoxen Bethäuser verboten . . . Wir bitten Sie, zur Richtigstellung Folgendes zur Kenntnis zu nehmen: Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Marienbad hat kein einziges Bethaus verboten, sondern im Gegenteil gerade im heurigen Jahr die Neuerrichtung eines großen, gemeinsamen orthodoxen Bethauses aus eigenen Mitteln geplant. Die Durchführung dieses Planes scheiterte einzig und allein am Widerstand gerade aus orthodoxen Kreisen. Diesem Widerstand einiger Weniger wollte der Vorstand der Kultusgemeinde um des Friedens willen nicht autoritativ begegnen, weshalb an Stelle des geplanten großen, gemeinsamen Bethauses die Errichtung, bezw. der Fortbestand von nicht weniger als sechs orthodoxen Betstuben beschlossen und vom Vorstande genehmigt wurde. Einige, dieser orthodoxen Betstuben bestanden schon seit vielen Jähren, ohne daß der Vorstand jemals von seinem ihm nach Gesetz und Statut zustehendem, ja sogar gebotenem Aufsichtsrecht Gebrauch machte Ueber Veranlassung und Anordnung der Kommunal- und Staatsbehörden mußte der Vorstand aber im September 1934 eingreifen, um einigen, von den Behörden - beanstandeten Uebelständen" abzuhelfen. Auch dieses Einschreiten des Vortsandes erfolgte im vollen Einvernehmen mit den orthodoxgläubigen Mitgliedern unserer Gemeinde, welche sich einstimmig dahin aussprachen, daß von nun ab hinsichtlich sämtlicher Betstuben die Bestimmungen des Gesetzes und Statutes genau und streng angewendet werden sollen. Herr David Leitner selbst war es, welcher dieses Verlangen stellte. Als aber* der Vorstand dann tatsächlich in Ausführung des gefaßten Beschlusses die Bestimmung des Gesetzes und Statutes zur Anwendung bringen wollte, erklärte Herr David Leitner; „Gesetz und Statut sei für seine Betstube nicht anwendbar". Der Vorstand verlangte von Herrn David Leitner nicht mehr als die Respektierung von Gesetz und Statut und hat auch von der Bezirksbehörde, als Aufsichtsbehörde nicht mehr verlangt, als Herrn David Leitner aufmerksam zu machen, daß er ebenso wie jeder in der tschechoslovakischen Republik ansässige Israelite dem Gesetze und dem Statut unterstehe und daß daher Gesetz und Statut auch auf die in Leitners Hotel „National" befindliche Betstube Anwendung finde. In welch entstellender Weise Ihnen berichtet wurde, können Sie vielleicht am besten aus einem Vergleich des von Ihnen gebrachten Zitates mit dem Originaltext erkennen. Nach dem Zitat Ihres Berichterstatters soll es in "der Eingabe des Vorstandes an die Bezirksbehörde angeblich wörtlich heißen: „Die Andacht, welche nach orthodoxem (!) Ritus in lauter, beinahe schreiender Weise verrichtet wird, zum Aergernis (!) der Nachbarschaft und der Passanten, bei denen die Art dieser G'ttesdienste vielfach Anstpß (!) erweckte. Dies gab zu Klagen und Anständen Anlaß". Im Gegensatz dazu lautet der Originaltext: „Es wurden G'ttesdienste in Betstuben abgehalten, die für diesen Zweck vollkommen ungeeignet und unwürdig waren. In einem Falle wurden sogar G'ttesdienste in einem gewöhn-

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