Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1935)
- Date
- 1935-08-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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8. August 1935 D I I i t Nr. 32 Seite 7 Vorschriften zu treffen. Dagegen fanden diejenigen Vorschläge der Kommission bei ihm Gehör, die eine Kompensation für orthodoxe Juden in Form der-Verlängerung der Sonnabend-Sperrstunde in den Wintermonaten bezwecken.-.Der Minister versprach bei der in den nächsten -Wochen erforderlichen nochmaligen Revision, die die Erfahrungen mit dem neuen Gesetz verwerten, soll, diese Vorschläge der Orthodoxie, wegen der Sonnabend-Sperrstunde nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Polen. Die Rabbiner-Berufung in Warschau. ■ ■ r ■ Warschau, 1. August. Der Vorstand der Warschauer Jüdischen Gemeinde hatsich in seiner'letzten Sitzung mit der Frage einer Vermehrung der Zahl der Rabbinen beschäftigt. Die Gemeinde Warschau hat seit dem Jahre 1921 keine neuen Rabbiner angestellt. Im Verlaufe der letzten fünfzehn Jahre hat sich dagegen die jüdische Bevölkerung von Warschau um 30 Proz. vergrößert. Der Vorstand der Gemeinde-hat nunmehr beschlossen, drei neue . Rabbinen"anzustellen.. Um die Beteiligung der Juden an den Parlamentswahlen in Polen. Warschau, 3. August; Wie die ITA. erfährt, hat in-Warschau eine Beratung, aller jüdischen bürgerlichen Parteien über die Frage einer Beteiligung an den bevorstehenden Sejm- Wahlen stattgefunden. Bei der Beratung waren zugegen Vertreter der Agudas Jisroel, des Zentralen Kaufmännischen Vereins, der Eth Liwnoth, des Misrachi u. a. Insbesondere stand die Schaffung einer allgemeinen jüdischen Wahlfront zur Debatte, Die Beratung hat . bisher kein positives Ergebnis gehabt, die Verhandlungen werden fortgesetzt werden. Als Grund für die Vertagung wird angegeben, daß die Revisio-. nisten die Forderung nach Aufstellung eines Kandidaten unter den sechs möglichen Kandidaturen erhoben haben, was weitere Verhandlungen-notwendig;mache. Der Warschauer "Stadtrat hat die Mitglieder des Wahlkollegiums für die Sejm-Wahlen bestimmt. Unter den 147 Mitgliedern des Kollegiums, das nach der neuen Wahlordnung über die Kandidaturen zu :den Sejm-Wahlen zu entscheiden hat, befinden sich 23 Juden. Ein Mausoleum für denGhofez Chajim, v Wilna, 4. August. Einem Beschlüsse gemäß, der vor kurzem von: einer anläßlich der ersten* Jahrzeit nach dem Hingang des Ghofez Chajim zusammengetretenen Rabbinerkonferenz gefaßt wurde, fand am Grabe des großen jüdischen Gelehrten in WiTria die feierliche Grundsteinlegung zu einem Mausoleum (Ohel) statt.' Es würde ein Komitee eingesetzt, das für die möglichst schnelle Errichtung des Mausoleums und -die Aufbringung 'der Mittel hierfür sorgen soll. Freiwillige Mitarbeiter für diese Aktion werden gebeten, sich mit dem ältesten Sohn des Chofez Chajim in Radun in Verbindung zu' setzen. '* '* * Lettland. Ein lettländisches Gesetz und die -Striezel. . c ( Riga, 1. August.'' In Lettland ist ein Gesetz in Vorbereitung, wonaclr Backwaren nur unter dem Zusatz von Milch in Zukunft verkauft werden dürfen. Wie in anderen Ländern, soll dadurch der Malchabsatz der Landwirtschaft gehoben werden. . Falls dies Gesetz in Kraft tritt, würden religionsgesetzliche Gründe dagegen sprechen, Striezel, die dann mit Milch gebacken sein würden, zusammen mit Fleischspeisen zu verzehren. Beim Rogatschewer Gaon hat anläßlich der bevorstehenden Einführung*"> des Gesetzes eine Beratung stattgefunden; - in der "beschlossen worden ist; siclv an - die Regierung mit der Bitte zu wenden, - für Juden entsprechende -Ausnahmen zu "machen und zu erlau> beni; daß für -sie auch Backwaren ohne-' Mdlchzqs.atz hergestellt /weftlen. - fr; -■ iVL..... ' ••^f*'^-'^**».~^.-* Frankreich. . Religiöses Judentum und N. Z. O. Paris, 2. August. Aus Warschau wird dem Sekretariat der. N. Z. O. gemeldet, daß die unabhängige religiöse 'Organisation „Hitachduth Hachredim", die eine Zwischenstellung zwischen Misrachi und Agudas Jisroel einnimmt, beschlossen habe; unter den religiösen Massen Propaganda fürdie Teilnähme an der N. Z, O. zu machen, Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez jisroel. (Nach Palnews.) . Tel Awiw. Die vor drei Jahren in Ramatgan gegründete Barzelith Metal-Works Ltd., die Eisendrähte und Nägel erzeugt und vor einem-Jahre nach Pethach Tikwa über-, führt wurde, kämpft infolge mangelnden Schutzzolles -um ihre Existenz. In der Fabrik sind Lst. 18.000 investiert und sie beschäfJ tigt etwa 60 Arbeiter. Das internationale Syndikat verkauft in Palästina fertige Ware billiger *als'das Rohmaterial Und etwa um die Hälfte des Preises, den das Syndikat im Auslande erzielt. Das Syndikat kann dies: "infolge der; Exportprämien, die ihm von den. Staaten gezahlt werden. Erfolgt nicht schleu-. nigst die Einführungeines Schutzzolles, so wird auch diese Fabrik zugrunde gehen. — Tel A w i w. Die Allgemeine Pfandbriefbank beabsichtigt ihr Kapital von V« Million auf 1 Million Lst. zu erhöhen. Tel Awiw. Die Anglo Palestine Bank, deren Generalversammlung am 21, Juli in London stattfand, kündigt eine Kapitalerhöhung um Lst. 250.000 an (gegenwärtiges Aktienkapital Lst. 300.000, Reservefond Lst. 90.000). Der Reingewinn 1934 beträgt Lst. 113.000 und gestattet die Verteilung einer Dividende von 8%. Die neuen Aktien werden v in London plaziert und sind bereits verkauft.;Der Jewish Colonial. Trust (zionistische Organisation) hat' der Bank gegenüber eine durch Aktiva ge- . deckte Schuld in Höhe von Lst. 473.000. Jerusalem. Zwei Beamte des Finanz- "departements wurden infolge der Schließung der „Meshi"-Fabrik beauftragt, die Lage der Seidenindustrie zu ^untersuchen« > Die Unternehmer erklären schon jetzt, daß ein Zollsatz-von 20% wertlos gegenüber der japanischen, Konkurrenz sein wird, die sich auf einen Lohn von sh. 7.— für eine 60 Stundenwoche stützt. 16 Hemdenerzeuger in .Tel Awiw müssen wegen des Dumping ihre; Betriebe schließen, die zusammen 300 Personen beschäftigen. In ähnlicher Lage befinden sich gegenüber dem japanischen Import die" Glasfabrik in Rischon l'Zion, die Strickwarenerzeuger und gegenüber ander- ■ weitiger Exportkoaküfrenz die Gümmiwarenerzeuger Palästinas. — Rischon 1' Z i o n. Die Anlage der neuen Seifenfabrik . ist soeben fertig geworden. Der Verkauf der Erzeugnisse hat bereits begonnen. Jerusalem. Der Monatsbericht der Barclays Bank stellt in'den letzten Wochen eine der Jahreszeit entsprechende!! Abnahme, der Tätigkeit aller Handelszweige fest» Die Baubewegung hat abgenommen. Infolgedessen sowie infolge der bedeutenden Einfuhr ist ein starker Rückgang der Zementpreise zu verzeichnen. s um sich eine entsprechende Vertretung auf dem Gründungskongreß der N. Z. O. zu sichern. . Das Sekretariat der N. Z, O. für Litauen teilt mit, daß verschiedene "nichtrevisionistische Kreise, insbesondere religiöse Juden, Handwerker und Kaufleute, an die N. Z. O. mit dem Ersuchen herantreten, auch, von nichtrevisionistischen Kreisen Kandidatenlisten für . die.. Wahl zum Grühdungskongreß der N! Z. O. zuzulassen. Wien, 2. August; . r r , L Das Wiener Organ - der (. Orthodoxie „Jüdische Presse';' fübrt zur. Frage religiöses. Judentum und.. N.;,Z.; 0. in einem Leitartikel u. a; > folgendes aus:, „Alle Liebeswerbungen,,, der.. Revisionisten rum die religiösen jJuden werden vergeblich und erfolglos bleiben; jeder orthodoxe Jude wird wissen, daß seine Zugehörigkeit zur N. Z. 0. religionsgesetzlich genau so verboten ist, wie eine Mitgliedschaft bei der ,alten' Zionistischen Organisation." England. Palästina in der Kolonialdebatte im englischen Unterhaus. London, 26. Juli. In der Kolonialdebatte im englischen Unterhaus sprach der Abgeordnete James de Rothschild. Er lenkte die Aufmerksamkeit des Hauses auf Artikel 18 des Palästinamandates, der bekanntlich bestimmt, daß Palästina kein Völkerbundsmitglied in Bezug auf die Gestaltung des Zolltarifs bevorzugen dürfe. Gemäß der Interpretation, die . dieser Bestimmung durch die Mandatsmacht gegeben worden ist, darf Palästina keine Unterschiede in Zolltariffragen zwischen dem einen oder anderen Völkerbundsmitglied machen. Der Abgeordnete James de Rothschild sagte, daß diese Bestimmung zu einer höchst ungerechtfertigten Situation geführt habe, die gar nicht vorauszusehen gewesenist, als diese Mandatsbestimmung formuliert worden sei. Insbesondere im Handelsverkehr zwischen Palästina und Japan wirke sich, so betonte James de Rothschild, diese Bestimmung aus. Gegenwärtig leide Palästina, vielleicht mehr als jedes andere Land unter dem japanischen Dumping. Japan beziehe keine Waren von Palästina. Und Palästina habe keine Verteidigungsmittel gegenüber diesem Zustand. Als der Mandatsvertrag ausgearbeitet wurde, fuhr James de ^Rothschild fort, bestanden andere wirtschaftliche und sonstige Umstände als heute. Damals waren Kontingente, Restriktionen und Dumping gänzlich unbekannte Dinge. Das Ergebnis der Bestimmung des Artikel 18 ist, daß sie sich bei den Handelsvertragsverhandlungen außerordentlich ungünstig auswirkte. James de Rothschild forderte, daß Palästina von dieser Mandatsbestimmüng befreit werden müsse. Im Verlaufe der Debatte teilte Kolonienminister Macdonald mit, daß im Jahre 1933 30.377 Juden nach Palästina gekommen seien, im Jahre 1934 42.352 und in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 28.121. Weiterhin gab Kolonienminister Macdonald bekannt,;jdaß. am 11. Juli nach einem Bericht des High Comn^issioner 133 Juden unter der Anschuldigung, '• illegal nach Palästina-> eingewandert zu sein, im Gefängnis säßen. Von ihnen verbüßen 91 Gefängnisstrafen. 77 Juden befinden sich auf freiem Fuße, nachdem sie eine" entsprechende-Kaution hinterlegt haben. Palästina. Die Lizenzsperre für jüdische Aerzte in Palästina. Jerusalem, 31. Juli. Wie die ITA. gemeldet hat, hat die Palästina- Regierung eine Verordnung erlassen, durch die der High Commissioner ermächtigt wird, Quoten für die Zulassung von Aerzten im Verlaufe eines Jahres festzusetzen. Die Verordnung tritt am 1. Dezember 1935 in Kraft. . Nunmehr werden nähere Einzelheiten' über den Inhalt der Verordnung bekannt. Die Verordnung teilt die praktizierenden Aerzte bezw. die Aerzte, die zur Praxis zugelassen werden wollen, in zwei Kategorien ein: in Personen, die am 1/ Dezember 1935 palästinensische Bürger sind oder dauerndes Aufenthaltsrecht im Lande haben und Personen, die nach dem 1. Dezember 1935 die palästinensische Bürgerschaft oder das ständige Aufenthaltsrecht im Lande erlangen. Auf die unter die erste Kategorie fallenden Personen werden die bisher geltenden Bestimmungen über die Zulassung von Aerzten angewendet worden* i Diese - Bestimmungen sehen : vor, daß ein Anwärter,. der die ärztliche Praxis in Palästina ausüben will, sich gut geführt haben und ein Diplom von einer anerkannten medizinischen Fakultät nach einem Studium der Medizin von mindestens fünf Jahren besitzen muß. Für diese Kategorie, werden Begrenzungen' nicht eingeführt. Für die unter die zweite Kategorie fallenden Personen, d. h. für diejenigen Aerzte, die nach dem 1. Dezember 1935 die palästinensische Bürgerschaft