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Der Israelit · 1935-08-08 · Heft 32 (8.8.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 32 (8.8.1935)
Date
1935-08-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 32 D e r ..I s r a e I i t 8. August-1935 und zähen Inangriffnahme bedarf, um die Ideale in die Wirklichkeit umzusetzen. W o ist in gesetzestreuen Häusern die komplette Literatur aufzutreiben, die die Kenntnis vermittelt vom Sinn und Ziel der A. J.? W o sind regelmäßig Schulungskurse und Ausspracheabende, auch solche mit gemütlichem Teil, musikalischer Abwechslung, um auch diejenigen für das große Ziel einzuspannen, die bislang ihre Freizeit mit Nichtigem vertan haben? ' Daß die Gemeindestüben, bei aller Anerkennung des guten Willens der meistens betagten Parnossim, vielfach ein Bild von Rückständigkeit und einem oft nicht sehr glücklichen Kompromißlertum bieten, müßte zur Genüge beweisen, wie wichtig es ist, hier eine Wandlung zum Bessern anzubahnen. Was eine geschickte, systematische und unverdrossene Arbeit, im Kleinen wie im Großen, erreichen kann, beweist die Entwicklung bei unsern Gesinnungsfreunden im Osten. Gewiß, dort sind die Massen, die nur zusammenzufassen waren, um zu einem Machtfaktor zu werden, den man nicht mehr ausschalten kann. Hier bei uns, im, Westen, wo weite Kreise, die zwar nicht zu uns gehören, doch unsern Ideen nicht innerlich abhold sind, nur von den „Liberalen" und „Jüdischnationalen" ins Schlepptau genommen worden sind, ist manche Gemeinde doch noch zu formen, wenn wir es verstehen, die richtigen Saiten - aufzuziehen. Wo A. J. beginnt, mit den scheinbar banalsten Dingen des Tages sich zu befassen, um sie umzugestalten im Sinne der unverfälschten Ueb er lieferung, um einer bessern Zukunft willen, da erzielen wir bestimmt einmal als Erstes einen Achtungserfolg. Denken wir nur in diesem Zusammenhang an die Reaktivierung der fast nur noch auf dem Papier bestehenden Lernvereine in kleinen Kehillaus. Diese Chewraus versammeln ihre Mitglieder vielfach nur an den beiden Schowuausr und Hauschanoh-rabbo-Nächten. Und es gelingt in fast allen Fällen, einmal die Woche einen ein- oder zweistündigen Schiur zu erreichen, um nach und nach mehrere Male die Woche dieses zu verwirklichen. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Umfrage des Handwerkerausschusses der r Reichsvertretung. Berlin, 2. August, Die Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: : Der Handwerkerausschuß der Reichsvertretung hat über die Wirtschaftsstellen der jüdischen Gemeinden an; die: jüdischen; Handwerksbetriebe einige Fragen gerichtet.; . Wir bitten die jüdischen Handwerksbetriebe, soweit sie die Umfrage noch nicht, erreicht hat, sich umgehend an die Wirtschaftsstelle ihrer Gemeinden bezw.. ihrer Gemeinden bezw. ihrer Bezirke zu wenden. Die Betriebe, denen die Umfrage bereits zugegangen ist, bitten wir im eigensten Interesse dringend um lückenlose und genaue Beantwortung der gestellten Fragen. Runderlaß des Reichs- und Preußischen Innenministers wegen Eheschließungen zwischen Ariern und Nichtariern. Berlin, 4. August.' In der „Deutschen Justiz" wird ein Runderlaß des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern über die Mitwirkung der Standesbeamten bei Eheschließungen zwischen Ariern und Nichtariern veröffentlicht. In ihm heißt es: Die Reichsregierung beabsichtigt, die Frage der Verehelichung zwischen. Ariern und Nichtariern bin- Es ist klar, daß es eines Bienenfleißes bedarf, um hier Fortschritte zu erzielen, Steigt die Agudoh in die Arena des Kampfes, um-so den Gleichgültigen und Widerspenstigen das Feld bei all defi Kleinigkeiten des Tages streitig zu machen, dann trägt das bei zur Vorbereitung für andre und größere Triumphe. Das Judentum -will verwirklicht sein in allen Bezirken des Lebens, und die A. J., als organisierter Klall Jisroel, wird nur dann ihrer geschichtlichen Mission gerecht) wenn sie sich den Widersachern der Ueberlieferung innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinden im offenen Kampfe stellt. In den Urzellen jüdischen Seins: im Haus und in der Gemeinde muß die- Wiedergewinnung •.begonnen - werden. - Es mag nicht zu bestreiten sein, daß heutzutage die Arbeit für Erez Jisroel viele Kräfte in Anspruch nimmt. Daß aber dabei die so dringende Aufmerksamkeit auf die ■ Verhältnisse im Westen derart im Hintergründe bleibt, ist nicht' zu verantworten, ist es doch eine unsrer ersten Aufgaben, das einst ins Heilige Land zurückkehrende jüdische Volk v o r h e r würdig zu machen für eben dieses Land. Wenn alle Gruppen, Vorstandsmitglieder, Landesorganisationsleiter und die Maßgebenden in den höheren Instanzen jederzeit durchdrungen sind von der Notwendigkeit erhöhter Einsatzbereitschaft, wenn sie Alle durchdrungen sind da'- von, daß die Zusammenarbeit getragen sein muß von liebevollem, freundschaftlichem und brüder-- liejhem Geiste, dann muß jede unsrer Unternehmungen voll gelingen. Straffe Zusammenfassung aller Kräfte, ehrliches Sicheinfügen, offene .und gerechte Zurechtweisung, wo sie am Platze ist, werden bewirken, daß der gesamte Apparat funktioniert und unser Einfluß in allen Bezirken steigt. Eine Reorganisation der Agudas Jisroel im Sinne der hier nur skizzenartig erhobenen Forderungen, die der Vervollständigung bedürfen, wird»- zum Segen unsrer ewigen Aufgabe- ^sein, wennder Weg beschritten wird, ohne Aufschub: vom Konferenzsaal in die Tages arbeit! v in die Hände eines jüdischen Geschäftsinhabers gele-gt, werden dürfe. Die Lehrzeit diene zwar in-erster Linie der Berufsausbildung, aber nicht dieser allein. Gleichzeitig solle die-deutsche Jugendwährend dieser Jahre Gelegenheit finden sich mit dem ihr bis dahin vielfach fremden Gebiet der Weltanschauung und Politik im Geiste der nationalsozialistischen;Idee zu beschäftigen und sich in dieser Richtung weiterzubilden, um später ein» wertvolles Mitglied der deutschen Volksgemeinschaft zu werden, An dieser Aufgabe habe auch der Lehrherr zu seinem Teil mitzuarbeiten, eine Arbeit, die von ■ einem Angehörigen einer fremden Rasse nicht mit Erfolg geleistet werden könne. Aus diesem Grunde" müsse im Interesse des Volksganzen und somit auch dem des Mündels als dessen Mitglied die erbetene vormundschaftliche Genehmigung des Lehrvertrages versagt worden. Im übrigen könne auch der Umstand, daß das Mündel seine Lehrzeit in einem jüdischen Geschäft zugebracht habe, eine erhebliche" Gefahr für «ein späteres berufliches Fortkommen bedeuten. - Dr. Kreuzberger vom Zentralausschuß geht nach Palästina, . B e r 1 i n , 2. August. Die Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: ' Herr Dr. Max Kreutzberger hat seine. Tätigkeit hei der Reichsvertretung der deutschen Juden und beim Zentralausschuß der deutschen Juden für. Hilfe und Aufbau beendet, um nach Palästina zu jibersiedeln. . ■ Dr. Kreutzberger steht seit fünfzehn Jahren in der jüdischen Sozialarbeit an r leitender Stelle. Der Zentralausschuß .der deutschen Juden für. Hilfe und Aufbau und die Reichsvertretung der deutschenJuden., verlieren in ihm einen ihrer führenden -Mitarbeiter,. Der Dank für seine vielseitigen und nachhaltigen' Leistungen kam bei einer kleinen,, in der Reichsver-r tretüng veranstalteten Abschiedsfeier zu herzlichem > Ausdruck. Mit ihm verbindet sich der Wunsch .erfolgreicher Weiterarbeit;im neuen Wirkungskreis. -Die Arbeitsgebiete von Dr, Kreutzberger in der Reichsvertretung der deutschen Juden und im-Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau hat Herr_S. Adler-Rudel übernommen. nen. kurzem allgemein gesetzlich zu .regeln. Damit nicht vor dem Abschluß dieser Regelung-deren Wirkungen durch inzwischen erfolgende Eheschließungen; beeinträchtigt werden, bestimme ich folgendes!' ' *: Die Standesbeamten haben in allen Eheschließungs^ fällen, in denen ihnen"bekannt "ist oder nachgewiesen': wird, daß der eine Beteiligte Vollarder, der andere ' Volljude ist, das Aufgebot oder die Eheschließung bis auf weiteres zurückzustellen. Ist in einem solchen Falle einer der Beteiligten ein Ausländer; so ist mir; unter Beifügung der Vorgänge alsbald unmittelbar zuu berichten. Im übrigen ist nach den allgemeinen Vor* Schriften zu verfahren. '■' ■[, Die Ausbildung eines arischen Mündels in einem nichtarischen Geschäft. ^— Eine Gerichts-; entscheidung. ,' -•• R''" ~ Berlin, 4. August. i^In der „Deutschen Justiz" wird ein Beschluß-des Amtsgerichtes in Verden zu der Frage mitgeteilt, öb>;. die Ausbildung eines arischen Mündels in einem nicht- ^arischen-, Geschäft, erfolgen könne. ,"; . .t . . Ein Vormund hatte die Genehmigung des im Namen seines Mündels mit einem nichtarischen Kaufmann abgeschlossenen Lehrvertrages beantragt. Das Amtsgericht hat diesen Antrag abgelehnt. Es hat ausgeführt, daß der Antrag nur dann begründet sei, wenn der Abschluß des Lehrvertrages im Interesse des :MündeIs liege, eine Voraussetzung" die unter Zugrundelegung der heutigen Auffassung von Staat und Volk nicht gegeben sei.- Es sei mit den "heutigen Staatsgrundsätzen, insbesondere, einer Förderung und Festigung .einer wahren Völksgemeinschaft nicht vereinbar, '\vrenn ein arisches Mündel seine Berufsvorbereitung 'in einem" Jüdischen;- Geschärt erhalte. Die Eigenart 'der jüdischen Rasse widerspreche1'so scharf dem deutschen Wesen, dfeß eine"''Erziehung 'Und rSchulung eines . minderjährigen deutschen Mädchens im Beruf schon im Interesse 'des' Allgemeinwohles nicht* Ungarn. Das Ergänzungsstatut der ungarländischen Orthodoxie, Budapest, 4. August. Nachdem das neologe Kongreßjudentum sich vor kurzem im Rahmen des Landeskongresses ein neues Ergänzungsstatut geschaffen hat, hat nun auch die Zentralkanzlei der Orthodoxie den Entwurf eines Ergänzungsstatuts fertiggestellt,, der.; die Autonomie derungarländischne Orthodoxen auf eine breitere Grundlage stellen soll. Die Bestimmungen der neuen Verfassung werden auf die Vertiefung des Glaubenslebens, sowie die Entwicklung des Unterrichtswesens und der Verwaltung von einschneidender, Wirkung" sein. Das Zentralkomitee, beriet unter dem Vorsitz" des Landeskanzleipräsidenten Samuel Kahan-Frankl in dreitägiger Sitzung über den, Entwurf. Sowohl,,aus~ Budapest als aus der Provinz, hatten sich zahlreichegeistliche und weltliche Mitglieder eingefunden. "Das.- ■Komitee beschloß,, den ,Statutenentwurf; Jh"ereits a .im.* August der Landesrepräsentanz zur Verhandlung: zu unterbreiten. Sodann .wurde auch das Problem der Sonntagsruhe besprochen,; die den sabbathaltenden Kaufleuten schweren Schaden verursacht: Das Ko- * ■ ..... mitee nahm mit Genugtuung zur Kenntnis, daß die-. Leitung der Landeskanzlei auch weiterhin nachdrücklichst im Interesse der Behebung, aller Gravamina vorgehen "werde, die die Existenz der orthodoxen? Kaufleute gefährden. ' ■■ : .' .•• .!:■••_,•• •„ .. ■ * . ' : In Ausführung der von dem Zentralkomitee gefaßten* , Beschlüsse, suchten Oberhausmitglied*; Frankl, Kanzleivorsitzender S. Kahan-Frankl in Begleitung, desr Kanzleianwaltes Dr. "Reiner den Handelsminister Bornemissza auf.i Der~Minister führtedie:;bekannten sozialen r Argumente und internationalen Regelungen; für die Sonntagsruhe ins Feld und erklärteres sei; ihm: unmöglich,' für die sabbathaltenden Juden besondere?

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