Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1935)
- Date
- 1935-08-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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*^!^f^'ypQ(^^^'f^V!^vsfiy pgpgpIfPiigg > «Vi-'^'ssj^jr-yKjsa.^*-^ 8- August" 1935 D I s"r a e 1 i t Nr. 32 Seite 5 Von Hartog Hartogsohn in Frankfurt a. M. Am Schabbps Nachamu versammeln sich in Antwerpen verschiedene Lahdesorganisationen der Agudo, um, wie die Notiz in Nummer 29 ,,Der Israelit" vom 17. Tammus meldete, . . . einen engeren Kontakt zwischen den einzelnen Landesorgani^ationen in Westeuropa herzustellen und die Arbeit für die agudistische Idee in diesen Ländern zu intensivieren . . ." Es ist nicht zu bestreiten, daß Tagungen dieser Art, rein stimmungsmäßig, etwas bedeuten und jedenfalls zu rechtfertigen sind, zumal dann, wenn während des ganzen ■ Jahres die Agudo in Westeuropa auf die Entfaltung fast jeder Werbung durch zeitentsprechende Propaganda verzichtet. Dieser Verzicht wird, verschieden nach Land und Ueberzeugungsstärke der Agudoführer und' Mitglieder, zu- „begründen" versucht. Daß diese seltsame Enthaltsamkeit von fast jeglicher offensiven Tätigkeit durch nichts zu begründen ist, weiß Jeder, der" sich, über die Stunden einer Konferenz hinaus, verpflichtet fühlt,» agudistisch zu denken. Wer sich mit einigem Ernst bemüht, in agudistischem Geiste auch zu arbeiten (und nicht nur auf der Jagd ist nach irgend einem Amt), der empfindet die Verantwortung, die auf Jedem ruht, der sich zur Agudo rechnet. Man sagt uns nach, daß wir in Westeuropa, im Gegensatz zum Osten, keine Aktiva aufzuweisen hätten. Hätten wir, gemessen an unsern Kräften und Mitteln, nichts andres vollbracht, als den Keren Hatauroh aufgebaut und den paar Jiundert jüdischen Kindern unverfälschte Jüdischkeit beigebracht, es wäre unendlich viel getan! Nun sind aber außerdem noch von der .Agudas Jisroel die organisatorischen Vorarbeiten geleistet worden für die Verbreitung der A, J._ im Osten; es sind ungeheure Kräfte verwendet worden auf die Errettung jüdischer Mädchen durch die Arbeit von Bes Jaakauw, Ungezählte materielle Werte, Zeit, Erfahrung und organisatorische Glanzleistungen sind aufgewendet worden, um den Keren Hajischuw lebensfähig zu machen. Wieviel jüdische Seelen, die sonst verloren gewesen wären, sind gerettet worden — durch die Bemühungen der einzelnen Gruppen. Die Agudas Jisroel und ihre meistens in aller Stille .vollzogene Leistung zur Wiedereinsetzung der Lehre in allen Bereichen des jüdischen Lebens hat sich Verdienste erworben, die sich würdig anreihen den Taten in andern Epochen jüdischer Golus-Arbeit, Will man auf der Konferenz in Antwerpen den erfolgversprechenden Versuch unternehmen, den Einfluß der Agudo zu erweitern, dann soll man sich darüber klar sein, daß nach menschlicher Berechnung für die nahe Zukunft in den Westländern der Aufenthaltsraum sein wird für die überwiegende Zahl derer, die zurzeit dort wohnen, daß mithin es die Aufgabe der A. J. ist, die Tagesprobleme in ihrer ganzen Totalität zu behandeln, sie zu klären, um dann zu Lösungsversuchen zu schreiten. Agudas Jisroel, die Verfechterin mehrtausendjähriger jüdischer Verpflichtungen, Agudas Jisroel als Hüterin der Mizwaus, auch solcher, die nicht Küche und Synagoge betreffen, trägt schon durch ihren Namen, der Symbol und Verpflichtung zugleich ist, ungleich schwerer an der Verantwortung als jede andre der jüdischen Organisationen. Soll die über den ganzen Erdball zerstreute und in sich gespaltene Judenheit in absehbarer Zeit geeinigt werden unter dem Banner drs Tauroh, dann verlangt diese unsre Zeitenwende von uns Heutigen eine Prüfung des bisherigen Weges, eine strenge Sichtung des Nebensächlichen vom Wichtigen; diese Stunde verlangt vor allem von uns in vielen Punkten eine entschiedene Umkehr, daneben aber auch eine straffe Organisation bis in die kleinste Gliederung hinein, wollen wir nicht abermals Gefahr laufen, in großer Zeit als schwaches Geschlecht von den Späteren gekennzeichnet zu werden. Es würde für einen beschränkten Raum in einer Wochenschrift nicht ausreichen, wollte ich hier aufzeichnen, was, in allen Details, zu sagen wäre, um nicht dort wieder zu beginnen, wo Frühere vor 5 und 10 Jahren angefangen haben. Was ist also zu tun? Daß die Umbesetzung der Jugend- und Ortsgruppen, der Mädchen- und Frauengruppen mit den allerbesten Kräften in vielen Fällen dringend vonnöten ist, wird nicht bestritten werden können. Man sollte allerorts einsehen, daß es unverantwortlich ist, solche Agudisten, die schon anderweitig durch Ehrenämter voll beschäftigt sind, mit neuen Aufgaben zu betrauen, deren Lösung, unbeschränkte Konzentration erfordert. Daß zur gehörigen Enfaltung einer wirksamen und umfassenden Werbung von Mitgliedern, von leistungswilligen und zahlungsfähigen Gönnern bei kleinen oder größeren Aktionen, bei der Inszenierung von imposanten Kundgebungen und sich dann prompt anschließenden von Haus-zu¬ Haus-Sammlungen in jedem Land einige besoldete Kräfte zu halten sind, sollte nun endljeh erkannt und in die Tat umgesetzt werden. Daß unter Zuhilfenahme der ehrenamtlich arbeitenden leitenden Herren geschickt und straff verteilte Zellen allüberall, insbesondere bei jeder nur irgendwie angängigen Feier, selbst im kleinen häuslichen Kreise von Gesinnungsgenossen und Freunden, die uns nicht ablehnend gegenüberstehen, oder bei Juden, in denen noch ein Funken religiösen Empfindens glüht, ein gar nicht abzuschätzendes Betätigungsfeld bleiben, das, richtig beackert, ungeahnte Erfolge sichert, sollte einleughten. — Wenn im Ellul, beispielsweise, für die Belange unsrer Arbeitnehmer, zum Aufbau neuer Stellenvermittlungsbüros oder zum Ausbau der bestehenden, Versammlungen abgehalten und Gelder gesammelt werden, wenn anschließend im Tischri, alle jüdischen Arbeitgeberkreise, mit dem Appell des zuständigen Rabbinats beginnend, aufgerüttelt", einzeln besucht und gewonnen werden sollen für die Verwirklichung unverfälschter sozialer Betätigung im Geiste unsrer Tauroh, durch Einstellung schabboshaltender Kräfte und ihre großzügige Besoldung, Ferienverschickung und Förderung nach dem ,,Wochej Ochichoh immoch'" —, dann wird sich zeigen, daß der selbst bislang indifferente Jude Achtung zollt einer Bewegung, die nichts unversucht läßt, um auch außerhalb Erez Jisroels der Tauroh im Strudel des Lebens volle Geltung zu verschaffen. Diese bisher Gleichgültigen werden uns sich zuwenden und als überzeugte Mitstreiter uns Ermöglichen, uns größeren Aufgaben zu widmen. Wenn im Marcheschwan die Zirkel in den Gruppen sich konstituieren und auch Außenstehende heranzuholen versuchen, um ihnen T'nach, jüdische Geschichte und andre Gebiete mitzuerschließen; wenn ferner die Gruppen in den kleinen und größeren Ortschaften sich dazu aufraffen, ein- oder zweimal im Monat den Plätzen mit wenigen jüdischen Familien die unverfälschten Güter jüdischer Ueberlieferung nahe zu bringen; wenn außerdem in einer von Hauszu-Haus-Arbeit die Kinder die Bücher für ihre Anregung, Unterhaltung" und Weiterausbildung von der Agudoh erhalten, die die Grundlage bilden für eine Rückgewinnung der Massen des jüdischen Volkes, dann müssen sich bald die Früchte solch ehrlichen Wollens und Strebens zeigen. Die Besserwisser und Ewiggestrigen werden einsehen, daß es nur einer systematischen Gebetes, jenen Satz, den allein die große Masse der von der Tradition ihrer Väter entfremdeten Juden kennt. Wenn diese schon nicht« mehr wissen, so wissen sie wenigstens noch das Letzte, daß hier die Einheit G'ttes ausgerufen wird. Judentum bedeutet -ihnen das Bekenntnis zum Monotheismus. Der Begriff. Monotheismus; enthält aber sehr Unterschiedliches in sich. Der primitive Monotheismus nennt G'tt nur den Schöpfer, aber nicht den Erhalter und Leiter der Welt, vor dem der Mensch Rechenschaft abzulegen hat. Die Thora G'ttes, dem jüdischen Volke anvertraute Lehre, hat zwei Ausdrücke für G'tt: G'tt den Allmächtigen, G'tt, den zu jeder Zeit Seienden. Seine Allmacht erschuf die Welt, prüft und richtet sie seitdem, ob sie Seinen Schöpferabsichten, die in dem Menschen ihr Ziel hatten, entspricht. Seine stete Gegenwart berücksichtigt aber auch alle ungünstigen Einwirkungen auf die treue Pflichterfüllung des Mönschen und mischt daher, trotz des freien Willens des Menschen, das Gute zu tun und das Böse zu lassen, das Richten mit dem. Erbarmen. Die Menschheit geht einen langen Weg' bis zum Gan-Eden, aus dem sich das erste Menschenpaar vertrieb und in das seitdem jede Generation den Weg zurück verfehlt _hat; — G'tt aber wirkt hinter der Geschichte, daß doch einmal wieder das Gan-Eden Wirklichkeit werde. Unabhängig von der Menschheit kann jeder einzelne Mensch dem Willen G'ttes leben; den Juden sagt, was G'tt von uns will, damit bei Ihm Erhörung finde, was wir von Ihm wollen. „Tefilläh" will nach ihrem Wortsinn ein Selbsterziehen und Selbstprüfen. Gebet d. h. Bitte ist sie nur sekundär. erzieht hierzu die Thora. So umfaßt die Anerkennung G'ttes, des Einen und Einzigen, des Seine Ziele schauenden Schöpfers, gerechten Richters und verzeihungsbereiten, liebenden Vaters, für den Juden die Verpflichtung zur Thora in sich. Nur das Wissen von G'tt, dem Einen, i n Verbindung mit der Thora gestaltet den Monotheismus aus einer oberflächlichen, nüchternen Theorie des Denkens zu einem Gefühl und Verstand durchströmenden, erwärmenden Fluidum. Durch die Thora lernt der Jude, mit seinem ganzen Herzen, d. h. mit seinen Trieben, die zum Guten und zum Bösen erzogen werden können, mit seinem ganzen Leben, d. h. mit den höchsten Zielen, um die es sich zu leben und zu sterben lohnt, und mit seinem gesamten materiellen Vermögen G'tt Heben. Wo solche Gesinnung weilt, da beginnt mit ihr der Tag und schließt der Abend, da füllt sie Haus und Beruf und durchweht die Gespräche. Die tätige Hand und der denkende Kopf, das private und das öffentliche Leben werden von ihr gelenkt. Wenn aber diese Gesinnung die Gesamtheit beherrscht und G'tt und Seinem Gesetz unterstellt, dann wird die Natur zum freudigen Diener dieser Gesamtheit, und spendet reiche Segensfülle, Der Regen fällt zur Zeit und erzeugt auf Feld und Flur tausendfältigen Ertrag. Doch der Regen kann auch zum Unsegen werden. Er kann mit Sturmesfluten hinabstürzen, Städte und Dörfer niederreißen; Menschen und Vieh ertränken. Er kann zu früh und zu spät kommen und so die mühevolle Arbeit des Landwirts zunichte machen. Aber der. Himmel kann sich auch, verschließen, so. daß. heiße Sonnenstrahlen unbarmherzig die Pflanzenwelt verbrennen und Mensch und Tier verschmachten. Dieser Unsegen kündet dann den Zorn G'ttes, weil im öffentlichen Leben die Willkür und die Götzen der Leidenschaften und der Macht bestimmen. Du aber, Sohn Israels, höre nicht auf, die Thora zu lernen und lasse dich ununterbrochen von Symbolen an deine Pflichten erinnern. Lege die T'fillin an Hand und Stirn, befestige die Mesusoth an die Türen und gebe die Schaufäden an die Gewandecken. Wenn alle Menschen und Völker ethisch sein sollen, so sollen du und dein Volk noch mehr sein, sollen G'tt heilig sein, G'tt hat deine Vorfahren einst aus Mizrajim herausgeführt, damit er ihnen und ihren Nachkommen zum einzigen G'tte werde. Wochenkalender. Von. 10. — 17. August 1935 / Vom 11. — 18. Ab 5695 »»1'!}1 Samstag IQ 11 'M K33 rra uam nac pnnsi Sonntag 11 12 1D Montag ■ ii2 13 T3 Dienstag 13 14 na Mittwoch Aug. 14 3K 15 133 ups n»"»n Donnerstag 15 16 . ^... Freitag 16 17 xb Samstag 17 18 apy