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Der Israelit · 1935-08-01 · Heft 31 (1.8.1935) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 31 (1.8.1935)
Date
1935-08-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Feuilleton- Beilage Nummer 31 1935 ^'^W^*^ t/T^f^f^ lÄ>'>^ Flucht in die Heimat« Zsi'ne Erzählung aus unseren Tagen. (Schluß.) Mit' dem Hochzeitsakte war auch die Inangriffnahme des neuen Fünfzigd u n a m g e l.än - d e s, dessen Erwerb mit Hilfe Wildes j und seiner Freunde ermöglicht wurde, verbunden. Es war das erste; Geschäft, das" die. Leih- und Kreditanstalt Norbert Wildes tätigte. Achmed; Selim Bey, der Effendi und Seheich .des nächsten Araberdorfes, der frühere Besitzer,; war mit seiner ganzen Sippe in vollstem Festschmücke zur Hochzeit erschienen und schwor, die Rechte aufs Herz gepreßt, beim Vollbarte des Propheten, daß seine ganze Familie, bis zu Abu Becker, dem großen Kalifen, zurück, stets Freunde des jüdischen Volkes g^ . . Der Kauf vertrag.wurde mit, .der gleichen Feder unterzeichnet wie der Ehevertrag, die Kesuba. Auch der Ehevertrag hatte seine ungeschriebenen Käutelen. Hanna dachte nicht daran, die Arbeit auf dem Lande; die ihre >Hände noch so bitter brauchte,- ausgeben; Df'ei Tage in der Wocrie /wollte sie,, in äer Stadt mit ihrem Manne in der Bank und in der Zeitungsagentur tätig sein, die letzten Tage der Woche gehörten dem „Lul", dem Kuhstall und (Jen Kindern in dem, Kibbirz. Das . gemeinsame.. Sabbatheim; des jungen Paares war aber die eine-Hälfte des/gerade" fertig gebauten Zrif, das man'schon .beinahe '„Haus";nennen konnte." Die andere Hälfte wurde zugleich mit der Hochzeitsfeier äfe G'tteshaus eingeweiht. Als das Glas unter dem festen Tritte Jakobs klirrte;, sangen die Jungen, unter .Leitung' von Nachum Chabad, den Psalm vom „braven Manne''. Ein kleiner Gruß aus. der Heimat, wo .man dieses Lied zum .Abschluß einer Trauung zu singen pflegte. Hier kannte man das nicht. Aber das Lied war~ schön und enthielt die. '^würdi^sten Weihewörte für das,Gemach,im größfen Zrif, das nunmehr die Famiiienwohnung; des, jungen Paares sein sollte. - Und nun saßen sie. alle im neuen Hause ai£ der langen, aus .sämtlichen verfügbaren Tischen der Zrifim zusammengestellten Tafel bei einern^ ganz einfachen Mahl. Es waren belegte Brötchen, zu dem der Wein aus Risehpn auf Kosten des Wilde-Bankhauses kam. Man dachte an Dawid Q u.Jtji er z daheim/ deP';di;e;":Bröt'chen.' viel b^ssesr, /^nd^-^cHmag^ftfte^? pefe&t Hätte jind.; der, wie; mäncherb Andere'"* 'ausbderr«deutschen' Stadt, n|ute;^Abend { H'i^iäH^rii|e4förte. '."»Män?- brachte gi^'Ho^i: ffief^cfi^ auf sie aus, ,aui;ialle\prüder in ^er^Gö^^f^^^tdi'.^^^ hier ^vereinigt sein möchten.«-':•}.?' .. : -;;'tt^i^e^-t^q^^e$^jAt Gästen; "aus,'^er; früheren Heimat war hierso hoch gekommen, daß er etwa ein völlig sorgenloses Leben unter der warmen Sonne des Vaterlandes hätte führen können. Ihrer manche hatten in den guten Jahren in Deutschland, bessere Tage gesehen, besser, j^ewohnt^ sich besser gekleidet, und auch . besseren.. T^fichr. ge-r führte /Aber. sie waren i alle^ zufrie'den^ ausgeruht, ausgeglichen, - Warfen'1 -mit ihr em j!8khAffe "ifiden Heyna,thäf eh^eingezogeh^ Wo/ es - vjetöeicht ^eni-: ger vsctiön..zuging,i als .a^hohe^ See^wo' manf sichj aber sibher'tmd geboJigen w.uß.tevv,»;^s T -rntü-. ~ ^fcrr ' Wildemüßte1 °im Kreist'dieser altheuen* Freunde an jdie alte laf,me Frau in Jerusalem Idenr: ken, die,- ,wief.früher *in>Warschau«; jetzt.in Jerusalem kein B rot;.-i amH-aus eha tte.; Qb-esi ihr jetzt in Jerusalem-besser gehe als daheimj hatte er gefragt. „Viel, viel besser/' gab sie voller Dankbarkeit zurück.;,Dort hatte ich Sorge und Plage und k e ine M a m m e R oie h e 1, /bei der. ich mein Herz ausweinen konnte.; Hier kann ich es . . ." 1; .; / ■ / Vott dieser einfachen Denkart^ schienen auch, alle dfese Menschen zü sein; sie waren daheim; Es war das Bezeichnende in diesem Lande, daß hier Jeder daheim war. Es. gab ,keine Emigranten. Das Gefühl des Fremdseiris war mit ihnen geboren und begleitete sie, gleichsam Wachsend, durchssLeben. In der russischen, polnischen oder litauischen Heimat war man fremd nur außerhalb der jüdischen Gasse. In der Gasse war man heimisch, Juden unter Juden. Im deutschen Galuth — und das war das Bitterste — war inani;auch f r e nrd u n t e r J u d e n, Man lebte Jährzehnte im Lande; hatte hier Kinder geboren und erzogen — und der Stachel des Fremdsejhs blieb doch. Man glaubte schon ganz heimisch; z<usein, dann kam irgend ein unsicheres Wort, e i n e Geste, und es rollte wie .ein eiserner Vorhang herunter, dieses Gefühl des Anders- und Fremdseins. Hier aber brachte jeder Jude, schon bei der Landung seinen; Heimatschein mit. Es fiel-keinem ein, in dem Hinzugekommenen einen Fremden zu sehen, Jude im Judenlande war* jeder, . ob er Steine klopfte, am Bankschalter Gelder auszahlte oder auch die Hand um eine Nedawah ausstreckte . . . Diesen Heimatschein schien auch jeder von den hier .Versammelten, wie einen Heilig e n schei n im. Gesichte zu tragen, in der "gesunden Farbe, in den sicheren Bewegungen, in den ruhigen abgeklärten Zügen. "' : Rabbi Schmuhl Karpfenteich, ein Freund klarer, kurzer Formulierungen, drückte das folgendermaßen aus: „Bei aller Zufriedenheit dort und damals doch die B i, .t t e r k e i t I£ei aller Bitterkeit hier doch die. 2/u f r i e d e n h e i t! . . ." Und wenn Her?'Wilde selbst die Zeitdistanz zwischen heute und damals überblickte: welche Wandlung und.welches; Wunder hatte sich .seitdem vollzogen! ■ Damals im Lehrhause i der deutschen Stadt/wo er als ungebetener Gast hineingeschneit kam, war er ein fremder unter Fremden, und heute, da er der Qastgeber ist, ist:,ihnv jeder, ein altvertrauter Freund, ein Bruder.; „Gär kein Wunder," sagte wieder Rabbi, Kärp-: fenteich, „Brüder gehen auseinander, nach verschiedenen Richtungen, nach verschiedenen Weit-, gegenden. Kommen nach Jahrzehnten wieder/zusammen und kennen sich nicht mehr, da jeder'andere Art und andere Sprache, hat. .Treffen, sie. aber im alten Hause unter Mutters Augen zusammen, so reichen sie" sich gleich die Bruderhand und alle Jahre dazwischen sind einfach wegf gewischt. Wir sindJa hier auf Mutterboden! . . „Und daß wir-*n^r %lle,'siiidr;; - "'-v-v?. Für dieses Wunder hatte aber der ungarische Rabbi-'ein söhöties Gl&ichnis aus dem 'Talmud: „Mit eisernen Ket^n^ä^Ve Jakob nach Mizrajim, geschleift werden sollen; Was tat aber^Crtt, um ihm: die Ketten) zu ^ersparen?; Er schickte den Söhn7Vor, Äd der'Alte kam im königlichen Wagen nach. Heil uns. daß sich dieses g'ttliche Spiel heute nicht in Mizrajim, sondern in Israels Land wiederholt . . ." „Viele werden noch kommen und viele Trümmer vwerdeni jjoch erbaut weräen." Diese. Zuversicht?klang!gus den Reden und Wösten tallerim Kreise: ' f - 'i An^ i meisten; stimmte, ^diesen; Worten. Mister Jackson zu,; der amerikanische^ Optimist. $ s "^^Welchen^er^kann 'diese plötzlich erwachte1 ZjonsT^ebe haben, wejan. gr§t.da&'Stürme., kpmmen nräßtenv umsDsie: zu wecken^ Erst als sich,tdas Gewitter entladen hattetfka'nfen sie, um .Schutz unter dem Dache des jüdische^ Hauses zu suchen. Wo waren sie früher, als noch die Sonne, durch ihre Fenster leuchtete, was war ihnen Palästina damals"? Den Einen ein frommes Gebet, den Anderen, ein Absatzgebiet für milde Gaben, den Dritten ü b e rh aupt nicht s." Diesen Einwand zu machen, hielt Herr Wilde für eine Pflicht der Aufrichtigkeit gegen sich selbst.., Rabbi Schmuhl wehrte lebhaft ab. „Was heißt das Sturm, was heißt Gewitter? Noch nie ist in der Geschichte etwas Großes ohne schmerzliche Wehen entstanden, in der jüdischen schon ganz und gar nicht.. Glauben Sie etwa, daß die Alten zur, Zeit Nachmanides oder später zur Zeit von Jesajas Hurwitz und noch später Vergnügungsreisen nach Palästina gemacht hätten? Die Not hatte sie von aüßen getrieben uijtd die Liebe von innen her gezogen, so kamen sie hin. Jaj Not und Liebe, eine stoßende und eine lockende Kraft, es sind die beiden Kräfte, die vöri je an den großen Ereignissen unserer Geschichte mitgewirkt haben. Der Sturm hat die Liebe angefacht, sagen.Sie. Der Funken muß aber schon im Herzen gesessen haben; wie könnte ihn sonst der Sturm zur FJamme anfachen? Wo nichts ist, kann nichts wachsen. Also kann die Liebe bei allen Gewitterstürmen doch e c h t sein, und, sie wird uns die Menschen und die Kräfte zum Aufbau geben, immer mehr ..." „Und die religiöse Verwilderung hie und da in Stadt und Land? Sehen Sie die nicht, macht sie Ihnen keine Sorge?" „Wir sehen sie wohl — man müßte sonst blind sein, und sie erfüllt uns gewißlich mit schwerer Sorge," erwiderte Rabbi Schmuhl. „Es ist schmerzlich, und die Scheehina weint um jede jüdische Seele, die ihr verloren geht, hie oder dort . . . Die Zukunft unseres Landes ist nicht gefährdet. Es.kommt eine neue Generation, die sich uns zuwendet. Erez Israel bleibt unser, bleibt G.'ttes . . ," - „Woher sollte diese neue Generation kommen?" zweifelte Herr Wilde. . „Woher?" kam Rabbi Schmuhl ins Feuer. „Woher kam, die Generation der Glaubenslosen? Haben wir sie gezeugt, großgezogen? Wir waren im Lehrhause,, im Beshamidrasch, und die kam von selbst, auf Wegen, die wir nicht kannten. Warum-sollte nicht auf diese g'ttfremde Generation eine heue kommen, die die Götzen voller Ekel von sich wirft und G'tt sucht?- „Glaubt mir, Rabbotai!" — Rabbi Schmuhl kam ins Singen, alles horchte; es war schon eine richtige Tischrede — „immer haben sich die Söhne wiedergefunden, wenn der erste Rausch vorbei war. „Wie die Wolken flogen sie uns wieder zu, wie die Tauben in ihren Schlag," sagt der Prophet Jesajas. Was war das größte Wunder in der Chanukageschichte? (Etwa der 'Heldensieg, der Makkabäer, etwa das wächsende Licht?, w. Nein, säge1 ich euch, das Wunder-; 1 aller Wunder": war; daß. ,,weachäir ken bou bbnecho", daß nach "allem und allem die S ö h n e docK noch kamen,, aus den hellenistischen Sporthallen in : den iTempel des' Lichtes . Warum sollten sie'-'nicht' auch jetzt kommen? Erleben wir es nicht Schon hier und in einem Dutzend anderer kleinen Niederlassungen, daß das Licht G'ttes nicht erloschen ist? "Höft man nicht auch aus den Reihen der Anderen schon vereinzelt gute Worte für den Schjäbbat, scharfe. Worte gegen heue .unjüdische Feste?.. > .- 'V' ':. - " .' .3-; '„Aber' Kernpunkte der Jüdischk e;i t müssen jetzt schon da. sein, damit die morgen! zur Erkenntnis':. erwachen,, das jüdische - Licht j auch an 'äemer'Stelle-fiiidien'-'^d damit dievon außen zu/uns; ^trotoen; 'eine Ecke im/^^fföräeii Lande: findet^(die ihnen;^uch Heimäti der .Seäle w,ii\d; . .. . Darum ist dieses Fest e in.F.e s t u,n s er e.r Zukunft, ein Fest Erez Israels . <-." „Und die Menschen, die Massen 'iöüSS'en (Wir draußen haben, die hinter die^eä«)S'd»'C^en^'Keim'

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