Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450888--81453-2539347- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sedte 14 Nr. 31 Der Israelit 1/ August 1935 zellen stehen, daß sie wahre Zufluchtsstätten für alle werden," ergänzte Herr Wilde. Darauf stimmte Nachum Chabad den Hochzeitsgesang an „von der Verlassenen, diefrohlocket, daihre Söhne sichln Freude um sie sammeln . , ." Und alle fielen sie in das alte Lied ein: „Bald, G'tt unser G'tt, ertöne in denStädtenJehu'dasundindenStraßen Jerusalems die Stimme der W o n n e u n d d i e Stimme der Freud e." Bücherbesprechungen. mvn msij?nV mm »mi ]wjo pbn >fiwn v n •n"2nn d^bitö ovisn Wenn es eines Beweises für die segensreiche Beeinflussung des jüdischen Milieus durch ostjüdische'' Einwanderer in Provinzen, welche der Thora entfremdet sind, bedürfte, so würde dieser Beweis nicht zuletzt durch die ostjüdische Kolonie in Metz erbracht werden. Den zufällig dort weilenden jüdischen Reisenden wird es, wie es dem Rezensenten ergangen ist, wie eine wahre Oase in der jüdischen Wüste erscheinen, daß dort neben und in der offiziellen Gemeinde sich drei Bothe Midraschim befinden, in denen der alte Thorageist lebt, wo regelmäßige Schümm abgehalten werden und durch deren Mitglieder für alle Bedürfnisse eines orthodoxen Juden gesorgt ist. Diese erfreuliche Tatsache ist vor allem der Energie und der starken Persönlichkeit des orthodoxen Rabbiners Kahlenberg zu verdanken, Es ist außerordentlich interessant und aufschlußreich, sein soeben erscheinendes Buch" "fiPtt Eni" zu lesen, welches mit Approbationen von bedeutenden ostjüdischen Rabbonim, aber auch mit einer solchen von Herrn Oberrabbiner Netter versehen, in zwei Teilen in schöner Ausstattung mit zusammen 270 Seiten erschienen ist. Das Buch enthält vor allem Vorträge, die der Verfasser in den gehobenen Momenten des jüdischen Pflichtlebens gehalten hat, zur Einleitung auch eine historische Darstellung des jüdischen Metz. Für jeden, der die Aufgabe hat, zu einem jüdischen Kreise zu sprechen, bietet das Buch eine Fundgrube origineller, aber nicht gekünstelter Gedankengänge. Unter anderem sind auch Vorträge anläßlich von Sijumim auf Daf jomi aufgenommen. Der Verfasser, ein Nachkomme des Chacham Zwi, hat zuerst in der Bukowina, dann in Ungarn und Wien rabbinische Funktionen bekleidet, und ist seit einigen Jahren in Metz tätig. Dem Buche ist Verbreitung zu wünschen; Es ist zum Preise von RM. 5i— gebunden zu beziehen bei dem Verfasser: Rabb. Kahlenberg, Metz, En Vincent Rue 17, oder bei der Buchhandlung Kauffmann, Frankfurt a. M, Palnews Wirtschaftsjahrbuch für Palästina 1935. in drei Ausgaben: Hebräisch, Englisch. Deutsch, Tel Awiw, Verlag „Palnews" Palestine News Service Dieses Wirtschaftsjahrbuch des Palnews-Verlages, der die bekannten Wirtschaftsberichte in Bulletihform herausbringt, ist eine außerordentlich reiche Fundgrube für jeden, der einen Ueberblick über das Wirtschaftsleben von Erez Jisroel oder Einzelheiten über die verschiedenen Wirtschaftszweige braucht. Den ersten Teil des mehr als 300 Seiten umfassenden Buches stellt ein ausführlicher Aufsatz über Lage und Entwicklungsperspektiven der Wirtschaft . dar mit den Unterabteilungen: Bevölkerungsbewegung, Landwirtschaft, Industrie, öffentliche Finanzpolitik, Handelsbilanz und Verkehrsprobleme. Im zweiten Tel werden die wichtigsten Zweige der Wirtschaft in kurzen Monographien besonders dargestellt; jeder dieser kurzen instruktiven Artikel ist von einem Fachmanne abgefaßt. Wertvolles bietet auch der reichhaltige Inseratenteil. Der Verlag ist sich, wie er im Vorwort betont, gewisser Mängel und Fehler bewußt, die aber, wie mit Recht bemerkt wird, bei einem erstmaligen Unternehmen dieser Art kaum zu vermeiden sind. Dieses Jahrbuch mit seinen zahlreichen Statistiken und gut unterrichtenden Aufsätzen wird bald, ebenso wie die in Aussicht gestellten späteren Jahresbände, ein unentbehrliches Nachschlagewerk für alle sein, die an der Palästina-Wirtschaft irgendwie interessiert sind. M. N. Blinde große Männer. Von Alfred Loewy s. A. Kommissionsverlag Rascher u. Co. Zürich. Diese Schrift ist posthum erschienen; der Verfasser ging bereits im Januar d. Js. heim. Alfred Loewy, ordentlicher, Professor der Mathematik an der Universität Freiburg i. B., war als- Mensch, als Jude und als Gelehrter, gleich hervorragend. Mit seiner wissenschaftlichen Betätigung hat iAlfred Loewy seine Treue zum Judentum harmonisch vereinigt. Er hat, in frommem Elternhaus erzogen, von Jugend auf „gelernt" und durfte mit Fug . und Recht auch auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft als Gelehrter bezeichnet werden. Alfred Loewy war strenggläubiger Jude und hat, oft unter großen Schwierigkeiten, alsetwas Selbstverständliches, alle Vorschriften „des Religionsgesetzes gewissenhaft und vorbildlich erfüllt. Diese1 Synthese von profaner Wi&senschaftlichkeit und jüdischreligiösem Pflichtbewußtsein war eine großartige Erscheinung und gab dem Manne das Gepräge. Zur vollen Höhe seines Geistes und Charakters hat Alfred Loewy sich erhoben, als vor Jahren das Licht der Sonne ihm zu leuchten aufhörte. Heldenhaft hat er sein Lei den getragen. Er hat seine... Vorlesungen nach wie vor gehalten, Prüfungen abgenommen und seine reiche schriftstelle-sche Tätigkeit fortgesetzt. Noch in den letzten Wochen vor seinem Tode hat Alfred Loewy im badischen Gemeindeblatt Abhandlungen veröffentlicht über „Das Unglück" und über „Das Glück in jüdischer Auffassung", die von seiner profunden Kenntnis des jüdischen Schrifttums Zeugnis ablegen. Erst in der letzten Nummer der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums ist noch eine nachgelassene Arbeit Loewy's „zur Mathematik in Bibel und Talmud" erschienen. Alfred Loewy hat insbesondere auch, bis zu seinem Tode, seine verdienstvolle Betätigung im Oberrate der Badischen Israeliten fortgesetzt und dort die Belange des gesetzestreuen Judentums gewahrt. . Ueber 27 Jahre hat er dieser Körperschaft angehört. Auch innerlich hat Alfred Loewy sein schweres Leiden überwunden; dazu hat ihn in erster Reihe seine religiöse Ueberzeugung, sein unerschütterliches G'ttvertrauen befähigt. Nie hat er Klage oder Unmut über sein Leiden geäußert; er ignorierte es und erwartete von den Anderen, daß sie es ignorierten. In unserem Uerlage ersdtien soeben: TOI Ein jüdisch-geschichtlicher Wegweiser uon Rabbiner Dr. L Breslauer Steif broschiert 103 Seiten, Preis RW. 2.50 £in Rrbeitsbudi für die reifere jüdische Jugend und für denkende Juden überhaupt £s hilft den Suchenden die jüdische 6eschichte mit jüdischen Rügen zu sehen und sie als sittliche Ruf gäbe zu erfahren. £s bringt fruchtbare Besinnung über das 6olus - 6s zeigt den Weg mr echten jüdischen Gemeinschaft und Kulturarbeit. Zu bezichen durch alle besseren Buchhandlungen sowie direkt durch den üerlag Verlag des Israelit u. Hermon G.m.b.H. Frankfurt a. M. - Rechneigrabenstrasse I Postscheckkonto rrankfurhnam tlr. 19802 Uebertriebenes Mitleid „das nicht erhebt, sondern nur niederdrückt", lehnt er im Vorwort zu seiner Schrift ab und sagt weiter: „Wer . . . sich zu dem Satz bekennt: „Was G'tt tut, das ist Wohlgetan", ... der empfindet, wenn er sich nutzbringend betätigen kann, in seinem Herzen eine Freude, der gegenüber das überschwängliche Mitleid ganz unangebracht ist." Seine innere Heiterkeit, ein Ausfluß seelischer Größe, erfuhr keine Trübung durch sein Leiden. So ward sein Leben ein Sieg des Geistes über den Körper, ein Sieg des Unsterblichen über das, was sterblich an ihm war. Ihm ward, nachdem ihm das Licht der Augen erloschen war, „der Herr zum ewigen Licht." So lag es für Alfred Loewy nahe, sich in die Schicksale anderer blinder Männer zu vertiefen. Er hat in den letzten Monaten seines Lebens die Biographien von elf Männern geschrieben, die trotz ihrer Blindheit, auf den verschiedensten Gebieten, Großes geleistet haben. . Von diesen großen- Männern hatte . wohl kaum einer in seinem Wirken und Schaffen, solche Schwierigkeiten zu überwinden wie Alfred Loewy — als Mathematiker, Uniyersitätsprofessor und Schriftsteller und last not least als gesetzestreuer Jude. Alfred Loewy hat das Erscheinen dieser seiner Schrift nicht mehr erlebt. Er ist, wie auf der dem Buche beigegebenen Binde, gesagt ist, in -ungebrochener Schaffensfreude' gestorben — „ein blinder großer Mann auch er."; Ein großer Mann ist der Welt entrissen worden. Uns" war er mehr! Vermischtes. Frankfurt a, M„ 20. Juli. Nach Meldung der „Frankfurter Zeitung" haben die Hoteliers und Gaststätteninhaber in N e us t r e li t z sich durch Vermittlung des Städtischen Verkehrsamtes zu einer Gemeinschaftsaktion vereinigt, wonach überall Schilder mit der Inschrift „Der Zutritt'von Juden istjunerwünscht'' zum Aushang gebracht werden. Wie die „Frankfurter Zeitung" weiter meldet, hat der Gemeinderat von Osann, einein Winzerdorf in einem Seitental der Mosel, den Beschluß gefaßt, daß kein Jude und keine Jüdin in Osann zuziehen darf, kein Jude ein Haus oder ein Grundstück erwerben darf, kein Handwerker, Geschäftsmann oder sonstiger Volksgenosse eine Gemeindearbeit oder Gemeindelieferung erhält, der noch mit Juden Verkehr pflegt oder diese in ihrem Handeln unterstützt. Das Kaufen bei Juden wird als Verrat am Volke und an der Nation bezeichnet. Stettin, 22. Juli. Die „Pommersche Zeitung" in Stettin berichtet aus Falkenburg: ' „Es ist bemerkenswert, daß die Zahl der jüdischen Einwohner in Falkenburg gegen früher bedeutend abgenommen hat. Während im Jahre 1885 unter 4096 Gesamteinwohnern 137, das sind 3,34 Proz., Juden . gezählt wurden,- ist ihre Zahl am 1. Juli 1935, wo die Gesamteinwohnerzahl 6288 betrug, auf 31 Pdrsonen, das sind nur noch 0,49 Proz., herabgesunken. Während also im Jahre 1885 schon auf etwa 30 Einwohner ein Jude kam, kommt fetzt erst auf 195 Einwohner ein Jude." Hamburg, 22. Juli. Der verstorbene Arzt Dr. M. Cohn hat der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg den Betrag von RM, iOO.OOO in Wertpapieren und Liegenschaften testamentarisch vermacht. Das Vermächtnis ist dazu bestimmt, Zöglinge der jüdischen Waisenhäuser in Hamburg in ihrer Berufsausbildung zu fördern. Bad Pistyan, 15. Juli. Alljährlich trifft sich in dem verhältnismäßig engen Kurbezirk eine kleine internationale Gesellschaft; alle Sprachen der Welt ümschwirrenbeim Spaziergang durch den gepflegten Kurpark unsre Ohren, sehr häufig Jargon und' auch hebräisch, und beim Kurkonzert erfreut sich das Auge an manch einer den Kaftan tragenden Patriarchengestalt im weißen, wallenden Bart. Im Park, in der Synagoge, im Beth Hamidrasch werden alte Bekanntschaften erneuert, neue geschlossen, viel gute „jüdische Wörter" ausgetauscht und kleine Lernzirkel gebildet. Von 5 Uhr früh bis gegen 8 "Uhr ist Gelegenheit, mit Minjan zu beten. Am Schabbos stellt sich die jüdische Welt pünktlich zur Nachmittagsdroscho ein, die vom hiesigen Oberrabbinär .Teichtal oder einem zur Kur hier weilenden fremden Rabbiner gehalten wird. Die jüdischen Einwohner Pistyans stehen fast ausnahmslos auf gesetzestreuem Boden, sind nzv 'laiE?. halten ihre Geschäftslokale in beispielhafter Einmütigkeit geschlossen unterbieten so uns reichsdeutschen Juden ein ^herzerquickendes Bild thoratreuen Lebens. — Die hiesige Jeschiwa, die von dem schon genannten Oberrabbiner Teichtal vor zwei Jahren mit geringen Mitteln gegründet worden ist, hat sich gut entwickelt, einen Stamm auswärtiger, gut vorgebildeter Bachurim herangezogen und die besten der Pistyaner Jünglinge an sich gefesselt, Ihre Frequenz beträgt 35 Kopfe, für deren geistiges und körperliches Wohl mit Hilfe von Subventionen orthodoxer Ladnesorganisationen und der Sammeltätigkeit des erwähnten Öberrabbiners ausreichend gesorgt wird. — Zwölf junge Leute aus verschiedenen Gegenden der Tschechoslovakei sind hier zu einer Hachscharah vereinigt und. werden in jüdisch-positivem Sinne erzogen, Sie arbeiten in der Ziegelei eines hiesigen jüdischen Fabrikbesitzers, in der , nahegelegenen Käserei eines Glaubensgenossen, in der Gärtnerei der Kurdirektion und auf dem benachbarten Gut des christlichenJHauptaktionärs des Pistyaner Bades, — Für die armen Glaubensbrüder., die hier Heilungvon ihren Leiden suchen, wird ausreichend gesorgt. Die jüdische Gemeinde speist sie in ihrer Volksküche und gibt ihnen für die Schlammbäder Freikarten, die der Gemeinde von der Badedirektion unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, ein; Zeichen von Toleranz, von vorurteilsloser, sozialer Fürsorge, die wir in rühmend zur zur Kenntnis bringen. Warschau, 19. Juli. An das' Warschauer Rabbiinat ist eine Mitteilung gelangt, daß in dem Städtchen Sarnow bei Posen keine Juden mehr wohnen. Die Gemeinde war einst recht bedeutend. Nunmehr sind auch die letzten Juden ausgewanderte Die Schlüssel der Synagoge befinden sich beim Bürgermeister. Auf dem jüdischen Friedhof herrschen -unliebsame Zustände. Zwischen den Gräbern tummeln sich! Haustiere. An das Warschauer Rabbinat wird die Bijtte gerichtet, sich der verlassenen jüdischen ,Stätten anzunehmen und nach Möglichkeit die Gebeine der Verstorbenen auf einen anderen" Friedhoi zu überführen. —- Das Warschauer Rabbinat wird in dieser Angelegenheit eine Beratung mit dem Rabbinischen Rate der „Agudas Jisroel" abhalten.