Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 Nr. 31 Der Ist a e 1 i t 1. August 1935 der zuständigen Organe der Landesorganisation un terworfen. In ihren inneren Angelegenheiten dagegen und in den besonderen Angelegenheiten der Poalim ist HPAJ. vollständig autonom gegenüber der Landesorganisation der A. J. 5. In den Fragen, die in die Kompetenz des Maue zes Gedaule Hathauro gehören, ist HPAJ. den Beschlüssen des zuständigen Mauezes Gedaule Hathauro von E, J. unterworfen. 6. Die HPAJ. in E. J. ist die Organisation aller agudistischen Olim ohne Unterschied des Landes und der Strömung innerhalb der HPAJ.-Bewegung, sofern diese Olim in E. J. Arbeiter geworden sind, die von ihrer Hände Arbeit leben und die des besonderen Schutzes in Angelegenheiten der Arbeit und der Wirtschaft bedürfen. 7. Die HPAJ. in E. J. hat keine andere Ideologie wie diejenige der A. J. die gegründet ist auf dem Prinzipe der vollkommenen Herrschaft der Thora im Leben des Einzelnen und der Gesamtheit. PAJ. ver tritt keine besonderen Anschauungen, sondern lediglich besondere Interessen und auf Grund dieser Tatsache hat sie die heilige Aufgabe übernom men, mitzuhelfen an der Verwirklichung der unverkürzten Thoraforderungen im Leben des Jischuw, insbesondere auf dem Gebiete der sozialen Gerechtigkeit. B. Einwanderung,- Arbeit und Wirtschaft. ' 1. PAJ. in E. J. verlangt für ihre Mitglieder das Recht auf Arbeit, Sie protestiert mit aller Entschiedenheit gegen jeden Versuch, von wem er auch kommen möge/ ihre Mitglieder an der Uebernahme von Arbeit im Baugewerbe oder in der Industrie zu verhindern, HPAJ, wird nicht zugeben, daß das religiöse Gewissen ihrer Mitglieder einem wirtschaftlichen Druck ausgesetzt wird. 2. HPAJ. protestiert mit aller Entschiedenheit gegen diejenigen, die ihren Wirtschaftsbetrieben keine jüdischen Arbeiter beschäftigen. Sie erblickt in der Beschäftigung nichtjüdischer Arbeiter in der jüdischen Wirtschaft eine Gefahr für den Aufbau des Landes und seine Entwicklung, eine Gefahr für die Alijah und für die Aufnahmefähigkeit des Landes. 3. HPAJ. in E. J. wendet sich an die orthodoxen Arbeitgeber mit der Aufforderung, in ihren Wirtschaftsbetrieben nur orthodoxe Arbeiter zu beschäftigen, Sie protestiert gegen diejenigen orthodoxen Arbeitgeber, die in ihren Betrieben irreligiöse Arbeiter bevorzugen und dadurch den Standpunkt des orthodoxen Arbeiters beim Aufbau des Landes gefährden und zugleich die Verwirklichung der Thora im Leben des Jischuw verhindern. < 4. HPAJ. in E. J. erblickt die Grundlage des Auf-- feaus des Landes in der ländlichen Siedlung sowohl vom politisch-wirtschaftlichen Standpunkt, als auch vom religiös-sozialen Standpunkt und wird all ihre Kräfte anstrengen, um ihre Mitglieder in Kibbuzim und Kewuzoth soweit wie möglich auf dem Lande zu konzentrieren. 5. HPAJ, wendet «ich an die Leitung des "Keren Ha jischuw mit dem Ersuchen, die Gründung landwirtschaftlicher Kibbuzim. mit Hilfswirtschaften zu ermöglichen. Sie sieht in diesen Kibbuzim organische Stützpunkte, die geeignet sind, das religiöse Leben im Lande in stärkerem Maße zu beeinflussen. Ebenso wendet sie sich an die Leiturig; des Keren Hajischuw mit .der Aufforderung^ das Siedlungswerk in Machane Jisroel zu vollenden und an ein zweites Siedlungswerk auf'dem Boden von Olam und Madhar heranzutreten. 6. HPAJ. in E .J. wendet sich an die Leitung des Keren Hajischuw, ihr die finanziellen Mittel zu gewähren, um handwerkliche Kooperative zur Uebernahme von Arbeiten zu bilden, um ihren Mitgliedern bei der Eroberung des Arbeitsmarktes durch selbständige Kräfte behilflich zu sein. Sie fordert ferner die Gründung sozialer Institutionen,,und. den Ausbau der Tätigkeit der bestehenden Krankenkasse in Tel Awiw und Pethach Tikwa und die Schaffung neuer, den Ausbau der Tätigkeit der"Darlehens- und Versorgungskasse der HPAJ. in E. J.( die in Tel Awiw besteht, als wirksames Finanzinstrument. 7. HPAJ. in E, J, fordert von den Organen der A. J. in Jedem Lände, die sich mit der Alijah beschäftigen, für die körperliche und geistige Vorbildung der Olim zu sorgen, so daß eine Bürgschaft übernommen werden kann für ihre Eignung dem Lande wirtschaftlich. zu nützen und auch die Herrr schafi der Thora im Leben des Jischuw zu fördern, - -8. HPAJ. fordert tätigen. Einfluß auf die Aus wähl des Menschenmaterials, das von Seiten der A. J. nach E. J. geschickt wird um es den Bedürfnissen des t Landes und den Aufgaben der A. J. im Lande anzupassen. .* C. Stärkung de r Religion und der Herrschaft der Thora im Leben des Landes. 1. HPAJ, in E. J. protestiert mit aller Energie gegen die Entweihung des Sabbats und der Religion überhaupt, die sich im Lande durch Böswillige wie durch Irrende steigert. Sei verlangt eine energische Arbeit von Seiten des ganzen orthodoxen Judentums atff dem Gebiete der Stärkung des religiösen Lebens und der Schaffung einer breit angelegten schriftlichen und mündlichen religiösen Propaganda. 2. HPAJ. in E. J. erblickt in dem irreligiösen Erziehungswesen Im heiligen Lande den Untergang des Judentums. In diesem Erziehungswesen wird das junge Geschlecht ohne Thora und Gottesfurcht erzogen. Die Organisation legt ihren Protest ein gegen alle Organisationen und gesellschaftlichen Institutionen, die direkt oder indirekt dieses Erziehungswesen fördern und verlangt von der orthodoxen Gesamtheit eine entscheidende Arbeit auf dem Gebiete der .Erziehung in Stadt und Land. . . 3. HPAJ. in E. J. wendet sich mit einem warmen Aufruf an alle. PAJ., sich gegenseitig zu stärken und zu festigen in jüdisch-religiöser und jüdisch-ethischer Gesinnung, ihre Kinder zur Erziehung ausschließlich in die Erziehungsanstalten der A. J. zu geben, damit sie dereinst zu Vorbildern in einem treuen von Sittlichkeit, Recht und (Billigkeit erfüllten jüdischen Leben werden. 4. HPAJ. in E. J. erwartet von den Größen der Thora in E. J. und in der Gola, den wahren Führern des jüdischen Volkes, Rat darüber zu pflegen, wie die Herrschaft der' Thora im Leben der Gemeinden, der Gesellschaft^ der Siedlung wieder hergestellt werden kann und verspricht, alle ihre Kräfte diesem heiligen Kampfe zu widmen. Für eine Beth Jacob-Schule in Bne Brak, Bne Brak, 20. Juli. Der Abschiedsabend, den die Bnos Agudas Jisroel in Bne Brak dem Führer der Beth Jacob-, und Bnos Agudas ISsroel-Bewegung, Redakteur Frydensohn in Lodz, veranstaltete, gestaltete sich zu einem P r opaganda-Abe n d für die praktische Arbeit. Sämtliche Redner hoben" hervor, daß die Frucht alles Redens nichts anderes sein könne, als die Praxis und hier brennt uns das Feuer unter den Nageln, wenn wir nicht wollen, daß die weibliche Jugend uns verloren geht. Nach unendlichen Mühen ist es. gelungen, für die Errichtung einer Beth Jacob-Schule in unserer in den letzten Jahren sich stark vergrößernden Kolonie eine geeignete Unterkunft zu finden in einem schönen luftigen Häuschen mit Garten, das sich 10 Minuten von dem Zentrum der Kolonie, :n Sichron Meiir, befindet, . Nun gilt es, die. Mittel für die Einrichtung und vor allem für sinen ungestörten Betrieb zu schaffen. Am Roschchodesch Ellul soll der Unterricht beginnen und noch fehlt es am nötigsten. Die Agentur der Welt-Agudo in Jerusalem hat zwar die Unterstützung zugesagt, doch' fehlt es ihr an Mitteln. Vielleicht finden sich irgendwo in der Diaspora begüterte Schwestern, die uns über den Anfang hinweghelfen und uns die Mittel für die Ein: Schulung der Kinder während des ersten Halbjahres zur Verfügung stellen. Dann wird G'tt weiterhelfen. Die Schriftleitung des „Israelit1';.ist gerne bereit, Zuwendungen zu vermitteln. Personalien. Berlin, 1§. Juli, In diesen Tagen haben wir in aller Still« Herrn! 'Kantor-^J.osua S a p h i r s t ei n zu Grabe, getragen, der-durch eine plötzlich aufgetretene Krankheit m den besten Jahren der Kraft und, der-Arbeit von uns gerissen worden ist. In verschiedenen Gemeinden Berlins, zuletzt: m d-er 'Passauerstraße —- vorübergehend;äuch in der Gemeinde Lübeck — war er, seitdem er als Jüngling aus der köstlichen Heimat zu uns kam, als Chason tätig. Neben*.einer großen stimmlichen Begabung zeichnete ihn eine tiefernste Frömmigkeit und wahre G'ttesfurcht aus, Er besaß große hebräische und vor allem reiche talmudische Kenntnisse und hat gewiß keinen Tag versäumt,, ohne im Talmud zu forschen und sich -dem Lernen zu widmen. Tiefempfunden und der Ausdruck eines starken mu-. sikalischen Könnens sind seine Kompositionen. Besonders hervorzuheben sind die der im Menorah- Verlag erschienenen Hagada des Kindes beigedruckten Melodien des Sederabehds. und unter ihnen wieder die ergreifende Melodie für, das Rätseispiel des „Echod mi jaudea". Tragische. Umstände haben seinen Lebensmut vor der Zeit gebrochen, so daß er, der zu den schönsten Hoffnungen für eine wirkungsreiche Tätigkeit als wahrer Schliach zibür berechtigte, durch Enttäuschungen geschwächt, zurückgzeogen-voa der Welt lebte. Seine ganzen Hoffnungen konzentrierte er noch auf Erez Jisroel, wo er die Möglichkeit zu neuer, beglückender Tätigkeit zu finden glaubte. Leider ist er vor der Zeit abberufen worden, betrauert von dem greisen Vater und von einem Kreis zahlreicher Freunde und Verehrer, die dem feinen, idealistischen Menschen und 'dem ehrlichen Jehudi. ein ehrendes Andenken bewahren werden. rraxjn Breslau, 19. Juli. Rabbiner Dr. Aron H e p p n e r, der Leiter des Archivs-der Breslauer Gemeinde, wird am 22. Juli 70 Jahre alt. Dr. Heppner war früher Rabbiner in Koschmin. Nach der Abtretung der Provinz Posen an Polen kam er nach Breslau und wurde im Jahre 1924 zum Leiter des Archivs ernannt. Dr. Heppner hat zahlreiche Arbeiten, besonders auf familienkundlichem Gebiet, veröffentlicht. Das bekannteste Werk ist die Darstellung „Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der Jüdischen Gemeinden in den Posener Landen". - wj7iay Breslau, 23, Juli. In diesen Tagen verläßt Herr Rabbiner Dr. Binetter nach , jahrzehntelanger Wirksamkeit Breslau; um zu seinen Kindern, nach Pa- " lästinä zu übersiedeln. Als ehrenamtlicher Rabbiner der Landschul-Synagoge, des Neustadt'scheri Minjan und zuletzt der Pinchas-Synagoge hat Herr Dir. Binetter eine zwar stille und unauffällige L ab er wirkungsvolle Tätigkeit für die Aufrechterhaltung und Stärkung des orthodoxen Judentums, entfaltet. Gleich- Zeitig hat er im Einzelunterricht mit liebevoller Hingebung einer großen Zahl von Schülern religiösen Unterricht erteilt und sie systematisch zum Lernen angeregt und mit ihnen gelernt. Insbesondere in den letzten Jahren hat Dr. Binetter bei dem Aufbau der Pinchas-Synagoge bewiesen, daß . die .Durchsetzung des streng-or;thodoxen Standpunkfes. bei der Einrichtung und Führung einer solchen Synagoge, durchaus möglich ist und dazu führt, daß auch anders denkende und anders erzogene Menschen diesen Standpunkt anerkennen und. sich ihm einordnend fügen. So ' ist die Pinchas-Synagoge unter seiner Führung in den letzten Jahren aufgeblüht und. zu einem Mittelpunkte frommen jüdischen Lebens in einem Breslauer Stadtviertel geworden. Nebenher hat Dr. Binetter als langjähriges Mitglied der orthodoxen Vereinigung jüdischer Akademiker und der Agudas Jisroel überall tür Zwecke der Allgemeinheit mitgearbeitet und es ist vielleicht nicht bekannt, wie' viel er außerdem im Stillen für Linderung von Not und Elend-durch Sammeln und Fürsorge gewirkt hat. _Dr. Binetter gehört zu den .Menschen, die bei aller Festigkeit des Standpunktes keinerlei Feinde und Gegner haben und sein Scheiden von Breslau wird eine fühlbare Lücke hinterlassen. Weiteste Kreise haben den . Wunsch, daß Herrn Rabbiner Dr, Binetter ini heiligen Lande im Kreise der Seinen ein schöner Lebensabend beschieden sein möge, . -n v cp-wyi risn ty Berlichingen, 18, Juli, Frau Kela M et z g e r , geb. Kaufmann von hier, beendet am 10. August d. J. ihr 8 5. L e h e n s j a h r in noch guter körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Sie ist das älteste ..Mitglied der hiesigen Gesamtgemeinde., Wir wünschen der Greisnn einen\weiteren frohen Lebensabend, wny- Neckarsteinach, 29. Juli, Einen Unserer Besten geleiteten wir am Erew Schabbos zur letzten Ruhe. Nach kurzer schwerer Krankheit' verschied Herr Josef Ledermann, eine große Lücke .hinterlassend. Weit über seinen Wirkungskreis hinaus war er beliebt und geachtet und die. ihm näher Stehenden erkannten, mit - welcher Bescheidenheit und Selbstverleugnung er mehr als 25 Jahre die Geschicke, der-Gemeinde geleitet hat. Als wahrer Scheliach Zibbur versah er auch die Vorbeterfunktionen in vorbildlicher Weise leschem Mizwoh. Bei der Lewajo zeichnete Herr Rabbiner Dr. C r a i 1 s h e i m e r , Mosbach in beredten Worten ein Lebensbild des nun Verklärten, der die-Seehijo hatte, vier seiner Töchter unter die Chuppo führen zu können und Enkel, erzogen in seinem Sinne, heranwachsen zu sehen. Möge der Allgütige der gjeichgesinnten, um den teuren Verstorbenen trauernden Gattin und den in seinem Sinne wirkenden Töchtern'undSöhnenTrost spenden. n''a33n Jerusalem, 22. Juli. In hohem Alter ist. hier: der durch seine literarische Tätigkeit bekannt' gewordene Rabbiner Salman A. W e r th e i m e r verstorben. Der Heimgegangene, der seit "1870 in Jerusalem + lebte, hat sich besonders durch seine- Studien alter Handschriften m Aegypten verdient gemacht - wobei es ihm geläng, wertyolle Funde zu erzielen. _ In zahlreichen Werken hat er die Ergebnisse" seiner "Studien der Oeffentlichkeit zugängig gemächt.' Traxan .