Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1. August 1935 Der Israelit scher Staatskommissar unter Beibehaltung seines derzeitigen Arbeitsbereiches zu seinem Sonderbeauftragten für die- Ueberwachung und Beaufsichtigung der Betätigung aller im deutschen Reichsgebiet lebenden nichtarischen Staatsangehörigen- .auf künstlerischem und geistigem Gebiet berufen.. Einem Vertreter des „Angriff" gegenüber hat sich Geschäftsführer Hans H in k e 1 über seine Aufgaben ausführlicher geäußert,- Zu Beginn seiner Unterredung ^erinnerte Geschäftsführer Hans' Hinkel daran, daß im April 1933 der „Jüdische Kulturbund" genehmigt worden sei, mit dessen Duldung grundsätzlich ausgesprochen worden sei, daß jüdische Künstler für ein jüdisches Publikum nach' Belieben wirken" dürfen — allerdings unter gewissen autoritativen Richtlinien, für. deren Durchführung zu. sorgen, &ainf Hinkols, Auftrag sei. Es muß betont werden, so sagte Hans Hinkelj daß die führ e n den Leu t e des Jüd i s c h e n Ku 11 u r b u ndes im Laufe von fast zwei Jahren immer wie der unsere Loyalität anerkannt h aben. - - An diese Zusammenhänge, fuhr Hinkel fort, muß ich erinnern in Verbindung mit dem neuen Amt, zu dem ich von Reichsminister Dr. Goebbels "soeben berufen worden bin.:Wenn wir! nämlch-Y&uf' der «iaen Seite ein jüdisch-kulturelles. Eigenleben, mit anerkannter Großzügigkeit, begründet haben, so verwahren wir uns scharf gegen; jeden Versuch der Einf lußnahme von jüdischer Seite auf ..-die.Kulturangelegenheiten unserer Nation. Wir wissen, daß da und dort. Juden getarnt arbeiten; wir wissen, daß. manche Verfilzungen aus der Systemzeit bis heute noch nicht gelöst sind. Diesen Zustand, wo er noch, besteht, zu ändern, betrachten wir als unsere aktuellste Aufgabe. Wir werden die Schuldigen zur Verantwortung ziehen, nicht nur die Juden, die unter falscher Flagge sich über die Hintertreppe wieder einschmuggeln wollen, einerlei ob im Film, im Funk oder im Schrifttum - — besonders hart und scharf werden wir die Nichtjuden anpacken, die sich auf eine jüdische Symbiose einlassen und sich nicht scheuen, sich . als Strohmänner für 30 Silberlinge an Juden zu verkaufen Diesem Zustand wird ein Ende gemacht. Seit "Wochen sind die Arbeiten iin Gange, auch bei den Kammern. Die Klärung der sogenannten „Grenzfälle" liegt mir besonders am Herzen, Wir wünschen "endlich reinliche Scheidung. Wie uns Anonyme unerwünscht sind, so erst recht Goi-nonyme. Wer nach der nationalsozialistischen Revolution "noch geistig oder wo es sein mag, mit dem Judentum kompromisselt, -hat keinen Platz im kulturellen Lebensraum des neuen Deutschlands. In zahlreichen Einzelfällen -' -hat der nationalsozialistische Staat größere Loyalität bewiesen, aber anscheinend hat man dies Entgegenkommen, das ha-' mentlich 1933 an den Tag gelegt w^rde,: mißve'rstah-' den und glaubte im vergangenen Jahr nach Belieben mit uns umspringen zu können. Diese Spekulanten auf unsere Gutmütigkeit sollen sick geirrt haben.. Wir werden scharf durchgreifen'und müssen es tun, denn vor uns steht das schwer arbeitende gläubige Volk, demgegenüber wir . die Verantwortung, tragen, für eine saubere^; ehrliche; Kulturarbeit. Wir haben große Freiheiten erteilt^ großes Entgegenkommen bewiesen. Wir wünschen aber auch sauberste Scheidung beim Aufbau einer eigenblütigen- Kultur. Der Präsident der Reichskultürkammer, Dr. Goebbels> hat mir genaueste Richtlinien; und Vorschriften erteilt. Ich bin gewiß, daß sie beim Volke -spontanen und allgemeinen Widerhall finden werden. " . i.'-r ' . ' J* , Das Mädchensernfnar der Agudajugend (Noar Agudati). * ' "n > ult>: H'amb'ur'g; ,;28. Jüli. " Als Vorbereitung für Erez Jisroel jsl nicht nur eine berufliche,' sondern auch eine geistige Hachscharah erforderlich.1 Die Erfahrungen in den-Hädhscharahzentren haben' gezeigt', daß die Vorbildung" der Chawerotff nichtT. immer genügend ist, um eine erfolgreiche " geistige' Arbeit zu ermöglichen, und daß die Hachscharäli' gufanitK'nicht:v genügt, um das jti?- Die Woche. Berlin. Im Alter von 68 Jahren .{sjt der Alleininhaber des Kaufhauses N. Israel, Berthold Israel, gestorben. Er arbeitete an zahlreichen jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen mit und war jahrelang Vorstandsmitglied des Hilfsvereins der deutschen Juden. —" . Laut Meldung des „Angriff" demonstrierten Bevölkerung und Badegäste Misdroys gegen die Zunahme der jüdischen Badegäste. Die Pensionsinhaber erklärten sich bereit, die ^Jüdischen Badegäste aufzufordern, Misdroy zu verlassen. Schwerin. Nach Meldung der Mecklenburgischen Zeitüii'g wird die Stadt Sternberg in Zukunft keinem Juden mehr erlauben, sich in ihren Mauern niederzulassen. Jerusalem. In der Vollversammlung der Jerusalemer Handelskammer teilte der Schatzsekretär _mit, daß die Regierung gegenwärtig die Möglichkeit einer Steuersenkung prüfe. Die Verbesserung der Häfen, des- Eisenbahnnetzes und des Post- und Telegrafenwesens wurden zugesagt. Die Handelskammer sprach sich in energischen Worten für die Einführung von Schutzzöllen aus. — Die Judenstaatspartei hat wegen der Verweigerung ^hrer Registrierung durch die palästinensischen Behörden Berufung an den obersten Gerichtshof eingelegt. — Von dem Gericht in Zifta wurden 47 Personen, Juden, Christen und Araber, wegen illegaler Einwanderung zu Gefängnisstrafen und späterer Landesverweisung verurteilt. —- ITA. meldet, daß der Emir von Transjordanien beabsichtigt, nach Nabluseine Tagimg der arabischen Parteien einzuberufen, um ein einheitliches Vorgehen gegen die steigende jüdische Einwanderung und die Landkäufe von Juden zu ermöglichen. — In Emek Chef er sind in letzter Zeit wiederholt Fälle von Bauchtyphus aufgetreten. Es wird ein Eingreifen der Regierung zur Verhütung weiterer Ausbreitung der Epidemie gefordert, — Waad leumi teilt mit, daß die Verhandlungen über eine Vereinheitlichung des jüdischen Schulwesens' in. Erez Jisroel bis nach dem Zionistenkongreß vertagt worden seien. — Gegenwärtig absolviert der Großmufti eine Propagandatournee durcb Palästina. Er bekämpft diejenigen Mohammedaner, die Land an Juden Verkäufen. — Der Hafen von Haifa soll derart erweitert werden, daß in ihm gleichzeitig 10' Schiffe anstatt bisher nur 4 landen können. :— Am 1, Dezember tritt eine.Verordnung in Kraft,\ die High . Cömmissioner erniachtigt, Quoten für die Zulassung von Äerzten. im Verlaufe eines Jahres festzusetzend; Von der Sperre ausgenommen, sind. Aerzte, die bis zum 1. Dezember d. J. die dauernde. Aufenthaltserlaubnis im Lander erhalten haben. Tel:" 'Äwiw; Nach längeren Verhandlungen ist zwischen der rumänischen National-Bank und der Anglo Palestine Bank ein Abkommen getröffen worden, das die Transferierung von "Zahlungen von -Rumänien nach Palästina regelt. Vor kurzem ist auch die Erlaubnis zur Transferierung der von den . zionistischen Fonds gesammelten Gelder von Rumänien nach Palästina gegeben worden. London. Im Unterhaus teilte - der Kolonialminister mit. daß der Verwaltungsübersehuß der Palästina-Regierung am 30. Juni sich auf über 5% Millionen Pfund belaufen habe. Warschau. Der Wojwode von . Nowpgrodek hat der Jeschiwa in Mir einen Besuchabgestattet. Er wurde von einem Dozenten mit einer polnischen Ansprache, von einem Schüler mit einer französischen Ansprache begrüßt. Der Wojwode 'äußerte seine Befriedigung über die Einrichtungen der Anstalt. — Die Luftlinie Polen-Palästina ist eröffnet worden. Die Flugzeit dauert 29 Stunden. Antwerpen. Gegenwärtig streiken hier 3000 Diamantenarbeiter, darunter 600 jüdische, deren wirtschaftliche Lage sehr ungünstig ist. Kowno. Der Staatspräsident von Litauen, enjpfing eine Rabbinerdelegation, die Ihm die wirtschaftliche^ Notlage der jüdischen Bevölkerung schilderte. Der Präsident versprach -Abhilfe' Saloniki, Der neu ernannte Generalgouverneur versicherte '•die jüdische' Gemeinde-seirier Sympathien. -Er werde'', um -'finanzielle - Beihilfen bemüht «it r^dische Wissen und Fühlen zu vervollkommnen-. Die Chaiuzoth sind^ besonders in der ersten Zeit, durch . die angestrengte körperliche Arbeit/ zu sehr in An- •' sprach genommen. I Diese Erkenntnis hat zur Gründung des Mädchen- | Seminars des Noar Agudati im Februar 1935 geführt, i Ziel der Arbeit ist es, den Chaweroth eine gediegene | Grundlage jüdischen Wissens und jüdischer Anschau- 'ung' zu vermitteln, auf der sie, je" nach ihrer Vorbildung selbständig weiter arbeiten und sich erfolgreich an der geistigen Arbeit der Hachscharah beteiligen können, i Das Seminar wird ein halbes Jahr besucht. Die Arbeit gliedert sich in hauswirtschaftliche und jüdische Ausbildung. Es konnte kein einheitliches Bildungsziel aufgestellt werden, da die Vorbildung nicht einheitlich isti, und es war daher:auch notwendg, in einzelnen Gebieten eine Einteilung in Gruppen vorzunehmen. Der Unterricht findet von 3l/2 bis 7 Uhr nachmittags statt. Die Zeit von 7% bis 10 Uhr abends ist zur Vorbereitung bestimmt. Die Unterrichtsfächer sind: Jüdische Geschichte, Palästinakunde, Dinim, Iwrith, Tefilld und Chumisch, Turnen. Ferner praktische Arbeit: z. B. Koschermachen und Hühner-Ausnehmen. ' Zweck des Chumisch-Unterrichtes, der den Mittelpunkt des Seminars bildet, ist es, erstens durch die Besprechung eine Grundlage zu geben für die Auffassung und Erfüllung - der Mizwoth und zweitens, in die Methode des Chumischlernens einzuführen, um eine spätere selbständige Arbeit zu ermöglichen.' Abgesehen von der wissensmäßigen Förderung der Chaweroth soll auch die Bildung einer Gemeinschaft •durch das Seminar angestrebt werden, Das Seminar wird heute von 18 Teilnehmerinnen besucht. Die erste Gruppe verläßt das Seminar im Herbst, um auf die verschiedenen Hachscharoth zu gehen. Mit einer zweiten Gruppe wird dann die Seminararbeit fortgeführt. Verschiedene Lehrkräfte der Hamburger jüdischen Schulen haben sich dankenswerterweise zur Mitarbeit zur Verfügung gestell^ um in gemeinsamer Arbeit die Grundlage für eine Arbeit in Erez Jisroel zu geben. Das neue Semester beginnt am 27. Oktober. Anfragen und Anmeldungen sind zu richten an: Mädchenseminar des Noar Agudät^ Elsbeth Kleve, Hamburg, Heidestr. 12. Oesterreich. Französischer Kolonial-Unterstaatssekretär für jüdische Einwanderung nach Syrien. Wien, 10. Juli. In der soeben erschienenen neuen Ausgabe des „Palästina-Levante-Courier" tritt der französische Unterstaatssekretär für die Kolonien, M. Candace, für Zulassung jüdischer Einwanderung nach Syrien ein. Er führt u. a. aus: „Es ist unbedingt notv$endig/ daß die jüdischen Organisationen in Frankreich die jüdische. Immigration in die französischen Kolonien anfeuern und unterstützen. Ich erkenne das von den Juden in Palästina vollbrachte grandiose Werk ,an.. Ich habe nirgends, mit Ausnahme der südamerikanischen Kolonisation, eine ähnliche Entwicklung gesehen. Wenn* nun die-Juden sich in unseren Kolonien niederlassen wollen, dann müssen wir sie soweit wie möglich durch unsere Hilfe unterstützen. Die Mandatländer Syrien und Libanon könnten von der jüdischen Einwanderung nur profitieren, und ich bin überzeugt, daß die Juden in diesem Lande ' ein nützliches Werk tun werden, das dem in Palästina gleichkommen wird. Ich für mein Teil werde die jüdische Kolonisation s^ehr unterstützen, und ich spreche den Wunsch aus, ^laß die französische Regierung unverzüglich ein Komitee ernennt, das sich mit diesem Problem In allen deinen Details beschäftigt. Ich bin sicher, daß diese Anstrengungen im Parlament eine Majorität finden werden. '(Die Gouverneure der Kolonien und der Ho chkommissär werden' uns sieher lieh ihre Hilfe zur' Verwirklichung dieses Planes nicht verweigern."