Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1935-08-01 · Heft 31 (1.8.1935) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 31 (1.8.1935)
Date
1935-08-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450858-2450888--81445-2539338
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Saite 6 Nr. 31 Der Israelit 1. August 1935 suches nicht energisch genug unterstrichen Werden kann, — es bedarf systematischer Pflege weltanschaulichen Denkens. Zur Erhaltung geistigen Strebens werden wir so auf jüdisch-geistige Arbeit über das Lernen hinaus, angewiesen sein. — Wir behalten uns genauere Begründung in diesem Punkte noch vor. Der Stoff dieser geistigen Arbeit kann wieder großen Teils im Jüdischen fliegen, ohne daß Profanes ganz ausgeschaltet werden kann, was ja auch niemand fordert. Vor allem gilt es hier, Tenach auszuwerten. Die deutsche Orthodoxie ist durch Hirsch und Hoffmann dazu aufgefordert worden, Tenach, vor allem die Bücher der Thora zu „lernen". Jeder der beiden Kommentatoren hat auf seine Art dargetan, wie gründliche, exakte Arbeit am Text zu großzügigen und weittragenden Gedanken führen" kann. Jeder hat in' seiner Art gezeigt, daß gründliches Studium zu, großzügigen Gedankengängen führt. Wenn wir eine Generation heranbilden können, die an diesen beiden Erklärern und ihren Vorgängern^ geschult ist, dann wird diese Generation an jüdisch-geistigen Werten nicht ärmer sein als die. vorige. Von hier aus kann eine vertiefte Auffassung der Mizwaus, eine Stählung und Verfeinerung des jüdischen Charakters erreicht werden. Hier ist durchaus nicht der t)Drusch" gemeint, — dessen Werte nioht bestritten werden dürfen, — sondern der ehrliche, nicht an der Oberfläche und philologischen Einzelheiten haftende Pschat. Zusammenhang und Aufbau, größere und durchgehende Eigenarten der Darstellung, Stoffauswahl und Tendenz usw. — solche Fragen fallen jedem nachdenklich die Thora Lernenden in großer Zahl auf. Und die Antwort darf nicht erschlichen werden und man darf auch jaicht geistreich die Schwierigkeit übermalen. Hier gilt es, methodisch zu arbeiten. Aehnliches gilt für Tenach, wo es noch bei den redenden Newiim gilt, dem Aktuellen, weil. Ewigen, ihrer Gedankengänge und den Variationen der Behandlung gleicher Probleme nachzuspüren. Die psychologische Analyse, die sinngemäß jeder Strafrede zu Grunde liegen muß und meist auch 'ausgesprochen wird, die Tiefe der Schuld, allgemein und speziell, wie der Nowi sie sieht, und so vieles andere soll stets ermittelt werden. So bringen unsere Urquellen uns geistige Belebung. So werden Denken und Wissen, Charakter und Tat, alles zugleich gehoben und gesteigert. Neben dem Talmud müssen Thora. und die anderen Teile des Tenach zu Stoffen gründlicher und systematischer Arbeit werden. Dies alles baut auf der jüdischen höheren Schule auf und bezieht auch einige profane Gebiete ein. Abgesehen von dem praktisch wichti-c gen Englisch wird durch einen literarischen Unterricht die Verfeinerung des Verständnisses für Kulturwerte erstrebt. In dieser Richtung liegt m. E. die Aufgabe des neuen Bildungsinstitutes unserer Zeit. Das Ziel eines solchen Institutes besteht also darin,, im Sinne der besten Tradition der deutschen Orthodoxie jüdische Persönlichkeiten heranzubilden, die Bereitschaft und Befähigung zu wertvoller jüdischfgeisti^er Leistung besitzen. Einem solchen Kreise können auch die Führer der thoratreuen Jugendarbeit von Deutschland über die Hachscharah bis Erez Jisroel entstammen. Man hört wohl aus den Ausführungen heraus, daß sie nicht bloße Theorie sind. Ein erster Schritt. ist geschehen, indem die Berliner Ortsgruppe der Agudas Jisroel vor einigen Monaten ein Beth Hachinuch mit diesem Programm begründet hat, Insofern, könnte dieser Artikel als Rechenschaftsbericht betrachtet werden,.für eine Idee, deren Verwirklichung begonnen hat- Wer. aber auch darin, eine Propaganda sieht, tut uns kein Unrecht, denn für eine:-zweckvolle. Sache darf propagiert werden. Daß wir aber litis er Institut für; zweckvoll halten, wollte ^dieser; Aufsatz begründen. 1i. . Bedrohung der Industrie durch die EIN MErMtEKEL, In einigen Tagen wird die Seidenfabrik „Meshi" Silk Mills von Saks u. Söhnen in, Ramat-Gan geschlossen. Den 120 dort beschäftigten Arbeitern wurde die Entlassung ab 21. Juli bereits mitgeteilt. : Die Seidenfabrik■..,,Meshi" ist der am besten ausgestattete und modernste Betrieb dieser Art nicht "nur in Palästina, sondern im Nahen Osten, Saks u. Söhne befaßten sich seit langem mit Sei-, denproduktion in den Vereinigten Staaten, Bei der vor zwei Jahren erfolgten Gründung ihrer Fabrik in Ramat-Gan statteten sie sie zu einem großen, modernen Betrieb mit qualitativ hochstehender Produktion aus. Sie investierten L.P. 82.000.—, und im Gegensatz zu vielen Industrieunternehmen Palästinas verfügten sie über eine vieljährige Erfahrung auf~diesem Gebiet und1 über ein beträchtliches Betriebskapital. Jedoch infolge des japanischen Dumping, von dem mehrere Wirtschaftszweige Palästinas betroffen wurden, insbesondere aber die Seidenproduktion, mußte der Betrieb eingestellt werden. Es ist von Interesse, festzustellen, daß der japanische Gesamtexport nach Palästina von etwa L. P. 5000 im Jahre 1926 auf über L. P. 500.000 im Jahre 1934 gestiegen ist. Die Seidenzufuhr aus Japan nach Palästina, die im Jahre 1930 kaum L. P. 1000.— im Laufe eines Jahres erreichte, stieg in den letzten vier Jahren bis auf über L, P. 10.000 im Monat — im Jahre 1934. Die Seidenfabrik „Meshi" setzte ihre Erzeugnisse in Palästina, Syrien und zu einem geringen Teil in Cypern ab. Nach Einsetzen des japanischen Dumping ging der Absatz stark zurück, trotzdem die ,,Meshi"-Erzeugnisse qualitativ unvergleichlich höher stehen als* die japanische Seide. Nach einem Verlust von etwa L. P. 10,000 im ersten Tätigkeitsjahr, Juli 1934 bis Juli 1935, beschlossen die Unternehmer, den Betrieb bis palästinensischen japanische Einfuhr. zur völligen Aenderung der Bedingungen einzustellen. - < u , Es ist bemerkenswert, 'daß die' palästinensische Seidenproduktion vor? der japanischen Konkurrenz weniger beschützt ist als alle, anderen Länder. In den Nachbarländern z. B., wie Syrien und Aegypten,, ist der Einfuhrzoll für Seide 33-2 mal größer als in Palästina. Die Zollverhältnisse für fertige Kleidung, Wäsche usw. sind noch ungünstiger. Der Zollsatz für diese Waren beträgt 20 Proz. vom Wert; so daß der palästinensische Markt von billigen Seidenhemden und Seidenwäsche aus Japan, fertigen Seidenkleidern aus Amerika, Tschechoslowakei und Deutschland überschwemmt ist. j .'; Vor einigen Tagen wurden z. B. im Schaufenster eines Tel Awiwer Ladens japanische Seidenhemden zum Preise von 40 Mils das Stück ausgestellt. Jedes neue Muster einer palästinensischen Fabrik wird von geschäftigen Importeuren nach Japan geschickt, so daß in 2—3 Monaten von dort dasselbe Muster zu einem geringeren Preise eintrifft, als der palästinensische Produzent für das Rohmaterial bezahlen mußte. ' Auch die'Einfuhr von Kleidungsstücken stieg in erschreckendem Maße,' von L. P, 386.980 im Jähre 1933 auf L. P. 583.870 im Jahre 1934. Die Schließung der „Meshi'VFabrik, eines der wichtigsten und größten industriellen Betriebe des Landes, ist zweifellos ein ungünstiges Symptom für die Wirtschaftslage und wird in den Wirtschaftskreisen des Landes zu schwerer Besorgnis Anlaß geben. Dasseib e Schicksal bedroht eine ganz e R e i h e von ind u s t r i e 11 e n B e - tr i e b e n , die von der billigen Einfuhr und vom Mangel an geeigneten Schutzzöllen betroffen werden, wenn nicht rechtzeitig eine radikale Aenderung in dieser Hinsicht herbeigeführt werden sollte. Korrespondenzen* Deutsches Reich. Sperrung weiterer städtischer Bäder für Juden. Frank für t a. M., 30. Juli. Nach den Mitteilungen der Presse liegen weiter Badeverbote in folgenden Orten vor: Dortmund (Freihaüen- und Luftbad),' Kothen (Stadtbad), M.-Gladbach und Rheydt (Städtische und Gemeinschaftsbäder), Liebstadt i. OPr., Bochum, Aschaffenburg, Mannheim (Rheinstrandbad und Hallenschwimmbad), Dresden (Städtische : - Schwimmbäder), . Karlsruhe (Rheinstrandbad und städtische Badeanstaltisn),-Freiburg und Villingen (Freibäder) Bautzen, Luftkurort Ziwten (Waldbad)1, Bad Reicnenhall, Bad Harzburg, Ludwigsburg, .Braunschweig, Miltenberg (Strandbad), Crefeld (städtische Schwimmbäder), Düren (Sommerbäder während der allgemeinen Badestunden; freigegeben wurde je eine frühe Morgenstunde wöchentlich in Seinem der' Sommerbäder). IDi Der Kämpf gegen die Mischehen. ■'j Flankfurt a, JVL,;24. Juli. NSZrRheinfront" berichtet''aus- Landau, daß bot doch erscheinen zu lassen. Darauf sei es vor dem Wohnungen der Frau und des Mannes zu Demonstrationen der SA, SAR und SS gekommen, die sich in voller Disziplin vollzogen hätten. Der Stadtkommissar habe- Schutzhaft angeordnet. - Der Fall, so berichtet das Blatt weiter, habe prinzipielle Bedeutung für-den ganzen Gau, Denn der Gauleiterhabe angeordnet, daß kein ' Standesbeamter in der Pfalz eine Ehe zwischen einem Juden und einer J)eutschen (und .umgekehrt}, vollziehen dürfe; andernfalls habe er mit,-:. sofortiger .Entlassung zurechnen/ , . ■ * ■ Für jüdische Würde und Zurückhaltung. Berlin .26. Juli. > Der Vorstand der Jüdischen -Gemeinde; zu -Berlins veröffentlicht im Gemeindeblatt . folgende:: ErklärungY Heute wie jederzeit ist äußerste Zurückhaltung die selbstverständliche Pflicht, /eines jeden verantwortungsbewußten Juden. Er meidet die großen Sc'hänkstätten und Cafes^ er unterläßt überflüssige Promenaden, er zieht den Aufenthalt im eigenen Häijse vor» 1 Wer sich zur jüdischen Gemeinschaft bekennt, wer nicht als verantwortungsloser Außenseiter gelten will, muß sein Verhalten in der Öffentlichkeit ebenso wie im eigenen Kreise so einzurichten wissen,"wie es de Würde unserer Gemeinschaft und das Bewußtsein der Verantvforttatg^ ihr gegenüber erfordert, : «■""■'r?' *J~.ir . ,i ' ij dey dortiger Standesbeamte ^clie Eheschließung zjviscHen einem Juden undeinen- Arierin abgeU^nnt habe. Äu| die Beschwerde hin habe das Amtsgericht:'.entschieden, daß eine Ablehnung der Ehe nicht möglich aeff' da hierzu die gesetzlichen Grundlagen fehlten.' Pais? Standesamt sei ge^un§in,i'^we!sefi; das Aufge- Staatskommissar Hinkel Sonderbeauftragter für die Ueberwachung aller nichtarischen Künstler.. j '\ 1 ■ r - B.erlin,; 25." Juli. . Das; „Deutsche Nachrichtenbüro"'teilt ,mit: Der Präsident der Reichskulturkämmer, Reichsminister Dr. Goebbels, hat mit'Sofortiger Wirkung f den» Geschäftsführer der Reiehskultü^kammer, Hansv: Hinkel, nach( Erledigung seines-,Auftrage^ als preußi- .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.