Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1. August 1935 Der Israelit Nr. 31 Seite 5 ■erhalten oder ohne den Beweis für den Tod ihres Mannes gemäß den Vorschriften des jüdischen Religionsgesetzes erbracht zu haben, so würde dies vom jüdischen Religionsgesetz als Ehebruch angesehen werden. Die Nachkommen einer solchen zweiten Verbindung mit einem Juden sind Mamserim und für alle Generationen von Eheschließungen mit geborenen Juden oder Jüdinnen, ausgenommen Mamserim, ausgeschlossen. Selbst, wenn die Frau eine bürgerliche Scheidung in einem Lande, wo dies möglich ist, erlangt hat, so würde das sie nicht zu einer anderen jüdischen Heirat berechtigen, wenn sie nicht außerdem auch einen Get erhalten hat. Es ist daher wichtig für eine Frau, sobald eine bürgerliche Scheidung "beantragt wird, beim Rabbinat (Beth Din) Erkundigungen einzuziehen, welche Schritte im Falle einer Scheidung zur Erlangung des Get unternommen werden müssen. Obwohl in manchen Ländern das jüdische Eherecht von den staatlichen , Brhörden anerkannt wird und daher ein Get allein zur Schließung einer zweiten Ehe berechtigt, gibt es auch viele Staaten, in denen man sich nicht wieder verheiraten darf, "bevor die erste Ehe nicht auch gerichtlich aufgelöst ist. Deshalb sollte sich eine Jüdin, bevor sie ihre Bereitschaft erklärt, einen Get anzunehmen, immer "beim Rabbinat (Beth Din) vergewissern, wie ihre Stellung dem Landesgesetz gegenüber ist. — Wenn ein Mann kinderlös stirbt, so kann sich seine Witwe nach jüdischem Religionsgesetz nicht wieder verheiraten, bis sie von einem seiner überlebenden Brüder, wenn solche vorhanden, freigegeben ist. Dies geschieht durch die Zeremonie der Chalizah. Beide Beteiligten müssen zu diesem Zwecke zusammenkommen, da persönliche Anwesenheit für diese Zeremonie unerläßlich ist. Es empfiehlt sich als weise Vorsichtsmaßregel, falls irgendwelche Schwierigkeiten zu erwarten stehen, einen Rabbiner zu konsultieren, wenn das Ableben des Gatten bevorsteht. Wenn eine Jüdin einen Get angenommen oder wenn sie - ChaKzah vollzogen hat, ist sie von der Heirat mit einem Cohen ausgeschlossen. Wenn Fragen betr. Heirat mit Blutsverwandten oder Verwandten durch Verschwägerung sich ergeben, sollte das Rabbinat (Beth Din) darüber gefragt werden, ob die in Rede stehende Heirat nach dem jüdischen Religionsgesetz und nach dem staatlichen Gesetz, falls solches in Frage kommt, gestattet ist. Der Verein zur Verbesserung der gesetzlichen Stellung der Jüdinnen hat sich in diesem Flugblatt darauf beschränkt, auf die wesentlichen Schwierigkeiten hinzuweisen, die einer Jüdin in dieser Angelegenheit begegnen können. Der Text des Flugblatts ist von dem „ R a b-' binischen Rate der Agudas Isroel" vor endgültiger Redaktion eingehend auf seine halachische Korrektheit geprüft, in manchen Punkten umgestaltet und in der vorliegenden Fassung gebilligt worden. Die Freiland-Bewegung. Während die immerhin doch unter Aufwendung beträchtlicher Mittel von dem Hochkommissar Macdonald unternommenen Versuche, Einwanderungsmöglichkeiten größeren Stiles für europäische Flüchtlinge ausfindig zu machen, Doch wehe! starr-stumpfsinnig und hartnäckig schreiten sie weiter ihren Weg. Ewiger, jetzt halte Du die Wache, Daß Dein Volk nicht in den Untergang geht! Und weiter zerbröckelt der herrliche Bau, Alles Hoffen ist schon vergebens: Verloren! Dort löst sich ein Fenster, hier eine Lampe — schau! — Ein betäubender Krach, ein erweckender und einschläfernder Ton — Flammen — Flammen'der, Weihe? — nein, Flammen des Ruins . Und vom feuergeröteten Himmel streckt sich Eine Flammenhand tief, tief in die Trümmer hinein und zieht, zieht die Lade des Bundes, Des Pfandes gen Himmel. — ■— — Nun schlumm're Israel, schlumm're den Schlaf der Genesung, Schlumm're in Frieden! Atme ruhig deine Träume, denn Träume sind es. Was schöner ist als Träume, wird dein Leben sein. Schlumm're in Frieden! , ' - - * Messias.. Wache auf, mein Volk, wirf dein Schlummerkleid ab! Die Nacht hat ein Ende! Der Morgenstern kündet den Tag schon an, Hinweggespült; ist der nächtliche Bann. 0 Israel, die Freiheit, so lange ersehnt, Schön hör' ich ihre Schritte, sie ist da! Leben heißt nun Wonne, Leben heißt selig sein! Und ein Schofarton brauset über-die ganze Erde. Brauset und sammelt, das zersprengte Volk, Das jauchzenden und freien Herzens nach Zion zieht. Heil ihm^ Ben David,, heil, ihm, dem Gesalbten! Wie die Sonne strahlt er auf, Lichta Purpur gießend eben erst in aller Form als gescheitert gekennzeichnet worden sind, können die Bemühungen, trotz allem irgendwo auf der Erde Stützpunkte für eine systematische, insbesondere auf landwirtschaftliche Siedlung gegründete Immigration zu finden, nicht zur Ruhe kommen-, der beste Beweis dafür, daß hier in der Tat ein überwältigendes Bedürfnis vorliegt, das Befriedigung finden muß, und das sich nicht einmal ausschließlich auf Juden beschränkt. So tagte in London diese Woche die sogenannte Freiland-Bewegung, der zahlreiche Mitglieder des englischen Ober- und Unterhauses ihre Sympathien zuwenden. Den Vorsitz der Veranstaltung führte Lord Marley. Chacham Gast er ist Ehrenpräsident, Von bekannteren jüdischen Persönlichkeiten nahm Dr. Singalowski vom „Ort" teil, der als Programm der Gesellschaft eine systematische konzentrierte jüdische landwirtschaftliche und inin Berlin. Die Ortsgruppe der Agudas Jisroel Berlin hat im Ijar unter . dem Namen „Beth Hachinuch" Lernkurse eröffnet, in denen Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren ganztägig in Talmud und anderen jüdischen Wissensgebieten, sowie in einigen profanen Fächern, unterrichtet werden. Die Leitung Hegt in Händen von Schülern des Rabbiner-Seminars, die der agudistischen Jugendbewegung angehören. Für einige Fächer haben sich namhafte Vertreter der Gebiete zur Verfügung gestellt. Die noch nicht stark besuchten Kurse erfreuen sich größter Sympathie auch des Herrn Rektors des Rabbiner-Seminars, Ueber die Ziele des Institutes, die auch vielleicht von allgemeinem Interesse sind, wollen die folgenden Ausführungen informieren. Jede Zeit besitzt eine besondere, ihr eigentümliche Ausprägung des Bildungsproblems, und dieser Eigenart der Bildungsfrage entsprechen auch bestimmte Bildungsinstitute. Die Emanzipationsepoche hat als Bildungsinstitute der deutschen Orthodoxie die jüdische Volks- und höhere Schule, die deutsche Jeschiwoh und das Rabbiner-Seminar geschaffen. Weiterhin haben Vereine, vor allem der Bund jüdischer Akademiker, der geistigen Ausrichtung ein bestimmtes Gepräge gegeben. In veränderter kultureller Situation ist ein neuer entsprechender Typus der Bildurigöiftstitute, auf der jüdischen über die Welt. Er führt Israel heim, heim zu G'tt! Und in Zion erhebt sich am früheren Ort Ein Tempel aus Feuer und Flamme von G'tt gebaut. War der erste durch Feuer geweiht und Flamme zerstört, . So ist dieser aus Feuer gebaut. Und er glüht und glüht und verbrennt nicht — Flamme G'ttes! Und die Sonne steht am Horizont: O Israel, ew'ger Tag bricht an! (Von der Autobus-Misere in Palästina,) Ein Leser schreibt aus Erez Israel:- ,, . . . Heute kam ich aus Tel Awiw. Dabei fällt mir ein, daß ich Euch noch gar nichts über den palästinensischen "Autoverkehr geschrieben habe. Also man geht früh 6 Uhr in Tel Awiw zur Haltestelle des Scharon-Autos. Dort " steht auf einer Tafel unter anderem: Abfahrt nach Giwath Chajim 6 Uhr Ankunft 8.30 Uhr. Zweite Abfahrt 11 Ühr, Ankunft 1.30 Uhr. Dritte Abfahrt 4 Uhr, Ankunft 6.30 Uhr. Dann wartet man ungefähr bis 7.30 Uhr, das ist nichts Außergewöhnliches, 1% Stunde Verspätung erträgt man ohne Wimperzucken. Endlich fragt einer der Wartenden am Schalter, Man bekommt die Auskunft: das Auto ist noch bei der Reparatur, es kommt jeden Augenblick. Dann wartet man noch eine Stunde, endlich erhält man die Auskunft: das erste Auto fällt aus, ihr müßt mit dem . zweiten fahren. Das erscheint dann einigermaßen pünktlich^ man steigt ein und es geht los. Es geht auch glatt etwa eine Stünde.. Bums! man steckt im Sande. . Alles steigt aus,, zum Weiterschieben. Nach ungefähr 40 Minuten ist man wieder flott. Ein Passagier will nach Cheruth'. das Auto soll fährplanmäßig über CherutÜ fahren.' Der Chauffeur: „Ich fohr heint dustrielle Niederlassung bezeichnete. Auch die Witwe Israel Zangwills ergriff das Wort, die die geistige Brücke schlug von dieser neuen Freiland-Bewegung zu der halb vergessenen jüdischterritorialistischen Organisation ihres Gatten. Wenn Dr. Singalowski die Kühnheit hatte, in seiner Ansprache die Ziele der Gesellschaft so hoch zu stecken, daß er ihr eine „endgültige Lösung des Judenproblems" zumutete, so kann das zwar nur ein Lächeln erwecken, aber vielleicht kann auch diese Neugründung zu ihrem Teile dazu beitragen, die Aufmerksamkeit der Führer der, alten Organisationen darauf zu lenken, daß es mit dem laisser faire, laisser aller nicht getan ist, und daß man eben so wenig im Hinblick auf das palästinensische Aufbauwerk die Möglichkeiten in anderen Teilen der -Erde außer Acht lassen darf. Schule und auf der Jeschiwoh aufbauend, notwendig. Hier muß auf die allgemeine Vertiefung der Denkfähigkeit und der Problemerkenntnis der Hauptwert gelegt werden. Hier müssen Menschen herangebildet werden, die sich bemühen werden, den geistigen und praktischen Problemen auf den Grund zu schauen und die Oberflächliches von Durchdachtem zu unterscheiden gelernt haben. Noch eine andere Aufgabe ist diesem Bildungsinstitut gestellt. Nicht nur die Fähigkeit, sondern auch das Streben zu geistiger Leistung gilt es zu erreichen. Das Ziel der bündischen Erziehung, oder doch eines ihrer Ziele, war und ist es, daß der durch den Jugendbund Erzogene stets das Geistige als Zentrum seines Lebens anerkennt und betätigt. Das geistige Interesse des bündischen Menschen darf nicht ein Interesse unter anderen sein, darf nicht den Mußestunden vorbehalten bleiben, — kurz, es darf nicht neben seinem Leben verharren, sondern es muß aus seiner ganzen Persönlichkeit erwachsen. Dieser jüdische Wert echter Geistigkeit, kann aber nur durch einen Kreis getragen werden, der zu wirklicher geistiger Arbeit in der Lage ist. „Ohne Fähigkeit kann auch das Streben sich nicht erhalten. Dieses Ziel lebensgestaltender Geistigkeit wird gewiß nirgends erreicht, wo es nicht ausdrücklich und bewußt erstrebt wird. Das Lernen alleine kann für unsere heranwachsende Generation nicht ausreichen, — obwohl die Förderung des mehrjährigen Jeschiwohbenicht über Cheruthf" „Warum?" „Weil ich nicht mog." Kannst du nichts machen, er will, nicht. In Tel Mond hält das Auto. Der Chauffeur steigt aus und verschwindet. Nach einer halben Stunde erscheint er wieder. Was war los? Er hat missen zu Mittag essen. Es geht weiter. Keiner wagt ein Wort des Einspruches. Der Chauffeur ist allmächtig! Um 3 Uhr sind wir in En Wared. Giwath Chajim ist die letzte Station. „Er fohrt heint nicht nach Giwath Chajim." „Warum nicht?" „Ich hab* kein Cheisehek!" Ich steige aus, warte bis 6 Uhr und komme schließlich nach genau 12 Stunden hier an. Die Entfernung beträgt ca. 45 km. Man regt sich darüber nicht weiter auf. „Man geweint sich zi!" Sonst hakol keseder." Es wäre wirklich an der Zeit, diesen idyllischen Zuständen ein Ende zu machen. Wochenkalender. Von. j. — 10. August 1935 / Vom 4. — 11. Ab 5695 >m> sjT Samstag 3 4 TO K33 m ytm row o^n Sonntag 4 5 tv> Montag 5 6 3 Dienstag ' - 6 1 tu Mittwoch Aug. 7 3« 8 33 Donnerstag 8 9 53 3K3 nyvn - Freitag 9 10 13 Samstag 10 11 ns i»m nzv pnnKi Die Ziele des Beth Hachinuch