Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1935)
- Date
- 1935-07-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 30 D e r I s Ii t 25.1, Juli f935 Leider fehlte wieder ein großer Teil der Mitglieder des Zentralrates, insbesondere wurden die neueinge tretenen deutschen Chawerim ungern vermißt. Die von der Versammlung nach eingehender De batte auf Vorschlag der Leitung angenommenen Be Schlüsse erstrecken sich auf alle Gebiete des agudisti sehen Lebens und der allgemeinen jüdischen Interes sen Erez Jisroels. (Siehe den Sonderartikel in dieser Nummer Seite 5. Red.) Ein großer Teil der Diskussion drehte sich um die Beziehungen der Poale Agudas Jisroel zur Gesamtorganisation. Die in dieser Hinsicht schließ lieh angenommene Resolution zeigt das Bestreben, auf der einen Seite die notwendige autonome Stellung der Poalim in ökonomischen und sozialen Fragen nicht anzutasten, in allen anderen Beziehungen aber das Band fester zu knüpfen, das die Arbeiter als ein lebendiges Glied in den Gesamtorganismus der agudistischen Organisation einordnet. Von den Arbeiterführern erklärte Herr Fischer-Schein, daß die Poale Agudas Jisroel die Autorität des nunmehr erweiterten Landeszentralrats durchaus anerkennen und sieh ihm gerne unterordnen. Ungeklärt ist noch immer die Frage der organisatorischen Beziehungen von Poalim und Zeiirim, nachdem hierüber eine Entschließung der polnischen Zeiirim-Zentrale noch aussteht, die seitens der Delegation ^der Welt-Agudo eingeholt werden sollte. Am 9. Tammus wurde in einem der größten Tel Awiwer Säle die erste Landeskonferenz der Bnos AgudasJisroelin Erez Jisroel eröffnet. Außer den Delegiertinnen aus allen Städten und Kolonien Erez Jisroels waren viele hunderte Frauen und Mädchen aus allen Kreisen des Jischuw anwesend. Die Beth Jacob-Anstalten aus verschiedenen palästinensischen Städten hatten zur großen Fretide^djer Anwesenden jüngere Schülerinnen zur Versammlung .geschickt, deren Segenswünsche und Begrüßungen einen starken Eindruck machten. Alle offiziellen Instanzen der Agudasl Jisroel - waren selbstverständlich vertreten. Die Versammlung würde von Frau Debora G u r - A r j e namens der Leitung eröffnet, worauf Frau Zipora Schurick eine eindrucksvolle Ge- ' denkrede auf Sara Schenirer j;*] hielt. Es i folgte eine lange Reihe von Begrüßungen: namens der Agentur der Welt-Agudo Herr Sirkis, für die Landeszentrale Refoel Katzenellenbogen, für die Agudo in Tel Awiw Pinchas Mondry und David Zwi Silberstein, für die Poalim-Zentrale jSeew Fischer^Schein.'Alsdann erstattete Herr EHeser Gerschon Frydensohn aus Lodz, der Führer der Bnos-Bewegung in Polen, ein mit Begeisterung aufgenommenes längeres Referat über Sinn und Ziele der Bnos Agudas Jisroel-Bewegung. Er machte. Mitteilung von der beabsichtigten Errichtung eines Sara Schenirer-Heimes in Tel Awiw oder in Jerusalem, das den Mittelpunkt. der Bnos Agudas Jisroel-Bewegung und der Beth Jacob-Schulen im heiligen Lande bilden und das als Aufnahmestätte für die einwandernden Mitglieder der Bnos Agudas Jisroel dienen soll. Nach Verlesung, einer Anzahl von Begrüßungstelegrammen aus allen Teilen der Diaspora wurde in später Nachtstunde, die öffentliche Versammlung geschlossen. Die Arbeitstagung begann am folgenden Tag. Hierüber im nächsten Bericht. Auch von der am 13. Tammus stattgehabten L a ndeskonferenz der Poale Agudas Jisroel, jdie in Gedera stattfand, kann zunächst nur über die Eröffnungssitzung berichtet werden, an der 50 Delegierte der etwa 1200 Mitglieder der Organisation teilnahmen. Im übrigen brachte die Berur fung der Konferenz nach dem kleinen Orte Gedera schon den Willen zum Ausdruck, zunächst nur eine Arbeitstagung ohne die Absicht propagandistischer Wirkungen nach außen zu veranstalten. In dem schön und sinnig ausgeschmückten Konferenzsaal eröffnete am Sonntag nachmittag Benjamin Münz mit einer gehaltvollen Rede die Konferenz. In das Präsidium wurden die Herren Münz, Landau, Schein, S. S. Moses, J. Rottenberg, Jacob Katz, S. König, J/M. Kleinlehrer, Salman Jenkelewitz und Ch. König gewählt. Die erste Begrüßungsrede hielt Rabbi Mosche Blau. Sie klang in die Mahnung an die Poalim aus, sich Jizchok zum Vorbilde zu nehmen, der seinen Vat!er selber bat, ihn zu „binden",p'npn^DQ,»1 ÖWä» K^W^V Namens der Agentur sprach Rabbi J. H. Sienkewitz begeisternde und ermunternde Worte, für den Waad hair Aschkenasi Rabbi Refoel K-a t z e n eil e n bogen. Alsdann begrüßte für «die deutsche Landesorganisation Dr. Moses A u e r b a e h aus. Pethach Tikwah, :für die .pomische Landesorganisation E.' G, Frydensohn, Lodz, für die Bnos Agudas Jisroel H. Liebermann, für die Ortsgruppe Tel Awiw Pinchas Mondry^ für die Zeiire Agudas Jisroel in Jerusalem Menachem 'Glück, man - Porus c h Auch der Poel Hamisrachi entbot durch Herrn Daniel seine Grüße. Namens der Kolonie G e d e r a ergriff deren Rabbiner, Raw Golomb, das Wort Em anschauliches Bild von den abschreckenden Zuständen in Sowjetrußland entwarf Rabbi S. J. S e win, Für den deutschen Noar Agudati hielt Rabbiner Jacobowitz aus Frankfurt eine, insbe sondere an die deutschen Chawerim und an den Kibbuz Chofez Chajim gerichtete Ansprache. Auch die Slov akei entbot durch Herrn G. J. K ö ni g ihre besonderen Grüße. Den Schluß bildete eine kurze, aber zündende Ansprache eines Chawers der ,,Chawurä Chofez Chajim", Zwi Weinberg der die Geschichte des Kibbuz in den 2% Jahren seit seiner Gründung schilderte. Die Begrüßungstelegramme der Agudo-Führer: J. M. Lewin, Jacob R-osenheim, Dr. Breuer, Dr. Ehrmann und-eine große, Reihe weiterer Begrüßungsschreiben und Telegramme wurden beifälligaufgenommen. Nach Schluß der Eröffnungssitzung waren sämtliche Delegierte und Gäste vom Kibbuz Chofez Chajim zum Abendbrot eingeladen und stärkten sich für die Arbeit der kommenden Tage.- Bund jüdischer Akademiker. Jerusalem, 11. Juli. Der Bund jüdischer Akademiker, seit 30 Jahren die .Gesamtorganisation thoratreuer Akademiker in Deutschland und über die- Reichsgrenzen hinaus, hat seit dem Umsturz in Deutschland seine Tätigkeit immer mehr abbau.en müssen,, zumal die Hochschulen dem jüdischen Nachwuchs durch die Gesetzgebung praktisch verschlossen sind. Viele Bundesbrüder sind ausgewandert, und allmählich ist ihre Zahl in Erez Jisroel-,auf fast 100 gestiegen. Manche haben ihren Beruf gewechselt andere versuchen unter schwersten Existenzbedingungen : sich im Rahmen des akadennV sehen Berufes im Lande einzuordnen.. Doppelt wurde allseits die Notwendigkeit engen'-Zusammenschlusses empfunden, um innerliches und äußeres?-^Einleben zu erleichtern, Anregung und Belehrung zu bieten,'-das geistige Leben nicht verflachen zu lassen und gesellschaftlichen und"""wirtschaftlichen Rückhalt... und,-Aö>- Schluß zu bieten. Mit Unterstützung der seit Jahren im Lande wirkenden Bundesbrüder Dr. Wallach (Direktor des Schaare Zedek-Hospitals)! und Dr. Engel (Inspektor des Misrachi-Schulnetzes) fanden bereits vor einigen Monaten in Jerusalem Veranstaltungen statt, u, a. zu Ehren des Bbr. Oberrabbiner Dr. J. Carlebach, an denen je 40 Bbr. teilnahmen, und Chol-. hamoed Pesaeh trafen sich etwa 60 Bbr. aus dem ganzen Lande zu einer Landeskonferenz in der heiligen Stadt. Größere. Referate hielten der Bundespräsident Dr. Josef Stern, Dr med. Falk Schlesinger und Dr. med. W. Hofmann (dieser über den Rambam als Arzt) sowie Dr. Engel über Fragen von Kultur und Erzie-, hüng. Jetzt ist die Verwirklichung eines weitausgreifenden Arbeitsprogramms in Aussicht genommen, das für den Sommer wissenschaftliche Ausflüge einschließt. Alle in Palästina wohnenden Bbr.~ sowie Touristen und Bbr., die einzuwandern beabsichtigen, werden gebeten, ihre Adressen Herrn James Rosenthal-(Mekor Bärukh Öuarter Israelevitz'House, Jerusalem) zu übermitteln. Dem vorläufigen Präsidium:- gehören an: Dr. Josef Stern, Dr. Falk Schlesinger, Dr, W. Hof mann, Advokat Dr, J, Frank, Dr. Engel und R.-A. James Rosenthal. Die Zuwahl von Bbr. aus Tel i Awiw, Haifa und Pethach- Tikwa, wo Dr.' Moses Auerbach bereits als Vertrauensmann; wirkt, steht bevor. Bodenkauf in Gedera. Gedera, 10. Juli. Wie bereits kurz gemeldet, hat der Keren Ha - \\ sc iuwd e r Agudas Jisroel einen Bodenkomplex für den Kibbuz Cho fez Chajim in Ge-,; der a. erworben^ um dem' Kibbuz? die Einrichtuiigi eines ■ jyiachahe' und1 einer landwirtschaftlichen Hilfswirtschaft zu ermöglichen. -In AnwesenheitT von Vertretern der Poale Agudas, Jisroel und des Kibbuz seifest fand heute die Uebergabe der^Bodenfläche^von Seiten des bisherigen är_atbischeniBesitzers an den Keren - Hajischuw statt^ Die ^Grenzen wurden von einem -In- . genieur genau festgestellt und alsdann wurde von den Chawerim des Kibbuz sofortmit den Einzäunungsarbeiten begonnen. Wir hoffen, daß dieser Bodenkauf den Anfang bilden ,wird zu einer sich immer mehr erweiternden Siedlungspolitik der Agudas Jisroel. Nicht unerwähnt bleiben darf die hochherzige Unterstützung, die bei der Durchführung des Kaufes dem Keren Hajisehuw durch die Herren Josef Fetter und Araton, den Direktoren der Bank Belgia, durch Rat und Tat geleistet worden ist. Amerika« Von der amerikanischen Agudo-Jugend, New York, 19. Juli. Nach mehrmonatlichem Aufenthalte in den Vereinigten Staaten möchte ich unseren agudistischen Freunden in Europa ein kleines Bild geben von der immerhin nicht ganz unbeachtlichen Entwicklung, die der agudistische Gedanke in einem bestimmten Kreise jüdischer Jugendlicher hier in New York gefunden hat. Diese Jugend-Agudo darf als eine Kerntruppe von; konsequent denkenden jungen ^Menschen angesprochen werden, die dem Geiste des Kompromisses und der weitgehenden Anpassung an die Umwelt, wie er im allgemeinen in Amerika herrschend ist, ablehnend, gegenüberstehen, Neben der an sich konservativen und segensreich wirkenden Young Israel-Organisation, die etwa 50Ö0 Mitglieder in den Vereinigten Staaten besitzt, hat die A g u d o -Ju g e n d in New York zur Zeit etwa 500 aktive Mitglieder. Eine gewisse Zusammenarbeit zwischen^ Young Israel und Agudas Jisroel wäre gewiß erwünscht und es sind zur Zeit auch Bemühungen um eine solcjie Zusammenarbeit im Gange. Die Agudo-Jugend besitzt^in New York 11 .organisierte Gruppen, deren Vorsitzende jeden Monat zu einer gemeinsamen Aussprache zusammentreten. An der Spitze des Zentralkomitees steht ein hiesiger bekannter Rechtsanwalt, Mr. J. Strahl (170 Broadway), Vizepräsident ist Mr.' Ph. Simanowitz (125- East, 4th Street). Alle Gruppen haben besondere Sektionen, die sich mit den verschiedenen Arbeitszweigen (Schmiras Schabbos, Kaschrus, Limud) beschäftigen. Die Schomre-Schabbos-Abteilungen schicken beispielsweise in den jüdischen Stadtvierteln Propagandaredner umher, die sich bemühen, Geschäfte; zum Schließen am Schabbos zu veranlassen, Sie erzielen auch damit Erfolg. Mit den Angelegenheiten der Presse beschäftigt sich Mr. J, Widecker (419 East; Huston Street). Die Jugendgruppen beschäftigen sich, wie in Europa, mit der Erziehung der noch schulpflichtigen männlichen und weiblichen Jugend, An der Spitze der Bnos-Organisation steht Miß P. Halpern, eine akademisch gebildete Lehrerin, und Miß Ch. Weinberg, die in Polen drei Jahre Beth Jacob absolvierte. Der ganze' Unterricht wird von Mr. Bernstein, einem Jeschiwabesucher, kontrolliert, auch derjenige - der jüdischen Colleges mit etwa -600 Schülern. Eine besondere Abteilung der Gruppen unter Leitung von Mr. M. Mostel beschäftigt sich mit Gemilus Chesed-Angelegenheiten und bringt die dazu erforderlichen Mittel durch allerlei Veranstaltungen gesellschaftlicher Art aul.! Der Erez Jisroel-Arbeit (in den letzten>Wo-^. chen wurden 650 Büchsen verteilt)' widmet sich Mr. Simanowitz. : - . ■ Es ist ein besonders erfreulicher Zug in der Tätigkeit der hiesigen Agudo-Jugend, das in 'steigendem' Maße, trotzdem das Gänze naturgemäß einen durchaus ostjüdischen Charakter trägt, doch Universitätsgraduierte, die an der Intensität und Aufrichtigkeit ihrer Jüdischkeit nichts eingebüßt haben, sich als Führer zur Verfügung' stellen. : Briefkasten. Baaltschtiwo in Köln. Ihre; Anfrage eignet sich nicht ztirvBeantwortüng im-^^Bnefkästen. Wollen -Sie!Iire Adresse' mitteilen und wir werden; Ihnen dann ausführlich Bescheid geben. - . - "