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Der Israelit · 1935-07-25 · Heft 30 (25.7.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 30 (25.7.1935)
Date
1935-07-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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25. Juli 1935 Der Israelit Nr. 30 Seite 9 über das entgegenzunehmen habe, was bisher für die Auswanderer getan und was noch für sie getan werden müsse, Die Arbeit -des Oberkommissariats sei nun zwei oder drei Jahre im Gange.-Nach den Ergeb-' nissen dieser Arbeit müsse festgestellt werden, daß die noch restlichen Aufgaben des Oberkommissariats in zunehmendem Maße für eine derartige Organisation schwieriger werden. Das Oberkommissariat sei als eine autonome Körperschaft, unabhängig vom- Völkerbund^ eingesetzt worden. Ich sehe keinen anderen Ausweg, so betonte Oberkommissar Macdonald, als daß diese Aufgabe unter der Leitung einer vom Völkerbund zu schaffenden Organisation als ein in tegrierend er Best and teil des Volkerbundssystems selbst übernommen wird. Die neue Organisation wird, sich der Auswanderer aus allen Ländern anzunehmen haben. Im Februar d. J. hat Lord Cecil im englischen Oberhaus vorgeschlagen, daß ■die britische Regierung in diese** Richtung Anregungen gebe. Im gleichen Monat ist auf einer Tagung des Ständigen Komitees beim Oberkommissariat von mir selbst zum Ausdruck gebracht worden, daß :der Völkerbund in größerem Umfange die Verantwortung für alle Auswanderer übernehmen möge. Schließlieh hat im Juni die norwegische Regierung den Generalsekretär des Völkerbundes gebeten, einen entsprechenden Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Völkerbundsversammlung zu setzen. (Vgl. unsre Wochenruridschau in der vorletzten Nummer. Red.) Hinsichtlich der Einwanderung nach Uebersee sind in keinem Lande greifbare Resultate erzielt worden. Oberkommisisar Maodonald erörterte sodann Umfang und Verteilung der Auswanderung aus Deutschland seit Januar 1933. Er bezifferte ihre Zahl auf nicht weniger als 80.000. Schätzungsweise 25.000 sollen davon nach seinen Angaben aus Deutschland direkt nach Uebersee^ vornehmlich nach Palästina und den Vereinigten Staaten gegangen sein. Von den verbleibenden 55.000 Auswanderern seien 15 bis 20 Proz. Nichtjuden. Von diesen 55.000 Auswanderern, so fuhr Oberkommissar Macdonald fort, gehören 11,000 bis 12,000 einschließlich der Familienangehörigen zu den gebildeten Schichten. Der Rest rekrutiert sich hauptsächlich aus kleinen Händlern Bediensteten und Sekretären. Nur wenige von ihnen sind bisher in der Landwirtschaft tätig gewesen, oder haben Handarbeit in einer Industrie verrichtet. Dieser besondere Charakter der Auswanderung gestaltete die : Arbeit des Oberkommissariats besonders schwierig. Dieser Umstand machte es unmöglich, größere Siedlungspläne durchzuführen. Notwendig wurde vielmehr, Maßnahmen für die Eingliederung insbesondere jüngerer Personen zu ergreifen. Zur Lage der Intellektuellen übergehend, bemerkte Oberkommissar Macdonald, daß weniger als für eine andere Gruppe für sie eine Generallösung möglich Sei, Oberkommissar Macdonald ging sodann auf die rechtlichen Verhältnisse der Auswanderer in den einzelnen Ländern ein, auf die Fragen der Äufenthalts- und Arbeitserlaubnis, : auf Paßfragen und das Problem der Staatenlosen. Steinen Vorschlag über eine Schaffung einer zentralen Völkerbundsorganisation für Auswandererfragen näher darlegend, erklärte er: Es ist wesentlich fü r d e n E r f o 1 g u ns e r er Arbeit 'daß die Völkerbundsversammlung, den Vorschlag auf Schaffung einer einheitlichen Organisation für die verschiedensten Kategorien von Auswanderern durchaus in Betracht zieht.- Als seine persönliche Auffassung vertrat L o rd Cecil den Standpunkt, daß ' die Funktionen des Oberkommissariats auf eine .Völkerbundsorganisation übergehen sollten,, die alle mit Auswandererfragen zusammenhängenden Probleme zu bearbeiten hätte. Die Organisation selbst sollte 'aus einem öberkpmmissar oder einem anderen Chefbeamten und einem Komitee bestehen, das der Völkerbundsrat ernennen sollte und das aus Persönlichkeiten der verschiedenen Länder, die ihrerseits in diesen Fragen,besonders.bewandert seien, sich zusammensetzen müßte. Oberkommissar James G. Macdonald brachte seine Ueb ereinstammung mit den Vorschlägen von Lord' Cecil zum Ausdruck.' Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Jerusalem. Dem Berichte der Palästine Potash Ltd., deren Generalversammlung bevorsteht, ist zu entnehmen, daß der Bromverkauf bei unveränderten Preisen um etwa 50 Proz. gestiegen ist. Dagegen sind die Kalipreise infolge der starken Konkurrenz weiter im Sinken begriffen und die Bilanz weist ein Defizit von über Lst. 12.000 auf. Dabei ist noch nicht einmal der entsprechende Betrag für Amortisierung der Maschinen und des Inventars in der Bilanz berücksichtigt, so daß das Defizit eigentlich bedeutend höher wäre. Larsaca [Cypern). Ein Berliner Zionist, Braude, hat hier auf einer ziemlich ausgedehnten Bodenfläche Flachs angebaut und errichtet eine Fabrik für die Reinigung von Flachs. Der Unternehmer wollte sich ursprünglich in Palästina ansiedeln, fand aber dort nicht das genügende Interesse für .seine Pläne. T e 1 A w i w. Hier ist eine polnisch-jüdische Treuhand- und Investierungs-Gesellschaft mit einem Kapital von 20.000 Lst. errichtet worden. Tel A w i w. Die Verhandlungen der palästinensisch - rumänischen Handelskammer mit der rumänischen Regierung haben . zu dem befriedigenden Ergebnis geführt, daß die Einfuhr palästinensischer Zitrusfrüchte nach Rumänien auf 200.000 Kisten kontingentiert würde und daß außerdem ein Kontingent von 30.000 Lst. für den Import anderer Waren, wie künstliche Zähne, Oel, Fruchtsäfte usw. bestimmt worden ist. T e 1 A w i w. Der Bedarf der palästinensischen Zitruspflanzungen an Schutzstoffen zur Bespritzung der Zitrusbäume wird seit dem vorigen Jahre bis zu 40 Proz. durch inländische Erzeugnisse gedeckt, 60 Proz. werden immer noch vom Auslände, hauptsächlich aus Kalifornien, bezogen. Die inländischen Fabriken beschäftigen bisher 19 Arbeiter. Haifa. Das palästinensische Zolldepartement hat im Jahre 1934 nahezu drei Millionen Pfund vereinnahmt gegen zwei Millionen im Vorjahre. Haifa. Hier ist'eine neue tschechoslovakische Palästina-Bank mit 25.000 Lst, eingezahlten Kapitals gegründet worden. Die Gründung erfolgte durch die Firma Philipp Meyer u. Co. Tel.Awiw. Die neue Siedlung Jokneam im Süden des Eraek Israel beginnt im Herbst d. -J. mit der Besiedlung. Sie umfaßt 20.000 Dunam. Jeder von den '350 Siedlern erhält 50 Dunam, davon 15 Dunam bewässerten Boden. J erusalem. Das Landwirtschaftsdepartement meldet, daß sich der. genaue Umfang der durch den Hamsin hervorgerufenen Schädigungen in den Citruspflanzungen noch nicht feststellen lasse. Die Bananenernte ist befriedigend, Olivenernte und Aprikosenernte unbefriedigt. Es wird eine wachsende Verbreitung von Insekten und parasitären Krankheiten in den Fruchtgärten festgestellt und bessere Kontrolle gefordert. Jerusalem. „Doar Hajom" berichtet, daß ein polnischer Kapitalist in Bne Brak eine Fahrradfabrik errichtet. B a gda d. Die Regierung errichtet eine Oelraffinerie zur Versorgung des inländischen - Marktes mit Petroleum, Benzin und Oel, Tel Awiw. Die Sommerreisen ins Ausland ha-, ben in diesem Jahre geradezu den Charakter einer Epidemie angenommen. Die Zahl der Ausreisenden wird auf 15—20.000 | geschätzt. Es würde das eine Gesamtausfuhr •von 6—800.000 Lst. palästinensischen Volks- . Vermögens bedeuten. Tel Awiw, Hier ist eine Gesellschaft für Petroleumhand e 1 mit 40.000 Lst. eingezahltem Kapital gegründet worden. Bisher befindet sich der ganze PetroleumhandeL in den Händen ausländischer Firmen. Die Gesellschaft will ihre Tätigkeit im Oktober beginnen, sobald die ersten 100.000 Lst. eingezahlt sind. — Die P a 1 e s t i n e Gene r a 1 Insu ran ce Co, hat ihr Kapital von Lst. 50.000 auf Lst. 125.000 erhöht. Die Gesamtsumme der monatlich abgeschlossenen Lebensversicherungen beträgt zur Zeit etwa 20—25,000 Lst'., zum großen Teil Kinderversicherungen. Die Prämien für Feuer, Einbruch und Auto-Versicherung betragen, monatlich etwa, Lst. 3500. Die Gesellschaft hat bisher etwa Lst. 80.000 in Hypothekenanleihen investiert. J~a f f a. In Bait-Vegan bei Jaffa wurde der Bau der O e lf ab r ik von Spiwak u. Silberstein in Angriff genommen; ../. H Im übrigen wurde der Bericht des Oberkommissars Macdonald in seinen Einzelheiten erörtert, wobei insbesondere auf die Lage in Südamerika eingegangen wurde. Es wurde beschlossen, den Regierungen der südamerikanischen Staaten den Dank des Verwaltungsrates, für die freundliche Aufnahme des Oberkommissars, und Dr. Inmans sowie für die Unterstützung, die sie ihnen gewährt hätten auszusprechen. Weiterhin wurden Paßfragen behandelt. Sitzung des Rates der „Anglo Jewish Association". London, 17. Juli. In der gestrigen Sitzung des Rates der „Anglo Jewish Association" unter Vorsitz von Mr. Leonard Monte fiore kam das Problem der Flüchtlingsfürsorge und des Schicksals der Staatenlosen zur Sprache. Mr. H. A. Goodman führte aus, daß seiner Ansichtnach die Zeit gekommen sei, daß die zivilisierte Welt sich nicht nur um das endgültige Schicksal der ungefähr 50.000 deutschen Flüchtlinge, sondern auch um die sehr viel größere Zahl der Flüchtlinge aus anderen Ländern und der Staatenlosen kümmern müsse, die zusammen eine Ziffer von mehr als einer Million unverschuldet unglücklicher Menschen darstelle. Wie er höre, sei beabsichtigt^ die jetzt bestehende Hohe Kommission für die deutschen Flüchtlinge zu liquidieren und deren ganze Tätigkeit innerhalb des Apparates des Völkerbundes mit anderen ähnlichen Aktivitäten zü verbinden. In der Tat könne das Weltgewissen keine edlere Aufgabe haben, als die Verwirklichung dieser Idee. Als Mitglied des Verwaltungsbedrates der Hohen Kommission für die deutschen Flüchtlinge möchte er vorschlagen, daß die „Anglo Jewish Association" als eine der repräsentativsten Körperschaften der englischen Judenheit den Gedanken unterstützen solle. Der Präsident, Mr. Montefio're, führte aus, daß das Projekt seine volle Sympathie habe. Es sei natürlich noch nicht an der Zeit, sich mit dem Problem eingehender zu beschäftigen, bevor es die Hohe Kommission selber erwogen habe. Aber er sei persönlich gerne bereit die Anregung in jeder Weise zu unterstützen. Palästina. Das Befinden von Rabbi Kuk'besorgniserregend, — Bittgottesdienst in Palästina und der Diaspora. Jerusalem, 22. Juli. Das Befinden des erkrankten Oberrabbiners von Palästdna, Rabbi Abraham Jizchak Hakohen K u k, hat sich wiederum verschlechtert und gibt zu Besorgnissen Anlaß. Auf einer Tagung aller Rabbinen von Jerusalem wurde beschlossen, in allen Synagogen Palästinas besondere Bittg'ttesdiemste für die Genesung des erkrankten Oberrabbiners zu veranstalten, Auch die maßgebenden Körperschaften in der Diaspora werden aufgefordert, in ihren Synagogen am Donnerstag entsprechende G'ttesdienste zu veranstalten. Spaltung im Misrachi? Jerusalem, 17. Juli. In einer Landeskonferenz des Hapoel Misrachi^ die in Jerusalem stattfand, wurde eine Entschließung angenommen, die sich für eine Teilnahme an der Jewish Agency ausspricht, selbst für den Fall, daß der Misrachi in dieser Hinsicht eine oppositionelle Hältung einnehmen würde. Wenn die demnächst in Krakau stattfindende Weltkonferenz des Misrachi entsprechende Vorschläge nicht annehmen würde, so würde der Hapoel Misrachi die Organisation verlassen und seine Unabhängigkeit erklären. Jerusalemer Brief. Sitzung des erweiterten Landeszentralrates der Agudas Jisroel, — Konferenz der Bnos Agudas Jisroel. — Konferenz der Poale Agudas Jisroel. Jerusalem, 16. Juli.' In den Räumen der Jerusalemer Agudas Jisroel fand am 8. Tammus die zweite Sitzung der Sommersession des erweiterten Zentralrates der Agudas-Jisroel von'Erez Jisroel statt. Vertretenwaren Je rusalem, Tel Awiw,'Zfas, Haifa, Pethach Tikwah und Bne Brak.

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