Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1935)
- Date
- 1935-07-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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25.- Juli 1935 De r Israelit Nr. 30 Seite 5 Die Beschlüsse der Landesorganisation Der durch die Delegation der Weltagudo konstituierte erweiterte „Zentralrat der palästinensischen Landesorganisation" hat in seiner am 8. Tammus geschlossenen Session folgende Beschlüsse gefaßt: A. Organisation. 1. Die „Moeza" erkennt die Notwendigkeit an, sofort zur Bildung von Ortsgruppen der Agudas Jisroel in allen, Städten und Kolonien Erez Jisroels zu schreiten, an denen sich orthodoxe Juden befinden, welche die Grundlagen der agudistischen Anschauung anerkennen, die bestehenden Gruppen zur erweitern und sich zu bemühen für Agudas Jisroel alle diejenigen Kreise des orthodoxen Judentums zu gewinnen, die gemäß der Verfassung der Agudas^Jisroel auf deren Boden stehen. 2. Die „Moeza" legt dem Landes-Waad hapoel -die Pflicht auf, diesen Beschluß mit möglichster Beschleunigung durchzuführen, die bestehenden Ortsgruppen zur Anordnung von Neuwahlen zu veranlassen, um einen neuen Lebensgeist zu wecken und die Gewinnung neuer Kräfte für die Agudas Jisroel herbeizuführen. 3. Die ,,Moeza" bittet den Landes-Waad hapoel, dafür zu sorgen, daß diese Neuorganisation noch vor Ablauf dieses Jahres durchgeführt wird. 4. Die „Moeza" erkennt als Prinzip an, daß alle Charedim zur Deckung der Ausgaben für die Büros der Ortsgruppen herangezogenwerden müssen, Sie verkündet den i,Taschlum Chawer" als Pflicht, die jedem Mitglied durch die Gruppen auferlegt wird. Die Erfüllung dieser Pflicht ist die Vorbedingung für die Ausübung des Wahlrechts. B, Poale Agudas Jisroel, Zeire A. J, u n d B n o s A. J. . 1. Die „Moeza" begrüßt mit Befriedigung die Entwicklung der Poale A. J.-Bewegung in Erez Jisroel und sieht darin ein wertvolles Fundament für die Entfaltungdes Agudo-Gedankens im Lande. 2. DBjr „Moeza" wendet sich an den Waad hapoel der Welt-Agudo und an dessen bevollmächtigte Agentur in Erez Jisroel, diese Bewegung zu stützen, ihr nach Möglichkeit dazu zu verhelfen, daß die besonderen Bedürfnisse der Organisation erfüllt werden sowohl in Bezug auf die Arbeit und die Siedlung, als auch in Bezug auf kulturelle und gesellschaftliche Aufgaben. Zentralratssitzung der Agudas Jisroelin Erez Jisroel (Moeza hamerchasith). 3. Die „Moeza" würdigt die schweren Prüfungen, die der orthodoxe Arbeiter bestehen muß, wenn er an dem Prinzip der Agudas Jisroel festhält und sie wendet sich an alle Arbeitgeber im Lande mit dem warmen Aufruf, mit diesen Prüfungen zu rechnen und bei der Vergebung von Arbeit den Poale A. J. den Vorzug zu geben. 4. Die „Moeza" erblickt in der Histadruth Poale Agudas Jisr-oel und Zeiire Agudas Jisroel sowohl in der Landesorganisation, als in den Ortsgruppen einen unablösbaren Bestandteil der Agudas Jisroel. Sie fordert von den Leitungen der genannten Organisationen, Hand in Hand und einmütig mit der Agudas Jisroel zu arbeiten, um Agudas Jisroel immer höherer Blüte entgegen zu führen. 5. Die „Moeza" begrüßt mit warmen Segenswünschen die Bewegung der Bnos Agudas Jisroel in Erez Jisroel, die den agudistischen Gedanken allen Kreisen der orthodoxen Jüdinnen einflößen und unserem Lande einen Nachwuchs sichern will, der G'tt und seiner Thora treu bleibt. 6. Die „Moeza" hält es für nützlich, die beiden aktiven Kräfte, der Pöalim und der Zeiirim miteinander zu verbinden, damit sie sich gegenseitig ergänzen. Sie begrüßt mit Segenswünschen jeden. Versuch einer Ineinanderschmelzung der Kräfte sowohl in den Ortsgruppen, als in der Landeszentrale, soweit dies irgendwie durchführbar erscheint, 7. Die „Moeza" bestätigtden Beschluß der Delegation der Welt-Agudo und entbietet ihre besonderen Segenswünsche der L a n d e s k o n - Jerenz der P o a 1 i m, die nächste Woche zusammentritt. Sie verläßt sich darauf und beschließt, daß die Verfassungsentwürfe für Pöalim und Zeiirim sowohl der Landes-Moeza, als der Agentur der Welt-Agudo, vor allem aber dem Rabbinischen Landesrate von Erez Jisroel zur Bestätigung vorgelegt werden. C. Ali j ah. 1. Die „Moeza" erblickt in der Verstärkung der Alijah orthodoxer Juden nach Erez Jisroel die einzige Sicherung für den Aufbau Erez Jisroels auf Grundlage der Thora und der Ueberiieferung und für das Gelingen der ganzen Entwicklung des jüdischen Jischuw in Erez Jisroel im allgemeinen. „ 2. Die „Moeza" drückt ihr Bedauern aus über 'die Rechtsverkürzung des orthodoxen Judentums in Erez Jisroel bei der Alijah der Chaluzim sowohl, als derjenigen des Mittelstandes. Sie wendet sich an die Agentur der Welt-Agudo mit dem Ersuchen, ihre Anstrengungen vor den zuständigen Instanzen zu verstärken, damit die Zahl der Zertifikate in Erez Jisroel in einem dem Bedürfnis des orthodoxen Judentums in der Gola ent" sprechenden Maße erhöht werde. 3. Die „Moeza" drückt ihr Bedauern aus über die Begrenzungen und über die Schwierigkeiten welche die Regierung von, Palästina in der letzten Zeit gegenüber der Einwanderung von Rabbinen, von Jeschiwah-Bachurim und von religiösen Funktionären auferlegt hat. Sie sieht darin eine Gefahr in der Richtung einer Verringerung des Einflusses der Thora und der Religion auf den Aufbau von Erez Jisroel. Sie wendet sich an die Regierung von Erez Jisroel mit der dringenden Bitte, diese Beschränkungen aufzuheben und gegenüber der Einwanderung religiös aufbauender Kräfte und insbesondere der Jeschiwa-Jugend in Erez Jisroel eine wohlwollendere Haltung einzunehmen. Die „Moeza" wendet sich an die Zentralen in der Gola mit der Bitte, bei der A u s w a h 1 von Olim für die Einwanderung' bei allen Kategorien darauf Bedacht zu nehmen, daß die Einwanderer ihrer großen Aufgabe in Erez Jisroel gewachsen sind. Nur diejenigen dürfen für diese Einwanderung in Betracht kommen, die eine gewisse Gewähr dafür bieten, daß sie im jüdischen Leben Erez Jisroels der Agudas Jisroel zur Ehre und -zum Ruhme gereichen •werden. D. C h i n n u c h. 1. Die „Moeza" spricht ihren tiefen Schmerz aus über die wirtschaftliche Lage der Talmud Thora-Schulen und Jes^chiwos in Erez Jisroel, jener mächtigen Festungen und Lebensquellen für das Judentum im Lande Israels. Sie wendet sich mit einem warmen Aufrufe an das Judentum in Erez Jisroel und in der Gola, zur Rettung dieser Heiligtümer rasch zur Hilfe zu kommen. Es wird ein besonderer Ausschuß gewählt, der die Mittel und Wege zur Hebung der materiellen Lage der Talmud Thoras und Jeschiwoth suchen soll, 2. Die „Moeza" würdigt die Erziehungsarbeit geschiente in M. I. um in« v>* »» la^a» so auch in der Antwort von Moses und Ahron auf das Murren des Volkes na umi' Auch in den Klageliedern heißt es u'ini w&a um Eine gedankliche Brücke zwischen diesen Stellen, die auffälligerweise den gleichen Auedruck gebrauchen, läßt sich folgendermaßen herstellen; 1. Meinen die Söhne .um ins '33 u^ wir alle sind ja Söhne bedeutender Väter, 2 n» unav Wir zehren also1 an den Verdiensten der Ahnen, denn was könnten wir nach ihren Leistungen noch wirken: 3. WIM U9WS um. Dächten wir so, wir würden schweres Verbrechen an uns, an G'tt und der jüdischen Gesamtheit begehen. 4. Q,si^n TDi>3 um Wir selbst haben uns zu rüsten, als Gerüstete vor G'tt den hohen Zielen entgegenzustreben. Das Ganze wäre dann eine Illustration der Lehre in den „Vätersprüchen" lb «*n nwn* na'iw mw 7iöW> *j»xy jpnn „Rüste dich und richte es «in, selber Thora zu lernen — und auch nach der Thora zu leben und zu leisten, — denn die Thora g e ht nicht erblich vom Vater auf den Sohn üb er. Kleines Feuilleton; Ein F!reitag-Abend. Erinnerung aus Canada. Die Begebenheit liegt fast .30 Jähre /zurück; — Nachdem ich bei dem Schöchet mir drei kleine Chalaus und ein gebratenes Huhn besorgt hatte, bestieg ich in Yarmouth, einem kleinen Hafen in Neuschottland in Ost-Canada, am Freitag Mittag zur Fahrt nach Boston den Dampfer, wo dieser am Sonntag Morgen ankommt. Freitag nachmittag richtete ich mir den Schabbostisch in meiner Kabine bestmöglich ein, steckte sogar in zwei zurechtgeschnittene Kartoffeln meine kleinen Schabboskerzen, und begrüßte den Schabbos frohen Mutes. Die See war ruhig; ich konnte mein Mahl ungestört einnehmen. Danach ging ich mit einem Chumisch an Deck. Es war schon Nacht, als ein USA-Beamter alle Passagiere nach der Nationalität frug, um bei denen, die weder Canadier noch Amerikaner waren, eine Kopfsteuer von 5 Dollars einzukassieren. Ich bedeutete dem Mann, daß ich die Steuer ja morgen Abend nach Sonnenuntergang iioch zahlen könnte. Doch er erwiderte, das ginge nicht, weil wir spät nachts einen kleinen amerikanischen Hafen anliefen, wo er (der Beamte) an Land ginge, um dort die Steuer abzuliefern. Ich erwiderte, daß es mir als orthodoxem Juden verboten sei am Sabbattage irgendwie Geld zu handhaben. Darauf ging er zum Kapitän und frag ihn, ob er für mich die fünf Dollars auslegen wolle. Aber derselbe antwortete: -„Ich habe das Schiff zu führen, und Sie haben die Steuern einzukassieren." Also nichts zumachen. Darauf bat mich der Beamte, ihm doch keine Schwierigkeiten zu bereiten. Das wollte ich auch durchaus nicht/ Ich gab ihm meinen Kabinenschlüssel und erklärte ihm, daß unter meinem; Bett in meiner Handtasche obenauf mein Geld liege, von dem er sich nehmen könne, was er wolle. Das tat. er auch, kam mit Freude wieder an Deek und übergab' mir . mit Dank den Schlüssel; — Und" jetzt erst fängt die Geschichte an: Er bat mich, ihm doch mal den'jüdischen Sabbat zu erklären. Dann kamen die Speisegesetze daran, dann die Vorschriften dm jüdischen Eheleben, bis so ziemlich die wichtigsten Gesetze alle durchgesprochen waren. Fast 1 Uhr nachts war es mittlerweile geworden, als von fern die Hafenlichter eines kleinen. Ortes sichtbar wurden. Da verabschiedete sich der amerikanische Zöllbeamte von mir sehr herzlich und fügte hinzu: „Seit meinem vierten Lebensjahre habe ich nichts mehr von Judentum und Jüdischkeit gesehen oder gehört; ich bin ein Kind jüdischer Eltern aus Ungarn, und war glücklich, von Ihnen nach einer langen Lebensirrfahrt etwas von meiner verlorenen Religion zu hören." — K. G. Wochenkalender. Vom 27. Juli — 3. August 1935 / Vom 26. Tammus — 4. Ab 5695 ">»Y>!)T Samstag 27 26 'na «an s* Sonntag 28 27 V Montag 29 28 x> Dienstag Juli 30 nn/i 29 T> Mittwoch 31 3N 1 1» Donnerstag 1 2 TO Freitag Aug. 2 3 T* Samstag 3 4 n» srinnraiaa »»e» nw» wa» \op msa d-p ann pm mv onai