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Der Israelit · 1935-07-18 · Heft 29 (18.7.1935) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 29 (18.7.1935)
Date
1935-07-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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"^'•'■".■:»p^'p7'.^yr/^ Seite 4 Nr. 29. D Israelit 18. Juli 1935 Zu den Verhandlungen um das palästinensische Gemeindegesetz. Die ausländische Presse und die ITA. bringen in dieser Woche über den Stand der Verhandlungen um das palästinensische Gemeindegesetz mehrere Nachrichten, die sich zum Teil diame tral zu widersprechen scheinen. Auf der einen Seite wird gemeldet, Ben Z w i habe auf der zur Zeit stattfindenden Tagung des Waad leumi der Kneses Israel erklärt, die auf Initiative der Regierung eingeleiteten Verhand lungen zwischen Agudas Israel und Kneses Israel um das Gemeindegesetz seien inzwischen nicht fortgesetzt, also abgebrochen worden. Auf der anderen Seite enthält das Organ der ungarischen Orthodoxie, ,, Z s i d o U j s a g" , einen Bericht über Beratungen, die der aus Jerusalem nach Europa gekommene Rabbiner Jonathan Horovicz mit den Führern der ungarischen Orthodoxie, Adolf F r a n k I, Samuel K a h a n - Fr a n k 1 und Abraham Freifdiger von Obuda geführt hat. Darin heißt es: ,iAuf die bekannte Deklaration der palästinensischen Aguda-Organisation hat Rabbiner Ostrowski im Namen des Waad Leumi die Antwort erteilt, daß Verhandlungen mit der Orthodoxie nur dann möglich seien, wenn diese in die Einheitsorganisation „Knesset Israel" eintrete. Die Orthodoxie aber beharre auf ihrem Standpunkt: Autonomie und eigenes Beth-Din. Dieser Standpunkt wurde in einer schriftlichen Eingabe der palästinensischen Regierung zur Kenntnis gebracht. Rabbiner Horowicz bemerkte, daß für die palästinensische Orthodoxie ausschließlich die Meinung des Oberrabbiners Duschinsky maßgebend sei. Die Verhandlungen seien keineswegs als gescheitert zu betrachten, vorerst sei nur eine Pause eingetreten. Rabbiner Horowicz bemerkte weiter, daß im Sinne einer vor Monaten gefaßten Resolution' des Zentralrates des Aguda-Weltverbandes die unabhängige Orthodoxie mit den Misrachisten solange nicht zusammenarbeiten könne, als die Misrachi-Orga'nisation in der zionistischen Organisation verbleibe. Unter den heutigen Verhältnissen müsse im Interesse der orthodoxen Jugend die palästinensische Arbeit stark in den Vordergrund gestellt werden. In der letzten Zeit sei die Einwanderung der gesetzestreuen Elemente in Erez Israel im Anwachsen begriffen." Wir sind der Auffassung, daß die Erklärung Ben Zwi's der tatsächlichen Lage nicht entspricht. Bisher hat sich die Regierung vorbehalten, ihrerseits noch Stellung zu nehmen zu den beiden jetzt vorliegenden Einigungsentwürfen, demjenigen des Waad leumi, der eine der Autorität des Thoragesetzes unterworfene Gemeindeorganisation konzediert neben einer profanen Kneses Israel für Politik und Wirtschaft, und zu dem Entwürfe der Jerusalemer Agudas Jisroel, der zwei autonome Gemeindeorganisationen, zusammenj gefaßt in einem repräsentativen Gesamtverband ,,Hajischuw Hajehudi" vorsieht. Inzwischen hat auch die Exekutive der Agudas : Jisroel-rWeltorganisation dem High Commissioner mitgeteilt, daß sie im Hinblick auf die hohe allgemeine Bedeutung der bevorstehenden Entscheidung Bereit sei, ihre guten Dienste zur Vermittlung zur Verfügung zu stellen und gegebenenfalls einen Vertreter zur Teilnahme an den Verhandlungen nach Jerusalem zu entsenden. Die karpathorussxsche Orthodoxie macht sich selbständig. Nach jahrelangen Kämpfen ist Ende Juni auf Grund der von den staatlichen Behörden erteilten Genehmigung für die ostslovakischen orthodoxen Gemeinden, die bisher gleich allen anderen Gemeinden der tschechoslovakischen Republik der orthodoxen Kanzlei in Bratislava unterstanden, eine selbständige Landeskanzlei in Uzhorod errichtet worden, Ein;' Delegiertentag der orthodoxen Gemeinden, zu dem Vertreter von 24 Kultusgemeinden und 20 Rabbinen erschienen waren, hat die Konstituierung der selbständigen Organisation für Podkarpatska-Russia, die Wahl eines Präsidiums, einer Repräsentanz und der einzelnen Komitees vollzogen. Lediglich die Gemeinden Berehovo, Sevlus, Tacovo und Rachov lehnten die Beteiligung j an dem Delegiertentag ab und erklärten, daß sie j nach wie vor sich der Zentralkanzlei der slova- J kischen Orthodoxie in Bratislava unterstellen. Wie berichtet wird, hat den Hauptanteil an der Durchführung der Separationsbewegung und der Schaffung der neuen Kanzlei Dr. Laszlo, der im Laufe der stürmischen Debatte, die der Konstituierung voranging, sich auch für die Zukunft auf bestimmte Direktiven des staatlichen Landesamtes berief und wohl auch weiter der tatsächliche Träger der technischen Arbeit sein wird. Hinter ihm steht jedoch als zentrale Figur der ganzen Ostslovakei und als Träger der nun zu vollem Erfolg gelangten- Selbständigkeitsbestrebungen der Munkaczer Rabbi, der auch in der konstituierenden Versammlung an dem Geiste der Bratislavaer Geschäftsführung schärfste Kritik übte. Vom Standpunkt der gesamtorthodoxeh Interessen wird sich nicht bestreiten lassen, daß die straffe Zusammenfassung der. ostslovakischen Gemeinden unter einer festen und energischen Leitung große Vorzüge in sich birgt. Was geradein den Gemeinden dieses Gebietes in den letzten Jahren an inneren Streitigkeiten, insbesondere jedesmal wenn es sich um eine Rabbinerwahl handelte, aber auch im normalen Lauf der Dinge vor sich ging, bedeutete oft nach außen einen nicht geringen Chillul haschem utid nach innen naturgemäß eine Schwächung der Thora-Tradition, insbesondere gegenüber der Jugend, die nur von den unheilvollsten Folgen sein konnte und lediglich Wasser auf die Mühle der zionistischen Gegner bedeutete. Hier kann eine Kanzlei, die von staatlicher Autorität getragen ist und von einem starken Willen geleitet wird, zweifellos wohltätig wirken. Ueberaus schmerzlich ist auf der, anderen Seite jedoch der Riß zwischen dem Westen und dem Osten der Slovakei, der nunmehr nicht mehr zu verschleiern ist und jetzt eine feste, wohl relativ dauernde Form angenommen hat. Dieser Gegensatz ist zWar in einer gewissen Verschiedenheit der geistig-kulturellen Atmosphäre, begründet, aber er wäre bei gutem Willen der führenden Persönlichkeiten und bei stärkerer Würdigung der relativen Berechtigung der beiderseitigen Auffassungen .doch zu überbrücken gewesen. Jedenfalls ist das System des Spaltens und des Teilens nicht der Weg, auf dem letzten Endes die gesinnungsmäßig durch ihre Treue zum G'ttesgesetz geeinte Orthodoxie im öffentlichen Leben der Gegenwart gefördert wer* den kann. Einige Bemerkungen zur Auswanderungsfrage. Von Dr. Arthur Prinz in Berlin, Wir haben in Nr. 25 unsres Blattes an leitender Stelle den gegenwärtigen Stand der Auswanderungsfrage, insbesondere für die deutschen Juden, behandelt und dabei auch Stellung genommen zu einem Aufsatze des Herrn Verfassers in der „Jüdischen Wohlfahrtspflege". Auf diese unsre Stellungnahme beziehen sich die nachfolgenden Ausführungen, 1. Argentinien und Brasilien gehören m. E, trotz der vom High Commissioner betonten Ausbreitung faschistischer Bewegungen noch immer zu den aussichtsreichsten Ländern für auswandernde deutsche Juden. Daß Argentinien keine Sonderbestimmungen zugunsten der jüdischen Einwanderung erlassen will, beweist doch noch nicht, daß nicht in der bisherigen Art. noch viele Der Friede mit dem „gebrochenen Waw". Von B. C. Kann man durch Bestrafung eines Frevlers Frieden stiften? diVp im Hebräischen ist mehr als Friede im Deutschen. Friede kann auch gleichbedeutend mit Ruhe und Untätigkeit sein, mit bloßem Fernbleiben jedes fremden Eindringlings in die eigene „Einfriedigung". Dito aber ist vollste Harmonie in Geist und Seele, Ruhe gegen Störenfriede sichern kann man auch durch genügend abschreckende Strafen. Aber mto herstellen kann man nur durch Lehre und Liebe. Die Sünden eines Zeitalters -aber können so schwer sein, daß eine solche Harmonie nicht mehr sich herstellen läßt. In solchen Zeiten kann, sagt ein alter Erklärer, nur Friede herrschen, nicht Dit>w, und Friede im außerhebräisehen Sinne ist mit gebrochenem Wav zu schreiben. Pinechas durfte nicht sich auf Lehre und Liebe verlassen. Der Augenblick erforderte dasjenige Vorgehen, das wir von ihm kennen. Dieses Vorgehen durfte ihm niemand anraten. Er durfte nur aus eignem Antrieb so handeln. Darum fehlte zu seinem n&v das ganze und ungebrochene, bindende 1» das ihn in die Gesamtheit eingliedern hätte können. Ja, nach der Halacha hätte Simri gegen ihn das Notwehrrecht ungestraft ausüben können, wenn es ihm gelungen wäre. Warum aber konnte dennoch seine ü'Jro-Würde »*iör> um» TO om'3 ]mm tf? als Lohn gerade dieser so viel umstrittenen Tat ihm zuteil werden? Darauf antwortet jener gleiche Erklärer: Ein im muß Opfer bringen, und die Opfer sind doch nur Sinnbilder seines eigenen stetigen Opfermutes. Wenn er sieht, daß er das seelische Heil Vieler nur durch eine solche eigene Tat retten kann, die sein eignes seelisches Heil gefährdet, dann muß er auch das Opfer des eigenen inneren Friedens ungesäumt zu bringen bereit sein. Pinechas mag im Voraus gewußt haben, wie bitter ihn vielleicht sein Vorgehen reuen wird, und daß selbst G'tt ihm nur einen gebrochenen Friedensgrüß wird entbieten lassen können. Eben deshalb hat er sich durch diese Tat als einen wahren des Opfers vor G'tt erwiesen. Mußte der Ällgütige doch auch einst Abraham trösten, der die Mizwatat der Befreiung Lots nicht ohne blutige Gegenwehr hatte vollbringen können und darüber trauernd heimzog, — und ihn zu furchtloser. Hoffnung auf großen Lohn ermahnen. Damals bezeugte, gerade damals Malkizedek, der König und Priester, ihm selber priesterliche Ehren. Denn er sah in ihm einen p3/ der das höchste Gut s,elber dem G'ttesgebote hinopfert, nämlich das friedliche Gewissen,- dessen Trübung durch die Geschehnisse des Zuges gegen Lots Peiniger Abraham sicherlich auch im Vorausahnenmußte, Dieses Geschick Abrahams und Pinechas' hat sich in unserer Geschichte oft''wiederholt. Wer ein wirklicher IM sein wollte, mußte zuerst sich als einen solchen bewähren, der nicht einmal die augenblickliche Gewissensruhe für zu teuer hielt, wenn er sie hinopfern sollte, um das Heil des G'ttesvolkes zu fördern. Diesen Sinn sieht unser alter Erklärer auch in dem Verse vn cpam TH Mai: Alle wahren Nachfolger des edlen Königs David waren und sind allezeit solche D'iro wie Abraham und Pinechas, nicht ]vbs '&b D'3H3/ Priester wie der verborgene Malkizedek auf Privatvertrag mit rr»»n, sondern dVw^> -na nnx Opferpriester zugunsten der Welt und der Ewigkeit, die das Volle Israel tragen und lenken pavn ris ]»i»n i»k:> wie der Pflegende das Kind. Das möge man allezeit bedenken, wenn man einem ganz aus Gewissen bestehenden Thora-Großen leichtfertig nachsagt, er habe die Pflicht des Friedens und der Eintracht gering geachtet; Unsere Propheten, Priester und Lehrer haben aus Liebe zu uns selber ihre „Gewissensruhe" geopfert. Ihre Wege waren Wege der Lieblichkeit und alle ihre Pfade Frieden. Und brachen sie das l des pi^/ so schmerzte der Bruch sie selber mehr als uns. Das geniale Wort eines Gaon. Im Kapitel 29 unserer Sidra ist die Skala der Festopfer verzeichnet. Von Vers 12 an werden die täglichen Opfer des Sukkausfestes, aufgezählt, wobei folgendes auffällt: Die Opferordnung des ersten Tages schließt mit tw» ~f>99r die Handlung des zweiten Tages ebenfalls. Beim dritten Tage heißt es aber nur ristan -pshpv Der vierte Tag hat wieder mW ' der fünfte, sechste und siebente Tag wiederum nur n*w iw< ohne ow Wenn man auf dem Standpunkte steht, daß es keine

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