Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1935)
- Date
- 1935-07-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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^*^55^5riF~jÄ*v_ 'v<S'V£t><H,'>yr Va^^^S^^S^^^^^^^^^^^^^^^^ Seite 8 Nr. 28 D Israelit 11. Juli 1935 tung bei der Behandlung jüdischer Angelegenheiten vor dem. Völkerbund und seines Eintretens für das Aufbauwerk in Palästina in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eingetragen. Belgien. Tagung der westeuropäischen Gruppen der Agudas Jisroel in Antwerpen. Antwerpen, 5, Juli. Die westeuropäischen Gruppen der Agudas Jisroel werden vom 9. bis zum 13. August in Antwerpen eine Tagung abhalten. Auf ihr werden die neuen Entwicklungen in Palästina sowie Probleme des polnischen Juderitums'~behandelt werden. Aus Anlaß der Tagung" werden öffentliche Versammlungen in Antwerpen und Brüssel stattfinden. Polen. Wirksame Vorbeugungsmaßnahmen zur Verhütung judenfeindlicher Ausschreitungen. Warschau, 2. Juli. Die Polizei der Stadt Starograd hat in Erfahrung gebracht, daß versucht werden würde, den Jahrmarkt, an dem erfahrungsgemäß etwa 15,000 Personen aus allen Teilen des Bezirks teilnehmen,'zu antijüdischen Ausschreitungen zu benutzen. Um dem vorzubeugen, verhaftete sie den Führer der antisemitischen nationaldemokratischen Partei des Ortes und drei andere prominente Führer sowie vier Huligans, die im Verdacht standen, zur Provozierung der Unruhen gedungen zu sein. Die Folge war, daß der Jahrmarkt, an dem sonst wiederholt Ausschreitungen vorgekommen waren, ungestört verlief. Die Vertretung der Juden Polens im künftigen Sejm und Senat, Warschau, 3. Juli. Wie die ITA. von gut unterrichteter Seite erfährt, sind maßgebende Kreise bereit, den Juden Polens sechs Vertreter im künftigen Sejm einzuräumen. Und zwar sollen auf die Zionisten drei, auf die Aguda zwei Mandate entfallen; ein Mandat soll ein Vertreter jüdischer Wirtschaftskreise erhalten. Es wird jedoch zur Bedingung gemacht, daß die Juden Polens eine einheitliche Wahlliste aufstellen und ein gemeinsames Wahlkomitee schaffen. Da bereits von verschiedenen Organisationen der Beschluß gefaßt worden ist, sich an den Wahlen nicht zu beteiligen, dürften der Erfüllung dieser Bedingung große Hindernisse im Wege stehen. Ueber die Vertretung der Juden im neuen Senat wird die Version verbreitet, daß zwischen dem Drittel der Senatoren, die von der Regierung nominiert werden, sich zwei Juden befinden sollen. Es werden hierbei die Namen von Prof. Schorr und des gewesenen Senators Bankier Raphael Szereszewski genannt. Der Kampf um die Schechita in Polen. m Warschau, 3, Juli. Gegen das rituelle Schächten in Polen ist ein neuer Vorstoß unternommen worden. Der Direktor des polnischen Städteverbandes, dem sämtliche kleine und große Städte Polens angeschlossen sind, hat dem Hauptrat des Städteverbandes einen Plan zur Bekämpfung und Abschaffung der Schechita unterbreitet. Alle Städte Polens sollen eine Aktion gegen das Schächten unternehmen. Es sollen Petitionen von den Stadtverwaltungen an die Regierung gesandt werden, in denen diese aufgefordert wird, das Schächten zu verbieten. Die nächste Sitzung des Hauptrates des Städteverbandes wird sich mit diesem Vorschlag beschäftigen. Jüdische Soldaten in der polnischen Armee können sich rituell verpflegen. Warschau, 5, Juli. Die „Agudas Jisroel" hat ein Rundschreiben an alle, Rabbinen Polens gerichtet und sie darauf aufmerksam gemacht, daß jüdische Soldaten, die Wert auf koschere Verpflegung legen, berechtigt sind, Beköstigungsgelder an Stelle ihrer regelmäßigen Verpflegung zu erlangen, um sich dann selbst rituell zu beköstigen. Jeder jüdische Soldat, der wünscht) die Speisegesetze zu beobachten, muß vom Rabbiner seines Ortes eine Bescheinigung darüber beibringen, daß er wirklich ein strenggläubiger Jude ist. Das Rundschreiben empfiehlt, daß solche Bescheinigungen nur solchen Soldaten gegeben werden, die den" Rabbinen wirklich als gesetzestreu bekannt sind. Palästina. Jerusalemer Brief, Jerusalem, 30. Juni, Vorige Woche fand in der Kolonie Netania eine Versammlung der Bne Binjamin, einer Schwesterorganisation der Hitachdut'h Haikarim statt. In dieser Sitzung wurde u. a, auch über die Beziehungen zum Waad leumi, der Kneses Israel und zur zionistischen Organisation gesprochen. Für die Orthodoxie, die an der Frage der Legitimation jener beiden Körperschaften zur Vertretung der jüdischen Gesamtheit aufs äußerste interessiert ist, werden die nachfolgen den Sätze aus der Eröffnungsansprache, die der Vor sitzende, Herr Ben Ami, in jener Landwirteversamm lung hielt, von Interesse sein. Er sagte: „Wir sind mit dem ruhigen Verhalten der Hitadhdiuth Haikarim in den inneren Beziehungen des Jischuw nicht einverstanden. Es genügt nicht, ,>daß wir uns nicht an der „Kneses Israel" beteiligen, die heute ein vom Jischuw losgerissener Körper ist, son dem man muß verkünden, daß diese Kneses Israel in keiner Weise die bevollmächtigte Vertreterin des Jischuw darstellt, s o 1 an ge sie nicht, den Weg findet, jeden jüdischen Bürger in die Kneses Israel einzubeziehen. Wir gehen diesesmal auch nicht zum zionistischen Kongreß, obgleich wir nicht unseren Austritt aus der Organisation erklärt haben und erklären werden. Aber es darf nicht der Eindruck im Jischuw und im ganzen Judentum entstehen, als ob der zionistische Kongreß das jüdische Volk vertret e." Es ist ja bekannt, daß, abgesehen yon den agudistischen Kreisen, die aus religiösen Gründen aus der Kneses Israel ausgetreten sindt es noch außerdem weite Kreise des Jischuw gibt, die den Waad leumi ablehnen und-ihm jedes Recht auf Repräsentation des Jischuw bestreiten. In der Tat vertritt die isogenannte „Kneses Israel" heute lediglich die links gerichtete Arbeiterorganisation und den Kreis des Misrachi, der nach der Abspaltung des Misrachi Hawatik im Jischuw keine sehr große Rolle mehr spielt. Zwar bleiben der Kneses Israel noch die Bevollmächtigten der Sfardim, aber auch bei ihnen lehnen zahlreiche Gruppen die Kehilla des Waad leumi ab. Es wäre in der Tat die höchste Zeit, daß aus dieser Sachlage die Konsequenz gezögen und auch von Gesetzes wegen der Kneses Israel der Schein einer repräsentativen Körperschaft entzogen würde, solange ihre Verfassung nicht gänzlich umgestaltet wird..' Es scheint, daß die Proklamation des Kolonistenführers in diesem Augenblick gerade deshalb ergangen ist,, weil durch die bekannten Verhandlungen zwischen Kneses Israel und Agudas Israel auf Initiative der Regierung die ganze Frage der Zukunft der. Kneses Israel und ihrer Umgestaltung flüssig geworden ist. Auch „ B o s t a n a i ", das Organ der Ikarim, hat einen Aufsatz über diese Verhandlungen veröffentlicht, worin die Befürchtung ausgesprochen wird, es könnte veine Verständigung zwischen Agudas Israel und Waad Leumi erfolgen, während man im Gegenteil eine Einheitsfront gegen den Waad Leumi bilden müsse. Selbstverständlich sind für das orthodoxe Judentum und für Agudas Jisroel alle diese politischen Schachzüge der anderen Parteien nicht von Belang. Ihre Stellungnahme ist ihr durch die Thora vorgeschrieben und darf mit den Motiven der Revisionisten, der Kolonisten und aller übrigen dem Waad Leumi freundlich oder feindlich gesinnten Parteien in keiner Weise verwechselt werden. Nur das eine wird durch die Konstellation, die heute vorliegt, bewiesen, daß ohne das einigende Band der G'tteslehre es eine Einheit des jüdischen Volkes überhaupt nicht gibt, Wann werden sich die Gegner auf diese Wahrheit zu ihrem eigenen Heile besinnen? Die Gesellschaft „Mashire Schabbath", die seinerzeit von Mitgliedern der Zeiire Agudas Jisroel" in Jerusalem gegründet wurde, setzt ihre Tätigkeit mit großer Begeisterung fort. Es ist ihr schon manche Verhütung eines öffentlichen Chillul Schabbos zu danken gewesen und auch diejenigen, die die 1 Gesellschaft bekämpfen, bringen ihr Respekt entgegen, weil sie wohl fühlen, daß ihre ganze Arbeit rein L'scHem schomajiin erfolgt. Am letzten Freitag kamen in der Hauptstraße von Jerusalem, der Jaffastraße, zwei Mitglieder der „Mashire Schabbos" zu einem Ladeninhaber, indem sie ihn in höflichen Worten baten, sein Geschäft zu schließen, denn es sei schon sehr spät. Der Kaufmann wollte nicht, und die Sache zog sich eine Zeitlang' hin, während die* Zeiirim neben dem Laden standen und gegen die Tür klopften, ohne ihr Ziel zu erreichen. Schließlich telefonierte der Lädeninhaber der Polizei mit der Anklage, daß zwei junge Leute sein Geschäft störten. Eine Abteilung englischer Polizisten verhaftete die beiden . jungen Leute. Auf Intervention des Sekretärs der Agudas Jisroel, Mosche Glückman-Porusch, der sich sofort zur Polizei begab, wurden die jungen Leute gegen Sicherheitsleistung über Schabbath freigegeben. Am Mittwoch hatten sie sich vor dem Polizeirichter Schemesch wegen Störung der öffentlichen Ordnung zu verantworten. Verteidiger war Dr. Mordechai Buxbaum, das Mitglied der Agudo-Leitung in Jerusalem. Der Richter sprach sie frei und begründete seinen Spruch damit, daß es sich um Thorabeflissene handele, die sich auf den rabbinischen Beruf vorbereiteten. Er verlangte nur eine Sicherheitsleistung für gutes Verhalten während der nächsten" zwei Monate. Die interessante Verhandlung machte auf die Oeffentlichkeit einen gewissen Eindruck und man rühmt den Richter wegen seines Verständnisses für diev religiösen Gefühle. Die hier von den Herren J. M. Kleinlehrer und S, Günzburg gegründete Poale Agudas Jisroel-Gruppe entfaltet eine erfreuliche Tätigkeit. In der letzten Zeit hat man mit verschiedenen neuen Unternehmern wegen der Erlangung von Arbeitsstellen angeknüpft und die meisten Mitglieder finden geeignete Positionen. Die Zahl der Genossen vermehrt sich von Tag zu Tag. Jetzt ist man mit der Gründung einer Darlehens- und einer Krankenkasse beschäftigt. Einen großen Raum nimmt die religiös-kulturelle Arbeit ein. Eswurden Gemoro- und Schulchan Aruch-Schiurim eingerichtet neben einem Sonderschiur für das Dafjaumi. Auch die Vorbereitungen zur Gründung einer Bibliothek wurden getroffen. Die Schriftleitungen der agudistischen Zeitungen im In- und Auslande werden gebeten, ihre Zeitschriften der Gruppe zur Verfügung zu stellen. ' Die auf den 13, Tammus nach G e d e r a einberufene allgemeine Landeskonferenz der Poale Agudas Jisroel wird .hoffentlich auch für die Jerusalemer Gruppe einen weiteren Auftrieb gewähren. Herr Isaak Nußbaum^ Berlin hat dem Lande in den letzten .Wochen zum fünften Male einen Besuch abgestattet und sich wiederum als eine dem agudistischen Gedanken mit besonderer Wärme hingegebene Persönlichkeit bewährt. Herr Nußbaum gehörte zu den besonderen Verehrern von Rabbi Chajim Sonnenfeld ^"XT» dem er während des letzten Jahrzehnts seines Lebens in vielen Unternehmungen der Mizwotat und des Gemikis Chesed hilfreich zur Seite stand. Bekanntlich befindet sich in Jerusalem eine von dem heimgegangenen Gaon gemeinsam mit Rabbi Schlomo Porusch gegründete „Gemilus Chesed Hakloli Schare C h e s e d ", die älteste Gemilus Chesed- Kasse, die schon auf eine Wirksamkeit von 65 Jahren zurückblicken kann. Sie hat das große Stadtviertel „Schare Chesed" in Jerusalem gebaut. Eine Straße dieses Stadtviertels neben der Chajim Sonnenfeld- Straße ist nun auf den Namen des Berliner Philantropen Jizchok Nußbaum -Straße, genannt worden. Der besondere Zweck des diesmaligen Besuchs des Herrn Nußbaum war die Besichtigung der Kollektivkibbuzim der Agudas Jisroel in Kfar Saba, Gedera,_ Netania und Tel Awiw.. Herr Nußbaum war sehr befriedigt von deren Entwicklung und förderte diese durch Rat und Tat. Herr Nußbaum fuhr zusammen mit Herrn Oberrabbin'er Duschinski nach Europa zurück. ■ * ■ Jerusalem, 8. Juli. Das Befinden des" erkrankten Oberrabbiners von Palästina, Rabb. _A. J. K ü k, hat sich leider verschlimmert. Zu der Behandlung des Patienten ist Prof. Desatti aus Paris hinzugezogen worden, dessen- Ankunft am Mittwoch erwartet wird. - Er wird zusammen mit Prof. Zondek den Erkränkten betreuen. ■