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Der Israelit · 1935-07-11 · Heft 28 (11.7.1935) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 28 (11.7.1935)
Date
1935-07-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 28 Der Israelit 11. Juli 1935 ausr^fens G'ttes" (S. Sckolem) gewandelt. Aber auch in diesem Bereich vermochte sich die jüdische Mystik in ihrer Höhenlage immer wieder zur reinen Klarheit der biblischen Grundgestalt zurückzuretten. Der Umstand, daß die meisten Kabbalisten versichern, sie seien magischer Kräfte unkundig, darf nicht nur als Verschleierung ängstlich gehüteter Geheimnisse verstanden werden, sondern ist aus echtem biblischem Geist der Mantikfeindlichkeit heraus gesprochen. Hier verrät sich, wenn auch oft in scheuer Form, das lebendige Bewußtsein vom häretischen Charakter der Magie. Schließlich hat auch die sogenannte „praktische Kabbala" ihre eigentliche Stärke und das Pathos ihres Machtbewußtseins für die Herabziehung des messianischen Reiches in der Inbrunst des Gebetes und der Askese, fern aller Magie, eingesetzt. Die jüdische Mystik in ihrer Synthese von kosmischer Spekulation und praktischer Frömmigkeit trägt so in jedem ihrer Elemente das Spezifikum des Judentums aufbewahrt. Ihre stärkste Eigenart aber besitzt sie wohl in der Durchdringung dieser beiden Elemente. Die unio mystica, die sie rlehrt, setzt kein Verströmen des Ich ins All, keine Aufhebung des Willens im Nichts voraus, sondern offenbart ihr Jüdisches in der Verschmelzung von Kontemplation und verantwortlicher Tat, in der Zurückführung aller Spekulation auf den Boden der Thora.*) *) Obige Ausführungen stellen einen uns vom Herrn Verfasser freundlichst zur Verfügung gestellten Auszug aus einem bei der Eröffnung des Rambam-Lehrh aus es in Berlin gehaltenen Vortrag dar. Red. Wochenrundschau. Die neue Wahl^diung in Polen und die Juden. Ohne eigentlich eine eigene Wahlkurie zu besitzen, waren bis jetzt die drei Millionen Juden in Polen im Parlamente so vertreten, daß sie immerhin die volle Möglichkeit hatten, über die jüdischen Interessen zu wachen. Taten sie es einmal nicht in befriedigender Weise, so lag es eben am Jüdischen Klub selbst, der sich oft als Schleppträger anderer Parteien und Minderheiten hergab. Was die orthodoxe Fraktion im Parlamente unter Leitung des Dep. Oberrabb. Lew i n kraft des ihr erteilten Mandates zur Besserung der ökonomischen Lage und der religiösen Lebensmöglichkeit der jüdischen " Bevölkerung getan hat, ist allbekannt. Die neue Wahlordnung beschneidet das Recht der jüdischen Minderheit — nicht im Sinne einer nationalen Minderheit mit eigenem Wahlkataster — ganz wesentlich. Das hinderte die Nationaldemokraten nicht, das neue Wahlgesetz als eine „jüdische Sache" zu bekämpfen, die „den Juden in Polen" und auch „dem internationalen jüdischen Kapital" diene. Die Vertreter des Jüdischen Klubs wiesen bei den stürmischen Debatten, die der Annahme der Wahlordnung vorausgingen, darauf hin, daß die Juden, die nach ihrem Prozentsatz Anspruch auf 20 Abgeordnete und 9 Senatoren hätten, nach dem neuen Gesetze* höchstens sechs Abgeordnete bekämen, d. h. einen Abgeordneten auf je 600.000 Juden, welche, da die Neuordnung nach "geographischen Gesichtspunkten getroffen ist, noch nicht einmal immer vorwiegend von Juden gewählt sein werden, so daß die jüdische Bevölkerung kaum in ihnen ihre berufenen Vertreter sehen könnten. Und all dieses in einer Zeit, da die jüdische- Bevölkerung Polens einen schweren Kampf um ihr primitives Lebensrecht zu führen hätte, da Hunderttausende von Juden hungern und in manchen Städten, wie in Grodno, die Juenhetze zu kleinen Pogromen führte. In Ziffern ausgedrückt, würde man den Juden, die 10 Proz. der Bevölkerung ausmachen, bei sechs Abgeordneten im besten Falle, 1,6 Proz. der Mandate zuteilen. Inzwischen wurde das neue Wahlgesetz, allen Einwendungen der kleineren Parteien zum Trotze, angenommen. Für die Juden stellt sich das Resultat noch ungünstiger dar, als der Jüdische Klub in seiner Opposition glaubte. Nicht sechs, sdndern nur fünf jüdische Mandate konnte der Ministerpräsident einer jüdischen Delegation, die ihn nach Annahme des Gesetzes besuchte, in Aussicht «teilen, Daß die Vertreter der Orthodoxie zu der neuen Wahlordnung im Parlamente nicht so entschieden Stellung nahmen, wie man es von ihnen gewöhnt war, mag seinen Grund darin haben, daß die Führer, (die in Wahrheit die breitesten Massen der jüdischen Bevölkerung vertreten) bisher mit der Regie r u n g Hand in Hand gingen und aus diesem Zusammengehen namhafe Vorteile für die jüdische Bevölkerung erreichten, die weit wichtiger sind, als alle parlamentarischen Erfolge und das politische Spiel der Parteien. In der Voraussicht, daß sie mit ihrer Gegnerschaft am Gange der Safche nichts . ändern, vielmehr sich alte Freundschaft verscherzen und um die letzten Vorteile bringen könnten, haben die erfahrenen Männer nach dem bewährten Worte" von ,d e r Politik als Kunst des M ö g liehen gehandelt. Möge es ihnen nun beschieden sein, nachdem diz Würfel gefallen sind, die Sache noch dadurch zu unseren Gunsten zu wenden, daß . sie mit Aufbietung aller Kraft dafür sorgen, daß die fünf oder sechs jüdischen Abgeordneten im künftigen Sejm wirklich j ü d i s c h e Abgeordnete, getragen vom Vertrauen der jüdischen Massen, sind. Zur ersten Landeskonferenz der Poale Agudas Jisroel in Erez Jisroei. In der nächsten Woche, am 13. Tammus, tritt in der Kolonie Gedera, dem Sitze des Kibbuz Chof ez Chajim, die erste allgemeine L a n d eskonferenz der Poale Ag uda s Jisroel in Erez Jisroel zusammen. Aus diesem Anlaß veröffentlicht die Zentrale der Organisation einen Aufruf, dem wir folgende charakteristische Stellen entnehmen: „Der Weg, den unsere Organisation vom Tage ihrer Gründung bis heute durchschritten hat, war nicht mit Rosen umhegt. Ihrer Entwicklung standen gewaltige Schwierigkeiten entgegen. Als sie ihren Fuß auf das heilige Land setzte, fand sie die Atmosphäre erfüllt von Haß und Abneigung gegen Agudas Jisroel. Mit Kraft und Energie hat sie das agudis- . tische Banner emporgehoben und mit zäher Arbeit sich eine Position im Jischuw und Respekt in der öffentlichen Meinung zu verschaffen gewußt. Auch die inneren Schwierigkeiten waren gewaltig. Auf der einen Seite galt es, die Ankömmlinge aus der ganzen agudistischen Welt in den Ländern der Gola mit der Verschiedenartigkeit ihrer Lebensgewohnheiten und Anschauungen zur gemeinsamen solidarischen Tätigkeit zusammenzufassen, auf der anderen Seite mußte für Arbeit und Stellung gesorgt werden, 'eine ökonomische Basis zur Niederlassung im Lande zu schaffen ohne die Hilfe fremder Organisationen; und all das fiel zusammen mit dem ersten Beginn erneuter Arbeit der Agudas Jisroel in Erez Jisroel überhaupt. Der Keren Hajischuw war noch kein sehr wertvolles Wirtschaftsinstrument zur Lösung sozialer Aufgaben. Die Probleme, deren Lösung jeder Tag verlangte, häuften und verwickelten sich immer mehr. Wir waren bisher gezwungen, uns mitkleinen Anfängen zu begnügen. Die Organisation von 13 Abteilu ngen im Lande ist gewiß nur ein Anfang, solange diese Abteilungen noch nicht die ganze Fülle des Lebens in sich aufgenommen haben. Auch die Gründung von vier Kollektivkibbuzim auf dem Lande ist nur ein Anfang. Unser Ziel muß sein, solcher Kollektivkibbuzim eine große Zahl im ganzen Lande im agudistischen Geiste, zu schaffen, Krankenkassen in unseren Abteilungen existieren bisher erst zwei, Darlehenskassen erst eine einzige. Aber der erste Schritt ist in. all diesen Dingen getan, ebenso wie auch in der kollek- Von den drei Führern. Drei gute Führer, heißt es in Talmud und MAdrasch, hat G'tt Israel in der Wüste gestellt. Sie werden auch in der Haftorah zur Sidra (Micha 6, 4) genannt D'im pn« nva m yjsS> nVwKi 'in yrpbvn "o „Denn ich führte dich aus Mizrajim und schickte dir voran Mosche, Ahron und Mirjam". Mosche dankten Israels Söhne das tägliche Mannabrot (worauf sich die Meinung des Talmud stützt, daß der erste Abschnitt des Tischgebetes jrn uVwn na von Mosche stammt). Ahrons Verdienst bewirkte die Ehrenwolke, die Israel auf seinem Wüstenzuge begleitete. Mirjam schließlich zog die Quelle, den Wanderbrunnen, nach sich. Beweis: Unmittelbar nach dem Tode Mosches hört das tägliche Manna auf. Wie Ahron heimgegangen war, hörte es der Kanaanite und überzog Israel mit Krieg — weil er gewahrte, daß die Ehrenwolke sie nicht mehr schützte (Kap. 21 der heutigen Sidra). Der Tod Mirjams kündigte sich durch den Wassermangel an (Kap. 20, 2 unserer Sidra). Nach mannigfacher Auffassung deutet der Prophet auch im letzten Satze -der Haftora auf die drei Führer hin 'Mi dk inya rm TP1?* "t a»i aw na bik ii t»an „Man kündete dir, Mensch, was gut ist und was G'tt von dir fordert, (das menschlich Gute) nichts Anderes, als Rechttun, Liebe zur Wohltat und bescheidenes Wandeln mit deinem G'tte." Standen nicht die drei genannten Führer als Muster und Vorbilder dieser (frei sittlichen Postulate da, die nach Auffassung des Talmuds, alle 613 Ge~ und Verbote in sich einschließen (vbv p'aym fwa «a)7 Mosche war der Walter des strengen Rechtes, ihm zur Seite steht Ahron als Mann des Friedens und der Liebe, Daneben aber wandelt Mirjam als Musterbild des rab rasa, der bescheidenen Frömmigkeit, die Personifizierung des nwnx-Ideals. Kleines Feuilleton- Jüdisches Glück. (Aus einem Warschauer jüdischen Blatte.) Auf der Straße zu Grodno fragt ein armer Jude um die Mittagszeit einen Passanten, wieviel Uhr es sei. Dieser, ein grimmiger Judenfeind, versetzt dem Armen einen wuchtigen Schlag ins Gesicht. „Nun weißt du es!" brüllte er. > „Herr der Welt," hob der Jude seine Hände zum Himmel, „welches Glück, daß ich ihn nicht eine Stunde früher nach der Zeit gefragt habe ..." (Eine Kriegsreminiszenz.) Die „Schlesische Zeitung" veröffentlicht in ihrer Nummer vom 2. Juni eine Unterredung mit dem Eisenbahndirektor a. D. Vazsonyi, dem Bruder des Justizministers Wilhelm Vazsönyi, in der die Rolle dieses hohen jüdischen Staatsbeamten beim Heimtransport der Mackensen-Armee geschildert wird. Vazsönyi erhielt von der revolutionären Karolyi-Regierung den Befehl, den Transport dieser Armee zu verhindern. Er gehorchte . aber 4§r Stimme seines Gewissens und sorgte dafür, daß die ganze Armee in 900 Eisenbahnwagen ungehindert in die Heimat gelangen konnte. Für seine Tat erhielt Vazsönyi das Eiserne Kreuz und Dankbriefe voller Anerkennung von Mackensen , und dem Grafen Fürstenberg. Bileams Segen. Und Rauch der sieben Widder stieg empor, Und Rauch der sieben Stiere an Altären Entloderte der Heide, G'tt zU Ehren Und sandte Ihm entgegen Jubelchor. Und harrte dann, erwartend den Befehl , Des Herrn, Prophetenwört kühn zu bewegen. Da schickte Worte ihm der Herr entgegen, Des Fluches Worte nicht, nein, Seinen Segen Ausströmte Er durch Ihn auf Israel. Da schaute von des Berges höchster Stelle Biieam, friedlich lagernd Zelt an Zelt, Ihm eine fremde, unbekannte Welt, In eines Feldes morgenfrischer Helle Die Stämme Israels in freier Anmut. Da brachen, gleich dem 'hemmungslosen Feuer, Aus ihm die Worte, groß und ungeheuer, Und in sich steigernder, in immer neuer Wortfülle sprach nun der Ekstase Glut.

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