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Der Israelit · 1935-07-11 · Heft 28 (11.7.1935) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 28 (11.7.1935)
Date
1935-07-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 28 Der Israelit 11. Juli 1935 Die Rabbiner Polens gegen amerikanische Reformrabbiner wegen ihrer Haltung zu den jüdischen Scheidungsgesetzen Warschau, 9. Juli. Vor einiger Zeit hatte die Rabbinical Assembly of America, die die Rabbiner umfaßt, welche eine Mittelstellung zwischen Orthodoxie und Reformjudentum einnehmen, einen Beschluß gefaßt, wonach die Wiederverheiratung der „Agunah", der verlassenen Gattin, die nicht in der Lage ist, einen den Religionsgesetzen entsprechenden Scheidungsbrief zu erlangen, dadurch ermöglicht werden soll, daß der Bräutigam vor Eingehen der Ehe eine Erklärung zu unterzeichnen hat, nach der seine künftige Frau des Ehebandes ledig sein soll, falls ihr Gatte drei Jahre lang nicht für ihren Unterhalt sorgt oder drei Jahre lang verschollen bleibt. Nach den geltenden jüdischen Gesetzen kann nämlich eine Ehe nicht in Abwesenheit des Gatten geschieden werden; auch besteht nicht die Einrichtung einer Todesvermutung ausschließlich aus dem Grunde längerer Abwesenheit. Die Agudarabbiner in Polen nehmen diesen Beschluß zum Anlaß, einen von 1500 polnischen Rabbinen unterzeichneten Aufruf an das amerikanische Judentum zu richten. In ihm heißt es, daß alle diejenigen, die mit der Reform der Rabbinical Assembly of America einverstanden sind, aus der jüdischen " Gemeinschaft ausgeschlossen werden. " V - . - Der Aufruf der Agudarabbiner ist die Antwort auf einen Schritt des orthodoxen Rabbinerverbandes von Amerika, der sich an die polnischen Agudarabbiner gewandt hatte. Wie die ITA. bereits mitgeteilt hat, hat die Konferenz des Verbandes der orthodoxen Rabbiner Amerikas beschlossen, die auf Grund der von der Rabbinical Assembly eingeführten Neuerung vollzogenen Scheidungen als ungültig anzusehen, und daß gegen Rabbiner, die bei der Wiederverheiratung einer Agunah "auf Grund dieser Reform mitwirken, der Bann (?. Red.) verhängt werden soll. Im übrigen* haben vor einiger Zeit die polnischen Agudarabbiner einen ähnlichen Aufruf, wie sie jetzt an das amerikanische Judentum gerichtet haben, an die südafrikanischen Juden gesandt. Der Misrachi gegen Wahlenthaltung bei den Sejmwahlen in Polen. Warschau, 9. Juli. Wie der ITA. mitgeteilt wird, ist auf der letzten Sitzung des Zentralkomitees des Misrachi beschlossen worden, eine Wahlenthaltung bei den kommenden Wahlen zum polnischen Sejm und Senat nicht zu billigen. Alle bürgerlichen jüdischen Parteien und wirtschaftlichen Organisationen werden vielmehr aufgefordert, eine einheitliche jüdische Front bei den Wahlen zu bilden. Welche Stellung zu diesem Beschluß die jüdischen Vereinigungen, insbesondere die Zionistische Organisation nehmen werden, steht noch nicht fest. Der Zionistische Parteirat für Kongreßpolen hatte vor kurzem beschlossen, an den Wahlen nicht teilzunehmen. Die Schechita in Polen. Besondere jüdische Schlachthäuser gefordert. Warschau, 9. Juli. In der polnischen Tagespresse wird mitgeteilt, daß geplant werde, für die rituelle Schächtung eigene Schlachthäuser in den Städten Polens zu erichten. Das Schächten in allgemeinen Schlachthäusern soll verboten werden. Die Juden im neuen Beirat der Lodzer Stadtverwaltung Lodz, 8. Juli. Der Lodzer Stadtrat ist vor kurzem aufgelöst worden. In ihm bestand bekanntlich eine antisemitische Mehrheit. Seine Arbeiten wurden wiederholt durch Zwischenfälle, bei denen es zu Tätlichkeiten zwischen antisemitischen und jüdischen Stadtverordneten kam, gestört. Es ist nunmehr ein Stadtpräsident von der Regierung bestimmt worden. In einem Beirat, der die Funktionen des aufgelösten Stadtrates übernehmen soll, werden 24 Mitglieder sitzen. Unter ihnen wahrscheinlich 4 bis 5 Juden. Mit der Auflösung des Stadtrates ist auch die Tätigkeit der jüdischen Fraktion als solcher hinfällig geworden. Es ist jedoch beschlossen worden, den Kontakt unter den bisherigen jüdischen Mitgliedern des Stadtrates aufrechtzuerhalten, Zu diesem Zwecke ist ein Komitee gebildet worden, in dem alle jüdischen Richtungen" vertreten sein sollen, und dem sich auch bereits eine Reihe von Organisationen angeschlossen haben. Das Komitee soll dem Alistausch von Informationen dienen und ein möglichst einheitliches Vorgehen der jüdischen Parteien in bestimmten Fragen ermöglichen. Gerichtliches Einschreiten gegen antijüdische Exzesse* Marburg, 10. Juli. In der Nacht zum 2. Juli wurden in Kirchh a i n bei vier jüdischen Einwohnern die Fensterscheiben, darunter eine große Schaufensterscheibe, eingeworfen und an einer anderen Stelle einzuwerfen versucht. Die Täter benutzten ein Aüto, mit dem sie sich nach der Tat aus dem Staube machten. Man ermittelte als Besitzer des Autos einen jungen Mann namens Gerhard Sch. und nahm ihn sofort in Haft. Bereits am Dienstag stand er vor dem Schnellgericht. Nachdem er in der Vorvernehmung zunächst geleugnet hatte, legte er ein Geständnis ab und bekundete, daß er zusammen mit dem 19jährigen Fritz O. abends am Biertisch den Plan zum Einwerfen der Scheiben faßte, angeblich aus Geschäftsneid gegenüber den Juden. Beide sammelten dann vor dem Stadtausgang Steine und fuhren die Straßen ab, wo sie ihr Zerstörungswerk vollbrachten. , -■ ■ Gegen den als Zeugen anwesenden O. wurde sofortige Verhaftung verfügt und Anklage erhoben. Der Oberstaatsanwalt führte u. a. aus, daß die Angeklagten durch ihre unverantwortlichen Uebergriffe das Volksvermögen und vor allem das Ansehen der Partei, des Staates und Deutschlands im Auslände aufs schwerste geschädigt hätten. Trotz guten Leumunds, der den Angeklagten von einigen Zeugen ausgestellt wurde, sei 'eine harte Strafe am Platze, die klar mache,, daß d e r a r t i g e^. U e b e r g r i f f e imneuen De u t sc h 1 and nie h t g ed ü 1 - det würden. Der Strafantrag lautete auf je 6 Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte gegen jeden der beiden Angeklagten wegen fortgesetzter Sachbeschädigung a u f je 3 M o na t e G e - f ä n g n i s. Beide blieben in Haft; Die Genossenschaften und die Judenfrage. F r a n k f u r t a. M., 9. Juli. Auf der General-Versammlung der Viehverwertungsgenossenschaft Limburg und Umgebung führte Bezirksbauernführer Bausch nach einem Bericht des „Frankfurter Volksblattes" folgendes aus: ' Es bestehe zwar auch heute noch ein schärfer Konkurrenzkampf, jedoch sei eine klare Linie und ein festes Ziel vorhanden. Es sei Aufgabe aller Genossen, tatkräftig mitzuhelfen am Ausschluß alles Artfremden. Bei völliger Lösung des Genossenschaftsproblems sei an der Judenfrage nicht vorbeizukommen. Die Viehverwertungsgenossenschaften täten alles, um das Letzte für den Bauern herauszuholen. Die Viehpreise von heute würden ohne Genossenschaft und Reichsnährstandsgesetzgebung nie erreicht worden sein. Die Profitgier sei dem Genossenschaftsgedanken völlig fremd. Auf den Märkten seien die Juden nur prozentuäl zugelassen. Es sei traurig, daß auch im Nassauer Land noch viele Bauern von dem von Natur aus anmaßenden und frechen Juden nicht abließen, obwohl die Genossenschaft in der Lage sei, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Es müsse grundsatzlich immer wieder betont werden, daß der Nationalsozialismus den Arierpäragraphen nicht aufgenommen habe, um ihn nur auf dem Papier stehen zu haben. Das Judentum sei ein Parasit am Volkskörper, solange es Juden gäbe. Der Kampf müsse daher restlos durchgeführt werden. His tadruth Hoowdim und Awoda Iwrith. Jerusalem, 8. "Juli. Auf Verlangen der arabischen Mitglieder des Jerusalem er Stadtrats hat sich die Histädruth hoowdim verpflichtet, bei dem Bau des neuen Wasserreservoirs für Jerusalem, der ihr von der Palästina-Regierung -übertragen worden'ist, neben jüdischen auch arabische Arbeiter zu beschäftigen. Das" Gleiche soll auch in Zukunft bei allen städtischen Verträgen gelten. - Vom Standpunkt der allgemein-jüdischen Interessen kann man diese Regelung nur begrüßen. Sie sollte aber die Histadruth hoowdim dazu veranlassen, auch bei der Durchführung der in den jüdischen Pflanzungen gewiß durchaus, berechtigten Forderung der r e i n e n Awoda Iwrith mit den Realitäten zu rechnen und auf friedliche Verständigung mit den Pflanzern hinzuarbeiten Neue Anleihen in Palästina. Haifa, .9; Juli. Die Stadtverwaltung von Haifa steht in Unterhandlung mit einem Finanzkonsortium, das <ler Stadt eine Anleihe von einer falben Million Pfund zum Ausbau und zur Modernisierung der Stadt gewähren soll. - Der Waad leumi steht in Unterhandlung mit einer Londoner Privatbank wegen Gewährung einer Anleihe von Lst. 130.000 zum Bau neuer Schulgebäude. Der Zinssatz wird A% Proz. betragen und die Anleihe soll innerhalb 25 Jahren amortisiert werden. Die Regierungsgenehmigung zur Aufnahme der Anleihe^wird noch, erwartet. Das Natürlichste wäre eigentlich* daß diese Anleihen von Seiten .der P a 1 ä s t in a - R e g i erung selber zur Verfügung gestellt würden, deren Verwaltungsüberschuß sich nach den neuesten . Feststellungen bis Ende März, auf mehr als 6 Millionen PLst. belaufen wird.

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