Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1935)
- Date
- 1935-07-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. M. 11. Juli 1935 10. Tamaras 5695 Nummer 28 Jerusalem, 9. Juli. - In arabisch-politischen Kreisen werden ernste ^Bemühungen gemacht, um ein oberstes arabisches Komitee zu schaffen, das nach dem Muster - der Jewish Agency eine allgemeine arabische Vertretung darstellen soll. Nach Mitteilungen in der Tagespresse scheinen die Bemühungen Aussicht auf Erfolg zu haben. In arabischen Kreisen wird der Aktion der Schaffung •einer solchen allgemeinen Vertretung große Bedeutung beigelegt, zumal dadurch die Zersplitterung unter den arabischen Parteien beseitigt werden soll. Die arabisch-palästinensische. Partei, die von Anhängern des M u f t i. gebildet wird, hat beschlossen, in London ein Propaganda-Büro zu eröffnen. Das Büro wird die Aufgabe haben, eine systematische Propaganda-Tätigkeit in den poliiischen Kreisen Londons zu entfalten. Leiter des Büros soll Dschemal Husseini werden. Gegenwärtig unternimmt der Mufti eine Propaganda-Tournee durch ganz Palästina? Zur Schulfrage in Oesterreich. Wien, 4. Juli. Das österreichische Regierungsor^an «Die Heichspost" nimmt zu der Mitteilung, der „Union österreichischer Juden" Stellung,/ wonach dieser Verband dem Bildungsreferenten der,$tadt Wien erklärt habe, er sei gegen eine grundsätzliche Trennung der christlichen von der jüdischen Jungend in den Schulen. ..;|:;;;; Das Regierungsorgan bemerkt hierzu: „Wie <lie ,,Reichspost" wiederholt mitzuteilen Gelegenheit hatte, lehnt der n i c h t von der „Union" t e p r äsen t i e r. t e T e i 1 der streng-religiös e n- J u den eine grundsätzliche Trennung der christlichen von der jüdischen Jugend keineswegs ab, sondern fordert sie sogar, weil nach ihrer Ueberzeugung dem „einzig richtigen Standpunkt", daß die Juden' auf dem Gebiet des Schul- und Bäldungswesensv als Religionsgemeinschaft zu behandeln seien, nur durch Erziehung in Schulen der eigenen Religionsgemeinschaft voll Rechnung getragen werden kann. Daß bei einer solchen Gliederung des Schulwesens die Erziehung zum;. Staatsbürger und zur Bereitschaft, mit den Staatsbürgern anderer Religionsgemeinschaften zum Wohle des Vaterlandes zusammenwirken, durchaus nicht vernachlässigt zu werden braucht, wird nirgends bestritten werden, wo man über das Verhältnis von Religion Und Vaterland biblisch denkt." Zum richtigen Verständnis der hier an sich zutreffend wiedergegebenen Stellungnahme der agudistischen Kreise Oesterreichs muß darauf hingewiesen werden, daß vom religiösen Standpunkt aus es natürlich keineswegs genügt, die jüdischen von den christlichen Kindern räumlich zu trennen, sondern daß es sich vielmehr daraum handelt, ein von innen heraus organisch aufgebautes konfessionell - jüdisches Schulwesen zu schaffen, dessen Unterhaltung in gleicher Weise wie diejenige der allgemeinen Schulen aus dem Staatsbudget oder mit Hilfe größerer Staatssubventionen ermöglicht wird. - Aus dem Inhalt: Die neue Wahlordnung in Polen und die Juden Seite 4 Landeskonferenz der Poale Agudas Jisroel in Erez Jisroel .......... Seite 4 Rabbiner Amiel über die ideologischen Grundlagen des Misrachi ..... Seite 5 Von den drei Führern. — Bileams Segen. Seite 4 Unterrichtserlaubnisscheine für Privatlehrer Setie 7 Westeuropäische Agudo-Tagung . . . Seite 8 Kampf um die Schechita in Polen Seite 8 u. 2 Schabbps-Blumen ......... Seite 10 Jüdische Religionsphilosophie in der Neuzeit Seite 10 Die Grenzen Palästinas .,......Seite 5 Internationale Regelung des Aus Wandererproblems ...... Seite 7 Die jüdische Mystik. Von Rabbiner Dr. Alexander Altmann in Berlin* Soll die Eigenart der jüdischen Mystik gesehen werden, so muß der Blick der Forschung sich neben der in den letzten Jahrzehnten verdienstlich geübten Analyse, Quellenscheidung und phasenmäßigen Gliederung wieder stärker auf Zusammenschau und Gestaltnachweis des Ganzen konzentrieren. Es dürfte sich hierbei zeigen, wie trotz ■ der Disparatheit der Motive, die in den Strömbereich der jüdischen Mystik hineingeflossen sind, immer wieder die großen Gründlinien jüdischer Frömmigkeit und jüdischen Denkens hervortreten.r Ueber einen ungeheuren geographischen und chronologischen Raum verstreut, arbeiten schließlich palästinensische, babylonische, spanische, provencalische, deutsche und polnische Mystiker des Judentums an dem einen großen Werk der Hineinstellung der Bibel in den kosmischen Raum. Gewiß ist der Nachweis der verschiedenen Ursprungsherde und Einflüsse für die wissenschaftliche Erfassung der bisher injmer noch sehr dunklen jüdischen Mystik nicht zu missen. Zweifellos ist es von größter Bedeutung, etwa die Wirkung babylonischer und griechischer Gedanken auf die Apokalyptik, den anregenden Einfluß der Gnosis auf die tanaitischtalttiudische Mystik, die etnscheidende Rolle des Neuplatonismus in der Gestaltung der Sephirotlehre im 13. Jahrhundert zu verfolgen. Es ist aber von nicht geringerem Interesse, die konstanten Elemente dieses Werdeprozesses, besser die Kontinuierlichkeit dieses Werdens zu sehen. Unvergleichlich stärker als etwa die arabische Mystik, deren Struktur durch die Verschmelzung mit indischem Gedankengut wesentlich verändert würde, hat sich die jüdische Mystik ihre spezifisch-jüdische Eigenart zu bewahren vermocht. Der Grundzug, positiver, schöpferischer Assimilation, der dem Judentum zu eigen ist, hat sich auch auf diesem Feld seiner Geistesgeschichte bewährt. . . Die Kraft solchen Sichbehauptens stammt aus der seit ältesten Zeiten mit,, staunenswerter Zähigkeit durchgeführten Orientierung an dör Bibel. Das biblische Material ist und bleibt letzte Autorität. Die Strenge und Klarheit der biblischen Weltanschauung und Frömmigkeit bewahrt immer wieder vor dem Versinken im Fremden. Auch wo die Spekulation in ganz neue Bereiche vorstößt, sucht sie sich doch immer wieder von der biblischen Ausgangsposition her zu begreifen und exegetisch zu legitimieren. Ist doch die Quelle der Mystik nicht ein philosophisches oder wissenschaftliches Anliegen, sondern die Frömmigkeit des gläubigen Menschen, dem Offenba- ' rung zuteil geworden ist, dem aber dieses Empfangene nun zum Gegenstand der unablässigen Versenkung wird. Der Mystiker denkt sich mit seiner ganzen Existenz in die Offenbarung hinein. Was seine Kontemplation aus ihrem Schacht emporholt ist ihm notwendig ebenso Empfangenes,. Kabbala, wie der ursprüngliche Text. „Wende sie {die Lehre) hin, und wende sie her, denn alles (Fortsetzung siehe Seite 3.)