Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1935)
- Date
- 1935-07-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 14 Nr. 27 Der Israelit 4. Juli 1935 Ergänzungsheft für den Rechenunterricht in den jüdischen Schulen Deutschlands, Herausgegeben von Oberregierungsrat a. D. Dr. Erwin Ra- * w i c z. Berlin. 1 935. Max L i c h t w i t z- Verlag. 31 Seiten. Daß eine jüdische Schule auch im Rechenunterricht den Geist der Jugend mit jüdischem Gedankengut zu nähren hat, wird kein Pädagoge bezweifeln. Das hier angezeigte kleine Heftchen bietet solchen Uebungsstoff für die vier Grundrechnungsarten und für Durchschnitts- und Prozentrechnung, dm ganzen 120 Aufgaben. Wenn auch in fast allen von Juden und von Palästina die Rede ist, so kann man deswegen doch nicht, wie Verf. es in seiner „Vorbemerkung" tut, behaupten, daß diese Aufgaben geeignet wären, „das jüdische Wissensgebiet auch im Rechenunterricht näher zu bringen" oder gar Kenntnisse aus „dem Gebiete des praktischen jüdischen Wissens" zu fördern. Als „jüdisch" möchten wir einen Lehrstoff nicht dann schon bezeichnen, wenn er sich mit jüdischen Menschen befaßt, sondern erst dann, wenn er dem Judentum ausschließlich angehörige Gedankengänge zum Gegenstande der Belehrung wählt und zur praktischen Anwendung benutzt, wie sie Bibel, Mischna und Talmud in unerschöpflicher Fülle darbieten. Soll also der Rechenunterricht das Prädikat „jüdisch" verdienen, so wird er einen großen Teil seines Uebungsstoffes demjenigen Gebiete des jüdisch-religiösen Lebens entnehmen müssen, das Meß- und Zählbares behandelt und das ausgiebig genug ist, um auch den Reehenunterrieht mit ausreichendem Stoff zu versorgen. Doelfi. Metaphysik der Physik von heute. Von Aloys Wenzel, Professor an der Universität München. Leipzig. 193 5. Felix Meiner Verlag. 40 Seiten. Geheftet Mk. 1.50. Dieses zweite Heft aus der Schriftenreihe „Wissenschaft und Zeitgeist" bietet in gut populärer Dar* Stellung einen klaren Einblick in den gegenwärtigen Stand des Widerstreites, der die neuesten Grundanschauungen von dem Wesen der Materie beherrscht. Die frühere einfache Vorstellung von, Materie als bloß raumerfüllender Realität, die einem stetigen, ursächlich bedingten Geschehen unterworfen ist, muß unter dem Einfluß der Relativitäts- und der Quantentheorie aufgegeben werden. In der modernen theoretischen Physik ist jedes Massenteilchen, derart zugleich auch mit einem Energiequantum behaftet, daß Masse ihrem innersten Wesen nach konzentrierte Energie ist, und umgekehrt, jedes Energieteilchen, wie es sich hauptsächlich in Wärme- und Lichtstrahlung kundgibt, ist aufgelöste, im Raum verteilte Masse. Das führt, zur Annahme einer Doppelnatur von Licht •und Materie, die aber mit. dem Grundgesetze, alles Denkens, dem Satze vom Widerspruch, unvereinbar ist. Den Ausweg aus diesem Dilemma findet Wenzel in seiner Metaphysikder Physik, die in seinem hier ' angezeigten Vortrage nachzulesen einen hohen geistigen Genuß gewährt. Doelfi. Abdias. Eine Erzählung . von Adalbert Stifter. Berlin. Bücherei des Schocken Verlags Nf. 31. . - ... -. - - _ ' . Adalbert Stifter gehört zu denjenigen deutschen Dichtern, die mit dem Ernste des wahren großen Künstlers dem menschlichen Problem des jüdischen Golus-Daseins inmitten der europäischen Kulturwelt ehrfürchtig näher getreten sind und versucht haben, ihm dichterischen Ausdruck zu verleihen. Der Wiederabdruck seiner Erzählung „Abdias", in'der das Schick-; sai eines Juden erzählt wird, im Rahmen der Bücherei des Schocken-Verlags ist daher dankbar zu begrüßen. In einem Nachwort sucht Margarete Susman das düstere Lebensschicksal des Juden Abdias zu .deuten und die Deutung auf das Zeitgeschehen anzuwenden. ) •)iaay-«joi' S>m»w bv man -a-o -d ■» » ■> aaVa Be;rlin. 569 5. Schocken Verlag. Es ist ein glücklicher Gedanke, einzelne Erzählungen S. J; A g n o n s in der Originalsprache zu billigem Preise einem weiteren Kreise des hebräisch lesenden Publikums zugänglich zu machen, nachdem der Erwerb der stattlichen vier Bände der ebenfalls bei Schocken erschienenen Gesamtausgabe — zwei weitere, Bände werden folgen — doch nicht jedermann möglich ist. Die vorliegende, bisher anscheinend ungedruckte Geschichte von den heiligen Palästinaiahrern aus Buczacz ist in ihrer, man möchte;sagen überwältigenden, Schmucklosigkeit, und Einfachheit mit dem ganzen Zauber des Agnon'schen Agada-Stils ausgezeichnet. Sie schöpft aus dem Vollen und ist reich an überraschenden originalen Einfällen,, die sich in den Rahmen einer' kindlichen Erzählung anspruchslos, einfügen. Dem religiös gestimmten Leser wer3en bei der Lektüre, obgleich alles Politische allzuleicht den reinen ästhetischen Genuß stört, doch mancherlei zum Nachdenken einladende Vergleiche in den Sinn kommen zwischen jener Ali ja der wahrhaft Frommen der Vergangenheit, der wir Erez Jisroel in Wahrheit verdanken, und der neuen Jagd nach prosperity und politisch-nationalen Normal-Dasein,., . . I In unserem Verlage erschien: DIE HEBRÄISCHE SPRACHE UND DAS GESETZESTREUE JUDENTUM von PINCHAS WOLLMANN Preis 80 Pfennig, in Leinwand geb. zu Geschenkzwecken RM. 1.25. Aus dem- Inhalt: 1) Unsere derzeitige "Beziehung -zur Sprache. 2) Die Aufgabe unserer Führer, Erzieher und Lehrer auf-dem Gebiete der Sprache. 3) Die Aufgaben unserer religiösen Schriftsteller, Sprachforscher u. geistigen Führer. a) Bereicherung der Sprache. b) Beeinflussung der Sprache in Richtung ■ auf religiöses Denken und Fühlen. 4) Gründung einer hebräisch - orthodoxen Sprachzentrale und ihre Aufgaben. Jeder Lehrer, Führer und Intellektuelle sowie die Mitglieder der Jugendbünde sollten diese Schrift lesen, die in fesselnder Form Aufklärung gibt über die ganze heutige Pi oblematik der hebräischen Sprache sowie praktische Vorschläge unterbreitet, wie die hebräische Sprache einzuführen und-wieder zu beleben ist. VERLAG DES ISRAELIT UND HERMON CM. D. H. FRANKFURT-M. :-• RECHNEIGRABENSTR. 7 Die Frankfurter Woche- Fürsorgeausschuß. Der Fürsorgeausschuß der I. R. in Frankfurt hat es seither abgelehnt, einer weiteren Oeffentlichkeit Kenntnis von seiner vielgestaltigen Arbeit und Leistung zu geben. Lediglich die Dankbarkeit seinen Mitgliedern gegenüber, für die. vorbildliche Unterstützung, die es dem Ausschuß ermöglicht hat, (?) veranlaßt, diesen öffentlichen Dank. Die Pesacharbeit, die einen besonders großen Raum im Gesamtbild der Tätigkeit einnimmt, hat in diesem Jahre es ermöglicht, bei etwa 500 Familien und Einzelpersonen die Feiertagsstimmung Platz greifen zu lassen, die ohne die Hilfe des Fürsorge-Ausschusses ganz unmöglich gewesen wäre. Ueber 75 Ztr. Mazzo, annähernd 1000 Fl. Wein und mehr als 10 Ztr. Fleisch konnten beschafft und vollständig gratis verteilt werden, neben der großen Zahl Preisermäßigungen und erheblichen Barverteilung, die nebenher vorgenommen wurde. Der Fürsorgeausschuß sieht in dieser Tätig- . keit keine Befriedigung seiner Eigenleistung, sondern 1 die stolze Bewunderung für die bereitwillige Hingebung und Opferwilligkeit seiner Mitglieder und Freunde, die ihn in Stand setzten, diese Arbeit zum Wohle der Notleidenden zu unternehmen. Dein Dank des Fürsorgeausschusses schließen wir die Bitte an, lauf seinem schweren Wege die fernere Hilfe nicht '•■ erlahmen zu lassen. Besichtigungsreise nach Worms, Im Frankfurter Hauptbahnhof hatten sich nur wenige Reiselustige eingefunden. " Aber auf einigen Stationen unterwegs kamen noch viele Wißbegierige, die von einer Frau, die vor einigen Wochen bei einer von Mannheim aus organisierten Besichtigung der ehrwürdigen Stätten zugegen gewesen war, aufmerksam gemacht worden waren. Und so hatten «ich mehrere jüdisch interessierte Männer Und Frauen aus Crumstadt, Goddelau, Darmstadt, Idstein, Rahmstadt "eingefunden und bildeten nun alle zusammen mit uns Frankfurtern für einige Stunden eine Familie, und alle zusammen standen dann tiefergriffen auf dem alten Bes Aulom und lauschten den Worten des Herrn Schachnöwitz und sannen ihnen gedankenvoll nach. Vom Leben und Wirken des Schülers von R. Isaak "?~t "'s, R. Meir aus Rothenburg und von seinen großen Schülern und von seinem großen Freund, Süßkind W i m p f e n aus Frankfurt a. M. so sprechen zu^.hören, das wird noch, nachklingen am 9. Aw, wenn das Klagelied nri" Vw von uns gesprochen wird;" Wer könnte vergessen, mit welchem Heldenmut die Männer für ihren Glauben in den Tod gingen, deren Gedenkstein, nur drei Worte trägt: ■ .im - ,cr»03?s v . Was Herr Schachnöwitz vom Maharil und von seiner Lebensarbeit berichtete, wais am Grabe einer großen "Frau erzählt wurde, kein Wörtchen-durfte den. Zuhörern entgehen. Räs'chischul, Mikwäh; Müseumi Mauernische, alles wurde gesehen, und alle Teilnehmer waren dem Leiter dankbar, daß er die Besichtigung; des Friedhofes und der Gedenkstätten nicht zu einer Trauerfahrt gestaltete, sondern es verstand, in geistvoller Weise das Leben der Großen darzustellen. Der gut angebrachte Hinweis., daß in den großen Werken dieser auf dem Wormser guten Ort ruhenden Träger jüdischer Kultur nichts zu finden ist von der großen persönlichen Not, in der sie und "ihre Mitwelt lebten und — starben, bewegte tief das. Gemüt. Die Stätte der Toten wurde zum Bes Chajim und. schenkte allen Teilnehmern neue Kraft zu mutiger Weiterarbeit.. Dank dem Manne, der sein reiches Wissen in selbstloser Weise in den Dienst der Sache gestellt hat. Fs. ¥-■-.»' , . *! r I Aus Mannheim wird uns geschrieben: Wenn von der Frankfurter Fahrt nach Worms erzählt wird, wollen wir nicht vergessen, daß unser Führer, Herr S. S c h a c h nö wi t z i bereits 14 Tage zuvor an den gleichen Stätten weilte und führte. Da waren nämlich die Mannheimer,- im Rahmen der dortigen; Gruppe des „V e r,e i n s z u r W a h r u n g" nach Worms gekommen, um einige Stunden an den Gräbern der Großen und Berühmten und auch an den historischen Oertlichkeiten der Wormser Judengasse zu verweilen. Interessierte Menschen, viele Jugendliche darunter, konnten sich gar nicht genüg erzählen lassen, und allzu rasch vergingen ihnen die Stunden, die sie in Worms verbrachten. Dem Dank an Herrn Schachnöwitz gab der Leiter der Fahrt (Prof, Darmstädter, Mannheim) gern Ausdruck. Daheim konnte er immer wieder von neuem hören, daß die Teilnehmer bereichert und befriedigt sich der Wormser Fahrt und des guten Führers erinnern. C. D. Vom Liwjath Chen. v Die Sabbatvorträge im Liwjath Chen fallen in den nächsten vier Wochen wegen Abwesenheit des Dozenten aus. Jugendsportfest in Frankfurt. Der Jüdische Turnerbund in Frankfurt (JTB.) veranstaltete am Buchrainweiher ein wohlgelungenes leichtathletisches Jugendsportfest, bei dem unter der Gesamtleitung . des südwestdeutschen RjF.- Handballobmannes H. Altschul, recht achtbare Leistungen erzielt wurden. Besonders bemerkenswert war der Höchsprung des erst 15jährigen Darmstädters Bendorf, der 1,57 m erreichte und für die Jugendklasse E damit zu den drei Besten in Deutschland gehört. Sehr annehmbar'war auch in der E- Klasse die Zeit von 11,6 Sek. für 100 m von L. 'Romenthal, „Schild", der Schlagballweitwurf von W. Reiß (Frankfurt)! in der A-Klasse mit 70 m sowie die Zeit von 9,8 für 75 m von Erich Loeb JTB. Die 4X100 m-Staffei holte sich der RjF. Darmstadt mit 53,1 Sek., .die 4X1/« Runde Schild Frankfurt mit 49. t Ein Schüler-Fußballwerbespiel Zwischen einer Auswahlmannschaft der Frankfurter-Vereine (Schild, JTB. und Philanthropin) und einer aus den Vereinen von Hanau, Aschaffenburg, Darmstadt und Gießen ^zusammengestellten Elf, das die Frankfurter mit 3:4 (2:1) Toren verloren, schloß die schöne Veranstaltung ab. Die jüdischen Tonkünstler Frankfurts. . _ Mit dem 10. Mittwochskonzert in der Arnold Lazarus-Halle haben die jüdischen Tonkünstler Frankfurtf ihre künstlerische Arbeit in dieser Spielzeit beschlossen. Diese zu Beginn des Jahres aus der-Not entstandene Arbeitsgemeinschaft ruht in den Händen eines Aktionsausschusses,' bestehend aus den Herren Benno Z i e g 1 e r und Dr. Willy $ a 1 o m o n und aus den Damen Rosy Geiger-Kulimann und Hedwig Bergmann; ihnen zur Seite versieht Max W o 1 f f das Amt des Schriftführers. Alle Mitarbeiter" haben sich ehrenamtlich zur Verfügung gestellt. — Innerhalb fünf Monate fanden 10 Konzerte zu volkstümlichen Preisen in der Arnold Lazarus-Halle statt, die von der Israelitischen Gemeinde in dankenswerter Weise den Tonkünstlern für diese Abende überlassen wurde. Diese Veranstaltungen wurden von Hans Assenheim angeregt und organisiert und standen unter der künstlerischen Leitung von Benno Ziegler und Dr. Willy Salpmon. Diese soziale Einrichtung ermög-. lichte den hiesigen jüdischen Solisten künstlerische Betätigung und Erwerb. ' " ' Außerdem gab man den Frankfurter Tonkünstlefn Gelegenheit, in zwei Konzerten im großen Saale des Vereinshauses vor ein breiteres Publikum zu treten. Die Mitwirkung des jüdischen Kammerchors unter Leitung seines Dirigenten; Dr. E h ren r ei c h und der Streicher-Vereinigung Artur H o l d es gaben diesen Abenden eine besondere Prägung. In diesem Rahmen wurden auch Werke der in Frankfurt lebenden Komponisten Herbert Fromm, Rösy Geiger-Kullmann, Artur Holde, Max Kowalski, Willy Sälomon und Max Wolff zu Gehör gebracht. Neben-diesen Konzerten wurde den. schwer um ihre Existenz ringenden Frankfurter jüdischen-Musik- Pädagogen die Möglichkeit geboten, für ihren Beruf zu werben. Es fanden dfrei Schüler-Abende statt, die unter dem Motto .„Jugend .musiziert", von Hedwig B ergm ann, ins Leben gerufen und geleitet, Wurden und lebhaftesten Anklang beim Publikum ■fänden. Ganz ^besonderer Dank gebührt /Herrn' Benno Z i e g 1 e-r yder sein großes organisatorisches Können