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Der Israelit · 1935-07-04 · Heft 27 (4.7.1935) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 27 (4.7.1935)
Date
1935-07-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 27 D I s r a e 1 i t; 4. Juli 1935 rung fördern, Unannehmlichkeiten haben werden, so ' werden sie dies nur sich selbst zuzuschreiben haben, Die Polizei und die übrigen mit der Handhabung des Gesetzes betrauten Behörden überwachen sorgsam diejenigen, die diese gefährliche Propaganda treiben In einer Welt voll Schwierigkeiten für uns alle hat der jüdische Teil unserer. Bevölkerung einen mehr als angemessenen Anteil an Sorgen und Problemen Es' ist mein und . meiner Kollegen in der Regierung aufrichtiger Wunsch, daß Ihr Kongreß zur Lösung dieser Probleme beitragen möge." Auf dem Kongreß wurde eine Resolution gefaßt, in der auf die schädliche Wirkung der im Lande ge triebenen unbegründeten und verleumderischen antijüdischen Propaganda sowohl auf die jüdische Ge meinschaft wie auf die südafrikanische Nation hingewiesen und gefordert wird, daß eine kraftvolle Kampagne zur Aufklärung und Erziehung der öffent liehen Meinung gegenüber dieser Propaganda eingeleitet werde. Eine Propagandakommission wird eingesetzt, die die nötigen Informtaionen sammeln und koordinieren die Kampagne leiten soll. In einer zwei ten, einstimmig angenommenen Resolution wird zum Ausdruck gebracht, daß nach Ansicht des Kongres ses die Zeit gekommen sei, daß Regierung und Par lament die notwendigen Schritte unternehmen, um die Ausbreitung einer Propaganda zu verhindern, die darauf abzielt, Rassenkampf zwischen den weißen Rassen Südafrikas hervorzurufen. Diese Resolution wurde allen in Betracht kommenden Stellen übersandt. Zum Präsidenten des Board wurde S. Raphaely neu gewählt. Personalien. Hünfeld, 25. Juni. Am rrn Siwan trugen wir unseren Lehrer L. Braunschweiger zu Grabe. Sowohl in Hünfeld als auch in Burghaun, wo er zur letzten Ruhe kam, hatte sich eine außerordentlich große Trauergemeinde versammelt. Aber wir, seine Gemeinde sowie seine Familie, haben den Verlust besonders schmerzlich zu beklagen. Br. war 34 Jahre Lehrer am hiesigen Ort. Allezeit lebte er in Frieden und Freundschaft mit der Gemeinde, die in Ehrfurcht zu ihrem geliebten Führer aufsah; den Kindern war er ein treuer Lehrer. Seine berufliche Tätigkeit fand jederzeit die Anerkennung der ihm vorgesetzten Behörden. Schon an raun 'V v. Js, erhielt Lehrer Br.aunschweiger den mn-Titel von Herrn Provinzialrabbiner Dr. Cahn verliehen. Die beiden Söhne des> Verewigten weilen schon seit längerer Zeit in Vx-iP' pR Infolge des n"~i konnten Nachrufe nicht gehalten werden. — Einfach, still und bescheiden, wie er gelebt hatte, schied er von uns. fl*a»in S. O. Rh. Hardheim i. Ba,, 12. Juni. Am zweiten Tage des Schewuothfestes starb Julius Billigheim er im Alter von 37 Jahren in einem Würzburger Krankenhaus. Seine Beerdigung legte beredtes Zeugnis'von seiner Wertschätzung, Beliebtheit und Achtung ab. Ein Leichenzug bewegte sich durch das Erftalstädtchen Hardheim in einem Ausmaße, wie es seit vielen Jahren nicht mehr der Fall war. Lehrer Wertheime r, Buchen zeichnete in eindrucksvollen Worten das Lebensbild des Entschlafenen und ein Onkel des Verstorbenen, Nathan G u t m a n n , Olnhausen, nahm mit herzlichen und innigen Worten im Auftrag der Hinterbliebenen von dem so früh Dahingeschiedenen Abschied, Ein weiterer Verwandter, Professor B i 1 - 1 i g h e i m e r , Mannheim hielt im Trauerhause seinem verstorbenen Vetter einen tiefschürfenden Hesped. — Der Verstorbene versah an den hohen Feiertagen das Amt eines Hilfsvorbeters in unserer immer kleiner werdenden Gemeinde. . rraxan Vermischtes. Frankfurt a. M., 2. Juli.. Wie das „Frankfurter Vplksblatt" berichtet, hatte das Wetzlar er Amtsgericht über die Klage eines Ariers zu entscheiden, dem der zuständige Standesbeamte das Aufgebot mit einer Jüdin verweigert hatte. Das Gericht hat die Klage abgewiesen. — In der Begründung der Entscheidung heißt es u. a.: „Es ist .richtig, daß die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen die Eheschließung zwischen einem deutschblütigen Manne und einer Jüdin n i e h t ve rbieten. Dieser formalgesetzliche Zustand vermag aber den Antrag des Antragstellers nicht zu stützen. — Mit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus in Deutschland sind die; Grundlagen der nationalsozialistischen Weltanschauung zugleich die . Grundlagen für den völkisch-staatlichen Neuaufbau des Deutschen Reiches geworden. Dieser wird durchgeführt und im Tiefsten getragen aus der Erkenntnis der unlöslichen naturgesetzlichen Einheit von Rasse,: Seele und Recht. Die Wiederbefreiung des deutschen Menschen von allen schädigenden Einflüssen artfremd der Rassen, die Wiedererstarkung der deutschen Seele und ihre Reinerhaltung für alle Zukunft ist hierbei das unverrückbare höchste Ziel. In dieser völkisch gerichteten Grundhaltung wurzelt das Rechtsdenken und die Rechtsfindung im neuen Deutschland ebenso wie das bereits vorliegende Gesetzgebungswerk des Drit ten Reiches. Hierfür sind unter anderen insbesondere das Gesetz zur Bereinigung des Berufsbeamtetnums nebst Durchführungsverordnungen, sowie das "Reichs erbhofgesetz, das Gemeinde Verfassungsgesetz und das Wehrgesetz die eindeutigsten Bekundungen. Diese; grundlegenden Gesetze sind durchdrungen von 'der; Einsicht 'in die seelisch und körperlich .schädigenden Wirkungen der Blutsmischung detitschstäxhmiger Menschen mit Angehörigen artfremder Rassen oder Blutsgemeinschaften, insbesondere mit Juden;.-sie erstreben folgerichtig das Ziel, ^die durch Rassemischung eingetretene Entartung des deutschen Volkes nach allen Richtungen hin zu beseitigen. Diesem auf allen Gebieten der Gesetzgebung wie auch in dem gesamt ten amtlichen und halbamtlichen Schrifttum des Staa tes und der NSDAP, zutage tretenden Streben.wäre es ein Schlag ins Gesicht, wollte der nationalsözia listisehe Staat gleichzeitig weiterhin Ehen zwischen Deutschblütigen und. Juden zulassen." („Frankftr. Zeitung" vom 2. Juli.) Berlin, 27. Juni. Von seiner Palästinareise zurück' gekehrt, hielt im Rabbiner-Seminar Herr Kurator Dr. E. Hirsch einen aufschlußreichen Vortrag über seine Eindrücke im Heiligen Lande. Zuvor begrüßte ihn der Rektor, Herr Dr. J. Weinberg, herzlichst, wobei er darauf hinwies, daß Erez Jisroel immer im Brennpunkt des orthodoxen Judentums gestanden sei. Man habe es zwar versäumt, in entsprechendem Maße am materiellen Aufbau des Landes teilzunehmen, doch. hoffe man, im geistigen Aufbau eine entscheidende Position zu beziehen. Aus den sich anschließenden Ausführungen Herrn Dr. Hirschs erhielten die aufmerksamen Zuhörer einn tiefempfundenen Einblick in das Werden und. Wachsen des Heiligen Landes. Der Redner zeigte, wie aus dem alten Boden neues Leben aufsprieße. Die wirtschaftliche Lage sei sehr zufriedenstellend. Herr Dr. Hirsch warf dann die Frage auf: Ist Palästina auch für den orthodoxen Juden ein jüdisches Land? Bei allen Bedenken über die religiösen Zustände mußte der Redner diese Frage bejahen. Der Charakter des Landes werde hervorragend durch die stetige Verknüpfung mit den historischen Stätten beeinflußt., Daneben mache ein Sabbat in Tel Awiw wenn er auch von Vielen vorläufig nur als Ruhetag empfunden werde, auf jeden einen erhebenden Ein-' druck, Oneg Sabbat und hebräische Sprache atmen durchaus den Geist altjüdischer Frömmigkeit. Reicher Beifall folgte den feinsinnigen Ausführungen des Redners, dem Herr Dr. Matzner im Namen des Bachurim-Vereins dankte. H. D. Kölin, 28. Juni. Der „Westdeutsche Beobachter;" berichtet, daß das Schöffengericht in Schneidemühl einen jüdischen Käufmann zu einem Monat Gefängnis verurteilt hatte, weil er zum Zweck der Werbung neuer Kunden behauptet hatte, ein führender Nationalsozialist habe bei ihm einen Mantel gekauft. Das Oberlandesgericht in Marienwerder hat nun im Berü-~ fungsverfahren das Urteil zur nochmaligen Behandlung an die Vorinstanz zurückverwiesen, weil das Schöffengericht in seiner Begründung die irrige Auffassung vertreten habe, daß der Kläger nur in seiner Eigenschaft als Politischer Leiter bezw. Angehöriger der NSDAP, geschützt werde. Darüber hinaus sei die Behauptung des Einkaufs bei einem Juden eine schwere;E h r v e r 1 e t z u n g für jeden Volksgenossen, In der Begründung heißt es wörtlich: „Diejenigen deutschen Volksgenossen, die noch heute beim Juden kaufen, sind kein Teil des deutschen Volkes, der die öffentliche Meinung darstellt. Die deutsche öffentliche Meinung vertritt vielmehr die Auffassung von dem sittlichen Unwert des Einkauf bei einem Juden. Die Frage, ob die deutsche öffentliche Meinung die Behaupthüg, ein deutscher Volksgenosse habe bei einem Juden gekauft, als Ehrenkränküng empfindet oder nicht, ist nach Auffsasüng des Senats zu bejahen." Köln, 28. Juni. Unter der Ueberschrift „Erfreuliches Ergebnis — Erfolge unsrer antisemitischen Auf-; klärungklärung" berichtet der „Westdeutsche Beobachter": „Wie wir erfahren, hat die verstärkte antisemitische Aufklärung der Partei und der nationalsbzialastischen Presse erfreuliche Ergebnisse zu verzeichnen. Von deutschen Kaufleuten der verschie-" densten Branchen wurde uns mitgeteilt, daß ihre Umsätze infolge der Besinnung der Käuferschaft erfreulich gewachsen sind. Eine Reihe jüdischer Geschäfte wurde geschlossen, andere stehen vor der Schließung. Wie wir hören, sollen ähnliche erfreuliche Ergebnisse des Abwanderns der deutschen Käuferschaft vom jüdischen Ramschladen' zum deutschen Kaufmann auch in andern Gauen erzielt worden -sein." > ■ Mannheim, 1, Juli. Einem Berichte des in Mannheim erscheinenden „Hakenkreuzbanner" vom 28. Juni entnehmen wir folgendes: „Gestern nachmittag gegen 5.15 Uhr verlangten die ' deutschbewußten Besucher des Rheinbades Heijweck immer lauter und deutlicher, daß die Juden das Bad zu verlassen haben. Da einige Juden sich dieser eindeutigen Aufforderung widersetzen zu körinen glaubten, "und eine Sprache führten, die diehöchste Erregung aller deutschen Volksgenossen hervorzurufen geeignet war, mußte ein Ueberfallkommando auf dem. Platz erscheinen; Die Polizei verhaftete sofort den frechsten Juden, der durch unflätige und unerhörte Bemerkungen gegen den Nationalsozialismusdie Empörung und Wut der nach hundertenzählenden Menschenmenge , herausgefordert. hatte. Immer-; wieder r erschallte: der rälte. Kampfrufder nationalsozialistischen} »Bewegung: „Deutschland erwache!", Kampflieder wurden angestimmt und während die Jüden;;unbeh^ " erklang es immer wieder aufs neue: „Parole die lautet: Die Juden hinaus!" Inzwischen waren am Eingang des Bades Schilder mit: der Aufschrift: „Juden sind hier unerwünscht!" angebracht worden .und an verschiedenen; Stellen war zu lesen: „Wer beim " Juden kauft", ist ein Völksverräter!"Von 6 Uhr ab war das Rheinbad Hervyeck vollkommen judenfrei, worüber bei den nunmehr -zahlreichen Besuchern große Freude und Genugtuung" herrschte. Unna, 2$. Juni. Eine für Westfalen seltene Feier fand am 1. Schwuaustage in unserer Gemeinde; statt: In 1% Jähren war durch freiwillige Spenden das Geld für eine neue nnrnao aufgebracht-worden,; Dieses neue-Sefer wurde am ersten Tag Schwuaus feierlich eingeweiht. Die Festpredigt, die in den Worten gipfelte: „Die Thora kann nicht ausgelöscht werden, weil sie g'ttlichen Ursprungs ist, und das jüdische Volk kann nicht untergehen, da es die Aufgabe .hat, dieses g'ttliehe Gut auf seine Nachkommen zu vererben," hielt unser Lehrer, Herr J a c d b s. Nach der Predigt wurden sämtliche Thorarollen * ausgehoben, und das neue Sefer wurde unter den Klängen des "kan Tina* in die festlich geschmückte Synagoge hineingebracht. Die Schulkinder, die auch pfennigweise das Geld für das neue Sefer gestiftet "hättet führten den Zug an. Einige Rundgänge unter nun. nn»«r Gesängen beendete die für die ganze Gemeinde unvergeßliche Feier. Leer, 27. Juni. Der 21., 22. und 23. Juni ds. Js. standen hier im Zeichen des 50jährigen Synagogen- und des 25jährigen Schuljubiläums. Den Auftakt zu diesen Feiern gab ein Festg'ttesdienst am Freitagabend, bei dem der .seit zwei Monaten hie? amtierende Lehrer und Prediger Hermann S p i e r eine zu Herzen gehende Rede hielt, die von Chorgesängen umrahmt war. Am Schabbosmorgen gedachte Herr Landrabbiner Dr. Blum in seiner fesselnden Weise dieser für unsere Gemeinde so denkwürdigen Tage. Das schönste Erlebnis dieser Tage warjedööh die Schulfeier am Sorintagmorgen. Im festlich geschmückten Gemeindesaal hatten sich die jetzigen und ehemaligen Schüler der Schule, das Landrabbinat, der Schulvorstarid und viele Mitglieder der Gemeinde eingefunden, die den Vorträgen der Kinder und den hebräischen Gesängen mit großem Interesse folgten und begeistert Beifall zollten. Hohe Geldspenden wurdendem Lehrer für die Schule zur. Erweiterung der Schülerbibliothek und zur-Anschaffung von Turn- und Sportgeräten zur Verfügung' gestellt. Das Schulausschußmitglied, Herr Harry Knurr, hieltcalle Anwesenden im Bilde fest. Der Sonntagabend sah die gesamte Gemeinde mit vielen auswärtigen Gästen versammelt. Der Synagogenvorsteher D. Hirsch - b e r g begrüßte mit. herzlichen Worten die Fest Versammlung, die. alsdann einem sehr interessanten und tiefgründigen Vortrag über die Geschichte; der . Juden in Leer des Schulvorstehers Semmy R o s e n b e r g mit Aufmerksamkeit folgte. Herr Landrabbiner Dr. Blumüberbrachte die Glückwünsche des Landesverbandes. Ein vorgesehener Lichtbildervortrag des Lehrers Spier mußte ausfällen, da ein Projektionsapparat nicht zu beschaffen war. H. K. Neustadt (Bayern), 3. Juli. Die „Fränkische Tageszeitung" meldet aus Neustadt an der Aisch: „Auf Grund einer Verfügung vom 24. 6. 1935 hat das Staatsministerium des. Innern auf Antrag der Kreis- . leitung der NSDAP. Neustadt a. A. die Bestätigung des Bürgermeisters Gräbner von Schellert widerrufe n.' Der genannte Bürgermeister hat im vergangenen Jahre Geschäfte mit J. u den gemacht. Er hat sich damit nicht nur das Ansehen in dei- Gemeinde, sondern in erster Linie auch das Vertrauen der politischen Leitung, die ihn im Jahre 1933 bestätigt hat, verscherzt. Seine durch das- Staatsministerium verfügte Absetzung möge eine Warnung sein für alle, die da glauben, den Zielen des Dritten Reiches entgegenarbeiten zu können." BoderSweier, 1, Juli, Die hiesige Israelitische Kultusgemeinde weihte am Sonntag, den 16. Juni, die in der Synagoge angebrachte Gedenktafel für ihre im Krieg gefallenen Söhne ein, Herr Synagogenrat Eduard B e n s i n g e r sprach Begrüßungsworte, Herr Lehrer und Kantor M a n n h e i m e r ,..: Kehl, leitete die Feier; an welcher die Naehbargemeihden und der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, teilnahmen, und verstand es, sie überaus erhebend: und ^Würdig: zu gestalten. — Fürden Landesverband Baden" des RjF, sprach dessen Vorsitzender, Herr Rechtsanwalt" Dr. Fritz Rosenf eider, Karlsruhe, für die: Ortsgruppe Kehl-Bodersweier deren Vorstand, Herr Paul/ We r theimer,: Kehl, die den toten Kameraden ergreifende Worte des Gedenkens widmeten. Ferner sprachen ehrende Worte Herr Bezirksältester Lippmann K a h n., Rheinbischofsheim und . Herr. Siegfried Kaufmann, Kehl. v

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