Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1935)
- Date
- 1935-07-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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•«e*ipR5 ^^pg^^^^SJ^ISj^MSS^IäJSsy^ BS 4. Juli 1935 D I 1 i t Nr. 27 Seite 7 Reichsminister Dr. Goebbels zur Judenfrage. Berlin, 1. Juli. Iri seiner Ansprache beim Berliner Gautag auf dem Tempelhofe'r Feld hat Reichspropagandaminister, Dr. * Go & b b 'e 1 s auch "die Judeftfrage berührt. Im „Berliner Tageblatt" wird die betreffende Stelle der Rede des Ministers folgendermaßen zitiert: „Glaubt denn einer, wir hätten Knöpfe statt Augen, um nicht zu sehen, wie sich gewisse Gegenströmungen in der Reichshauptstadt heute wieder ungescheut breit zu machen versuchen? (Beifall) Und wie bür- ' gerliche Intellektuelle sich wiederum anschicken, ihnen Hilfsbrüderschaft zu leisten mit den dummen und'albernen Phrasen, daß der Jude auch ein Mensch sei, Ja, er ist es schon, aber was für einer! Mensch sein, das ist an sich noch gar nichts. Ja, ein Floh ist auch ein Tier, aber darum noch lange kein angenehmes Tier-, Wir wollen den Juden nicht mehr!;-Er hat . in der deutschen -Volksgemeinschaft nichts mehr zu suchen.-(Beifall und Händeklatschen,!)1 Sie haben, sich gefälligst den Gesetzen der Gastfreundschaft anzubequemen und nicht so aufzutreten, als wären sie un- .^eresgleichen.. Wir kennen auch seine Bundesgenosi shn.i Wenn' er- -heilte über * den >Weg;über 'die' Auslandspresse versucht* uris= ^kirre;szü" maichen, äo1' Ifennen wir das und darauf fallen wir nicht mehr herein. Wir haben zu lange, mit den Juden der deutschen Presse Umgang gepflogen, als daß. wir uns über ihre innere Beschaffenheit noch irgend, einem Irrtumhingeben könnten." , , , Polen» Zur ökonomischen Rettung des polnischen Judentums/ ■!. m '.!!•• '• ' -M- ■;• .i. " ■ ' : - '. - ■■ " : , ..}Wars cha.u, 1. Juli. In. einer Pressekonferenz, einberufen: Lvon der Zentrale der Gemillus Chassodim-Kassen,. teilte .der■.Dir rektor des •polnischen Jointi Herr L G.i1te-rmann U. a, mit, daß die ökonomische - Lage der jüdischen Massen: in Polen geradezu katastrophal sei. 700 Wahlfahrtskassen suchen, der Not zu steuern und haben auch relativ große Erfolge aufzuweisen.: Sie arbeiten mit einem Umsatzkapital von über 10 Millionen. Etwa 130 000 Familien haben von den gereichten" Darlehen Gebrauch, gemacht, davon. die Hälfte Kaufleute, der .Rest setzt sich aus Handwerkern zusammen. Etwa 10 000 Personen.: arbeiten an. .den Wohlfahrtsstellen ehrenamtlich, u.. i. viele Ortsrabbiner. Es wird auch vielfach auf -konstruktive Hilfe gesehen, -zu diesem Zwecke dient die-Vergebung von H e i m a r b e i t e n verschiedenster Art.. Ein besonderes - -Kapitel nimmt die Fürsorge für-die Juden auf. dem Dorfe ein, die sich mit Landwirtschaft und Baumkultur als Pächter befassen. Die Zahl der" Handwerker auf dem flachen }- Lande .ist ungemein groß, die leider alle bei buchstäblichen Hungerlöhnen vegetieren, An die Regierungsinstanzen ist man um Mithilfe für die Aktion herangetreten und man darf hoffen, daß sie sich der Not der Juden, die .in den Städten 25 Proz. der Bevölkerung ausmachen, . nicht verschließen werden. Auch Hilfe vom, A us;l a n d wird! angesucht undf erwartet. Das. Referat bot .ein erschütterndes Bild jüdischer Not, zugleich aber ein grandioses Bild jüdischer Bruderliebe. . Die Wilnaer Kehilla aufgelöst. j ' Wilna, 1. 'Juli.!• Rat . und Verwaltung der Wilnaer Kehilla wurden1 nach offizieller Verordnung aufgelöst und eine kommissarische Verwaltung zur Leitung der laufenden Geschäfte eingesetzt. Zur Begründung dieser Maßnahme wird in der Verordnung angeführt, daß die finanzielle Wirtschaftspolitik der Kehilla in letzterer Zeit an-der nötigen, Ordnung und Sparsamkeit: fehlen ließ. Da ohnehin der Turnus der alten Verwaltung schon ■ vor drei Jahren abgelaufen ist, so hätten Rat und Verwaltung zurückzutreten und diej,Geschäfte derkommissarischen Kommission zu überlassen, der. auch die Durchführung der neuen Wahlen für die Kehilla obliegt., -.. ■>'•' . „ Verwaltung und -Kehülarat haben in ihrer* letzten; Plenarsitzung eine scharfe Protest r,e Solution] gegen diese Maßnahme beschlossen, ebenso eine Appellation an die höheren Instanzen. Die religiösen Ratmänner haben sich der Stimme enthalten. Die Gesetzestreuen in Wilna hatten gewiß keinen Grund, der Taktik der alten Kehillaverwaltung zuzujubeln. Es ist auch den Lesern des „Israelit" genugsam bekannt,-wie oft man hier vom .grünen Tische her über die Köpfe und die Interessen der Massen hinweg regierte. Man denke nur an die famose Regelung der Rabbinerfrage usw. Nichtsdestoweniger empfindet man auch in religiösen Kreisen diese behördliche Maßnahme als eine schwere Beleidigung der ältesten und bedeutendsten Kehilla des jüdischen Ostens. Im übrigen aber verbürgen .die Namen der von der Behörde neu eingesetzten Männer noch weit weniger als die ihrer Vorgänger, daß dem religiösen Leben der großen Stadt Rechnung getragen wird. Die neuen Männer gehören zuni' größten Teile der radikalen jüdische^! Intelligenz an, der bisher Religion und jüdische Angelegenheiten Hekube . waren und auch nicht'die leiseste Erfahrung* auf dem Gebiete haben. Hoffentlich" werden die Wahlen bald durchgeführt, und zwar mit dem Resultate, daß sie dem jüdischen Wilna d i e kommunalen Führer . geben, auf diees Anspruch machen kann und muß.;< .-<;-,.; . ■ ■■ -\i ■ .% i Frankreich. Dte; Pariser Jüdische Frontkämpferkonferenz. Paris, 21. Juni.; Ueber den Verlauf der Pariser Weltkonferenz jiddischer Kriegsteilnehmer, die am 20. Juni geschlossen wurde, weiß die ITA., noch folgendes zu berichten: . Am Mittwoch, den 19. Juni, empfing der französische. Kriegsmini S't er'.-: Jean Fa.bry, umgeben'.von den -Vertretern 'd«s Pariser Stadtrates, im Riesensaal der Sorbonne die Kohgreßdelegierten. Die Feier galt dem Andenken der ehemaligen jüdischen Frontkämpfer, die an allen Fronten für ihre Vater f länder starben. Der Minister gab im Namen Frank? reich« seiner Ehrfurcht für' diese Kämpfer Ausdruck. Die Führer der ausländischen Delegationen der alten und neuen Welt sprachen den Dank an Frankreich dafür aus, daß es Bedrängten ohne Unterschied von Rasse und Religion stets Gastfreundschaft gewährte. Im Plenum-der Konferenz führte der Vorsitzende V a rn i k o f f aus, der Plan der Schaffung eines Kontaktes zwischen den jüdischen Frontkämpfern der verschiedenen Länder sei auf dieser ersten Weltkonferenz, zu der Delegationen aus 12 Ländern kamen und die Frontkämpferverbände weiterer Länder; ihre Zustimmung gegeben haben, realisiert worden, Ziel der Konferenz sei, der Welt in Erinnerung zu' bringen,; daß Juden überall und mit allen zugleich ihre. Pflicht als Soldaten erfüllt haben, und. daß die jüdischen Frontkämpfer im Kampf um ihre Rechte und die Rechte ihrer bedrohten jüdischen Brüder, wo immer sie leben, bereit sind. Darüber hinaus solle diese Konferenz von Juden, die" ihr Leben für ihre Vaterländer eingesetzt haben, eine Manifestation für Weltfrieden und Völkerverbrüderung sein. Nach Verlesung d«r Begrüßung der j u g o s 1 a v is c k e n: jüdischen Kriegsteilnehmer, die zu der Konferenz ' nicht kommen konnten, und nach einer Ansprache des Vertreters des Internationalen Frontkämpferverbandes, des polnischen Generals G u - r e c k i i überbrachte' der Führer der österreichischen Abordnung, Hauptmann E d ler v o n F r i e d m a nn, den Gruß von 22,000 organisierten jüdischen Kriegs-, teilnehmern. in Oesterreich. Nach einer An-r spräche des Führers der ägyptischen Delegation, Dr. L a t i s B ey , begrüßte der Führer der amerikanischen Abordnung, William Berman, die Konferenz im Namen von 250.000 amerikanisch-jüdischen Kriegsteilnehmern und erklärte: wir amerikanischen* Juden sind -stets bereit/ unseren jüdischen Brüdern zu helfen,; wo Hilfe notwendig ist. Es spra-" chen dann noch der- Führer „der e n g 1 i s c h e n D,e-'; legation (Jewish Ex-Servicemens > ■ Legionj, S a r n p i der Führer der 1 e 111 ä'n d i s c!h e n Delegation, S i - n a k i u s,' der Führer der p a 1 ä s t i n en s i s c h e n; (Frontkämpfer, Dr. Kaganow, der Führer der sehr ^starken :• >pio 1 n i s c h e n Delegation, Bregman, f:der des Marschalls Pilsüdski gedachte, ü. v. a. at ■ " TT,."' * -<•-- --vh ...... England. Keine Aenderung des gegenwärtigen Systems der Einwanderung nach Palästina. London, 27. Juni. Am 27. Juni hat der neue Minister für die Kolonien, Malcolm MacDonäld, die seit längerer Zeit angekündigte Anfrage des Abgeordneten Colonel Josiah Wedgewood betreffend die Zulassung j ü - discher Einwanderung nach Palästina, Trahsjordanien und Cypern schriftlich beantwortet. Die Hoffnungen, die in manchen jüdischen Kreisen an diese Interpellation geknüpft wurden, werden durch die Antwort des Ministers enttäuscht. Eine Aenderung des Einwanderungssystems wird in ihr abermals mit derselben Motivierung, insbesondere Hervorhebung des Prinzips, der „wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit", abgelehnt, die, in der Beantwortung früherer ähnlicher Anfragen gegeben wurde. Kolonienminister MacDonäld erklärte in seiner Antworrt, die Einwanderung jjach Palästina müsse von dem Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes beherrscht sein. Der High Commissioner beweise volles mitfühlendes Verständnis für die Lage der deutschen Juden, soweit, esmit der Beachtung des genannten Grundsat2es vereinbar ist. Betreffend die Zulassung jüdischer Einwanderung nach Traps Jordanien verwies der Minister auf die Antwort seines Vorgängers am 2.6 März 1935, wonach die, Möglichkeit der Ansiedlung von Juden in Transjor;danien von den örtlichen Verhältnissen abhänge, bezüglich derer er sich von den Ratschlägen des High Commissioner leiten lassen müsse. Dieser sei unter den gegebenen Umständen nicht in der Lage, die Ermutigung jüdischer Niederlassung zu empfehlen. Was freie Einwanderung nach Cypern betreffe, so wür- 4den durch eine solche die Interessen der derzeitigen Bewohner der Insel beeinträchtigt werden. Rumänien, Die Jüdische Gemeinde gewinnt einen Prozeß gcgen das Kultusministerium, Bukarest, 25.. Juni. Das Czernowitzer Appellationsgericht hat in dem Prozeß, den der frühere Vorsitzende der Czernowitzer Jüdischen Gemeinde, Dr! Karl Gutherz, gegen das Kultusministerium wegen Verletzung der gesetzlich gewährleisteten Gemeindeautonomie angestrengt hat, das Urteil gefällt. Der Wortlaut der Entscheidung liegt zwar noch nicht vor, die Zeitungen teilen jedoch übereinstimmend mit, daß das Gerieht die Einsetzung eines Regierungskommissars und die auf seine Veranlassung vorgenommene Aenderung der Gemeindestatuten für ungesetzlich erklärt hat. Nur die frei gewählte autonome Gemeindevertretung könne eine Statutenänderung rechtsgültig vornehmen, Die von dein früheren Vorsitzenden des Jüdischen Parlamentsklubs. Dr. Ebner herausgegebene „Ostjüdische Zeitung" erklärt, daß durch das Gericht der Grundsatz der Gemeindeautonomie bestätigt und die von dem Regierungskommissar Dr. Menczer verfügte Entrechtung von 11.000 jüdischen Wählern als ungesetzlich gekennzeichnet worden sei. Brie! aus Rumänien.; . Bukarest, 21. Juni. *. FinaJizminister ä» D. M a d g e a r u wirkt derzeit äis;;pniyersitätsprofessör in Bukarest. Es ereignete sich, daß bei einer Prüfung, die er vornahm, aus der Gruppe der Hörer nur ein Jude seine Frage beantworten konnte. Madgearu nahm dies zum Anlaß, die Hörer zu ermahnen, weniger zu politisieren und eifriger "zu lernen. Der Vorsitzende der Studentenorganisationen richtete .hierauf . einen geharnischten offenen Brief;an den Professor. Der Student faßt es als Provokation auf, daß Madgearu den jüdischen Hörer lobte und die gegen die Juden gerichiele numerus valachicus Bewegung brandmarkte. Der Professor wird bedroht; bei der nächsten Gelegenheit selber „geprüft" zu werden, ob er würdig ist, eine Professur zu bekleiden. In Szatmar haben auswärtige Gymnasiasten, die unter Obhut ihrer Professoren eine Studienreise nach dieser von zahlreichen chassidischen Elementen bewohnten Stadt unternahmen, die jüdi-