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Der Israelit · 1935-07-04 · Heft 27 (4.7.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 27 (4.7.1935)
Date
1935-07-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 27 Der. Israelit A. Juli 1935 kenntnis zu einem Palästina-Programm, das me thodisch eine jüdische Arbeit in Palästina fordert die alle Zweige des Daseins umfaßt und ein tat kräftiges Anpacken der ökonomischen, sozialen und erzieherischen Probleme fordert, ist ganz besonders geeignet, den Bestrebungen der Aguda Anerkennung zu bringen. Um auf die lokalen Verhältnisse in diesem Staate wieder zurückzukommen. Eine Aenderung zum Besseren kann nur durch ein planmäßiges Erziehungsprogramm herbeigeführt werden. Der jetzige Zeitpunkt ist besonders reif dafür. Die Erziehungserfolge der jüdischen Schulen in den Vereinigten Staaten werden zur Zeit einer gründlichen Kritik unterzogen. Selbst im libera len Lager ist man mit den Erziehungsmethoden der nationalen hebräischen Schule, oft Talmud Thöra-Schule genannt, unzufrieden. Vor kurzem konstatierte der bekannte Reformrabbiner Abba Hillel S i 1 v e r aus Cleveland in einem aufsehen erregenden Zeitungsartikel die Tatsache, daß in vielen Fällen die jüdisch am aktivsten wirkenden Gemeindemitglieder nicht Schüler einer jüdischen Schule waren. Er zitiert auch zionistische Pädagogen, die sich darüber beklagen, daß der Unterricht in den jüdischen' Schulen zu lau .sei und alles Gefühlsmäßige ausgeschaltet werde Er fordert ein Zurück zum wärmen, praktischen Judentum. Wenn auch Herr Silver kaum die Rückkehr zum vollen Judentum der Mizwotat meint, zeigt seine Haltung doch deutlich, daß die Verhältnisse für einen Umschwung reif sind. ' Allerdings müßte die zu errichtende thoratreue Schule pädagogisch den Staätsschulen mindestens ebenbürtig sein. Der natürliche Leiter der jüdischen Schule, der Rabbiner, hat diesbezüglich einen schwereren Stand' als z. B. in Deutschland. Hier hat sich die Gewohnheit herausgebildet, vom Rabbiner viel mehr gesellschaftliche und pädagogische Führung zu erwarten als in Europa. Die amerikanischen Zustände machen es notwendig, daß der Rabbiner bei allen möglichen Anlässen bürgerlicher,'"sozialer5 und'1 religiöser Natur als Vertreter seiner Gruppe erscheint und außerdem seine Pflichten als Rabbiner erfüllt. Außerdem müßte sich der orthodoxe Rabbiner die Freundschaft der Jugend erwerben. Und das ist hier in einem Staate, wo es keine Traditionen gibt, gar nicht so leicht. Von außen gesehen, scheinen die Schwierigkeiten fast unüberwindlich. Doch zeigen. Erfahrungen in Gemeinden des Ostens (New York, Cleveland, Baltimore, Boston usw.). daß derartige Versuche zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Die Konzentrierung von fast zwei Millionen Juden in den Vereinigten Staaten östlich von Chicago läßt es begreiflich erscheinen, daß hier in einem Staate wie Middle West, der bloß 15 000 Juden unter einer Gesamtbevölkerung von 2,500,000 zählt, derartige Bestrebungen noch lange auf Realisierung warten müssen. Nächstes Mal mehr über einen andern Staat des gewaltigen amerikanischen Reiches. I. C. ^■■k'Vj Korrespondenzen. Deutsches Reich. Die Wehrfrage auf einer Tagung des Südwest-' deutschen RjF-Landesverbandes. B erlini 28. Juni. Wie „Der Schild", das Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, mitteilt^ beschäftigte sich die vor kurzem in Darmstadt abgehaltene Tagung des Landesverbandes Südwestdeutschland des RjF. auch mit der Wehrfrage. Das Referat über das neue Wehrgesetz erstattete das Mitglied der Bundesleitung' Die Woche, Hamburg, Die gesamte Hamburger Tagespresse hob die Rettungstat de5s 25jährigen Johne Tun es ehrend hervor, der am letzten Sonntag unter' eigener Lebensgefahr einen 35jährigen Männ, der sich beim Ba* den in Tajjggewächsen verstrickt hatte, vom Ertrinkungstode gerettet hat. Tunes ist Jude. Nürnberg. Der „Fränkischen Tages-1 zeitung" wird aus Röckingen berichtet, daß die landwirtschaftlichen Arbeiter des dortigen Bezirkes es ablehnen, den ansässigen Juden bei der Einbringung ihrer H e u e r n te behilflich zu sein, so daß die . an schwere körperliche Arbeit nicht gewöhnten Juden die Ernte selbst besorgen, müßten. Graz. An den Ehrengräbern von 49 jüdischen Kriegsgefallenen auf dem Grazer jüdischen Friedhof fand ema Gefal- 1 cfn engedenkfeier statt, die, mit einer militärischen Ehrung der jüdischen Kriegs-, helden verbunden war. ~ Der Führer der Vaterländischen Front in der Steiermark, Dr. Goerbach, gedachte der jüdischen Gefallenen, hob die-vaterländische Pflichterfüllung der jüdischen Kriegsteilnehmer hervor und erklärte, Oesterreichs Dankbarkeit für die jüdischen Kriesggefallenen werde ni e m a:l s a üVg e 1 ö s.c h t werden. Amsterdam. Auf;i.rder. . in -Amf\ sterdam abgehaltenen Tagung" des Zentralkomitees für die Angelegenheiten der aschkenasischen Religionsgemeinschaft in Holland wurde der Vorsitzende der Amsterdamer aschkenasischen Gemeinde, A. A s s c h e r, zum Präsidenten des Gemeindeverbandes wiedergewählt. Warschau. Am 24. Juni sind 650 Olim aus Polen über Konstanza nach Palästina abgereist. :Am 26. Juni geht , ein zweiter Auswanderer- »■ iransport über Triest ab, — Die Judenfeindliehen Ausschreitungen, die vor kurzem in Grodnö stattfanden, haben'ein zweites Todesopfer gefordert. Der -50jährige Gedalja Blecher ist seinen Verletzungen im Grpdnoer jüdischen Krankenhaus erlegen. Das erste Todesppier der Ausschreitungen war der1 21jährige Sohn des Chorleiters der Grodnoer Synagoge, Israel B e - r e z owski. — Infolge des zum Protest gegen die neue Wahlordnung in Polen verkündeten eintägigen Generalstreiks, dem sich auch die jüdischen Arbeiterparteien angeschlossen haben, konnte am 25. Juni keine .der Warschauer jüdischen Tageszeitungen erscheinen. — In Sokolny bei Lomza wurden zwei Führer der. Nationaldemokra- ' ten, die zu Judenppgromen hetzten, in ein Konzentr a t ionslager verbracht. — Lemberg, Gegen den zionistischen. Klub wurde ein Spr e,n gstoffattentat verübt, wobei zwei Jungen im Alter von 13 und 14 Jahren ernstlich verletzt und Möbelstücke schwer beschädigt wurden. Die Täter blieben unbekannt. Brüssel. In Anwesenheit des Brüsseler Bürgermeisters, des englischen Gesandten und einer Reihe führender jüdischer und nichtjüdischer Persönlichkeiten fand auf der Brüsseler Weltausstellung die feierliche Eröffnung des Palästina-Pavillons „Israel in Erez Israel" statt. London. Die Exekutive des Hebräischen Weltverbandes hat den 21. Tammus (22. Juli), den ersten To-. desfag von Chajim Nachman Bialik, ,als .einen Bialiktag proklamiert, der zur Propagierung der hebräischen Sprache und Literatur ausgenutzt werden soll. — In M a n - - ehester wurde die Aktion für den König Georg- Jubiläumswald in Palästina mit ein*m Bankett, eröffnet, auf dem Chajim Welz-" mann eine große Rede über den Autbau des jüdischen Nationalheimes un;ter der Herrschaft von König Georg V. hielt. Er stellte darin u. a. fest, daß gut 75 Proz, der Neueingewanderten sich als für die dauernde Niederlassung geeignet erwiesen haben. Jerusalem. Nach amtlichen Bekanntgebungen sind im. Mai 4008 Juden in Palästina ein- ' gewandert, von denen 351 zur sogenannten Kapitalistenkategorie, gehören. Mit ihnen ist im Monat Mai ein Kapital von über 350.000 Pfund ins Land - gekommen, — Dein soeben veröffentlichten : amtlichen : Bericht :i zufolge sind . die :Einnahmen der Palästina-Bahnen ... von 591.879 Pfd. i. J. 1933 auf 727.106 Pfd. i. J. 1934 gestiegen. Befördert wurden 2 Millionen Fahrgäste und rund eine Million Tonnen Güter. Ein Drittel der beförderten Güter entfiel auf Baumaterial. Dr. Rosenthal -Berlin. Er erläuterte das Gesetz upfd berichtete^ über die Verlautbarung der Reichsvertretung, die gegen den ausdrücklichen Widerspruch des Vertreters des RjF. . und ohne, Fühlungnahme mit der in dieser Frage interessierten. Jugendzustande gekommen sei, In der Aussprache wurde ^der von. der , Bundesleitung eingeschlagene Weg-einmütig als richtig bezeichnet und der Genugtuung über die dem Standpunkt, des RjF. entsprechende /Entscheidung des. Bundes der deutsch-jüdischen Jugend Ausdruck, gegeben. . ■ , -;' ■ Der Vorsitzende des Landesverbandes, Dr. K a u f fm a n n., forderte am Schluß seilies Berichtes über die Ereignisse seit der letzten Landesverbandstagung: weiteres, uneingeschränktes Vertrauen für die Bundesleitung und ermahnte, in echt-jüdischem Optimismus auszuharren. An der " Tagung nahmen auch Vertreter der Religionsgemeinde "und der Israelitischen Religionsgesellschaft Därmstadt sowiedes Central-Vereinsy fernerzahlreiche- Vertreter der RjF.-Gruppen im Saargebiet teil. : Der Rückgang des ..Anteils der Juden, an der Bekleidungsindustrie -in Deutschland«? ' ■ ' \ ' B erlini 25. Juni. Im „Völkischen Beobachter"" wird eine von der Arbeitsgemeinschaft deutsch-arischer Fabrikanten der 'Bekleidungsindustrie ADEFA veranstaltete Modellschau für arische Bekleidungsdetaillisten angekündigt die vom 22. Juni bis 6. Juli in Berlin in den Räumen der früheren Firma V. Mannheimer stattfindet. In der Ankündigung wird gleichzeitig auf den Rückgang; des jüdischen ' Ant e i 1 s an der B e k 1 e i - dun gsindustr i eu Deuts'chlan d s hingewiesen: „Zugleich'soll hier lebhaft .vor Augen geführt werddn, daßes nur intensiver Parteiarbeit -gelungen: ist," >den nächst der- Landwirtschaft größten ^Wirtschaftszweig, der vorher fast ausschließlich in "'Hähdenvon Nichtariern in- und ausländischer Herkunft lag» bereits "zu einem -bedeutenden' Teil in die Hände unserer Volksgenossen überzuleiten.'1 Nach Feststellung; der Tatsache, daß vor dem 30. Januar 1933 nur 12 der kleinsten Firmen sich als; äfische -Eirma bekannten, wird •'weiter ausgeführt; „Dank-der Initiative der Partei haben sich-die Verhältnisse inzwischen grundsätzlich geändert. In klenen und mittleren Städten verschwanden die nichtarischen .Detailgeschäfte fast ganz, Neugründungen arischer Läden folgten'in'Mengen, jüdische Läden wurden von-Ariern übernommen» Aus der - arischen Angestellterischaft bei den nichtarischen Unternehmungen haben sich die besten Kräfteselbst unter bescheidensten Anfängen selbständig gemacht. Neben dem alten Kern der ersten 12 Firmen und einigen, .die vorher aus irgend welchen Bindungen oder Erwägungen fern geblieben waren, ist mit - 'den neugegründeten Firmen der Bestand der Mitglieder der ADEFA jetzt auf etwa 300 angewachsen. Alle ÄDEFA-Mitglieder sind Mitglieder der Partei oder einer angeschlossenen Parteiorganisation und haben sich in den Verbandssatzungen zu vorbildlicher nationalsozialistischer Betriebsführung verpflichtet. Sie beschäftigen nur arisches Personal und' die Förderung" arischen Nachwuchses ist ihre vornehmste Aufgabe/* Versammlungspause im Juli» '•'■'i;t*r; B erlini 30. Juni. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin richtet auf Wunsch der Staatspölizeistelle Berlin folgende Bekanntmachung an alle jüdischen Organisationen und Vereine: » „In Anbetracht der allgemeinen Urlaubszeit, im Monat Juli wird erwartet, daß i n d i es em M onat' keinerlei V e r s am m 1 ungern iSi tzung.en, HeimaJbehde usw. stattfinden- Ausgenommen sind Spiel und'- Sp ort ''in* F r e ten. - ... . Sollte es sich, wie-wir bemerken, aus besonderen Gründen erweisen^ daß Sitzungen nicht" aufschiebbar sind, so ist dies dem Gemeindevorstande rechtzeitig vorher anzuzeigen. Demzufolge bleiben alle Jugendheime im Monat Juli. .geschlossen."

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