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Der Israelit · 1935-06-27 · Heft 26 (27.6.1935) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 26 (27.6.1935)
Date
1935-06-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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Ist die Untersuchung gut überständen, so geht es zu den Zollbeamten, dort wird man etwas schneller abgefertigt, nun kann man endlich an Land^gehien. Wir Reisenden stehen eng zusammengedrängt auf dem vorderen Deck und schauen uns nach einem Gepäckträger um. Ein Beduine bieiet sich uns an, wir weisen ihn zurück, wir 'suchen einen jüdischen Träger! Endlich haben wir einen gefunden. Mit nerviger Hand packt er unser Gepäck und hebt «s sich mühelos auf die Schülter. Er winktuns, ihm zu folgen. Behend steigt er in ein kleines Motorboot, wir folgen ihm. Das Boot stößt auf Sand, wir steigen aus. Zum ersten Male betritt unser Fuß diesen geheiligten' Boden. Wir werden träumerisch. "Doch gleich werden wir aufgeschreckt, unser Führer führt uns durch einige Straßen zu einem Hotel, zu einem jüdischen Hotle, ein jüdischer Portier öffnet, die Schilder sind jüdisch, wir sind unter Juden, unter Glaubensgenossen. ' Alle sprechen hebräisch, wir versuchen uns zu unterhalten, mit den Wörtern, die wir im' Schweiße des Angesichts im „Iwrith-Kurs" gelernt haben. Doch, die erste Enttäuschung^ die anderen sprechen so schnell, daß wir sie kaum verstehen, und wenn sie esrt Fragen stallen, so sind wir gähz auf den Kopf geschlagen. Wir vertrauen uns unserem Portier an, der uns die, Stadt zeigt. Ein seltsames Bild: Hier fährt ein Engländer im modernen RollsrRoyce-Wagen, dort schlägt ein Araber einen störrigeri Esel, und. da halt eine staubbedeckte Karawane ihren Einzug in die Stadt. Es ist das Bild einer orientalischen Stadt, — Am nächsten Tag fährt unser Schiff weiter, wir bleiben aber noch hier. Wir unternehmen eine Autotour ins eigentliche Land. Durch Felder und Pflanzungen nähern wir uns einem kleinen Dörfchen, einer Kwuzah. Ueberall 'sieht man sonnenverbrannte, junge Menschen, die arbeiten, und wie sie arbeiten^ es ist eine Lust, mit zuzusehen, wie die Sensen in das Korn fahren, — wie sie Orangen pflücken, verpacken und .versenden. Die Chaluzim arbeiten alle, sind froh und gut gelaunt,^ kennen keine Sorgen, kennen keinen Kummer, kennen nur die Lust am Dasein. Das sind keine blassen, schmächtigen Städter, nein, das ist eine kräftige und gesunde «Jugend, die hier heranwächst und gedeiht! Weiter rollt unser Auto, durch eine trostlose Gegend. Man sieht nichts als öde Felsen, um ein Krümchen Erde, alles öde und einsam, die zweite Enttäuschung. Doch bald wird diese Oede verschwinden, schon jetzt wird sie kleiner, immerkleiner, Stück um Stück müssen die Chaluzim fruchtbar machen und bepflanzen, eine schwere Arbeit, doch sie wird gelingen, sie" muß'5 gelingen! Bald wird die-Wüste zunlFruchtgarten werden. — Spät abends kehren wir nach Haifa zurück, sind erfüllt von unzähligen Eindrücken, die wir kaum bewältigen können. Heute fahren wir nach "Tel Awiw", Es ist ein wunderbarer Weg, wir fahren am Strande. Rechts das Meer, links die mit Blüten; bedeckte Anhöhe. Wir sind in Tel Awiw. Ein anderes Bild. Tel Awiw ist viel jüngeren Datums als Haifa, es ist viel moderner und ist eine Stadt, in der fast nur Juden wohnen, dagegen wohnen jn Haifa auch eine beträchtliche Anzahl Araber. Geht man am Sabbat durch Tel Awiw, ,;s,o hört man erfreulicherweise kein Geräusch der Arbeit, nur hier und da arbeitet doch ein Schmied, ein Schreiner, die es noch: nicht *) Die. S hip p i n g Comp aufsetzte eine Pa- 1 ä s t i na r}e i s e als Preis aus für die besten Schulaufsäfze über Palästina. Von den in der Frankfurter S, R. Hirsch- und rsräelitischen VölksSchure gelieferten Arbeiten kommen .Hier zunächst einige' zürn Ab- . druck, .deren.Verfasser für den (ersten Preis in engere; Wahl g^ezogen wurden, aber: bei der Verlosung nicht' herauskämen. Die VeröffentHchühgen werden hier; und an anderer Stelle fortgesetzt. ' gemerkt haben, daß nur mit der Thora ein jüdisches Heim errichtet werden kann. In Tel Awiw "bleiben .wir nicht lange, sondern wenden uns nach Jerusalem, Her alten jüdischen Königsstadt. Jerusalem zeigt ein Doppelantlitz, auf der einen Seite die'Zinnen und Kuppeln der Altstadt, auf der änderen die modernen flachen Dächer der Neustadt, auf der einen Verfall, auf der anderen die neuen festen Häuser, wir befinden uns „zwischen Ruinen' und' Aufbau". Wir' fahren durch Jerusalem,; wir steigen aus, schicken, den Schofför fort, wir wollen allein seih, allein sein mit uns, mit unseren Gedanken, —f- Wir stehen an der Klagemauer, an der Mauer, an'der'schon fast zweitausend Jahre Menschen, j^den' ifir Leid : geklagt haben. — Wir sind ergriffen, wir sind - in'. Gedanken versunken, — Wir fähren' weiter, durch eine reizvolle Landschaft, wir merken es nicht, schauen nicht aus dem Fenster, wir sind zu sehr ergriffen von dem, was wir gesehen. — Nur noch zwei Tage dauert unser Aufenthalt. Gestern war unsere kleine Gesellschaft in Tiberias. Welch ein Anblick! Alles zerstört, alles, die Arbeit vieler Jahrzehnte, alles vernichtet. — Die Menschen übernachten in Zelten, doch sie lassen sich nicht unterkriegen, sie fangen wieder von Anfang an, es ist schwer, aber sie tun, es; Auch das Rote Meerhaben;wir besichtigt und darin gebadet. Heute ist der Tag unserer Abreise. Wir erwarten das Schiff. Da schießt der schlanke Körper des Schiffes -au seiner Bucht.. .Wir gehen an Bord, ein Pfiff, das Schiff setzt sich, in Bewegung. Wie ein Vogel nimmt es uns auf seine Schwingen und führt uns fort, nein, es .entführt uns unserer Heimat, aus unserer eigenen Heimat. Bald ist Palästina nur noch ein Strich—r, bald ist es verschwunden. Doch die Eindrücke sind unvergeßlich, selbst die Kamera kann uns das doch nicht zeigen,!so etwas muß man erlebt haben! Ernst Ettlinger, Untertertia (12% Jahre). (Weitere Aufsätze folgen!) Vier Fliegen auf einen Schlag. ■ - -, ■,~ > Aus' einer iFührerschaftssitzung. Gruppenführer: „Wir müssen nun auch mit dem Winterprögramm beginnen." R.: „Wir müssen den Eltern Gelegenheit geben, die sämtlichen Gruppen in ihrer Zusammenarbeit 'zu sehen." - S.: „Wir müssen den . Kindern Gelegenheit geben, ihre gestaltenden Kräfte einzusetzen.." - L.; „Wir müssen die Gesellschaft mehr an die hebräische- Sprache gewöhnen," J.: „Wir brauchen Geld!"; Gruppenführer: „Da habe ich einen Vorschlag: wir lassen „Daniel" aufführen, 'dann ist Rüben, Simon, Levy und, Juda Rechnung getragen." Alle; „Wird gemacht'/' . Textbücher sind beim Hermon-Verlag zu beziehen. Auflösung des Silbenrätsels aus Nummer 23. Genua — Ephraim — Sanherib — Elle — Tonleiter Zaunkönig — Gemse — Elias — Bellini — Uhfen — Navarra ■—■ Galilei. - GESETZGEBUNG AM BERGE SINAI. Richtige Lösungen sandten ein: David Wilder, Dresden; Ph. Pfeffer, Dresden; Martin Weil, Berlin; Helene Lidzbarski, Frankfurt a. M.; Berta Neumann, Frankfurt ,a.NM..; Recha Beer, Frankfurt' a. M.; Friedl Krie^er/'Köln; Lotte Isler, Hamburg;" Mirjam Mandel, |Wien;> Hanna öppenheimer, Präg; Ruth Kraut, Haifa. Briefkasten. V F. L. in M. Ist ganz hübsch erzählt, kann aber nicht veröffentlicht werden!'Ein Gebet muß mit S^tt aus dem Herzen kommen und darf nicht auf diese Weise mit List erzwungen werden. Gruß! Vermischtes- Die erste Jahrzeit um den Hamburger Raw ^"2T- 1 ' '; -' - Hamburg, 24. Juni. Der 15v "Siwan, -an welchem das Oweljahriüm unserenunvergessenen V**t an zü Ende ging, gab noch einmal ■ Kunde von der: Liebe''und- Verehrung,- welche namentlich"fc die ' ges'etzestreüe Jugend unserer Gemeinde lür den Verewigten";' empfindet* Agüda- Jugend und Verein Mekör Ghajim wetteiferten, ihren Gefühlen an diesem Tage Ausdrück zu verleihen.1 Altem Hamburger WIM entsprechend,' würde beim Mör'geng'ttesdienst 'das "rnK für deö;an :>gesprochen, was nur für die verstorbenen Hamburger-Rabbonim an ihren Todestagen geschieht. Die Aguda- Jugend hat diesen Tag zu einem Lerntage bestimmt gehabt. Von Beendigung des Morgeng'ttesdienstes bis kurz vor Minchah wurde ohne Unterbrechung 5m Agudoheim gelernt. 20 bis 25 junge Leute waren den ganzen Tag im- Agudoheim mit Lernen beschäftigt, um so die Jahrzeit ganz im Sinne des n»j> "rtpa zu begehen. Auch der Baale Bättim-Schiur. des Raw ^"ST/ derzeit seinem Ableben von; seinem Sohne/. Herrn Dr. Alexander Spitzer '"S. fortgesetzt wird, lernte an diesem Tage im Lernzimmer des Verstorbenen einen Extra Um- 10 Uhr vormittags fand auf dem jra Steilshoop, wo die irdischen Ueberreste des Entschlafenen ruhen, die Steinsetzung statt. Die; msn ist von 4em Deutsch-Israelitischen-Synagogenverband, dem der a*i seine ganze Lebenskraft geWeiht hat; errichtet worden. Gemeindebehörden, Synagogenverband, . die beiden Chewraus waren fast vollzählig erschienen. Der Vorsitzende der Chewroh, Herr Joshua enthüllte den Stein vor einer etwa 400köpfigen Menge, Herr Dajan Joffe i"i sprach an Hand der Inschrift über die Bedeutung unseres m, die wir so recht erst nach seinem allzufrühen Heimgange erkannt haben. Eine Stunde von Mincho versammelte sich wiederum eine große Menge im Lernlokal des Mekor Chajim,. der für diese Stunde einen nson angesetzt hatte. Der Vorstand des Vereins Mekor Chajim übergab bei dieser Gelegenheit das von Mitgliedern, Schülern und Freunden des Oberrabbiners 5>rxr gestiftete fpns in die Obhut des Synagogen-Verbandes, in dessen Synagoge am Bornplatz es zum Gedenken aufgehängt wird. Bei Anwesenheit aller Rabbinen unserer Gemeinde, ( der Vorstände und Kollegien von Gemeinde und Synagogenverband sowie der Lernvereinigungen begrüßte Herr B i a g 1 o g 1 o w s k i die Erschienenen, welche der Raum nicht im Entferntesten zu fassen vermochte, und übergab das rois dem Synagogen- Verbände. Dann bestieg Herr Rabbiner Dr. L e w i n die Kanzel und ließ in meisterlicher Form noch einmal das Bild unseres Oberrabbiner Dr. Spitzer V~piST vor unserem geistigen Auge erstehen. Zum Schluß nahm in einer Ansprache Herr Dr. Z u n t z das na^ in die Obhut des Synagogen-Verbandes. Gesänge der Oberkantoren Bürger und Hornstein umrahmten die stimmungsvolle Feier, welche mit dem ">"»k von Herrn Oberkantor Hornstein in zu Herzen gehender Form vorgetragen, ihren würdigen Abschluß fand. Der Thoravorhang, welcher in der Werkstatt von .Frau Schenkolewski . nach Entwurf von Herrn Lehrer Rothschild hergestellt wurde und dessen Inschrift Herr Lehrer Katzenstein verfaßt hat, wurde noch zum Nachmittaggebet in der großen Schul -seiner Bestimmung : übergeben. Alle diejenigen, welche dem ^~xt an im Leben. nahegestanden, welche zu seinen ■ Füßen gesessen und, aus dem reichen, nie versagenden Born seines Taurohwissens getrunken haben, wetteiferten, um, an seinem ersten Jahrzeitstage noch einmal ihrer Liebe und Verehrung für den Dahingeschiedenen Ausdruck zu verleihen und uns die Größe unseres Verlustes vor Augen zu führen. y*'i Hannover, 20. Juni. In der hiesigen Keren Hatora- Schule fand am ersten Jahrzeittag um den Hamburger Oberrabbiner Dr. Spitzer b"ST eine kurze Gedenkfeier statt. Schüler und Eltern dieser vom Verstorbenen vor vielen Jahren in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Keren Hatorah gegründeten Schule hatten sich zu seinen Ehren versammelt und Herr Rabbiner Balsam sprach zu ihnen Worte, in denen er den Verstorbenen als den gewaltigen Talmid Chochom und den anerkannten Führer nicht nur seiner Gemeinde, sondern der deutschen Orthodoxie' überhaupt feierte. Durch die Gründung von Keren HatorahiSchulen, in. denen M seinem Geist gelehrt wird, hat er sich, so erklärte der Redner, im Hinblick auf den kommenden Wochenabschnitt, am Bilde der Menorah, ein unvergleichliches Verdienst erworben. — Herr .Lehrer Joelson verglich sodann in seiner Rede zwei wesentliche Grundzüge ' seines großen Lehrers -mit zwei' Auslegungen zum Wochenabschnitt' in^yna- Oberrabbiner Dr. Spitzer b"tt, hat das Thoralicht bei seinen Schülern so entzündet, daß Jeder, der es ernst nahm, zum selbständigen Lernen kam. Der Keren Hatorah hatte ein Bild des: Verstorbenengestiftet, welches nun das Klassenzimmer der Sqhule ziert, und: : die Schüler stets ermahnt, im Sinne des Verstorbenen zu lernen. , Berlin, 20. Juni. Der Preußiiche Landesverband jüdischer Gemeinden, Gharlottenburg 2, Kantstr. 158, bittet uns, mitzuteilen, daß er auch in diesem Jahre die Vermittlung von Vorbeterstellen für die hohen Feiertage übernommen hat. Bewerber, die ihre Eignung durch Zeugnisse nachweisen können, werden aufgefördert, sich rechtzeitig-bei der genannten Stelle zu melden. Es'ist anzügeben, welche 'Funktionen übernommen werden/ können (alle -Gebetfe: oder welche; Predigten, Schofärblasen, Thöravorlesfeöi)' und welcher religiösen - Richtung: der Bewerber angehört. Jerusalem, 20. Juni. Herr Oberrabbiner K u k bittet dringend, von Ehrungen und Aufmerksamkeiten in irgend einer Form aus Anlaß seines siebzigsten G eb urtstages : ünte r allen Umständen ab'zusehen. Nur durch Berücksichtigung dieses seines^Wunsches^ heißt es in der Zuschrift, könne man ihm wahre Freude: bereiten.: J .

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