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Der Israelit · 1935-06-27 · Heft 26 (27.6.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 26 (27.6.1935)
Date
1935-06-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 26 t i —— sehen Juden ein und stellt fest, daß jene Beschlußfassung in der Reichsvertretung gegen den nachdrücklichen Widerspruch des Vertreters des RjF. erfolgt sei, so daß der RjF. jede Verantwortung ablehnen müsse. Eis müßte im deutschen Judentum übrigens als Selbstverständlichkeit gelten, meint das Blatt, daß in Wehrfragen zu sprechen, der RjF. und nicht die Reichsvertretung berufen und zuständig sei. Daß diese Auseinandersetzung besonders geeignet sei, die Autorität der „Reichsvertretung" zu stärken, wird man nicht behaupten können. Schweigen und Freigabe der Stellung jedes Einzelnen wäre besser gewesen. Zehn Jahre Preußischer Landesverband. Berlin, 24. Juni. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hielt aus Anlaß seines zehnjährigen Bestehens einen Festakt ab, auf dem der Verbandspräsident, Kammergerichtsrat i, R. Leo W o 1 f f , einen Ueberblick über die zehnjährige Tätigkeit des Verbandes gab und seine neuen Aufgaben in den letzten zwei Jahren zeichnete. Glückwünsche überbrachten in Ansprachen: für die Reichsvertretung der deutschen Juden Rabbiner Dr. Leo B a e c k , für die süddeutschen Gemeindeverbände Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, München, für die Berliner Jüdische Gemeinde Adolf Schoyer, für die Mittel- und Kleingemeinden in Preußen Rechtsanwalt Ehrlich, Königsberg. Direktor Stern sprach im Namen der Lehrer und Beamten, M a - nasse, Altona, für den Norddeutschen Gemeindeverband, worauf Herr Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee in einem Schlußworte den Dank des Preußischen Landesverbandes an alle Redner und alle Mitarbeiter zum Ausdruck brachte. Reichsausschuß jüdischer Jugendverbände. Berlin, 25. Juni. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände teilt mit: Der Vertreter der gesetzestreuen Bünde, Rudolf Leibowitz, hat sein Amt als Mitglied des Führerrats des Reichsausschusses niedergelegt und übersiedelt nach Palästina. Als sein Nachfolger ist vom Führerrat des Reichsausschusses Abraham Wolf gewählt worden, Der Reichsausschuß wird Rudolf Leibowitz, der seit 7 Jahren im Reichsausschuß führend tätig gewesen ist, sehr vermissen. Bei aller Wahrung der Anschauungen der von ihm vertretenen Gruppe hat Rudolf Leibowitz immer den Gedanken der Einheit der jüdischen Jugend im Reichsausschuß in den Vordergrund gestellt und war eine der stärksten Stützen der Gemeinschaftsarbeit des Reichsausschusses. Der Reichsausschuß dankt ihm für den Persönlichkeitseinsatz und die Mitarbeti vieler Jahre und wünscht ihm für seinen neuen Lebensweg in Erezi Jisrael alles Gute. Grabsteininschriften auf jüdischen Friedhöfen. Berlin, .20. Juni. Die Gesellschaft für jüdische Familienforschung versendet ein Merkblatt für die Aufnahme von Grabsteininschriften auf jüdischen Friedhöfen, dem wir folgendes entnehmen: Eine wichtige Quelle für die Feststellung von Daten unserer Worfahren sind die Mazewoth, die Grabsteine der jüdischen Friedhöfe. Für die Zeit vor 1812 (und an manchen Orten und zu manchen Zeiten noch bis ins späte 19. Jahrhundert hinein) sind sie eine sichere und gewisse Quelle, da die Steine gewissermaßen Urkundenwert haben. Da mit Recht zu befürchten ist, daß im Laufe der Zeit die Grabsteine immer mehr verwittern und .unlesbar werden und so diese wichtige Quelle allmählich zu versiegen droht, ist es an der Zeit, heute eine Bestandsaufnahme der Grabsteine und damit eine Sicherstellung der auf ihnen befindlichen Urkunden vorzunehmen. Daraus ergibt sich, daß die jüdischen Gemeinden als die Inhaber der jüdischen Friedhöfe im Interesse ihrer eigenen Geschichte und der Vorfahren ihrer D e r I s r a e 1 i t Gemeindemitglieder gewissermaßen die moralische Verpflichtung haben, diese Bestandsaufnahme, soweit es in ihren Kräften steht, zu unternehmen. Die Arbeit selbst besteht also in folgendem; 1. Numerierung und Zählung der Grabsteine. 2. In den meisten Fällen dürfte noch vor der Entzifferung eine gewisse Säuberung der Grabsteine (sei es durch Abwaschen, Bürsten, Abreiben usw.) notwendig sein. 3. Jeder Grabstein ist auf einem besonderen Blatt abzuschreiben. Vorder- und Rückseite des Grabsteines sind dabei zu berücksichtigen. Die Inschriften sind wortgetreu und, wenn möglich, nach der Zeilenanofdnung der Grabsteine aufzuzeichnen. (Schwer lesbare und verwitterte Stellen können mit dem Finger auf dem Grabstein nachgefühlt werden.) 4. Alle Grabsteine vor 1812 sind zu photographieren sowie aüch — je nach Maßgabe der Mittel — wichtige spätere Grabsteine. 5. Aus diesen einzelnen Grabinschriften ist ein Buch anzufertigen. Die Daten und sonstigen Angaben können dabei mit den Angaben im Sterberegister oder Maskirbuch oder sonstigen Quellen verglichen werden. 6. .Diese Zusammenstellung wird zweckmäßig in drei Exemplaren hergestellt, von denen das eine für das eigene Archiv der Synagogengemeinde, das zweite für das Archiv der Gesellschaft für jüdische Familienforschung, Berlin W 9, Tirpitz-Ufer 22, das dritte Exemplar für das Gesamtarchiv der deutschen Juden, Berlin N 24, Oranienburgerstr. 28, bestimmt ist. Wahlen in jüdischen Gemeinden, Köln, 21. Juni. Das „Gemeindeblatt für die jüdischen Gemeinden im Rheinland und Westfalen" teilt in seiner soeben erschienenen Nummer mit, daß die Frage der Umbesetzung des Vorstands der Jüdischen Gemeinde Köln im Prinzip dahin entschieden sein dürfte, daß die Jüdische Volkspartei (Zionisten) die Hälfte der Sitze erhält, Um dieses zu ermöglichen, würde der Vorstand in Zukunft aus 10 (bisher 7) Herren bestehen. Schulwesen,- Berufsumschichtung und Jugendpflege würden aus dem Tätigkeitsgebiet des Wohlfahrtsamtes herausgenommen und neu zu schaffenden Dezernaten unterstellt werden, die Vertretern der Volkspartei überlassen werden sollen. * » München, 18. Juni. Die auf Grund einer Einheitswahlliste zustande gekommene Gemeinde-Vertretung der Israelitischen Kultusgemeinde München nahm in ihrer ersten Sitzung die Wahl eines zehngliedrigen Gemeindevorstandes vor, dem sechs Vertreter der religiös-liberalen Richtung, drei Zionisten und ein Mitglied der orthodoxen Fraktion angehören. Zum ersten Gemeindevorsitzenden wurde Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, zu seinen Stellvertretern Justizrat Dr. Carl Oest reich und R.-A. Dr. Siegbert Feuchtwange r wiedergewählt. Fürther Brief. Fürth , 21. Juni. Im* Verlauf der letzten Wochen fanden zwei für Gemeinde und Rabbinatsbezirk Fürth bedeutungsvolle Sitzungen statt. Am 17. März 1935 wurde nach erfolgter Neuwahl von Mitgliedern des Verwältungsäusschusses die Arbeitsperiode 1935/38 der Gemeindekörperschaften, erstmalig auch in Anwesenheit der Ersatzmitglieder, eröffnet, wobei der Vorsitzende in einer längeren Rede grundsätzliche Erklärungen über Gemeindeführung machte. Nach eingehender Schilderung der, Ereignisse in der letzten Amtsperiode befaßte sich der Redner mit der Tätigkeit des Verwaltungsausschusses und gab seiner Befriedigung über das allzeit von Verständnis für die gemeinsamen Interessen bestimmte Zusammenarbeiten der religiösliberalen Mehrheit mit den gesetzestreuen Mitgliedern nachhaltigen Ausdruck. Die weiteren Ausführungen waren "besonderen Fragen, wie der der kulturellen Veranstaltungen, der Gemeindefinanzen usw. gewidmet. Dem^schloß sich ein Referat über das gemeindliche Hilf s Werk, Darlehenskasse Hilfe und Aufbau, Beratung, Auswanderung, Berufsumschichtung, ■ r - 27. Juni 1935 Bibliothek, Heranziehung der Bezirksgemeinden usw., an, das dem erweiterten Kreis der Gemeindeverwaltung ein Bild der ungeheuer gewachsenen gemeindlichen Aufgaben gab. Am 5. Mai 1935 waren dann die Vertreter der Bezirksgemeinden zu einer Besprechung geladen*, die den Zweck verfolgte, die Mitglieder der kleineren Landgemeinden zu der Inanspruchnahme der Einrichtungen der größeren Vorortsgemeinde anzuregen. Künftighin soll keine Landgemeinde mehr ohne Anschluß an die in den letzten Jahren allerorts in größeren Gemeinden entstandenen Beratungsstellen und Hilfsausschüsse sein, die Glaubensgenossen auf dem Lande sollen in ihrer z. T. seelisch zermürbenden Isolierung und Verlassenheit unbedingt das Gefühl haben, daß sie nicht allein stehen. Neben der materiellen Hilfe, sollen die Gemeindebibliotheken in den größeren Städten die Landgemeinden durch Ueberlassung von Bücherkisten mit Lesestoff versorgen, die Kulturbünde usw. sollen für die Abhältung religiöser und weltlicher Vorträge und kleiner künstlerischer Veranstaltungen sorgen. Die Gemeinde Fürth hat sich den geschilderten Aufgaben bereits unterzogen; sie gibt die Anregung weiter, die, wie sie hofft, überall aufgegriffen wird. Es gibt wenig gleich dankbare Aufgaben. (Wie steht es dabei mit der Wahrung der religiösen Belange? Die Landgemeinden'brauchen vor allem F e s t i g u n g ihrer religiösen Gesinnung. Red.) N Die bayerischen Juden nach der Volkszählung von 1933. München, 18. Juni. Zu den Zahlen die über die bayerischen Juden nach der Volkszählung von 1933 vorliegen, nimmt Prof. Arthur Cohen in einem Artikel der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" Stellung. Nach den bereits bekannten Ziffern lebten 1933 in Bayern 41.939 Juden, die 0,55 Proz. der Bevölkerung ausmachten. Gegenüber 1925 betrug "die Abnahme der Juden 7206 oder 14,66 Proz. Die Abnahme ist neben Hamburg (14,7 Proz.) die größte im gesamten Deutschen Reich. Die Verteilung der Juden auf die einzielnen bayerischen Regierungsbezirke hat sich im großen ganzen nicht wesentlich geändert. Relativ am meisten Juden wohnten 1933 in Mittel- und Unterfranken. Die größte Abnahme haben die Pfalz und Schwaben zu verzeichnen. Absolut gesehen, ist mit 15,29 Proz. oder 2098 Juden die Abnahme in Mittelfranken sehr bedeutend. Nach Professor Cohen lebten 1933 26,6 Proz. der jüdischen Bevölkerung auf dem Lande, dagegen 73,4 Proz. in den Städten. Das Verhältnis ist bei den. Juden umgekehrt wie bei der Gesamtbevölkerung. Noch 1925 betrug das Verhältnis von Stadt und Land bei .den Juden 71,8 Proz. zu 28,2 Proz, Es ist somit eine erhebliche Verschiebung eingetreten. Beinahe die Hälfte . (49,48 Proz.:) der bayerischen Juden wohnten in Großstädten gegenüber rund 20 Proz. der gesamten Bevölkerung. Während bei der gesamten Bevölkerung ein Geburtenüberschuß von 4,8 auf 1000 der Wohnbevölkerung vorhanden ist, ergibt sich bei den Juden ein Sterbeüberschuß von 12,5 Prqz. Der Grund hierfür ist nicht zuletzt in der. Altersgliederung der jüdischen Bevölkerung, in dem Uebergewicht der höheren Altersklassen zu suchen; dagegen ist nach Prof, Cohen die Zahl der ehelichen Geburten bei den Juden insbesondere in den größeren Städten nicht wesentlich zu Ungunsten der Juden gestaltet. Oesterreich. Der Kampf um die Zertifikate. : . ' . Wien, 20. Juni. ' Wie aus den zionistischen Zeitungen ersichtlich, hat die Wiener Palästinaamts-Kommission der Jewish Agency an die Zentrale der Jewish Agency in Jerusalem ein Schreiben gerichtet, in dem jder folgende unerhörte Satz vorkommt: _ ' ' '■ ■ ' '1; . *f .„Ganz besonders unverständlich ist es uns, daß die Exekutive der Agudo, die hier immer als g r ö ß ter Feind d es Pal ä-s t i n a a u f b au s ^auftritt, 16 Zertifikate zugewiesen hat, während sämtliche zionistische Parteien gänzlich' ohne i Zertifikate ausgehen müssen."

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