Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1935)
- Date
- 1935-06-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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27. Juni 1935 Der Israelit Nr. 26 Seite 9 Auf diesen unerhörten Angriff hat"*! die Erez Jis roel-Zenträle der Agudas Jisroel für Oesterreich, ge zeichnet Großrabbiner A. J. Friedmann und David Türkl, und der Vorstand der österreichischen Landesorganisation der Agudas- Jisroel gezeichnet Wölf Pappenheim ,und Wilhelm Weiß, das. nachfolgende Schreiben an die Jewish Agency in Jerusalem gerichtet: . „Wir sehen uns veranlaßt, gegen die unwahre Behauptung, daß Agudas Jisroel als Feind des Palästina-Aufbaus auftritt, sch'ärfste'ns Einspruch zu erheben. Kenner der Verhältnisse und der historischen Geschehnisse wissen, daß zu allen Zeiten die religiösen Juden es gewesen sind, die, erfüllt von Liebe und Sehnsucht nach dem Lande ihrer Väter, zu jedem. Opfer für den Aufbau eines religiösen Erez Jisroel bereit . waren und unter Einsatz aller Kräfte für diesen Aufbau auch gewirkt haben. Die Mizwas J i - schuw Erez Jisroel steht seit dem Tage der Gründung der agudistischen Weltorganisation im Vordergrund ihrer Betätigungsgebiete. Wir müssen in der Unterstellung, zu der sich die PalästinaTAmts-Kommission in dem erwähnten Schreiben unserer Organisation gegenüber hinreißen ließ, den Versuch erblicken, durch offensichtlich widerlegbare Behauptungen eine Verkürzung unserer Rechte hinsichtlich unseres Anspruches auf den vereinbarten Anteil an den Einwanderungszertifikaten herbeizuführen. Wirprotestieren energischest gegen jede widerrechtliche Vorenthalt u n g von Zertifikaten und ersuchen das Immigration Department der Jewish Agency, sofortige Veranlassung zu treffen, daß die uns noch aus der bereits abgelaufenen Schedule zustehenden Zertifikate sofort ausgefolgt werden und daß gleichzeitig ohne Verzögerung auch die -für die Agudas Jisroel in. Oesterreich aus der derzeitigen * Schedule bestimmten Zertifikate zur Verteilung gelangen. Bei dieser Gelegenheit muß neuerlich betont werden, daß die Agudas Jisroel in Oesterreich mit der bisherigen, sehr geringen Zuteilung von Zertifikaten keinesfalls befriedigt sein kann. Eine ungezählte Schar von Jugendlichen, die jahrelang systematisch von der Möglichkeit einer Alijah nach Erez Jisroel ausgeschlossen worden waren, warten in unseren Reihen darauf, daß ihnen die Tore des heiligen Landes geöffnet werden. Wir fordern, daß diesem Umstand bei der nächsten Z e r t i f i k a t e n s c h edu 1 e in dem erforderlichen Ausmaße Rechnung getragen werde." Schweiz. XXVIL Tagung der Mandatskommission beendet« Frage der Handelsbeziehungen zwischen Palästina , und Japan akut, Genf, 19. Juni. Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes hat soeben ihre XXVII. Tagung beendet. Wie der ITA-Vertreter erfährt, hat die Kommission u. a. auch eine die Mandatsgebiete der Kategorie „A" und „B" und insbesondere Palästina sehr interessierende Frage erörtert, nämlich, ob Japan, dessen Austritt aus dem Völkerbund im März d, Js. rechtskräftig geworden ist, weiterhin das Recht behalten kann, den den Mitgliedern des Völkerbundes in. den Mandatsgebieten der Kategorien „A" und ,3" eingeräumten Vorzug der wirtschaftlichen Gleichberechtigung {economic equality) zu genießen» Die Bedeutung dieser Frage für Palästina ist leicht ersichtlich aus der Rolle, die der Import der japanischen Waren im Außenhandel Palästinas spielt: Während die. Einfuhr japanischer Waren nach Palästina in fortwährendem Ansteigen begriffen ist, ist die Ausfuhr palästinensischer Waren nach Japan gleich Null. Im Jahre 1933 betrug der Wertjder nach Palästina eingeführten japanischen Waren 349;859 palästinensische Pfund, im Jahre 1934 -führte" Japan nach Palästina schon Waren im Werte von 582.000 palästinensische Pfund ein, was beinahe- 4 Pröz. der Gesamteinfuhr Palästinas in diesem Jahre ausmacht und" Japan an die siebente Stelle der nach Palästina einführenden Länder stellt. Demgegenüber steht gar kein Posten einer Einführ palästinensischer Waren nach Japan.- Die Bestimmungen des Palästinamandates — wie übrigens die Syriens und der Mandatsgebiete der Kategorie „B" — sichern allen Mitgliedern des Völkerbundes die wirtschaftliche Gleichberechtigung. Nun ist aber Japan nicht mehr Mitglied des Völkerbundes und sollte hiermit logischerweise auch den Anspruch auf wirtschaftliche Gleichberechtigung in diesen Mandatsgebieten verlieren. - Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Tel A w i w. Die palästinensischägyptischen Wirtsc ha f t s v, e r - handlungen sind in der vergangenen Woche zum Abschluß gebracht worden. Offiziell wird mitgeteilt, das Abkommen sehe - eine ■ beträchtliche Ermäßigung der Zölle und Frachttarife beider Länder auf eine Reihe landwirtschaftlicher und in- . dustrieller Produkte vor. Eine Reihe von Spezialprodukten~ beider Länder sollen beiderseitig begünstigt werden. Privatim hört man folgendes: Aegypten reduziert den Sei- I fenzoll um Lst. 1% pro Tonne, ferner wurde eine kleine Ermäßigung des Zolles und Frachtsatzes für Wassermelonen während zweier Monate gewährt, eine Senkung des. Zolles auf palästinensische Grapefrucht und eine unbedeutende Konzession für den Orangenexport nach dem 1. Mai. Ueber die industriellen Fragen soll durch eine ägyptische Delegation in Palästina verhandelt werden. Konkrete Vorteile für Palästina scheinen also bisher nur in sehr geringem Maße erreicht zu sein. Tel A w i w. Zwei deutsche Juden beabsichtigen in nächster Zeit ein Fabrikationsunternehmen für elektrische Akkumulatoren, Batterien für Automobile und' Krafträder, Radio und Telefonapparate zu gründen. Die Fabrik soll zunächst 10 Arbeiter beschäftigen und wird mit einem Kapital von Lst. 5000.— errichtet. Haifa. Wie verlautet, hat der polnische OrientrLloyd drei Dampfer der schwedischen Orientlinie gekauft, um einen direkten Frachtdienst zwischen Polen und Palästina unter polnischer Flagge einzurichten. K'a i r o. Der ägyptische Ministerrat nahm in der letzten Woche ein Memorandum des Finanzministers an, das die Nutzbarmachung eines bei Assuan zu errichtenden elektrischen Kraftwerkes für den Betrieb einer großen chemischen Fabrik zur Erzeugung vonkünstlichen Düngemitteln vorsieht. In dem Unternehmen soll ein Kapital von nicht weniger als 7 Millionen ägyptische Pfund investiert werden. Aegypten wird dadurch jährlich eine Million Pfund an importiertem Kunstdünger sparen. Jerusalem. Die Bilanz des Bankhauses Jacob Japhet u. Co. Ltd. gestattet die Verteilung einer Dividende von 4% Proz. für 1934. Tel Awiw. Eine Gruppe von Persönlichkeiten, unter denen sich Stadtrat , Josef Vetter in Tel Awiw befindet, beabsichtigt eine neue Versicherungsgesellschaft unter dem Namen „Zion" ins Leben zu rufen. Tel Awiw. Im Jahre 1934 sind an Maschinen für Lst. 1.100.000 nach Palästina importiert worden gegen Lst. 500.000 im Jahre 1933 und Lst. 200.000 im Jahre 1932. Eine ähnliche Proportion weisen die Importziffern für Instrumente und Apparate und elektrische Artikel aus. Der Import hat sich gegen das Vorjahr verdoppelt. Die Kommission und einige Vertreter der Mandatarmäehte haben diese Frage nunmehr zum ersten Male aufgeworfen. Eine gründliche Prüfung der Frage und eine endgültige Stellungnahme zü ihr seitens des Völkerbundsrates wird jedoch wahrscheinlich erst nach der Herbsttagung der Mandatskommission ' erfolgen. Polen* Die Konferenz der Zeiirei Agudas Jisroel, v ' Warschau, 20. JunL . Schon. das äußere- $ild der hier tagenden A I 1 - po 1 n i sehen Konferenz der A'g u d a j u g e. nd wirkt durchaus erhebend. Dre Beteiligung ist groß,. die innere Teilnahme sehr stark. Im Plenum gehen lebhafte Debatten vor sich, die zu einmütigen Beschlüssen führen. Die Kommissionen sind eifrig bei der Arbeit, Einen großen Platz in den Verhandlungen nimmt die Frage der Haschlama Ruchanith, der geistigen Vervollkommnung, ein, im Mittelpunkte stehen natürlich die Erez Jisroel-Probleme und was damit zusammenhängt, wie Hachschara, Organisation und Alijah. Daneben werden die Fragen des polnischen Judentums nicht vernachlässigt. Wiek-, tige Beschlüsse werden zur Reorganisation des Lehrer und Erzieherseminars gefaßt. Ueber die Frage der Zeiirim referierte eingehend Herr Seidmann an der Spitze mehrerer anderer Redner. Mit größter Spannung wurde das Referat des eben aus Erez Jisroel heimgekehrten Herrn A. S. Friedmann angehört. Er bekennt sich als Freund der Zeiirim, warnt aber vor einer Selbständigmachung. Die Z. A. J. müßten die Stoßtruppe der Aguda sein und bleiben, die älteren Mitglieder müßten die jüngeren für den Agudagedanken erziehen. Die Vereinigung von Poalim und Zeiirim sei unbedingt notwendig, und die Agudadelegation, die ihre Vollmachten vom Waad hapoel, also von ihrer höchsten Instanz, erhalten hat. habe ihr Möglichstes zu dem Zusammenschluß getan. Er bittet die Konferenz, die Vereinigungsbeschlüsse von den Zeiirim aus zu sanktionieren. Der Vorsitzende der Z. A. J,, Rabbi Hirschhorn, wendet sich gegen die Annahme, die Z. A. J. betreibe einen Separatismus, sie wollten und forderten nur d i e Rechte, die ihnen hinsichtlich ihrer bedeutsamen Aufgabe in Erez Israel, die orthodoxe Jugend von den offiziellen proletarischen Gewerkschaften zu befreien, zukämen. Redakteur A. M. R o g o w i geht mehr auf die geistigen Fragen der Z. A. J. ein. Zur geistigen Vervollkommnung gehöre intensives Thoralernen und Pflege des Mussar. Die Differenzen zwischen den Zeiirim und der Zentrale, aber auch zwischen Zeiirim und Poalim kämen aus kleinlichem Parteigeiste, der eben durch die geistige Vervollkomnung ausgeschaltet werden müsse. Wenn die anderen Organisationen von ihren Mitgliedern den ganzen Menschen, den ganzen Körper verlangten, so könnten wir mit gutem Recht den ganzen Geist und die ganze Seele fordern. Die 32 „Kleinen Jeschiwoth", von den Zeiirim gegründet und geleitet,.dienten, wie kaum eine andere Institution, dem Agudagedanken. Kein Brief dürfe von den Mitgliedern der Z. A. J., kein Vortrag von ihnen gehalten werden ohne Thorawort. Einen Höhepunkt erreichte die Konferenz, als der Präses der Landesorganisation, Herr I. M. Lewin, das Wort zu seinem Referat erhält, über das noch berichtet werden soll. In später Nachtstunde werden vom Permanenzausschuß die Resolutionen verlesen und voller Begeisterung angenommen. Ueber den Gesamteindruck der Konferenz schreibt das „Jiddische Togblatt": „Seit den letzten fünf Jahren hat sich die Ideologie der Z. A. J. als hundertprozentiger Agudismus vollkommen stabilisiert. In früheren Konferenzen spukte immer noch der Gedanke der Selbständigmachung der Jugendorganisation, heute aber gab es ein solches Problem überhaupt nicht mehr. Die Konferenz stand von Anfang bis zu Ende unter dem Zeichen der absoluten Einheit und Einigung, und auch die schärfsten Kritiker wünschten ein ungetrübtes Verhältnis mit der Zentralleitung der Aguda wie auch ein besseres Zusammengehen mit den anderen Agudaorganisationen, vorab mit den Poale Agudas Jisroel." Palästina kann jährlich 100.000 Einwanderer aufnehmen. Warschau, 21. Juni. EHeser Kaplan, Schatzmeister, der Palästinaexekutive der Jewish Agency, der sich im Zusammenhang mit einer Konferenz -der Poale Zion in Warschau aufhält, gab in einer Pressebesprechung Erklärungen, über die Entwicklung der Palästinaeinwanderung und -kolonisation. *Er" führte u. a. aus: Wir erwarten im laufenden Jahre einen Zustrom von rund 70.000 neuen Einwanderern nach Palästina. Der Mangel an Arbeitskräften ist nicht geringer geworden.. Die englische Regierung warnt vor übertrie-. benem Optimismus, allmählich aber überzeugt sie sich,