Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1935)
- Date
- 1935-06-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 26 Der I 5 r a e 1 i-{ 27/; Juni'Ü935 Wochenrundschau. Das revisionistische Glaubensbekenntnis. Die Exekutive der „Revisionistischen Weltunion" will, ermutigt durch den Ausgang des Plebiszit, den sie im Sinne der Gründung einer neuen unabhängigen zionistisch-revisionistischen Weltorganisation deutet, - ihren Gründungskon- ■■■■ greß schon im September dieses Jahres einberufen und Mitte August mit den Wahlen für diesen Kongreß beginnen. Der Juli soll der Vorbereitung der Wahlkampagne dienen und bis dahin wird die Zeit mit den Geldsammlungen (Dinar-Aktion) ausgefüllt. Die Exekutive horft, so viele Dinarim hereinzubekornmen, wie sie Stimmen erhalten hat.; Inzwischen erläßt Jabotinsky „Aufrufe an das jüdische Volk", in denen dieses aufgefordert wird, sich zum revisionistischen oder staatszionistischen „Ani Maamin" zu bekennen. Zu den von Jabotinsky aufgestellten Programmpunkten gehören auch: Sanierung der wilden Anarchie in der jüdischen Kolonisationswirtschaft in Erez Israel, Gleichstellung der Arbeiterschaft und des' Mittelstandes, als zwei gleichgeschätzte Teilhaber am Aufbau, vor dem Rechte im Lande und in der Alijah; Erhöhung und Gesundung des moralischen Niveaus des Zionismus; Liquidierung des Bruderhasse?\ Abstellung der Spekulationsseuche u. v. m. Der Gründungskongreß wird in diesen Aufrufen als „der Beginn einer neuen und besseren Epoche der endgültigen Erlösung begrüßt." In dieser Flut lapidarer Worte treibt manches Körnchen, das seit , langem auch Gegenstand unserer Sehnsucht und Hoffnung ist. Heil denen, die gewillt und imstande wären, der ^.wilden Anarchie in Erez Jisrael —• besonders in religiöser Beziehung —- zu Leibe zir rücken, dem ' Bruderkampf in der Arbeiterschaft ein Ende zu machen und einmal für allemal dem Mittelstande im Lande das Recht zu Verschaffen, das er gegenüber der Arbeiterschaft als mitbauender Faktor zu beanspruchen hat. Von diesem gesteigerten Rechte der Mittelschicht erwarten wir sogar eine Sanierung der „wilden Anarchie", wie wir sie vorhin gekennzeichnet haben. Alle anderen Wünsche und* Intentionen der Revisionisten' | sind genugsam bekannt und nicht vorbehaltlos zu akzeptieren. Gelingt es, durch diese Maximalforderungen in London ein Minimum zu erreichen, so sollte es uns recht sein, auch wenn wir es noch lange nicht als Beginn der „endgültigen Erlösung" ansprechen könnten;; Von einem Revisionisten-„A n i Maamin" sollte man aber im Rambamjahre .nicht reden, sofern? man nicht mit klaren Worten dieses Glaubensbekenntnis als Devise, für die Sanierung des geistigen unc]. religiösen, Lebens, im .Lande, für ^die Rettung .der Schule und des .Sabbat. Mezeiqti&efc, Auf politischem Gebiete. sind solche Worte . pur Spielereien, und keine ungefährlichen. Ob es den Revisionisten gelingt, mit einer eigenen Weltorganisation der alten zionistischen Organisation ein entscheidendes. Gegengewicht zu bieten, läßt sich im Augenblicke noch-rnicht sagen. Ihr Plebiszit brachte ihnen 160,000, Stirn* men für die Neugründung ein. Nur 3500 Mitglieder sagten Nein. Diese Zahlen bieten schon deswegen keine Handhabe für die Aussichten der neuen Organisation, weil die Enquete ja nur unter den Mitgliedern veranstaltet wurde. , Jabor tinsky. appelliert aber an' die gesamte, jüdische Welt und rechnet mit der großen Zahl derer, die zwar palästinozentrisch-. einge-.. stellt sind, aber aus: taktischen oder weltattschaur liehen Gründen im Zionismus nicht organisiert sind. Daß es heute weite Kreise gibt), die mit der Palästinaliebe im Herzen ihre organisato rische Unterkunft noch nicht gefunden haben, ist kein Geheimnis. Allen,, denen E r e z I s r a e 1 den Staat G'ttes bedeutet, sind die Pforten der Agüdas J i s r o e 1 weit geöffnet. Es wäre aberdenkbar, daß viele Palästinaffeunde auch in die Hallen des Revisionismus .träten. Um so mehr . aber müssen wir Jabotinsky und seinen Leuten raten,, die Grundgedanken ihrer Organisation so klar wie möglich niederzulegen und sich auch von Formulierungen fernzuhalten, die, wie „Ani Maamin" und „endgültige Erlösung", in der Welt der religiösen Vorstellungen ihren festen sicheren Platz haben, aber auf politischem Gebiete nichts besagen und die Geister verwirren. Der „faschistische Sabbat." "Aus Italien kommt die Nachricht daß. dort Bestrebungen im Gange sind, .den Sabbat so gut wie gänzlich frei für die arbeitenden Massen zu bekommen,..um so ihr Weekend in. ausgiebigster Weise ' auszudehnen. Die Bewegung, die demnächst ihren gesetzlichen Niederschlag erhält, geht unter dem Namen <S:a bat o F a s c i s t a , „der faschistische Sabbat", vor sich. Es ist ein gutes Wort für jüdische Ohren. Nicht etwa, weil wir von diesen Bestrebungen — wie von dem Vorschlag der4 vierzigstündigen Arbeitswoche vor dem Völkerbunde in Genf -— gleich greifbare Vorteile für unseren Sabbat erwarteten. Ueber diese unsere Erwartungen zu sprechen, scheint noch etwas verfrüht. Aber daß man bei all diesen Versuchen -an den Säbfoat denkt, daß die Verfechter des gestreckten, fast verdoppelten Ruhetages in Rom ihren Plan, damit begründen, es sei' für "den Arbeiter nötig, schon am Veraben d seines Ruhetages mit der Feierstimmung im Herzen zu Bette zu" gehen, all das kommt'unserem Sabbatgedankerr nach dem Pririzipe und der Vorschrift "TW iv X137D so nahe, daß wir den Sab ato F ascista, als Wort wie als Gedanken, wie uns etwas Geist- und Wesenverwandtes begrüßen. - v . Unser Sabbat, Schlußstein der Schöpfung, war vom. Weltenschöpfer von Anfang an als S a b b a t d,e r W e 11 gedacht. Als Sabbat der Welt hielten ihn auch ursprünglich die zwei monotheistischen Religionen,- die "zu Beginn unserer, Zeitrechnung und zu Anfang des,siebenten Jahrhunderts: aus ,, dem jüdischen; Mutterhoden herauswuchsen, um sich .dann nach ariderer I Richtung zu entwickeln. Die Stifter beider Religionen samt ihrem .Anhang' feierten zunächst;.deniv siebenten als den heiligen Tag mit uns. Es ergab sich aber dann später in der Folge der Geschichte, daß die beiden Religionen mit dem Sonntag und dem Freitag unserem Sabbat zu Eingang und zu. Ausgang die blria^7130117: in .weitem, in geschichtlichem Sinne verschafften. Der iSabbat g e d a n k e ist in der Welt, nicht verloren gegangen, denn nun strebt man überall in der Kulturwelt danach, dem Arbeiter ätich den Vorabend des Ruhetages zu sichern, mit der Vierzigstundenwoche den siebenten Tag freizubekommen, undim heüen Italien entsteht der Sab ato Fa sci'st a. - . ' Für ü'ns im jüdischen1 Kreise, ergibt sich aus 'diesen Wüirschen und 'Bestrebungen, die in g'ttriahen Urempfindungen des Menschen ihre Wurzel haben mögen, die stärkste;'Verpflichtung/ auf den falzen Sabbat, den jüdischen Sabbat. :-' Besonders in Palästina, .das wir doch lieber Erez Israel heißen, sollte man diese. Mahnung verstehen. Hier wäre ein Punkt, wo sich „Rom und Jerusalem", sonst eine' scharfe historische Antithese, fr e f f e h ,' nur müßte hier der Säbato Fascista in UHp 0312? übersetzt werden, und unter dieser Parole der g a n z e j ü d ische Sabbat so im Leben und in den Herzen aller, auf der Straße wie im Hause, verwurzelt werden, Israel, Erez Israel" und Sabbat zu einem griffe verschmelzen-, ' . - ., daß Be- Ein Kibbuz der ägudistischen Arbeiterbewegung in Erez Jisroel. . (Schluß.) -.. . . v , ' i Stellung-der Familie, im Kibbur, Ein besonders großes Maß persönlicher Freiheit wird in unserem Kibbuz dem Ehepaar, der Familie gewährt. Die Familie ist der Kern des Kibbuz, sie garantiertseinen Zusammenhalt und seine Zukunft; sie ist daher berechtigt, eine Sonderstellung in. seiner Mitte einzunehmen.. Fa|- milienleben heiß.t "geis tiges und seelisch es' .Eigenlieben zu zweit. Deshalb muß sich der verheiratete Chawer vom Gemeinschaftsleben der anderen Chawerim etwas zurückziehen; jedoch gilt es auch hier, das richtige Maß: zu finden, damit einerseits, sein Familienleben unjd andererseits das Kibjbuzleben .nicht gestört wird, Aeußerlich zeigt sich . diese Sonderstellung etwa in.t folgendem. Jede Familie erhält ein Schlafzimmer, welchestagsr über in ein Wohnzimmer verwandelt werden kann, während. (der.ledige jGhawer ein Zelt ..bej wohnt. Das ZirnffieV^lcann.vollkommeh nach eigenem Geschmack und eigenem Wunsch eingerichtet werden. Die Ehegatten haben das Recht, ihre Kleider und Wäsche, welche früher im gemeinschaftlichen V°rratsraum aufbewahrt waren, zu,.sich, ins . Zimmer zu nehmeh;. .und auch; ihre Bücher, der^ gemeinschaftlich enti zLehjßn.' Dies kann als Grundstock* "zu ihrem, späteren , Haushalt; angesehen werden." Sie erhalten ferner 'weitestgehende freie rXerfügung. über ihre Zeit, die Frau hat statt.9,mir 7' Stunden im KibbuzTHaushalt".' zu arbeiten,;? der Chawer. wird -p soweit möglich ^-r von.4en.,Gem befreit., Er/ kann seine ..M^Uz^i^ii; Wünscih im. eigenenq Zimmer, einnehmen,, zurn *''allal»enä-f jictien-. Kü^^näfejiSt. ^,' "dpr. ^edj^.0^^d .j^i Reihe nach' von je einem Chawer und einer- Chawer ä besorgt wird — kann er nur gemeinsam mit seiner'vFraü eingeteilt werden, damit er wenigstens die Stünden nach der Tagesarbeit, dem Familienleben widmen kann. Auch die Kindererziehung soll in.' die Hand der Eltern gelegt und nicht dem Kibbuz überlassen werden. Denn nach unserer Auffassung ist eine erfolgreiche jüdische Erziehung nicht ohne das Elternhaus möglich. Die Kollektiv-Erziehung kann wohl imstande sein, die Kinder zu guten Menschen und zu tüchtigen Arbeitern zu erziehen^ jedoch können der tiefe.^jüdisphe Glaube 'r und das jüdische 'Empfinden'hur, Unmittelbar vom ' Vater ünd-:vbn'-c^ Mutter auf das 'Kind ubertragen* werden/Was die Durchführung? einer solchen Erziehung in-nerhalb des^'Kibbuzbfetrifftr (so 'iehlt uns. darüber noch; jede, .praktische -Erfahrung! Sicher i ist, daß der J&ibbjuz^ alle. Kosten,, die durch; die;Eirziiehüng der Kinder; entstfihefliM.'äuf sich nimmt.' Zur Bestfeiterig dieser Kosten besteht schon heute eine separate Kasse, in die der Kibbuz monatlich einen festgesetzten Betrag einzahlt. Während der Arbeitsstunden der Mütter wird -man die Kinder (..gemeinsam betreuen lassen. iSpäter sollen sie >Vta^ubjer -im gemeinsamen Kindergarten} unij:j;rfqph > später inf]:,der Schule des .Kibjbüz se*nW^uf;f4iesse >;Weise wird die~ Frau auch weiterhin; imstande' s;eini iür . Gemeinschaft Arbeit zu:-leisten,.~,j;:-^^■l - : ■■-■■■■•*> ■ ' ' ' St e 1 lung der C ha w.e'ra i m Ki b bu:z. [. Das weibliche Mitglied des .Kibbuz, die Chawera, ist grundsätzlich den Ch stellt. Sie nimmt n^. insofern e ein," als "es die besonetere' Aufgabe der Fräu er-