Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1935)
- Date
- 1935-06-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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27. Juni 1935 Der Israelit Nr. 26 Seite 3 um die Verfassung der jüdischen .Gemeinschaft Erez Jisroels. (Fortsetzung von Seite 1.) 4. Die Versammlung : der Rabbiner . Erez> - Israels blickt mit Angst und Sorge auf die Zerstörung hin,': die mit dem bloßen Gedanken dieser Trennung verknüpft ist und deren Konsequenzenniemand überschauen kann. Aus dieser Sorge heraus verkündet "sie: Unsere Hände werden sich 'an diesem Treubruch, nicht beteiligen, das Haus Israels, in Stücke zu zerteilen, die unnatürlich und niemals mehr heilbar sind. Sie wird ihren ganzen Einfluß aufbieten, um dies zu verhindern und sie wendet sich mit allen Ausdrücken des Bittens Und des Flehens an die Führer der Agudas Israel und an ihre Genossen im Lande und in der Gola und ruft ihnen zu: lasset ab von diesem Wegey der leicht zu etwas Trreparabelem und zu einem; nimmer . wieder gutzumachenden Unrecht führen kann. . 5. Die •Versammlung der Rabbinen Erez Jisroels wendet T sich■ an die Regierung Seiner. Exzellenz, die Regierung :Großbritanniehs und an die Mandatkommission des Völkerbundes und sagt ihnen: In Eure Hand ist durch die Vorsehung das' Recht gelegt, das zerstörte' Haus Israels im Lande seiner Väter wieder aufzurichten. Traget nicht die Zersplitterung: und die; Zerstörung hinein in die Gründlagen des! nationalen Heimes, indem Ihr zwei Kehillbth und zwei? ^getrennte Bothe Dinim genehmigt,, eine Einrichtung? die in alle religiösen Angelegenheiten- und in das Familienleben, des jüdischen Volkes iü seinem Lande Zugellbsigkeit und Zerstörung hineintragen wird. ■ lu--. '6. Die Versammlung der Rabbinen Erez Israels wählt aus ihren Mitgliedern eine Kommission von 7 Rabbinen und zwar die Herren Rabbiner Pesach Zwi Frank-Jerusalemv Benzion. Usiel-Tel Awiw, Benzion Koenka-Jerusalem, Rüben Katz-Petach Tikwah, Josef Halevi-Jerusalem, J. Kahie^Haifa, S, Q. Weber-Jerusalem und ' bevollmächtigt : die Kommissiöri,' daß sie zusammen mit dem Präsidium des Oberrabbinats die erwähnten Beschlüsse" der Regierung Erez Jisroels zur Vorlage bei Seiner Exzellenz-dem High Commissioner und der Mandätkommission des Völkerbundes überleben möge. Ferner «oll dieKommissiondie erwähnten Beschlüsse allen Rabbinaten und allen. Gemeindevorständen sämtlicher Gemeinden in der. ganzen/Welt übermitteln und sie bitten, in die Schranken zu.. treten und all ihren Einfluß auf die FührtfrfderAgudas Jisroel überall in der Welt aufzubieten^ daniii sie ihren Weg überprüfen und die Einheit des jüdischen} Volkes unter der Kompetenz, eines von der großen; Mehrheit aller Rabbinen Erez Jisroels und der Bevollmächtigten des jüdischen Jischuw. gewählten.Oberrabbinats aufrecht erhalten. - ■ . 7. Die Kommission wird gebeten, im: Namen der Rabbinerversammlung alle die erwähnten Beschlüsse den Führern der Agudas Jisroel und; ihrön Leitern überall zu übermittebi und sie zu bitten1,, daß in ihren Augen die Einheit des Volkes teuer sein möge und daß sie von dem Gedanken der Trennung und des Streites abstehen. t . ' 8. jedoch — gleichzeitig mit dem Willen, die Einheit der Nation zu schützen, fordert die'' Versammlung der Rabbinen Erez Jisroels, daß in jeder Kehilla der Einfluß des orthodoxen Judentums auf die öffentlichen religiösen Angelegenheiten5 dadurch gesichert werden muß, daß ein religiöser Oberrat: und religiöse Räte an jedem Punkte des Jischuw gebildet werdeni Die Mitglieder dieser Räte müssen in Uebereinstimmung mit der Vorschrift des Thoragesetzes gewählt werden, so daß man sicher sein kann, daß die Mitglieder dieser religiösen Räte allesamt in ihrem Leben treue Gesetzesbefolger sind. , Sie haben die öffentlichen -religiösen Angelegenheiten in dein gesamten Jischuw zu überwachen.! . Wir sind der' Meinung, daß ein von' einer' so illustren [ Versammlung von Rabbonim; und Ta^lmide' Chächomim an „Agudas Jis.radl''[gerichteter Appell nicht unbeantwortet bleiben 'darf.'- 'Die Lage ist— um das von vornherein auszusprechen — so, daß bei wahrhaft gutem Willen und aufrichtiger Zurückdrängung jeder Spur von Rechthaberei auch heute noch ein Weg gefunden werden könnte, der den. unabdingbaren' Forderungen der Thora -- gewiß d e r s e 1 b.e tt Thora, die auch die 60 Rabbinen als maßgebend anerkennen — "Rechnung trägt und eb e n d adurch1'die Konsequenzen vermeidet, die in dem Appell in so düsteren Farben geschildert werden.. Aber die .erste Voraussetzung hierfür ist der W i 11 e zum Verstehen des auf der g l e ich e n- Thor abasis stehender! tiGegners" und dieser Wille ist es, den wir in den e r s t e n 4s i e b e n Absätzen dieses Appells; der 60 Rabbiner vermis-. sen müssen. Ihn zu wecken ist der nächste Zweck der nachfolgenden Darlegungen. Der rabbinische Appell stellt die Dinge so dar, als sei Grundlage der agudistischen Forderung auf öffentlich-rechtliche Anerkennung auto nomer Thora-Gemeinden nichts Weiter als das Prinzip der subjektiven „Gewissensfreiheit", dem die Rabbinen -das angeblich eindeutige Verbot der Thora, sich von der „Gemeinde" — natür lieh von(einer thoratreuen Gemeinde — zu trennen, entgegenhalten. Mit einer solchen Argumentation wird man aber den rabbinischen und weltlichen Führern der. „Agudas Jisroel"j die man eines bessereri belehren möchte, nicht gerecht. Um die Sachlage zu klären, gebeja wir im folgenden zunächst die h a lach i s c h e E n t s c h ei du ng wieder, die am 29.;^..i ssan 5686 von — zufälligerweise ebenfalls -s e c h z i g — zum Teil a u t o r i t a t i v e n R a b bi n e n E r e z jisroels erging , und die — im Einklang mit den größten Autoritäten der Diaspora —tgerade d a s a 1 Si ' h e i 1 i g s t ei;;:iir e 1 i g i ö s e Pflicht bezeichnet, was Herr-jOberrabbiner Kuk und seine Freunde als S ünde und Verbrechen ansehen zu müssen und als „Zerreißung des Hauses?Israel" brandmarken zu dürfen glauben. .Diese Entscheidung, die von Männern wie Rabbi Chajim Sonne n f e 1 d , Rabbi Elijahu K 1 a t z k i n , Rabbi -Mosche K1 i e r s - JVIDT ildDSfr Ö'p'IX' aber auch » O'Ttf? von.,Rabbi I s s e r S a 1 m a n e Vi e r , Rat>t>i Jechiel Michel T U k a z i n s k i u. a; unterzeichnet war, läutet in wörtlicher; deutscher Uejbfcrsetzung wie folgt? . : . F ,;: „In der am 29. Nissan 5685 in der; heiligen Stadt Jerusalem stattgehabten Versammlung «sind' die Unterzeichneten; aufgefordert worden, ihre auf das Thora- ' Wort gegründete Meinung\ über einige Fragen zu äußern; welche die Grundprinzipien der.jüdischen Gemeinden im; heiligen -Lände betreffen; fes ist ihnen da- •bei die .Gefahr dargestellt worden);die gegenwärtig besteht,idaß^idie'Leitung der Gemeinde im heiligen Lande: in die-Hand der« Gesetzesübert'rleter gerät. Nach! eihdririglicher Verhandlung' über den ^Gegenstand veröffentlichen wir hierdurch unsere folgenden Beschlüsse: / ■ ... L. Auf Grund des Din Thora ist die jüdische Gemeindeverpflichtet, I die Autorität der Thora gemäß dem SchuIchä'n Aruch und gemäß den.'Entscheidungen der Rabbinen in allen aktuellen Fragen anzuerkennen; diese Anerkennung ist obligatorisch für alle Verwaltungsangelegenheiten der Gemeinden und muß die Gründläge der Gemeinde-Verfassung bilden. : 2; Auf Grund des Diu; Thora haben die Frauen, kein Wahlrecht für die Organe der Gemeinde. Es ist verboten, Frauen in. die Leitung der Gemeinde und ihrer Organ ezu wählen. Ebenso ist; es verboten, sich an einem Wahlakt zu beteiligen,-der, auf. Grund der Erteilung des. Wahlrechtes an Frauen stattfindet. 3. Auf Grund des Din Thora kann ein fii&htreligiöser Jude, der den Sabbat entweiht, die Speisege-. setze übertritt usw.,. nicht Mitglied, .eines Gemeindevorstandes sein, in:: dem er das Recht hätte, seine Meinung über die Verwaltungsangelegenheiten. einer Gemeinde von religiösen Juden .zur Geltung zu bringen. . .'; ' 4. Auf Grund des Din Thora ist es verboten, aus der Gemeindekasse Institutionen, Unternehmungen und Bestrebungen zu unterstützen,; die nicht den Thoragesetzen entsprechen; um wieviel weniger solche, die Bestrebungen fördern; die ■ im Gegensatz zur Religion stehen,'so zum Beispiel die Unterstützung irreligiöser Schulen oder Anstalten, in denen man den Sabbat entweiht, von Küchen, in depen man niVas ma^oi genießt und ähnliches. - 5. Auf Grund des Din Thora ist es einem pflichttreuen Juden verboten, einer Gemeinde anzugehören; welche die vorstehenden Grundprinzipien .nicht als Grundlage ihrer' Verfassung anerkennen will." , "ü . '.' ,;;.' Wer dieses Dokument unbeirrbarer rabbinischer Ueberzeugungstreue vorurteilslos ' auf sich wirken läßt und es mit: dem — sicherlich ebenso ehrlich gemeinten — Notschrei der 60 Rabbiner aus dem Jahre 5695 vergleicht; .wird zunächst feststellen müssen, daß hier ein im tiefsten Sinne t r a gi s eher Kon f 1 i k t vorliegt, das heißt, ein Konflikt, der 'in der Ti e f d e r D i»n g e begründet ist und keineswegs menschlicher Willkür oder Unzulänglichkeit seine Entstehung verdankt. Sind ja die 60 Rabbiner von 5695 mit denen von 5686 völlig darüber einig, daß die vier religionsgesetzlichen Postulate, die hier vor neun Jahren als Erfordernisse einer vom Din Thora als Kehilla anzuerkennenden jüdischen Gemeinschaft bezeichnet wurden, rechtsgültige Forderungen des G'ttesgesetzes darstellen und auch heute noch Geltung besitzen. Auch Oberrabbiner Kuk und sein Rabbinat wären froh und glücklich, wenn die Gemeinden der Knesseth Israel diesen Forderungen Rechnung tragen und sich damit jener „Lehre Israels in ihren Grundlagen und Rechtsordnungen" unterwerfen möchten, deren Einheitlichkeit die Erklärung von 5695 in Ziffer 1 so emphatisch betont. Schade nur, daß eben jene Gemeinderii indem sie die vier von sämtlichen Rabbinen, auch von Oberrabbiner Kuk gebilligten Forderungen des; Thoragesetzes — bisher wenigstens — ablehnten, sich selber von der u G e * meinschaft der Schlome Emune Israel, von der Gemeinschaft der Trc.ugcb Ii ebenen in Israel" getrennt und eine neue nationale Gruppenbildung vollzogen haben, die die allumfassende Autorität der Halacha & r u n d s ä t z 1 i c h negiert. Darüber konnte zwischen dem Räfebbiat Kuk und den rabbinischen Autoritäten der 'Agudas Jisroel keine' Meinungsverschiedenheit bestehen. Der tragische Konflikt begann erst in dem Augenblick, in dem es sich darum handelte, die praktischen Konsequenzen zu ziehen aus der Tatsache, daß die Kehilioth der Kneses Jisrael den Weisungen und Anschauungen ihrer eigenen Rabbinate den Gehorsam verweigerten. Nicht weil die Rabbinen der Kneseth Israel diese Revolution gegen die Thora für legitim halten, sondern w eil sie glaubten, sich mit ihr als einer.Tatsache zunächst abf j n d e n zu m ü s s e n , weil sie das U e b e 1 zu verschlimme/n fürchteten durch die Trennung von einer Gemeinschaft, die vielleicht ilieber ganz ohne Rabbinate und „geistlichen" Beistand überhaupt ihre restlose Anpassimg an den modernen Nationalismus vollzöge — d>r;.u m allein schwiegen die Rabbinen der ,,Knesseth Isriel" zu Frauenwahlrecht und Inthronisierung der Sabbatentweiher, ja sogar zu der inzwischen als WS *?V ROT! l'DUD hinzugekommenen Betreuung " eines .Schulwerkes durch ihre Kehilla, dais j ah ra us, jahrein Tausende von jüdischen Kindern der vollendeten T.h o r a l.e u g n u ng in die Arme liefert und das den religiösen Charakter E;r eLz J i s r a eis mit tödlicher Sie h e r- Ire i t z u G r u hde zu richten droht. .. Wir. begreifen, daß die Rabbinen der „Knesseth;^ Israel" heute vor der Eventualität zittern, daß durch eine öffentlich-rechtliche Anerkennung eindeutig orthodoxer Gemeinden deren Ansehen und Anziehungskraft stark erhöht und dadurch schließlich diejenigen thoratreuen Elemente, die heute den Gemeinden der „Knesseth Israel'* noch angehören, zum Austritt veranlaßt, damit aber der irreligiöse. Einfluß innerhalb der' „Knesseth Israel" noch mehr geschwächt werden gönnte. Wir begreife^, daß sie sich nicht zu Rabbinen einer auch firmenrechtlich nicht-orthodoxen Gemeinschaft degradieren lassen wollen, daß sie im Gegenteil durch. Gewinnung der selbständigen Orthodoxie für die Knesseth Israel die Aussichten steigern möchten, diese von innen heraus für die Anerkennung der Thoraforderungen zu gewinnen. Darum diese feierliche Beschwörung der Agudisten auf dem ganzen Erdenrunde, dem \J7aad hair1 Aschkenasi und der palästin,ehsisc)jen;' Agudas Jisroel in den . Arm zu falle^tu^i'g^'.anj^-der Krönung ihres jahrzehntelangen RmgensfMm. -religiöse Befreiung zu: verhindern. . f j . rf-.f. - Aber dürfte man von den 60 Rabbinen dann nicht vor allen Dingen auch ein ganz klein wenig