Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1935)
- Date
- 1935-06-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Der Israelit 20> Juni 1935 Die Rabbinatsfrage in Tel Awiw. 'Tel Awiw, 10. Juni. Zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt steht Tel Awiw vor einer eigentlichen Rabbinerfrage. Als Rabbi Ahronsohn V'XJ vor zwanzig Jahren sein Amt antrat, war Tel Awiw das kleine jüdische Viertel von Jaffa. Seine Wahl vollzog sich in aller Stille, wie eben die eines Rabbiners in einem unbedeutenden Stadtviertel. Heute zählt Tel Awiw ungefähr 130.000 jüdische Seelen, ist der Stolz Palästinas und der gesamten jüdischen Welt. Der Rabbiner von Tel Awiw soll der Führer der jüdischen Stadt sein. Kein Wunder, daß die Rabbinerwahl das Interesse der gesamten jüdischen Welt erregt. Zuerst die Frage; Wer wird wählen? Die Kehillaleitung kann, wenn man bedenkt, daß seit der letzten Vorstandswahl sich die Stadt mindestens um das Doppelte vermehrt hat, keineswegs mehr als die allein legitime Vertreterin der öffentlichen Meinung betrachtet werden. Was die Orthodoxie, für die der Rabbiner in erster Reihe in Betracht kommt, betrifft,, so kann sie schon ganz und gar nicht die Sache vertrauensvoll -in die Hand der Gemeindeleitung legen. Nach dem allgemeinen Gemeindegesetz in Erez Jisroel unterstehen die D'KST (die AustrittlerJ, die zwar von den religiösen Institutionen der Gemeinde Gebrauch machen, aber sich an den Gemeindegeschäften wie Wahlen usw. nicht aktiv beteiligen, nicht den Direktiven der Gemeindeleitung. Und gerade in Tel Awiw dürften diejenigen, die die „Kenesses Israel" nicht anerkennen, das erste und größte Interesse an dem Raw haben. Aus diesen Gründen ist die allgemeine Forderung erklärlich, daß die Kehillaleitung nicht auf eigene Faust die Rabbinerwahl durchführe, sondern mit Hilfe einer Wahlkommission, in der alle Teile der Tel Awiwer Bevölkerung paritätisch vertreten sind. Wie inzwischen bekannt geworden ist, hat auch der Hochkommissar entschieden, daß die Wahl im Einvernehmen mit den Vorständen aller bestehenden Bethäuser vor sich gehen muß. Als Kandidaten nennt man eine Reihe von Namen, u. a. auch anerkannte Thorakapazitäten, die alle Eignung für dieses hohe Amt mitbringen. Bei der derzeitigen Besetzung der Kehillaleitung scheint das verbreitete Gerücht nicht unbegründet, daß von dieser Stelle aus nicht allein auf Gelehrsamkeit und Eignung, sondern auch auf die gute misrachistische Gesinnung des Kandidaten geschehen werden wird. Wiederum Andere verlangen eine repräsentative Persönlichkeit, die in voller Beherrschung der englischen Sprache mit. der Regierung zu verhandeln imstande sei. All diese Wünsche und insbesondere die parteipolitischen Rücksichten haben hier., eine gewisse' Unruhe verursacht, die sogar in der - areligiösen Presse ihr Echo findet. Die Kehillaleitung hat jedenfalls aus den Stimmen der öffentlichen Meinung gelernt, daß sie nicht allein diese Frage zu lösen kompetent und imstande sei. Nunmehr wird bekanntgegeben, daß gemäß dem Kheillagesetz, wonach die Rabbinate in den' Städten ale fünf Jahre von neuem gewählt und zusammengesetzt werden müssen, demnächst allgemeine Rabbinerwahlen für ganz Erez Jisrael ausgeschrieben werden. Seit der letzten Konstituierung des Oberrabbinates in Jerusalem sind bereits fünfzehn Jahre verstrichen. Die Orthodoxie hat sich damals bekanntlich an den Wahlen nicht beteiligt und wird wohl auch jetzt abseits bleiben. Das neue Wahlprojekt ist fertiggestellt und muß in Monatsfrist bestätigt werden. Innerhalb dreier Monate muß die Wahl vollzogen sein. Es steht noch nicht fest, ob die neuen Wahlen nur eine leere Form darstellen sollen, um dem Wortlaute des Gesetzes zu genügen, oder eine wirkliche Aenderung in der Zusammensetzung des Rabbinates bringen werden. Auch bleibt abzuwarten, ob die allgemeinen Rabbinerwahlen ihren Einfluß auch auf den Gangder Dinge in Tel Awiw ausüben. Personalien. Jehoschua Lewinski ^"W* Berlin, 12. Juni. Zum Heimgange von Jehoschua Lewinski in Tel Awiw "wird uns, noch geschrieben: Mit großer Erschütterung erhielten wir dn der Gala die "Nachricht, daß einer unserer besten und teuersten Chawerim, Jehoschua Lewinski dahingegangen ist. Wer das Glück gehabt hat, diesen wahren Kämpfer, für echte Jüdischkeit zu kennen, wird ermessen können, was wir verloren haben. Schon frühzeitig schloßjier sich dem Esira an^ um in diesem Jugendbund das im Elternhause gesehene fiipnx verstehen und begründen zu lernen. Seine jüdische Klalltat galt der Esraarbeit, von ihr sei hier daher die Rede. Im Kreise gleichgesinnter Chawerim war ihm jeweilig unter Leitung eines fähigen Führers die Möglichkeit gegeben, auftauchende religiöse und allgemeine Probleme im Geiste der fwnph rnm zu diskutieren -und auch oft zu lösen. Die vom Bund aus geforderten Pflicht-Schiurim konnten seiner min narm nie gerecht werden; er forderte stets mehr als seine Gesundheit es gestattete. Ihm schwebte schon als Geführter jene Idealgestalt eines Führers vor, die sowohl rein wissensmäßig wie auch menschlich Qualitäten enthält, die dem Führer erst die Berechtigung verleihen, verantwortungsbewußte, thoratreue Erziehungsarbeit zu leisten, Jahre hindurch konnten wir' dann in der rbu seine Esraarbeit verfolgen.' Sich. selbst immer weiter bildend, verstand Lewinski ^"XT es. ausgezeichnet, in verhältnismäßig kurzer Zeit das Vertrauen der von ihm geführten Gruppezu erwerben. Jeder Einzelne wurde fast wie ein eigenes Kind von ihm väterlich beraten und geliebt. Er durfte daher auch Forderungen stellen, die meistens bereitwillig erfüllt wurden. J. Lewinski ^"St/ prüfte sich stets selbst und kontrollierte unnacfisichtlichj l seine eigene Arbeit. Erst das Bewußtsein, daß seine Beeinflussung von jungen Menschen letzten Endes im Rahmen des 'n rnia? geschieht, gab ihm die Kraft und die unvergleichliche Energie, trotz einiger Mißerfolge weiterzuarbeiten. — Vor etwa fünf Jahren nun erfüllte sich sein heißester Wunsch, Erez Jisroel mit eigenen Augen, sehen zu dürfen und auf helligem Boden wohnen zu dürfen. Von diesem Zeitpunkt an wuchs seine Tatkraft von beinahe Tag zu Tag. Schnell überschaute er im heiligen Lande die religiöse Situation. Jehoschua Lewinshi V'St forderte daher stets nachdrücklichst auf, daß möglichst viel Gesetzestreueins Land kommen mögen. Auch hier achtete einer unserer ersten Pioniere nicht auf körperliche Beschwerden, sondern setzte freudig das in der nbia begonnene Werk fort. Seiner Gruppe und seinen älteren Chawerim erteilte er schriftliche Informationen, Anregungen und Ratschläge. Er warnte allgemein vor Illusionen, um Enttäuschungen vorzubeugen. In packenden Berichten, die mit seltenem Humor trotz schleichender, schwerer Krankheit gewürzt waren, verstand er es, Jüngere und auch Aeltere von der besonderen Art und Weise unseres Landes" und den damit verbundenen Forderungen zu überzeugen. So wirkte sich seine dortige Esraarbeit auf unsere Arbeit In der Gola aus, indem er durch objektive Tatsachenschilderung oft zum Nachdenken zwang. J. Lewinski!?*ST wurde allmählich uns Allen, die ihn zu kennen die "OT hatten, Lehrer, Erzieher, Freund und Berater. Er gehörte jedoch nicht zu den Menschen, deren Namen man vielleicht da und dort liest und die gern das Ohr und das Auge der Oeffent- Iichkeit auf sich lenken mögen. Mit eiserner Energie und beneidenswerter Geduld versuchte er, Menschen im Lande, die vom rechten Wege abgewichen-waren, für das Judentum der Thora zurückzugewinnen. Seine Aufopferung war grenzenlos und beispielhaft. Aber über all diese Eigenschaften stand bei Lewinski Va? j>B>w jenes alte jüdische G'ttvertrauen. Dieses Losungswort gab ihm ganz ungewöhnliche Kräfte und vermittelte ihm eine solche Lebensfreude, die alles noch so schmerzhafte Leiden milderte und auch oft , ganz vergessen ließ, nrt»»a "n m nay war auch seine Parole, mit der er' bis zum letzten Augenblick Andere ' Urtd sich selbst tröstete. Welche Mahnung gab uns 1 der sterbende Chawer mit auf den Weg? ipinl Bleibt ', fest! — Bemühen wir uns im Esra nun, sein Werk' an der Stelle fortzusetzen, wo J. Lewinski V'xt abberufen wurde. Arbeiten wir Alle daran, daß Erez Jisroel nicht nur das Land der Juden, sondern auch 1 das jüdische Land wird. Stellen wir der Masse der! Gestrauchelten eine gefestigte gesetzestreue Jugend entgegen, dann haben wir unserm V~xt yann' eine naxa - gesetzt,, die alle Zeiten überstehen - wird und die. uns Alle die nam bringen wird. Eine Handbibliothek, die sich die Berliner Gruppe demnächst anlegen wird, trage den Namen des ersten unseres Kreises, der rmvb nach Erez Jisroel ging. n*3SJfl Mainz, 14. Juni. Wenn es auch sonst nicht üblich ist, und das mit Recht, 60. Geburtstage in diesen Blättern zu registrieren, so meinen -' wir zu einer Ausnahme hiervon berechtigt zu sein, wenn .es sich um den verdienstvollen Vorsitzenden der Israelitischen; Religionsgesellschaft, Mainz, Herrn Dr. Gustav Schiessinger handelt. Von Herrn Dr. Schiessinger kann gesagt werden, daß er das Prädikat nr naan mpv schon in jungen Jahren erworben hat und er wurde darum auch schon in noch jugendlichem Alter in die Verwaltung unserer Kehillok berufen. Im /vorigen Jahr waren 25 Jähre verflossen, seit er; dem Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschaft angehörte und er hat m 4!??er Zeit' in.'_,mei^^Qber,~ hingebungsvoller Arbeit den mannigfachen Aulgaben, gedient, die der LeifÖn'g2''einer Gemeinde .obliegen. Stets hat er sich dafür eingesetzt, kompromißlos den Weg des nas zugehen, - Trotz dieser und beruflicher •Inanspruchnahme findet der Jubilar immer Zeit, fana min zu sein, sein klares Lernen wird von {seihen dankbaren Schülern geschätzt und er war oft dazu berufen,, den Raw in öffentlichen Schiurinr -z,u; vertreten. Wir wünschen ihm zu seinem Ehrentage, noch, viele Jahrzehnte rüstigen Schaffens, im Intferesse seiner Familie, seiner Kehillqh Und seiner Talmidim. ■ r; na»:D'ipyi nsa * Sterbiritz,,11. Juni.' Am «nn »m Siwan wurde hier die Witwe des verstorbenen Lehrers Samuet Neuhaus, Frau Rosa Neuhaüs,;zu Grabe getragen. Alle, die sie kannten, ihre Familie und die Gemeinde" verlieren in der Dahingegangenen , einen Menschen,, der zeitlebens erfüllt war von wahrere innerster!G'ttesfurcht, aufopfernder Mutter- -<und großer Nächsten- 'liebe, Sie war ein Muster und Vorbild zum Guten! Die Verstorbene konnte den unersetzlichen Verlust, ihres Gatten nie ganz verschmerzen. Von einem schrecklichen Krankenlager, dessen Leiden sie mit fast übermenschlicher Geduld ertragen, hat sie" 'n zu sich genommen. Jetzt ruht sie in "hvr vereint mit ihrem einstigen Lebensgefährten auf dem altehrwürdigen Friedhof in Altengronau. Möge ihr mal ihren Kindern'und uns -allen beistehen, . ■' -n-axar , Familien-Nachrichten. G e b u r t e n : Ein Sohn, Rabb. Simon Schwab u. Frau Recha geb. Fröhlich, Ichenhausen. — Ein Sohn, Ludwig Idstein und Frau Lotte geb. Cohn, Bad Homburg, Elisabethenstr. 42. — Ein Sohn, Josef Wolf und Frau Fanny geb, Hamburg, Berlin N. 54, Hackescher Hof, — Ein Sohn, Fritz Löwenthal und Frau Flora geb. Grünebaum, Wuppertal-Elberfeld, 16. Juni 35, — Eine Tochter, Leo Rosenthal und Frau Beate, Eubigheim/B. Barmizwoh:^Manfred Rosenfeld, Bad Harzburg,. 1/vS>jrna na», — Heini, Sohn des Herrn Jacob Emanuel, Ffm., Thüringerstr. 19, "]b nbv na», Synagoge Friedberg. Anlage, — Manfred, Sohn des Herrn Josef y, d-Wall,, bei Frau Ruhelehrer B- Wolff, Aurich, *r> riV» na». — Stefan, Sohn des: Herrn Henry Strauß, Darmstadt, Mathildenplatz 9, -\b.xbv hä». — Sigbert, Sohn des Herrn Isidor Adler, .Ffm., Hotel Ulmann, Bethmannstr-, na» ^nVsrna, Synagoge Dominikanerplatz (früher Börneplatz). Silberne Hochzeit: Leopold Cahn u- Frau* Sophie, Westheim a. M., 11. 7. , 35. — Moritz Heymann und Frau; Siegburg, 19. Juni 1935. — David Wolf und Fräü, Dinslaken, 19. Juni 1935. Der beliebte jüdische Schauspieler Max Wittm-ann, der den Besuchern des Neuen Theaters soviele unvergeßlich© Stunden bereitet hat, verläßt Ende des Monats, nach sechsjähriger überaus erfolgjähriger Tätigkeit die Stadt Frankfurt,,, um nach Wien überzusiedeln. Aus diesem Anlaß wurde zu seinem Abschied das bekannte Lustspiel „Das Konto X" neu einstudiert. Ferner verabschieden sich in diesem Stück die beiden jüdischen Schauspieler Arthur Mainzer, und Hans S c h i n»d 1er. Karten- Vorverkauf: Drogerie Schneemann, Schillerstr, 2, Bücherstube Schatzki, Börsenstraße 2—4. Gegen Vorzeigen der Einladung auch an der Theaterkasse des Neuen Theaters in der Zeit von 10—13 Uhr und 18—20 Uhr. Die hiesige handelsgerichtlich eingetragene Kohlenhandlung S. Moses u. Co., Sandweg 32, blickt iii diesem Jähre auf ihr öÖjähriges Bestehen zurück. Ihre reichen Erfahrungen stellt dieselbe gerne in den Dienst ihrer Kundschaft, so daß deren Einkauf erleichtert wird. Die" Firma erfreut sich des Rufes größter Leistungsfähigkeit sowie . guter und reeller Bedienung. An Samstagen und israelitischen Feiertagen hat dieselbe streng geschlossen. Machen Sie Ihre Bestellungen bei der Firma S. Moses u. Co., Sandweg 32, Tel. 46990.--.Dieselbe empfiehlt besonders den Bezug in den , ^Sommermonaten, in welchen Sie am billigsten und sorgfältigsten bedient werden können. Siehe Inserat im Inseratenteil, Interlaken, das Zentrum des Bern er' Oberlandes, am Fuße des 4166 m hohen, ewig schneebedeckten Jungfraumassives gelegen, ist derjenige Platz, der allen auch den-verwöhntesten Ansprüchen nach Erholung entspricht: Nicht zu hoch gelegen, für die, die die Höhenluft nicht vertragen und nicht zu niedrig; um nicht alle Vorzüge der Hochgebirgsweit genießen zu können. Die herrlichen Ausflüge mit den Bergbahnen, auch bis 3450 m. (Jungfraujoch, höchste Bergbahn Euröpasji . und die bezaubernden Dampfschiff ahrten auf den* -Thuner- und Brienzersee sinct dazu angetan;-die Reiseroute nach Interläkeh zu lenken. Das Hotel de 1 a P a i x in : Interlaken,-das; streng koscher gefübrt wird, gibt nun den jüdischen- : Reisenden während ihres Ferienaufenthaltes nicht nur die Möglichkeit, diese einzigen Naturschönheitert des Berner Oberlandes zti bewundern, "sondern verschönert ihnen .durch seinen Komfort, seine- Ideale) Läge und seine erstklassigeKüche. die:.Ferien der;axfyv daß' sie ein""dauerndes 'Erlebnis.^bleiben.; '.. .