Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1935)
- Date
- 1935-06-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 25 >. _ der Tagesordnung stehen die brennenden Fragen Pa lästinas und der Arbeiter, Die Vorbereitungen für die Landeskonferenz sind in vollem Gange. Es sind bereits Wahlkommissionen gewählt und die Kandi datenlisten aufgestellt. Schon am 22. Siwan wird die Wahl der Delegierten in ganz Polen vor sich gehen Der Israelit Litauen« Ein Schlag gegen die rituelle Schichtung in Litauen. K o w n o , 12. Juni. Das Veterinär-Department der Regierung hat ein Gesetzprojekt ausgearbeitet, laut welchem die jüdischen Schlächter und Fleischhändler nur für den Bedarf des Koscherfleisch genießenden Publikums, nicht aber für allgemeinen Bedarf, Schächten dürfen, weil für die Nichtkoscherschlachtung die vorangegangene Betäubung des Viehs vorgeschrieben werden soll. Sollte das Projekt Gesetz werden, so würde dies einen großen Schaden für die jüdischen Schläöhter und Fleischhändler bedeuten, die die großen nichtkoscheren Teile des geschächteten Viehs nicht mehr verkaufen könnten. Der Rabbiner- Verband hat wegen des Projekts Schritte unternommen. Tschechoslowakei. Menschenschmuggel nach Palästina. Uzhorod, 12. Juni. In der Vorstadt von Mukacevo Rossyegevo hielt die Polizei drei griechische Staatsbürger an, welche Juden die illegale Auswanderung nach Pa lästina 'ohne englisches Visum und ordentlichen Paß für Bezahlung von Kc. 3000.--versprachen. Einer der Verhafteten, Miltiades Emberikos, behauptete auf dem Mukaoevoer Polizeikommissariat, mit einem griechischen Minister und Politiker verwandt zu sein. Alle drei sprechen mehrere Sprachen, verfügen über große Geldmittel und benehmen sich sehr selbstbewußt. Die Polizei hat die drei ' Ausländer in Haft behalten und forscht nach ihrer Herkunft. Ungarn. Brief aus Ungarn. Budapest, 12. Juni. Der neue Handelsminister der Regierung Gömbös, den man auch sonst antijüdischer Tendenzen verdächtigt, hat „den Ausbau und die Vervollständigung" der Sonntagsruhe in sein Programm aufgenommen. Diese Erklärung hat berechtigte Beunruhigung in der orthodox-jüdischen Kaufmannschaft hervorgerufen, und man ist bestrebt, durch Intervention vonseiten der jüdisch-religiösen Zentralbehörden (der beiden Kanzleien), den Handelsminister eines Besseren zu belehren. Das orthodoxe Organ „Zsido Ujsag" führt gegen den Plan auch das Interesse der bäuerlichen Bevölkerung ins Treffen, welche seit jeher gewohnt ist, an den arbeitsfreien Sonntagen ihre Einkäufe zu besorgen und die — falls die Geschäfte nun Sonntags geschlossen bleiben — aus ihren Arbeitsstunden Zeit für Einkäufe zu opfern gezwungen sein wird. Die Budapester autonome orthodox-israelitische. Kultusgememde hat ein Mitglied, das sich ,,Chillul Schabbos" zuschulden kommen ließ, aus ihrer Mitte ausgeschlossen. Zu diesem Schritt haben sie ihre neuen Statuten verpflichtet, die verfügen, daß die Gemeinde nicht nur die Aufnahme, sondern auch das Verbleiben eines Mitgliedes im Verband der Gemeinde untersagt, falls dasselbe den Sabbat entweiht. Der Beschluß der Gemeindeleitüng wird im Kreise der Jereim allgemein gutgeheißen. Die Zahl der Mitglieder wäre hestimmt das Doppelte der jetzigen (ca. 2000), wenn sich die Leitung nur von materiellen Rücksichten leiten ließe. Am Begräbnis des in Nyifegyhaza im 72. Lebensjahr verstorbenen Max Fried mann, eines prominenten Mitglieds der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde, der auch Virilist der Stadt war, sind neben den verschiedenen Vertretern der Behörden auch die in Gala gekleideten Diener des Komitates, die sogenannten Hajduken erschienen, die mit gezücktem Säbel den^Sarg des Verblichenen begleiteten.. Engk and. Londoner Brief. Abg. Dubin in London. — Keren hajischuw und Königsjubiläum. — Eine Beth hamedrasch-Weihe, Beth Jacob. London, 15. Juni. Der Präsident der Rigaer jüdischen Gemeinde und der lettländischen Aguda, Abg. Dubin, ist in London eingetroffen, um eine Aktion zur Rettung sowjet russischer Rabbiner durch Ermöglichung ihrer Niederlassung in Erez Jisroel einzuleiten. Die Londoner Aguda veranstaltete ihm zu Ehren einen Empfang bei dem die lettländische Gesandtschaft durch den Charge d'Affaires M. Alberts vertreten war. Der Vorsitzende H. A. Goodman erklärte, in der Persönlichkeit des Gastes sei das Leben und die Wohlfahrt der Judenheit eines ganzen Landes verkörpert. Abg. Dubin dankte für die Begrüßung und erklärte, er habe sich niemals um die religiösen oder politi sehen Anschauungen eines Hilfsbedürftigen geküm mert, möge es sich um einen Rabbiner oder um einen Freidenker gehandelt haben. Doch halte er es für richtig, daß an der Spitze des jüdischen öffentlichen Lebens religiöse Juden, Agüdisten stehen. Es sei unrecht, daß irreligiöse Juden sich bemühen, die Gemeinden zu politischen Parteizwecken zu erobern Er empfinde Genugtuung darüber, daß in Lettland die Regierung die Aguda mit der Vertretung der Juden des Landes betraut. Abg. Dubin kam sodann auf den Zweck seines Besuches in London zu sprechen. Scheinbar habe die Judenheit der Welt die in Rußland lebenden Rabbiner vergessen. Er könne sich aber keine vornehmere Aufgabe vorstellen, als den russischen Rabbinern zu helfen, sich in Erez Jisroel niederzulassen. Es handele sich hier um Männer, die die Flagge der Thora in den schwersten Tagen hoch gehalten hätten. Herr L. Schalit sagte, daß er als Nichtagudist bezeugen könne, in welcher Verehrung die ganze lettische Judenheit zu dem Abgeordneten Dubin emporsehe. Er sei der höchste Typus eines orthodoxen Führers, der sich seinem Glauben und seinem Volke widme. Solchen Männern habe die lettische Judenheit sich mit Recht anvertraut. Rabbiner La - pian, Dr. S. Schönfeld, Twerski und Marg u 1 i e s schlössen sich den warmen Willkommensgrüßen an. .Verlesen wurde eine Botschaft von Mr. Neville Laski K. C. dem Präsidenten des Board of Deputies, worin er seinem Bedauern Ausdruck gab, daß er infoige Abwesenheit von London nicht an der Versammlung teilnehmen könne und dem ausgezeichneten Gaste jeden Erfolg bei seiner wiqhtigen Aufgabe wünsche. Das Londoner Keren Hajis c h u w - K o m i - tee, Pro'' Palestin e Fund, hat einen Appell an die englisch-jüdische Gemeinschaft gerichtet zur Gründung eines Kfar Hajowel, einer Jubiläumskölönie aus Anlaß der Silbernen. Hochzeit des englischen Königs. Das Unternehmen steht unter dem Patronate eines Komitees, dem u. a. die Parlamentsmitglieder Sir George Jones und Dr. O'Dono van sowie Mrs. Flora S a s s o o n , Friedensrichter Nathan Laski und der irische Oberrabbiner Dr. Herzog angehören. Die Einweihung einer neuen Synagoge in London ist kein ungewöhnliches Ereignis. Aber die dieser Tage erfolgte Weihe des G o 1 d e r s Green BethHameirasch, dessen Raw Dr. Eli M u n k, der frühere Rabbiner der Adaß Jisroel ist, trug eine besondere Note. Während das Beshamedrasch unabhängig ist, ist es doeh verknüpft mit der Adaß Jisroel und diese Tatsache in Verbindung mit der Anwesenheit des Chiefrabbi Dr. Hertz und seiner Dajanim gab dem Ereignis ein besonderes Interesse. ~ Die offizielle Weiheansprache hielt Chiefrabbi Dr. Hertz, der sagte, eine Synagoge sei ein Haus fürs Lernen. Ohne das Studium der Thora könnten Juden und'Judentum nicht existieren, so wenig wie ein Fisch ohne .sein Element,, das Wasser, zu leben imstande sei. Wenn zwei Leute zusammenkommen, um Thora zulernen, ist die Schechina bei ihnen, Talmud Thora sei die, Vorbedingung für alles. Deshalb: begrüße er besonders warm dasBeshamedrasch, das hier geweiht;' werde. ' : .. ' •" . ( . - / - Rabbi Dr. Münk betonte in seiner Predigt, diej ______ 20. Juni 1935 Tatsache, daß sie gegen die Unwissenheit der Laienwelt einen Kampf führtenV -Die Botschaft" vom Sinai sei nicht veraltet, sie sei frisch und neu bis auf den heutigen Tag. Rabbi S c h ö n f e 1 d legte dar, daß vollkommene Einheit nur auf dem Boden der-Thora erblühen könne und daß jede andere künstliche Einheit keinen Bestand habe. :Die Synagoge, ein schönes, modernes Gebäude, wurde, von Herrn Mr. Lincoln zum Andenken an seine Eltern gestiftet und Mr. Hermann Schwab, früher in Halb er stadt, nahm aktiven Anteil an der Gründung der Synagoge und der Gemeinde. Eine Versammlung in Verbindung mit der Wiedereröffnung einer Beth Jacob-Schule in Lond o n wurde jüngst in der neu erworbenen Beth Jacob- Hall abgehalten. Mr. G o o d m a n, der Vorsitzende, sagte, daß nichts bei seiner letzten Reise in Polen einen so starken Eindruck auf ihn gemacht habe, wie der bemerkenswerte Fortschritt. der Beth Jäfcob-Bewegung. Auch in London brauche man Beth Jacob, hier wo eine jüdische Mädchenwelt ohne Kenntnis von Judentum und jüdischem Leben' heranwachse. Parlamentsmitglied;Barnett J a n n er M. P. unterstützte den Vorsitzenden. Er habe viel von Beth Jacob und seinem wunderbaren Werke gehört und als Parlamentsmitglied für Whitechapel fühle er, daß hier ein solches Werk willkommen und notwendig sei. Ohne Wissen müsse das Judentum unterliegen.. Beth Jacob, wie er es zu verstehen glaube, werde aus unseren Mädchen würdige Töchter Israels machen. Die Rabbinen Zimmermann, Dr. S c h ö n f e 1 d und T werski befürworteten das Beth Jacob-Werk. Vor Schluß der Versammlung, führte der: Vorsitzende aus, daß dieser Abend an sich bemerkenswert sei. Man höre, daß in Rußland Synagogen geschlossen und in ^sozialistische Clubs verwandelt werden. Die Londoner. Beth Jacob habe eine Halle erworben, ' die früher ein sozialistischer Club war und werde sie m eine Stätte für das Studiuni der Thora verwandeln. Außer der Beth Jacob-Schule in Ost-London ist eine weitere Schule eröffnet worden unter, der Führung von Rabbi Dr. Münk und Direktion von Dr. S. Birnbaum aus Hamburg. Für jüdische Einwanderung nach Palästina. London, 14. Juni. Abg. Josiah Wedge wood hat mitgeteilt, daß er in einer der nächsten Sitzungendes Unterhauses an den neuen Minister für die Kolonien, Malcolm Mac- Donald, eine Anfrage richten werde, in der im Hinblick auf die entschlossene Haltung\ der deutschen Reichsregierung betreffend die Ausschaltung der Juden, sowie auf die Verfolgungen, denen Juden in Osteuropa -ausgesetzt sind, eine neuerliche Prüfung der Frage der Zulassung jüdischer'Einwanderung nach Palästina, Transjordanien und Cypern anregt. Rumänien. Aus Rumänien. Bukarest,. 13. Juni. In K l a u s e n b u r g würde durch Munifizenz des Direktors Eugen Groß eine mit Internat verbundene Jeschiwa, die den Namen des Chasam Sofer trägt, am 12. Mai eröffnet-. Einstweilen hat die Jeschiwa 30 Zöglinge. Ia Siebenbürgen wurde eine Landesaktion zu Gunsten der B es Jacob-Schulen eingeleitet. Das rumänische Kultusministerium hat zwecks Beratung über die Durchführungsverordnung, des K u l tusgesetzes eine Kommission einberufen, in der die Orthodoxie durch den Vorsitzenden der. orthodoxen israelitischen Zentralkanzlei, Rabbiner Wesel, Rabbiner A d 1er, Schäßburg und Oberrabbiner Zirelsohn, Kischinew vertreten ist. Rumänische Gemeindeverbände und anderes. 'Bukarest, "12. Juni. Die auf dem Gebiete Großrumäniens bestehenden jüdischen Gemeindeverbände hielten am 15; Mai in Bukarest gemeinsame Beratung a.b-Die in Siebenbürgen bestehenden orthodoxen Gemeinden .wurden durch. Ob errabbiner Albert W e s e 1, den -Vorsitzenden der orthodox-israelitischen Zentralkanzlei,- wie auch durch Oberrabbiner Fuchs, Großwardein und Freündj Sächsisch-Regen vertreten. Den Impuls/zu . dieser1 Bera-