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Der Israelit · 1935-06-20 · Heft 25 (20.6.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 25 (20.6.1935)
Date
1935-06-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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\ 20. Juni 1935 1 s e 1 i t Nr. 25 Seite 9 Belgien« Jüdische Probleme auf der Tagung des Verbandes der Völkerbundsligen. Brüsse.1, 12. Juni. Der Antrag. der Palästinensischen Volke r b un d sl i ga, in dem u. a. erklärt wird, daß es die Konferenz des Weltverbandes der Völkerbundsligen, die gegenwärtig in Brüssel tagt, als eine Pflicht der Internationalen Gemeinschaft ansehe) den Minderheiten der Rasse, Sprache und Religion in'allen Ländern die Anwendung der „allgemeinen Grund-r sätze der Gerechtigkeit und Freiheit" auf sie zu garantieren, wurde von der Vollversammlung der Konferenz mit elf Stimmen angenommen. Dagegen stimmte Ungarn mit der Begründung, daß die deutsche Delegation im Hinblick auf diesen Antrag die Konferenz verlassen habe; mehrere Delegationen enthielten sich der Stimme. Frankreich. -1 . Weltkonferenz jüdischer Frontkämpier, P a r i s , 16. Juni. In der Zeit vom 15. bis 20. Juni findet in Paris eine Weltkonferenz von Verbänden jüdischer Kriegsteilnehmer zahlreicher europäischer Länder statt. Vertreten sind auf s dem Kongreß u. ä*. jüdische Frontkämpferbünde aus Aegpten, Australien, Belgien, Bulgarien, England, Frankreich, Litauen Oesterreich, Palästina, Polen, Südafrika, der Tschechoslovakei und. den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Der australischen Delegation gehört auch der ehemalige Generalstabschef der australischen Streitkräfte auf dem europäischen Kriegsschauplatz, Oberst Hey man, an, der den Kommandanten der australischen Armee im Weltkrieg, General Sii John Monash, der bekanntlich ebenfalls Jude war, wirksam unterstützt hatte. Die feierliche Eröffnungssitzung fand unter dem Vorsitz des früheren Kriegsministers General M a u- ♦rin am Abend des 15. Juni statt. Am Sonntag, den 16. Juni, nahmen die Delegierten des Kongresses an der feierlichen Einweihung eines Denkmals für die auf dem Felde der Ehre gefallenen Ostjuden teil. Diese Feier stand unter dem Ehrenschutz des Präsidenten der französischen Republik und unter der Leitung des Pensionsministers. Hierauf folgte ein von der AHian,ce Israeli'te Universelle anläßlich des Jubiläums ihres 75jährigen Bestehenszu Ehren der Kongreß delegierten veranstalteter Empfang, Am Abend wohnen die Kongreßteilnehmer der Flammenzeremonie beim Are de Triomphe bei. Polen. Die Messiwtah in Warschau» ■Warschau, 15, Juni. Endlich konnte die Leitung der großen agudistisehen Jeschiwa in Warschau, genannt . die „Messiwtah", ernstlich daran gehen, den Bachurim ein Heim zu errichten, in dem sie ein würdiges Nachtlager finden. Der Zustand war bis jetzt geradezu unerträglich. Es ist unter schweren Opfern gelungen, ein großes Lokal neben der Jeschiwa zu mieten, in dem sechs Schlafsäle mit allem nötigen Zubehör eingerichtet wurden. Die Jeschiwaleitung entschloß sich zu dieser unumgänglichen Neueinrichtung im Vertrauen auf die Warschauer jüdische Bevölkerung und die Kehillaleitüng, daß sie ihr ihre Mithilfe nicht versaget, Die Unruhen in-Grodno. Warschau, 13. Juni. Anläßlich der äntijüdischen Ausschreitungen in Grodno, die im Anschluß an einem Raufhandel in einem Tanzlokal entstanden und u. a. zur Tötung des 21 Jahre alten Israel B.erezowski führten, hat der Bürgermeister von Grodno einen Aufruf an die Bevölkerung gerichtet, in dem es u. a. heißt, daß die Stadt Szenen erlebt habe, wie sie bisher in ihren ehrbaren Traditionen niemals vorgekommen seien; Der beklagenswerte Tod eines Menschen und die persönlichen Interessen Einzelner in einer Angelegenheit, die die Behörden den Gerichten übergeben hätten, seien von verbrecherischen Elementen zu einer un verantwortlichen Störung der öffentlichen Ordnung und des Bürgerfriedens ausgenutzt worden. - . An der Beerdigung des Israel Berezowski nahm eine ungeheure Menschenmenge teil, obgleich nach Anordnung der Behörden die Beerdigung in aller Stille stattfinden sollte. Der Vorsitzende der jüdi sehen Gemeinde von Grodno, Tropkrinski, widmete dem Verstorbenen einen Nachruf und sagte für die ganze Gemeinde das Kaddischgebet. Alle jü- Die Woche. Berlin. In der „Nationalsozialistischen - Parteikonferenz"- wird wiederum mitgeteilt, daß Filme mit nichtarischen Darstellern, auch wenn sie vor dem 30. Januar 1933 gedreht sind, unter allen Umständen Untersagt sind. Hamburg. Bei einem Gewitter am Samstag schlug ein Blitz in das Dach der Gemeindesynagoge am Bornplatz, der Hamburger Hauptsynagoge, ein, der das Dach erheblich beschädigte. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. Mannheim. Das „Hakenkreuzbanner" veröffentlicht eine Liste von 300 Personen, deren Einbürgerung widerrufen worden ist. Die Aufstellung der Namen ist überschrieben: „Juden werden ' ausgebürgert!" Das Blatt bemerkt hindzu: „Damit ist der Reinigungsprozeß natürlich noch lange nicht abgeschlossen, er wird vielmehr mit jener Gründlichkeit und Folgerichtigkeit fortgesetzt, die nun einmal der nationalsozialistischen Bewegung eigen ist." Amsterdam. Die von Senator S. van den B e r g h veranstaltete Garden Party zu Gunsten des Werkdorfes Am Wieringermeer Polder, an dem sich bekanntlich mehrere Minister und Diplomaten beteiligten (s. Seite 2 der jüngsten Nummer), brachte den Betrag von 15 000 holländische Gulden für das Hilfswerk ein. London,; Für den J u b i - läumswald, der in Galiläa auf Nationalfondsboden zu Ehren des englischen Köligs ängelegt wird, wurde aus dem großen Park in W i n d s o r ein Baum, der „König Georg-Baum", nach Palästina verbracht. " Paris. Der Palastine and Orient Lloyd hat für den vor kurzem in Dienst gestellten Dampfer „Normandie", den größten und luxuriösesten Ozeandampfer der Welt, eine Thorarolle gestiftet. Auf dem Dampfer wurde ein eigener Raum zur Abhaltung jüdischer G'ttesdienste eingerichtet. Ferner besitzt das Schiff eine große judaistische Bibliothek und vorbildliche Einrichtungen für rituelle Verpflegung. — Anläßlich des 75jährigen Bestehens der Alliance I s r a e l'i t e. U n i v e r s e 11 e fand ein großes Gartenfest statt, an dem neben führenden Persönlichkeiten der jüdischen und nichtjüdischen Pariser Gesellschaft auch Vertreter ausländischer jüdischer Organisationen und Delegierte der .Weltkonferenz jüdischer Frontkämpfer teilnahmen. Prag. Durch Ministerratsbeschluß wurde das Konsulat der Tschechoslovakei in Jerusalem zum G e neralkonsulat erhoben. Dieser Beschluß wurde in Würdigung der Bedeutung Palästinas für den tschechoslovakischen E x p o r t h a n d e 1" gefaßt. Haifa. Im jüdischen Viertel H a d a r Hakarmel wird zu Ehren des verstorbenen Schmarjahu L e - w i n eine Straße seinen Namen tragen. Jerusalem. Wie über Aegypten mitgeteilt wird, wird demnächst Feldmarschall Lord A11 e n- •: by , der bekannte Eroberer Palästinas, Palästina besuchen; um der Enthüllung des Denkmals, das Jerusalem ihm zu Ehren errichtet hat, beizuwohnen. — Der des Mor-, des an dem jungen Juden Kaiman Schap i r o angeklagte Araber Said S e 1 i m, ist gegen Kaution aus der. Haft entlassen worden. — Die Exekutive des M i srachiweltverbandes hat die m i s - rachis tische Weltkonferenz für " den 10. August nach Krakau einberufen. — Das Schwedische Generalkonsulat teilt mit, daß die zollfreie Einfuhr von Paläst in a f r ü ch t e n nach Schweden von Stockholm aus beschlossen wurde. Ottawa. (Kanada). Die Präisdentin des Jüdischen Frauenverbandes in Kanada, Hadassah, Frau A. J. Freimann, die auch Parlamentsmitglied ist, feierte dieser Tage ihren fünfzigsten Geburtstag. Zu ihren Ehren spielten die Glocken des kanadischen Bundesparlamentes die Melodie der „Hatikwah". dischen Läden in Grodno waren zum Zeichen der Trauer geschlossen. Bei der jüdischen Gemeinde haben sich 300 Personen gemeldet, die durch die Unruhen Vermögensschaden erlitten haben. Die wegen „Organisierung eines Selbstschutzes verhafteten Juden sind wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Erst jetzt wird bekannt, daß Sonntag abends auch in dem etwa 65 Kilometer" von Grodno entfernten S.u. w a 1 k i judenfeindliche Ausschreitungen stattgefunden haben. Etwa 20 Juden, unter ihnen der stellvertretende Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Dr. Staropolski, wurden mißhandelt. Die Fensterscheiben zahlreicher jüdischer Wohnungen wurden zertrümmert. Dank dem energischen Eingreifen der Behörden wurde die Ruhe «ehr bald wiederhergestellt. Zahlreiche Exzedenten wurden verhaftet. Zu Ruhestörungen ist es auch in dem Städtchen Racionz im Warschauer Kreis gekommen. Bei dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Wilna, dem ehemaligen Abgeordneten Dr. Wygodski, hat eine jüdische Abordnung aus dem Städtchen Bistryce unter Führung des Rabbiners Beschwerde darüber geführt, daß in ihrem Heimatsorte unter Duldung der Behörden eine ungehemmte antisemitische Propaganda durch Angehörige der illegalen nationalradikalen Partei geführt wird. Sonntag abends wurden der jüdische Krämer Feiwer, seine Frau und seine Mutter von Bauern überfallen und erheblich verletzt. Haus und Laden wurden vollständig verwüstet. Die Verhetzung der Bevölkerung sei so stark, daß es zweifelhaft erscheine, ob die aus Varnian herbeigezogene Polizeiverstärkuhg weitere Unruhen werde verhindern können. Dr. Wygodski setzte sich mit der Kreissicherheitsbehörde in Verbindung, die alle notwendigen Maßnahmen zu treffen versprach. Die Juden und die neue polnische Wahlordnung. Warschau, 14, Juni. Im Verfassungsausschuß des polnischen Sejm wird zurzeit die von der Regierung ausgearbeitete neue Wahlordnung beraten. Führer sämtlicher Regierungs¬ und Oppositionsparteien nehmen zu dem Projekt Stellung. Der Nationaldemokrat Wyniarski befürwortete die Errichtung einer eigenen Wahlkurie für die Juden, da diese keine enge Verbindung mit dem polnischen Volk hätten. Der Vertreter der Bauernpartei bemängelte es, daß durch die neue Wahlordnung die von Juden stark bewohnten Städte gegenüber dem flachen Land bevorzugt werden. Ihm antwortete der Abgeordnete des jüdischen Klubs, Dr. Rothenstreich, der darauf hinwies, daß die Juden nach dem neuen Projekt höchstens in fünf Wahlkreisen die Möglichkeit haben würden, ein Mandat zu erringen, während in den übrigen neunzig Wahlkreisen nicht einmal die Kandidatur eines Juden möglich sein werde. Von einer Bevorzugung des jüdischen Elements könne keine Rede sein, vielmehr habe der Regierungsblock bei der Ausarbeitung des Wahlgesetzentwurfs die Tatsache, daß in Polen 3% Millionen Juden leben, nicht berücksichtigt. In Ostgalizien werde ein jüdisches Mandat auf 650.000 Stimmen entfallen, während im Wilnaer Gebiet und in den Wojwodschaften Lublin und Bialystok auf mehr als 1,200.000 Juden überhaupt kein Abgeordneter entfallen würde. Damit, daß man einer Minderheitsbevölkerung, die 10 Proz. der gesamten Einwohnerschaft des Landes ausmacht, fünf Mandate wie ein Almosen hinwirft solle nur der Eindruck erweckt werden, daß man die Juden nicht entrechten will. Die jüdische Bevölkerung brauche im Hinblick auf die Bestrebungen, die jüdische Gleichberechtigung zu vernichten, eine Vertretung, zu der sie Vertrauen haben und durch die sie ihre Forderungen an die Regierung und die Oeffentlichkeit richten kann. Der jüdische Paurlamentsklub verlange eine Wahlreform, die die Bedürfnisse der jüdischen Minderheit durch Propodtionswahlen in großen Wahlkreisen berück- . sichtigt. Der Landeskonferenz der Poale Agudas Jisroel entgegen* Warschau, 13. Juni. Am 6. Tamus wird die Landeskonferenz der orthodoxen Arbeiterorganisation Poale' Ag uas Jisroel in Polen in Lodz zusammentreten. Auf

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