Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1935)
- Date
- 1935-06-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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20. Juni 1935 Der Israelit Nr. 25 Seite 3 Die Auswanderungsfrage. (Fortsetzung von Seite 1.) Während nun Prinz von dem durch den Hochkommissar Macdonald jetzt aufgerichteten f ,Memento" hinsichtlich faschistischer Bestrebungen in Argentinien lind Brasilien noch nichts weiß und daher diese Länder noch als aussichtsreiche Immigratiohsziele betrachtet, erscheint ihm außerdem, und das bleibt schließlich der einzige Lichtblick in dem ganzen düsteren Panorama, Südafrika als ein für eine gewisse Zahl von Emigranten in Betracht kommendes überseeisches Gebiet. Dorthin seien im letzten Jahr eine große Zahl deutscher Juden ausgewandert und fast restlos im Wirtschaftsleben untergekommen, dank der großen Hilfsbereitschaft der dortigen jüdischen Hilfskomitees und der ansässigen ostjüdischen Bevölkerung und andererseits infolge der weitgehenden Ueberwindung der Wirtschaftskrise in diesem reichen, dünn bevölkerten Lande. Nur für akademische Berufe liegen die Dinge auch in Südafrika sehr schwierig. Im Gegensatz zu Südafrika kommen die e n g 1 i s c h e n D o'm i nions für eine nennenswerte Einwanderung deutscher Juden zunächst nicht in Betracht, entweder wegen der schlechten Wirtschaftslage) wie in Kanada., oder wegen der geringen Aufnahmewilligkeit für nichtenglische Einwanderung, wie in Australien. Daß die Vereinigten Staaten, in die trotz ihrer ungeheuren Arbeitslosigkeit mehrere tausend deutscher Juden eingewandert sind, zunächst nicht in Betracht kommen, solange dort vdie Wirtschaftskrise nicht in viel stärkerem Maße überwunden ist, dürfte allgemein bekannt sein. Unter diesen Umständen müssen sich die Blicke derjenigen jüdischen Gruppen, die, wie insbesondere die jüdischen Gemeinschaften in P o 1 e n und D e u tschland, sei es aus wirtschaftlichen, sei es aus anderen Gründen, die Auswanderung der jüngeren Generation als eine innere Notwendigkeit^ betrachten müssen, um so intensiver auf das heilige Land richten und au£ alle Möglichkeiten, die evtl. erschlossen werden könnten, um die Einwanderung nach Erez Jisroel auch auf die Nebenländer, insbesondere auf Transjordanien, Syrien und den Irak auszudehnen. ,,. Man wird dabei keineswegs soweit gehen dürfen, wie der alle Zeit von seinem jugendlichen Temperament hingerissene Wladimir Jabotinsky, der den wenig beneidenswerten Mut hat, den Exodus „ d e s g r ö ß t e n T ei 1e s a11e r J uden aus ihren bisherigen Wohnlän- Wochenrundschau. Staat und Volkstum. : Auf der Königsberger Tagung des „Vereins für das Deutschtum im Auslande" hat Reichsminister Riu s t eine viel bemerkte Rede gehalten, in der er an die fremden "Länder, auf deren Boden deutsche Minderheiten leben, einen warmen, eindrucksvollen Appell zur Respektierung fremden Minderheits-Volkstums richtet. Der Minister sagte u. a.: ' „Verliertsie nicht, die treuen, fleißigen deutschen Männer und Frauen, die treue Staats-, bürger eurer, Länder sein wollen. Stoßt sie nicht von euch in die Nacht des Hasses! Laßt sie in e euren Staaten als fleißige Mitarbeiten; leben und verbittert sie nicht, wie wir es nicht'' tun werden!bei idenen, die, fremdem Volkstum: i d e r-n " organisieren zu wollen. Wir halten es im Gegenteil für eine_ untragbare Verantwortung, durch die Verkündung solcher maximalistischen Utopien auf der einen Seite illusionäre Vorstellungen in die schwer mit der_Not kämpfenden jüdischen Massen hineinzuwerfen, dadurch ihren Willen zur Besserung der Lage im eigenen Lande zu schwächen und außerdem noch den Gegnern des jüdischen Volkes die Gelegenheit zu biete», das, was hier als ein Z i e 1 aufgestellt wird, schon als Realität zu betrachten und die entsprechenden negativen Konsequenzen daraus zu ziehen. Allein man kann die revisionistischen Uebertreibungeh ablehnen und doch das Auge offen halten für den Ernst wie für die Chance des gegenwärtigen Augenblicks in der Geschichte der jüdischen Diaspora. Gilt es schon, zu wändern, zu wandern in einem Ausmaße, wie es seit dem Jahre 1492 nicht mehr der Fall war, warum nicht den Blick nach dem Teil der Erde richten, von dem aus die bewegungsreiche Geschichte des jüdischen Volkes begann und zu dem hin, nach allen Ver- Jheißungen der Thora und der Propheten-,- diese in jedem Augenblicke ihrer Entwicklung von der fPÜlS nnx^n bestimmte Volksgeschichte wieder zurückführen-muß? Erneute eindringliche Verhandlungen mit den maßgebenden englischen und arabischen Faktoren mit dem Ziele, zu einer Verständigung mit dem arabischen Volke zu gelangen und grade durch eine. V e rbreiterung des jüdischen Einwanderungsterrains die Konzentrierung auf das kleine Erez Jisroel zu mildern, sind zweifellos ein Gebot der Stunde. Es ist schade, daß bei solchen Verhandlungen nicht auch die Energie der Revisionisten nutzbar gemacht werden kann, die sich durch ihre „staatszionistischen" Postulate selber jede praktische Wirksamkeit verrammeln. Sonst aber sollte der Ernst der Lage wirklich einmal zu einer K o n z e n trat i o n d e r j ü d i s c h e n K r ä f t e führen und über den parteipolitisch gebundenen Kreisder Jewish Agency hinaus, deren Monopol die Revisionisten mit Recht bekämpfen, alle großen jüdischen Organisationen ihre geistige Kraft, ihre Erfahrungen, ihren politischen Einfluß und ihre Mittel auf die Lösung des Problems der Stunde verwenden, wie der vor der e'Orient mit Erez Jisroel als Mittelpunkt einer jüdischen Einwanderung größeren Stiles erschlossen werden kann. zugehörig, in Deutschland Gastrecht und Heimatrecht genießen! Es wird die Stunde kommen, da wächst eine neue Generation heran. Sie will schon heute nichts mehr wissen von jenem ewigen Haß, sie will eine neue Welt, die auf Währheit und Ehre, aber auch auf Treue gegen das eigene Wesen aufgebaut ist. Darum geben wir heute unsere Parole heraus an die Völker und sagen: es werde n i-c ht nur Friede zwii. sehen den Staaten, es werde Friede zwischen de n Völker n." Wir haben als Juden doppeltes Interesse an einem sieghaften Durchdringen des Geistes, von dem diese Ausführungen d&s deutschen Bildungsministers erfüllt sind. Einmal darf die loyale Bethandlung nationaler Minderheiten in ihrer Bedeutung für die Erhaltung des Weltfriedens nicht unterschätzt werden und wer hätte so wie die über alle Länder zerstreute jüdische Diaspora bei jeder kriegerischen Verwicklung üm Leben und Existenz zu zittern! Dann; aber dürfte der Gedankengang des Redners auch , in seiner Anwendung, auf die jüdische Minderheit in Deutschland 'Wfege eröffnen, die in gleicher; Weise geeignet, sihd, den Prinzipien "der nationalsozialistischen •Staatslehre wie dem von Staat selbst wiederholt »als berechtigt anerkannten Bedürfnis der Juden nach Rechtsfrieden und geschütztem Lebensraum Rechnung zu tragen. Späte und auch zweifelhafte Rambamf eiern. In Paris fand die Mäimonidesfeier erst dieser Tage, am 13. Juni, statt. Sie war von der Sorbonne im Richelieu - Amphitheater unter dem Vorsitz des Präsidenten des französischen Senates, Julius Jeanenny, veranstaltet worden. Einige Minister ließen sich durch hohe Beamte vertreten. Neben den Spitzen der französischen Gelehrtenwelt waren auch arabische Wissenschaftler erschienen, und man benutzte die Gelegenheit, in einem Referate, das Herr Boris Gourevitsch hielt, die arabisch-jüdisch geistige Zusammenarbeit in der Geschichte des Mittelmeerraumes, wie auch den Einfluß Maimonides' auf die Entwicklung der Philosophie des Mittelalters aufzuzeigen. Das war etwas verspätet, aber immerhin nützlich, denn man kann bei den heutigen gegen die Juden gerichteten panarabischen Bestrebungen in Palästina und in anderen Ländern des Islam gar nicht oft und deutlich genug betonen, wie einig und innig in den früheren Jahrhunderten Juden und Araber, besonders im maurischen Spanien, an der arabischen Kultur arbeiteten, und daß zu den hervorragendsten Schätzen der alten arabischen Literatur Schöpfungen jüdischer Meister gehören. Warum sollte sich nicht auch, eine Plattform für politische und wirtschaftliche Arbeit für beide verwandten Stämme finden, im Lande, das beiden Teilen Platz und Arbeitsmöglichkeit in genügendem Ausmaß bietet? Etwas kurios mutet eine ITA-Mitteilung an über einen Aufruf des Rabbinats und der Gesellschaft für jüdisch-historische Studien in Aegypten an die jüdische Welt, eine Sammlung zur Errichtung eines Maimonidesdenkm a 1s in Tiberias zu veranstalten. Handelt es sich dabei nur um den Denkstein am Maimonidesgrab vor Tiberias, so wäre zu konstatieren, daß, wie wir uns selbst überzeugt haben, dieses, Grabmal in bester Ordnung ist und in seiner schlichten Form mit den wenigen lapidaren Aufschriften die größte Wirkung ausübt. Sollte aber neben jenem Grabmale wirklich an die Errichtung eines Denkmals gedacht werden, so müßte man gegen diesen Plan Maimonides selbst aus unzähligen Stellen seiner talmudischen, halachischen und philosophischen Werken sprechen lassen, aus all jenen Stellen, in denen er über das primitive Denken einer heidnischen Welt, die glaubt, G'tt und dem G'ttlichen im Menschen bildhaften Ausdruck in Erz und Stein geben zu müssen, den Stab bricht. Doch wollen wir immer noch an ein Mißverständnis glauben, das sich ohne Zuhilfenahme eines ernstlichen wissenschaftlichen Apparats bald klären wird. Allerlei Feste. Aus Palästina wird erfreulicherweise berichtet, daß. diesmal das seit mehreren* Jahren übliche „Bikkurim"-Fest in Haifa, mit Rücksicht auf den Sabbat, der auf Schwuaus folgte (das Fest fand immer einen Tag nach Schwuaus statt), von offiziell zionistischer Seite abgesagt wurde. Auch wenn dieses neue Fest auf einen Wochentag fiel, ging seine Vorbereitung im Emek am richtigen religiösen Festtage unter gröblichstem aiö üV b^Tl vor sich, wogegen alle Proteste der Gesetzestreuen in Palästina und in der Gola verhallten» Ussischkin, der Leiter des N. F. nahm die am heiligen Feste von Baum und Boden gelösten und in die Stadt geschafften Landesprodukte als „Bikkurim"-Gabe entgegen und hatte in seiner Ansprache schöne lobende Worte für den Eifer der Jugend und die altneuen Bräuche in Israels Land. Dieses Jahr hatte man das Fest abgeblasen, und wir wollen es