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Der Israelit · 1935-06-13 · Heft 24 (13.6.1935) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 24 (13.6.1935)
Date
1935-06-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Spital, gegründet von deutschen Juden und seit fünfzig Jahren geleitet von dem frommen deutschen Doktor, den jedes Kind in Jerusalem und Palästina kennt. Wollen wir einkehren? Iir sieht es nicht gerne, wenn man an ihm vorüber geht." Und schon stand der freundliche Mann auf seinen kurzen Beinen vor der kleinen offe nen Türe, der, etwas pustend, in reinstem Deutsch sie ins Haus bat, geradezu zwang; Sie gingen durch die langen blitzsauberen Korridore sahen auch in die Krankenzimmer und modernen Säle und bewunderten noch einmal den schönen Garten rund um das Haus herum, Sie mußten sogar im Geschäftszimmer eine kleine Bewirtung annehmen. Gegen die herzliche Zu vorkommenheit dieses Doktors gab es keinen Widerspruch. Herr Wilde bekam, nachdem er sich vorgestellt hatte, zu seiner eigenen höchsten Ueberraschung aus den Büchern attestiert, daß er schon seit Jahren erhebliche Beträge für dieses einzig herrliche Haus zahlte, ohne es selber zu wissen. Man wurde ja für so -Vieles' herange zogen . . . „Frau," sagte er, und es klang sehr ernst, obwohl es ein Witz sein sollte, „wenn all unsere Kapitalanlagen der letzten Jahre so reichlich Früchte trügen wie diese . . Das Haus der Liebe und Menschenhilfe zu Eingang der heiligen Stadt hatte an diesem Tage einen neuen Freund und Förderer gefunden, machte aus einem anonymen Spender einen warmen seelischen Teilhaber, Aber sie fuhren weiter, Palästina wollten sie sehen und sahen es noch am nämlichen Tage. Mitten im Trubel am Jaffatore standen sie, hilflos und verloren und zugleich unermeßlich angeregt und gehoben.. Hier wehten die Lüfte vom Berliner Potsdamer Platz und von der Pera- Brücke in Konstantinopel ineinander. Sie waren am Schnittpunkte zweier Welten. Nein, es schien, als hätten sich hier _alle Weltgegenden und alle Jahrhunderte der Geschichte ein Stelldichein gegeben, als schoben und drängten sie alle durch dieses ewige Tor einem gemeinsamen Ziele zu. Die Kamele und Ziegenherden, die hier von einer eleganten Limousine zur Seite gescheucht wurden, die langhaarigen Popen in Talar und Barett, die zwischen Beduinen, Soldaten und Juden bedächtig schritten, «der Muezzin, der vom Minarette herab mitten in das Hupen der Autos und das Wiehern der Esel sein ewiges Gebet hineinsang, all dieses bunte Gewühle und Gewimmel gehörte hier zum Bilde am Tore, wo zwei Werten aufeinanderprallten, um sich dann über alle Dissonanzen hinweg ineinander zu fügen. Wenige Schritte hinter dem Tore begannen die dunklen überwölbten engen Gassen, das bröckelnde Gemäuer, der Bazar mit den bunten Auslagen an Teppichen und farbigen Geweben, an tausend ungekannten Leckereien. Hier gab es keine Wagen und keine Automobile, nur Esel und Kamele. Und dann Menschen, Menschen, Menschen, die im ewigen Strome, im ewigen Marsche seit vielen Jahrhunderten sich befanden. Geräusche und Gerüche, die sonst nirgendwo Ohr und Nase erreichten. Dabei entwickelte sich vor ihren Augen in den Kramauslagen eine Farbenpracht, wie sie sie nie in der Welt gesehen hatten, die Stoffe und Gewebe, die leuchtenden Messinggeräte und die kunstvollen Tonkrüge, dazu die malerischen Trachten der tätowierten arabischen Frauen. Hier, wo am hellen Tage Dämmerlicht herrschte, war Orient in seiner Reinheit und Unberührtheit. Für Frau Ida war das Ganze ein turbulenter Traum aus „Tausend und eine Nacht'-'. Beinahe: vergaßen sie vor lauter Schauen und Staunen das eigentliche Ziel ihres Marsches. Sie wollten ja nach der Klagemauer. Nun gingeh. sie durch einen Torbogen, durch das Gfeiyirre: Jenger < •namenloser - rGassen? j Eine j Biegung1 nabrP'links auf' der;?engeni abschüssigen! Straße 'und mä^ vör '&m :graüe:ri: Qtiädefif,! die dasi erste.Ziel dller j Palästinagäste 'w^en^v^iu:.^ -^rw ■; .btu+ä-jtUyiQ \ '[ '■■ ■} (Fortsertzungc folgt;) l \ Bücherbesprechungen, Der Erkenntnistrieb als Lebens- und Todesprinzip Von Jakob Klatzkin. Zürich. 1935, Rascher u. Co. A. G. Es ist das alte Gegensatzpaar „Vorstellung" un „Wille", Intellekt und Trieb, da& hier als „Kulturbewußtsein" und „Vitaltrfeb wiederkehrt und zur Grundlage einer über Schopenhauer und Hartmann weit hinausgehenden pessimistisch - skeptischen . Weltan schauung gemacht wird. Charakteristisch für dies« Uebersteigerung kulturkritischer Negation ist schon die terminologische Umwandlung der bisher als edel stes Angebinde des Menschen geltenden. Sehnsucht nach Erkenntnis der Wahrheit und des Guten in einen .Trieb", Dieser terminologischen, an. sich gleichgültigen Revolution entspricht aber auch das denkerische Ergebnis — auch dieser Trieb nach Er kenntnis führt zum 'Nichts, zur ewigen Auflösung alles scheinbar Tragenden und Halt gewährenden. G'tt und das G'ttliche, alle Religion, und alle teleologische oder organische Weltanschauung sind dem Verfasser nichts als illusionäre Schutzvorrichtungen des Vitaltriebes, deren Scheincharakter eben in einer unend liehen Kette von Analysen durch den Erkenntnistrieb aufgewiesen wird. Damit bleibt als einziges Gut der Tod übrig, das Nichts. - Die Seele dieses begabten jüdischen Menschen hat nicht am Sinai gestanden, oder besser — da er ja der Sproß einer langen Ahnenreihe erlauchter jü discher Geister ist- — sie ist, diese , Seele, ihrer Er innerung beraubt, ein willenloses Opfer der ^anderen Schlachtordnung" geworden, deren Medusenantlitz ihr aus den Hörsälen einer irregegangenen europäischen Wissenschaft entgegengrinste, um sie gänzlich besinnungslos jzu machen. So liegt hier ein neuer Beleg für die konstitutive Tatsache alles geistigen und organisch-lebendigen Lebens vor, daß dem höchsten Grade positiver Keduscha die äußerste Tum'a entspricht, ein Beleg für den im gleichen Sinne vom Talmud mit Bezug auf die Söhne jüdischer Mütter ausgesprochenen sittlichen Erfahrungssatz: ', •omni» w pni' j»rw nrHw ü»»p5> yy o'biy n»£w-antra Mit einem Seufzer wehmütiger Erinnerung an Rabbi Elijahu Klatzkin V"j?1äT legt man das Buch aus der Hand — n*n unn irr» *6v * Entwicklungsgeschichte der . naturwissenschaftlichen „ Weltanschauungen von der griechischen Naturphilosophie bis zur modernen Vererbungslehre. Von Dr. Erich Schneider, Leipzig. 1935. Justus Dorn er Verlag. 346 Seiten; 100 Abbildungen und vier Kunstdrucktafeln. Ganzleinen Mk. 6.40. Der Verfasser des vorliegenden Buches erfüllt die für die Gediegenheit eines solchen Werkes unerläßlichen zwei Hauptbedingungen: er verfügt über ein gründliches Wissen auf den in Betrcaht kommenden Gebieten und besitzt die beneidenswerte Kunst, auch Verwickeltes so fein zu zerfasern und allgemeinverständlich darzustellen, daß das Lesen seines Buches ein geistiger Genuß und von reichlicher Belehrung begleitet ist. So ist es wohl begrieflich, daß dieses Buch beifällig aufgenommen und schon nach sechs Monaten in zweiter, bedeutend erweiterter Auflage herausgekommen ist. Die Vergrößerung des Umfangs er-, folgte hauptsächlich durch Einbeziehung der modernen Lehre vpn Abstammung und Vererbung, Heren Regeln und Gesetze nach Ansicht des Verf. als eben so exakt bezeichnet zu werden verdienen wie die der Physik und der Chemie, Allein nach Kenntnisnähme von dem gegenwärtigen Stande dieser beiden Teile der Naturwissenschaften wird man doch Bedenken tragen, ihnen weiterhin das Prädikat „exakt" zuzubilligen. Ist man ja an der Hand der Einstem'schen Relativitätstheorie und der Planck'schen Quantenmechanik dahin gelangt, bei der Bestimmung der Lage von kleinsten Teilchen der Materie nicht mehr exakt angebbare, sondern nur mehr „währsehein-: liehe" Aussagen machen zu dürfen. Und die sechs Urbausteine der materiellen Welt — Photon, Elektron, Positron, Proton, Neutron und negatives Proton — denen gegenüber das Altertum auf nur vier sich beschränken konnte, sind in .ihrem Eigenbestande keineswegs gesichert, denn (S. 237) „ein Photon kann sich, wenn es mit einem Atomkern zusammenstößt, in ein Elektron und Positron verwandeln." Diesen bedenklichen Charakter der Unsicherheit und des Schwankens besitzt in der modernen Naturlehre auch das zweite Hauptelement, das Licht. Es hat einen Januskopf; bald besitzt es Wellen-y bald Korpuskel^ eigenschaft, „je nachdem" (S. 217). Relativierung isf eben der Grundzug in der modernen Physik „Von zwei: Ereignissen ist nach der Relativitätstheorie das; eine früher oder später als das andere, je nachdem wie der Beobachter sich zu den Ereignissen bewegt." Und da der Positivismus aus den Vorgängen, mit d^n'eöi'Physik uridnGhemie, jsiqfe bb.e.f^sen^'^ufl^-c^gs,. rK;a«.salitätsgeset^3beseitigt bajtg(S,y, |71)m Jst^Tallerdingsj ,ypn, .Exakthe^ njir ^npch^Sp j wenig; vornanden,' 'da^Vueh^die1 möde'rne9 Vere'frfeuVgs-; ^lehre 'ruhig1 Mafän Teil''hallen kanW ohneJ denii Besitz-? |. sfändndepßänderenTjfarif diesem-fiVorzugj^meitjirl^ch ,zu j beeinträchtigen.\;Is,t dp,ph^a«.j|tehr^f^en^^^43^1 j i auch nach des Verfassers lichtvoller Darstellung (S. 188} mit willkürlichen Hypothesen - so reichlich durchsetzt, daß das~ Kleid, das die Physik jetzt bekommt, einem „geflickten Rock" verzweifelt ähnlich . sieht. Dieser ist durch einen neuen ersetzt worden, einerseits durch Sehr öd i n g e r s „Wellenpaket", 'andrerseits durch H e i s e n b e r g s „Matrizenrechnung". Beide sind freilich so abstrakt, daß Verf. sie mit Recht nur andeutungsweise behandelt. - Wir -können „dieses Buch auch unserer reifen Jugend unbedenklich empfehlen, sofern sie nur eingedenk bleibt eines bemerkehswerten^Satzes/von inws 'T im Anschluß an das Schöpfungswort ~yxa alt? nanV Er sagt nämlich: (□"? rrens nm virm) i x~av iv pnnm nwViy mta p^nai, fmfcw siia n"aj?nw , -^.pin *b l'Ti \r>xi yy "ins i^k nst Zum Schlüsse sei auch der äußeren .-Ausstattung des Buches, des kräftigen Papiers, des tadellosen Druckes — nur vier leicht zu verbessernde Fehler sind uns begegnet —lobend Erwähnung getan« Doelfi. Die Ungleichheit der Menschenrassen. \ Von; Graf Arthur G o b i h e a u, Berlin. 193 5.; Kurt - Wolff Verlag. In einer Zeit, in der man den Rassenbegriff-^zum Mythos eines Jahrhunderts erheben will, ist : es ein verdienstvolles Unternehmen, die Hterarischen4 Anfänge solcher Rassenlehre neu herauszuheben.' i Der Kurt Wölff-Verlag, Berlin. legt Gobineau's umfängreichen „Essai sur l'inegalite des races .humaines", zuerst erschienen 1853—55, in einer ausgezeichneten Uebersetzung vor. Man kennt den Einfluß, den dieser französische Diplomat aus der Mittendes 19.- Jahrhunderts mit dem eben genannten Werke; und) seinen auch in weitesten Kreisen bekanntgewordenen Szenen aus der „Renaissance" speziell'auf die deutsche Literatur und Ideenwelt der Neurömäntik kusgeübt! hat. Es war —- im Nietz^che'schen Sinne — die Abkehr von der positivistischen Gesellschaftsphilosophie und die Hinwendung zur ästhetisch-biologischen Rassentheorie. Uns interessiert vor allem, daß sie bei Gobineau sich noch nicht zur einseitigen Ablehnung des jüdischen Wesens verengt. Rein historisch gesehen, liefert Go.bineau als erster einen a 11 g e m e i'n e ri Wertmaßstab, um Echtes vom Unechten, Edles vom Unedlen zu scheiden. Und selbst^ der kritische Leser, der noch nicht 'seiner Theorie -zu folgen vermag und den ihr zugrundeliegenden Rässebegriff noch nicht für so geklärt hält* daß er zur Deutung des gesamten Weltgeschehens ausreicht, wird Gobineau's Werk mit ungeteiltem Interesse durcharbeiten und in vieler:Hinsieht angeregt es aus der Hand legen. A. Geschichte der Krise. Entwicklung und Lösung. Von Richard Lew i n s o h n ~~ (Morus).' ' L e i p zig ■ und Wien. E. P. Tal u. Co. Verlag. 226 S. In. seiner gewandten, fesselnden Darstellungsweise gibt Richard Lewinsohn.Morus einen Ueberblick über die Geschichte der großen Wirtschaftskrise, die wir alle miterlebt haben und der wir auch heute noch nicht entronnen sind. Er' führt uns alle die aufregenden Ereignisse vor Augen," die sich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte in. der Weltwirtschaft abgespielt haben: von der Inflationszeit unseligen Angedenkens über die Jahre der Scheinblüte in Amerika und Europa bis zum Wallstreet-Krach von 1929 und von. da' aus die schiefe Ebene hinunter zum europäischen Banken-Debacle, zum Sturz der Pfundwährung, zur Abwertung des Dollars. Glück und Ende der Konzernkönige, der Hatry, Kreuger, Insull usw., und deren ver- . hängnisvoHer Einfluß auf das Schwinden des allgemeinen Vertrauens in der Weltwirtschaft werden anschaulich beschrieben. ■ Die Tragödie der landwirtschaftlichen Dauerkrise begleitet alle diese zuckenden Einzelerscheinungen wie eine schleichende ^Krankheit. Auf die Frage, die heute jeden' Menschen beschäf-, tigt, was denn nun eigentlich die Ursache dieser gewaltigen Wirtschaftskrise ist, weiß auch der gescheite National Ökonom Morus keine ausreichende .Antwort. Er führt eine Reihe von Ursachen an, die zu.der Entstehung der Katastrophe beigetragen haben, aber das wirklich ausschlaggebende Moment, das für den Zusammenbruch der Weltwirtschaft verantwortlich^ ist, kann auch er nicht angeben. Bei all seiner nüchternen und trocken-sächlichen Einstellung muß Lewinsohn zugeben, daß die letzte Ursache für diese Entwicklung außerhalb des eigentlich Oekonomischen liegt. Es ist prinzipiell sehr, fraglich, ob sich innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft, das Auf und Ab der Konjunktur durch organisatorische Maßnahmen und staatliche Vorbeugungsmittel verhindern läßt. .Es. hat vielmehr den Anschein,; daß die., zyklischen;, j^risen;;zutiefst in der menschlichen^ Psyche; ihre^'|:Ürsprung haben . . . Die Krise> ist_ iii^.erster iLihiej^in psychologisches Massen-Phähbmen/ dem ■ man' mit";Gesetzesparagrapheh und technischen rVierhalturigSmaßregeln allein 'nicht beikommen; kann>" Ob sie nicht;,auch ein moralisches und r.eligiöselsf Phänpmen,:ist, jUnd ob sie —'--^---f7—der JErschütte- ^Kät Wirtschaftskrise!?) kkji49j ed.enfaljs^ni «len^efö^, t ' s s J i 1 o v is; i i^ni'-""iis%' J$e _ >lbß»^t£r';rei!n "tilitt jr-fif4Pd';niiet. Werden; i Sie P :iQir^iii OfaWßa ere hoKerelOrdd^:^M^fi-; IsiiqßJl sii'whn'oU^i

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