Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1935)
- Date
- 1935-06-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 24 Der. Israelit 13. Juni 1935 genen Zusammenkünften von Seiten der Agudo-Be vollmächtigten und des Misrachi-Vertreters Entwürfe eingereicht worden waren, auch die Vertreter des Waad leumi ihrerseits einen Entwurf zur Umgestal tung der Verfassung der Kneses Israel vor. Es wird, nunmehr Aufgabe der agudistischen Instanzen sein zu diesem Entwürfe Stellung zu nehmen. Eine vor bereitende Aussprache der Jerusalemer Gemeinde und Agudo-Vorstandes findet dieser Tage statt. Das letzte Wort wird Herr Oberrabbiner Duschinski zu sprechen haben. Auch die Agentur der Welt-Agudo die am letzten Donnerstag eine Plenarsitzung ab hielt, beschäftigte sich mit dem bisherigen Ergebnis und der weiteren Führung der Verhandlung. Am letzten Mittwoch stattete der Leiter der Einwanderungsabteilung der Regierung in Jerusalem dem Aguda-ßüro einen Besuch ab, wobei eine eingehende Aussprache über die Frage der Zertifikate für Je schiwo-Bachurim stattfand. Von agudistischer Seite wurde darauf verwiesen, daß die Studenten der Uni versität fortgesetzt besondere Berücksichtigung bei der Zertifikatgewährung genießen und daß das gleiche Recht auch den Hörern der Thorahochschulen zu käme. Die Vorgänge in Polen im Zusammenhang mit der Unterzeichnung von Keren Kajemeth -Auf rufen durch orthodoxe Rabbinen haben begreif Iicherweise auch hier im Lande starkes Interesse her vorgerufen. Weniger überraschte das Ermunterungstelegramm, das Oberrabbiner Kuk an die Unterzeichner jenes Aufrufs gerichtet hat, da .dies der Ein Stellung Rabbiner Kuks zu den zionistischen Fonds von jeher entspricht. Disee Haltung, die in dem Ke ren Kajemeth, wie es in dem Telegramme heißt, einen „Schlüssel der Erlösung" erblickt, wird auch nicht dadurch erschüttert, daß der Präsident des Keren Kajemeth, Ussischkin, erst in der letzten Sitzung der zionistischen Exekutive wiederum erklärt hat, es sei unmöglich, den Sabbatentweihungen auf dem Grundbesitz des Keren Kajemeth ein Ende zu machen. Am letzten Freitag wurde der heimgegangene Gaon, Rabbi Joel.Herzog aus Paris, hier zu Grabe geleitet. Eine Reihe öffentlicher Institutionen, darunter auch die palästinensische Agudo und die orthodoxe Gemeinde, veröffentlichten Aufrufe, in denen zu zahlreicher Beteiligung an der letzten Ehrung des hervorragenden Thoragelehrten aufgefordert wurde. Der Sohn des Heimgegangenen, Oberrabbiner Dr. Herzog aus Dublin, folgte der Bahre, Es sprachen Rabbiner Isser Salman Melzer und Rabbiner Jechiel Michel Tuckazinski. Am Donnerstag Abend langten hier die rabbinischen Führer der Agudas Jisroel aus Rumänien an, darunter die Söhne des Wischnitzer Rabbis und der Rabbi von Simlov. Sie wurden am Bahnhof von einer Abordnung der Agudas Jisroel und der Poale Agudas Jisroel begrüßt.'Die Delegation beabsichtigt unter den aus Rumänien und Ungarn eingewanderten jugendlichen Kreisen Propaganda für den Anschluß an die Agudas Jisroel zu machen und die Front des orthodoxen Judentums im heiligen Lande zu stärken. Die Gäste statteten gleich am'anderen Morgen Öberrabbiner Duschinski einen Besuch ab und sie werden, dieser Tage an einem von der Agudas Jisroel . veranstalteten Empfangsabend teilnehmen, » * * Jerusalem, 4. Juni. In der diese Woche stattgehabten vereinigten Sitzung der Landeszentrale der Agudas Jisroel und des Vorstandes des Waad hair Aschkenasi, die mehrere Stunden dauerte, berichtete Rabbi Mosche Blau über eine Reihe von aus dem Auslande eingegangenen Meinungsäußerungen von Gedaule Hathauro und führenden Persönlichkeiten der Agudo-Leitung zu den schwebenden Verhandlungen über die Gemeindegesetzfrage. Interessant ist, daß, wie man mir von zuverlässiger Seite mitteilt, der Misrachi jetzt einen von rabbinischer Seite zu unterzeichnenden Aufruf vorbereitet, worin gegen die Forderung der Agudas Israel auf Anerkennung der selbständigen orthodoxen Gemeinden protestiert wird. Es erhellt daraus, daß der Misrachi die eigentliche Seele des Widerstandes gegen die Forderungen der Gewissensfreiheit und der Thorasouveränität in den derzeitigen Verhandlungen ist. Die in meinem vorigen Schreiben, erwähnte konstituierende Sitzung des .erweiterten 'Landes rat es der Agudas "Jisroel ist auf S.pnhtag den 8. Siwan^ einberufen. Es; werden Teilnehmer aus allen Teilen des Lahdes erwartet. . Namens des Rab binischen Rates wird Oberrabbiner Duschinski die Versammlung begrüßen. Hoffentlich wird es gelingen den "Absichten der Agudo-Delegation entsprechend den erweiterten Ländesrat zu einem getreuen Spiegel bild aller in der Agudo vorhandenen und ihren reli giösen Grundgedanken anerkennenden Kreise des •ganzen Landes auszugestalten. Referate werden Rabbi Mosche Blau und Rabbi J. H. Sienkewitz erstatten. Die neu gegründete erste Gruppe von eingewanderten Bnos Agudas Jisroel entwickelt sich gut. Man hat für sie in Tel Awiw eine Nähstube eingerichtet, die von Frl. Gur-Arje, einer bereits he währten Führerin der Bnos Agudas Jisroel-Bewegung, geleitet wird. Man erwartet jetzt mit Spannung die Ankunft des Führers der Bewegung, Herrn Fryden söhn, der das Land für einige Wochen besuchen wird. Zu den von der Regierung veranstalteten Festlichkeiten anläßlich des Geburtstages des Königs Georg waren von Seiten der Agudas Israel und des Waad hair Aschkenasi außer dem Oberrabbiner die Herren Elieser Sirkis, Glückman-Porusch, Dr. Buxbaum, Rabbi Mosche Blau, Rabbi Jonathan Horovicz, Sanitätsrat Dr. Wallach, Schmuel Eden sowie die Beamten des Sekretariats eingeladen. Bekanntlich hat der Waad leumi schon seit zwei Jahren seiner gesetzlichen-Verpflichtung, im Ijar seine Mitgliederlisten zu veröffentlichen, nicht genügt, um zu verhindern, daß daraufhin diejenigen, die ihm nicht anzugehören wünschen, ihre Austrittserklärung einreichen. Infolgedessen liegt aber natürlich die "Verpflichtung des Austritts nur denjenigen ob, deren Namen schon in früheren Jahren einmal in einer Liste veröffentlicht war. Trotzdem haben eine ganze Anzahl orthodoxer Juden, ohne daß eine gesetzliche Verpflichtung für sie vorlag, ihren Austritt schriftlich angemeldet, um dadurch ihrem prinzipiellen Standpunkt Ausdruck zu verleihen. Die neu gegründete Agentur der Welt- Agudo hat in Verbindung mit der Landeszentrale eine lebhafte Tätigkeit aufgenommen, die sich zunächst auf die Zentralisation der von der Agudas Israel unterstützten Chinnuchanstalten erstreckt. Zwar sind es bis jetzt nur 18 Talmud Thora-Schulen, Beth Jacob-Schulen und Kindergärten, die gegenüber dem gewaltigen Netze der zionistischen und misrachistisehen Schulen numerisch gewiß keine ausschlaggebende Rolle spielen. Aber es steht eine Erweiterung dieses agudistischen Schulnetzes allmählich bevor und bei gebührender Anstrengung der Kräfte könnte der Keren Hajischuw in zahlreichen Kolonien Stützpunkte für die Orthodoxie sieh erringen. Man möchte sich nun vor allem mit der Ausarbeitung von Lehrprogrammen beschäftigen, die den besonderen Bedürfnissen jedes Kreises, des polnischen, ungarischen, rumänischen und des deutschen Rechnung tragen, ohne den traditionellen Rahmen zu sprengen. In der letzten Sitzung der Agentür wurde die Einberufung einer zentralen Erziehungskommission der Agudas Jisrpel vorbereitet. Die Wasserbohrungen in Machane Jisroel haben schon heute einen befriedigenden Erfolg gezeitigt. Es handelt sich nun darum, die Bohrungen zu Ende zu führen, um die Voraussetzungen für eine ausgedehnte Pflanzungstätigkeit auf dem Boden zu schaffen. Kleine Nachrichten von den Poale Agudas Jisroe], T e 1 A w i w , 2. Juni. Die Siedlungskommission der hiesigen Poale Agudas Jisroel hat diese Woche ein neues Stück Land zur Erweiterung der Wohnsiedlung der Poalim neben Tel Awiw erworben. — Die Krankenkasse in Tel Awiw entfaltet eine lebhafte Tätigkeit und hat MitgliederZUWachs zu verzeichnen. Die Zahl der angestellten Aerzte beträgt 11. — Die Gründung einer Zenlralbibliothek für die Mitglieder ist beschlossen worden, da seit langem ein Bedürfnis hierfür besteht. Sie soll alles, was mit jüdischer Geschichte und Gefliehte des orthodoxen Judentums, im besonderen der Agudas Jisroel in Zusammenhang steht, enthalten. —rr_ In Haifa wurden in den letzten Wochen 25 Ge-; nossen aus Rumänien, Ungarn und Polen von dem Haifaer Sekretär empfangen und zum größten Teil auf dem Lande untergebracht. In Kfar Atta : wird man in den nächsten Tagen eine Anzahl neuer Genossen unterbringen können, — In Machane Jisroel ist die Außenarbeit am Zentralbau im wesentlichen vollendet; Die Brunnenbohrung wird fortgesetzt. Die Genossen sind jetzt mit dem Schneiden und mit der Aussaat beschäftigt. Die Verwaltung der. Hilfskasse in Petach Tikwah veröffentlicht einen Bericht, wonach vom Schwät bis zum Ijar 42 Darlehen gewährt wurden. Die geistige Arbeit entwickelt sich befriedigend. In. Petach Tikwah Umfaßt die'f Gruppe eine ganze Anzahl Facharbeiter für alle Arten des Baugewerbes. Die Bnos Poale Agudas Jisroel-Gruppe in Petach Tikwah unterhält Schiürim für Tnach und Hebräisch, die von den Lehrerinnen der Beth Jacob- Schule erteilt werden. In Kfar Saba herrscht starker Mangel an Arbeitskräften. Der .Kibbuz -verlangt, daß neue Genossen dorthin kommen. Am Mittwoch sprach Dr. Moses Auerbach aus Petach Tikwah in Kfar Saba im S. R. Hirsch-Kreis, der sich jeden Mittwoch im Beth Jacob-Lokal versammelt. Die Industrialisierung Palästinas. ' Jerusalem, 28. Mai. Zu dem raschen Fortschritt der Industrialisierung Palästinas trägt der Aufschwung der Metallwarenurtd Maschinenindustrie in besonderem Maße bei. Es gibt heute bereits 830 Betriebe dieses Industriezweigs, in denen bei einem jährlichen Umsatz von 670.000 Pfund 2940 Arbeiter beschäftigt sind, Palästina besitzt zwar keine KohfÜ und keine Eisenerze, auch werden weder Roheisen noch Rohstahl erzeugt, die Metallverarbeitung aber bietet trotzdem viele Möglichkeiten, die auszunützen man bestrebt ist. Außer Schmiede- und Schlosserwerkstätten gibt es bereits verschiedene Betriebe, die Gußarbeiten durchführen und Maschinen herstellen, darunter die „Jaffa Iron Works"'und die „Paamon"-Werke. Metallmöbel und Metallbettstellen werden schon seit Jahren in größeren Mengen erzeugt. In den letzten drei Jahren haben die bestehenden Industriezweige sich bedeutend entwickelt und neue Industrien wurden aufgenommen. Die wichtigste Neugründung ist die Kremener Gießerei unter den Meta]]mÖbelfrabriken gehören die „Haifa Metal Works" zu den bedeutendsten. Die ~ drahtverarbeitende Industrie stellt Drähte, Nägel, Drahtzäune und Moskitonetze her, Einwanderer haben jüngst die Erzeugung von Lampen, Krankenhäuseinrichtungen und elektrischen Oefen in Palästina eingeführt. Auch eine Schraubenfabrik wurde eingerichtet. Die Blechwarenindustrie steht erst in ihren Anfangsstadien. Bei Petach Tikwah wurde unter dem Namen „Deli" eine moderne Fabrikanlage für Verzinküngsbetrieb errichtet. Die beiden größten Kühlapparatefabriken, »Frigidaire" und „Kelvinator", importieren nur die .Kühlmaschinen, während die äußere Ausrüstung, die Metall- und Holzarbeiten, in Palästina vorgenommen werden. . \ Argentinien. Argentinien'zur Aufnahme von Auswanderern, aus Deutschland bereit, Buenos Aires, 31, Mai. Anfang Juni wird „sich der Völkerbunds- Oberkommissar für - Aus w a n der er f firsorge nach längerem Aufenthalt, in Südamerika, wo er mit einer Reihe von Regierungen Verhandlungen betreffend die Unterbringung der Auswandereraus Deutschland geführt hat, nach New^ York zurückbegeben. Augenblicklich weilt Oberkommissar MacDonald in Brasilien, um die mit der dortigen Regierung im April aufgenommenen Verhandlungen zu Ende zu führen. Vorher war er in Uruguay, wohin er sich nach einem dreiwöchigen Aufenthalt in Argen..- t i n i e n begeben hatte. Vor - seiner Abreise aus Buenos Aires erklärte James G. Mac D o n a 1 d , daß d i e "a r g e n t i n i s c h e Regierung der Forerung, einer bestimmten Zall von Auswanderern aus Deutschland Nied erlassung serlaubnis zu gewähren, freundlich gegenübersteht. (ITA.)