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Der Israelit · 1935-06-13 · Heft 24 (13.6.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 24 (13.6.1935)
Date
1935-06-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite6 Nr/24 D e r I s r a e Lit 13. Juni 1935 Tat vieles von dem ins Meer der Vergessenheit werfen würde, was wir, um mit Maimuni zu sprechen, an D^aTI» an vertrauten Vorstellungen Europas mit uns schleppen. Wir sind, was w i r geworden sind — wir als Juden, die Asien als ihre Heimat grüßen. Wir sind als Träger unserer Tradition keine7 Abstraktions-Jongleure, wir sind nicht jene Luftmenschen, als die uns so gerne jene" verspotten, die es am ehesten sind. Wir durchschauten einst durch den hellen Sinn unserer Weisen Hellas glänzende Kultur und wußten, daß sie wohl „Blüte" zeitigt, aber keine „Frucht". Wir haben alle di e : ä*HnK' Draußenstehende genannt, die es für möglich hielten, über den Geist des Judentums in Begeisterung zu sinnieren, ohne sich dem lebendigen Geiste, ,wie er verpflichtend ins Leben greift, zu unterwerfen. Wir haben in unserem Ahnen d i e s als typisch n a t i o n a 1 erkannt, als Unsriges, als immer wieder neu rund immer wieder verpflichtend; daß Thora gedachtes Leben und gelebtes Denken ist, daß Thora ein Sein ist, dessen Wesen uns < da-sein läßt durch die Kraft des Denkens und des Glaubens. Und gleich Maimuni öffneten alle Großen unseres Volkes dem das Tor zum eigentlichen Sinn des Judenunis, der TTinam ima öVtP „geschlossen in seiner Religion und in seinen Eigenschaften" war. Keiner kann sich der Einsicht verschließen, daß der uralten Tradition jüdischer Religion ungeahnte Kräfte innewohnen. Die Konsequenz, die aus der Ueberschau über die geistige Situation unserer Zeit sich ergab, führte zum traditionellreligiös bewußten Menschen. Er hat das Sein, das Denken und das Glauben in jenem So-Sein, das nicht erst konstruiert und innerlich bejaht werden muß, sondern sich nur selbst erhellen muß, um für sich und andere sinnvoll zu werden. Dieser religiöse Mensch allein kann nicht erschüttert werden durch die Macht der Zahl und die Gewalt der Mass.e, er. allein kann sich nicht nur philosophierend von seiner Zeit distanzieren, sondern als lebendes, wirkendes Etwas durch sich allein . sinnvoll existieren und durch sein So-Sein andere nachdenklich stimmen. Er allein sieht sich als Objekt der Geschichte, treibt nicht sich und nicht andere in Planungen hinein,,, die vom Da-Sein gelöst wurden, um erdacht zu werden und ein fiktives Dasein zu ordnen. Er allein steht drohenden Katastrpphen sinnvoll gegenüber, Katastrophen,; die vielleicht doch einmal das Wort vom „Untergang des Abendlandes" (wahrmachen, diese Riesenfabrik vom Errechneten und Erdachten, diesen Mischmasch politisch-wirtschaftlicher Denk- und Glaubens-^urrogate zur Explosion bringen. ,. ' Freilich, auch der jüdisch-religiöse Mensch unserer Tage gehört nicht durchweg zu den D'^J?» auch er hat den Glauben oft nS3 nur im Munde* auch ihm fehlt es oft genug an der Durchgelstigung, die allein eine, wirkungsvolle Haltung für sich und andere garantiert. Seine Verantwortung ist heute riesengroß.. Er allein darf den Rambam aufschlagen und kann zu hoffen wagen, das Rauschen der Flügel des „großen Adlers" zu vernehmen, da er so glücklich ist, nur dies zu wollen: .sich unter deinen Fittichen zu"bergen, Wehe um ihn, falls^ auch er sich von Europa umgarnen läßt: den Glauben vom Menschen löst, ihn an Institutionen, an selbständig gewordene Systeme hängt, nicht das „Hier" und „Heute" individueller Verpflichtung sieht. Eins aber ist klar, und dieses Eine betrifft vor allem kommende Erzieher: Wer immer heute als Jude in Erziehung irgend einen Sinn siehtj wer also junge Menschenseelen bilden .will, der muß sich irgendwie fragen; Wohin? Und die. Antwort kann immer nur läuten: dorthin, wo das jüdische Kind .etwas findet, was seih individuelles Selbst anspricht, dorthin, wo sich ein geistigseelischer Gehalt abhebt von der- Apparatur der' Daseins-Ordnung unseres Volkes, die Ideale ebenso wie die Daseins-Ordnungen anderer Völker nur als Umhüllungen trägt. Und dieser Ge-> halt, der das einzelne Kind bilden kann, ist immer nur ein Stück jenes ewigen Seins, das die religiöse Tradition unseres Volkes darstellt, in der nichts konstruiert, erdacht und geglaubt werden „muß", um wirken zu können, in dem alles „da ist" und nur nach denen verlangt, die es aufnehmen. - Wie sehr!der. einzelne Erzieher dem Gefühl persönlicher Verpflichtung zur Tradition abhold sein möge, wie wenig es aus allgemeinen Bedingungen heraus denkbar sein könnte, eine Erziehung im Sinne des , Rambani, seiner Mischne Thora und seines-More Newuchim zu ermöglichen — Sie selbst als Führerinnen dieser Jugend wer-'; den vor sich selbst, vor der richtenden Instanz,*" der einzigen heute in Ihnen , noch wirksamen Kulturmacht Europas, — der gläubigen Geistig-' keit — bekennen müssen; Nur liebevolle Worte: gegenüber dem ewigen T h ö r a gesetz! .Nur Achtung vor traditioneller Lebensart! /Nur: Kampf gegen dem S p o 11, der\ denkfaul und' seiner selbst ungewiß seit je die bequemste?1 WaffeWaffe im Munde der Herrschenden ge-_t Viesen, der Tyrannen' und der Herden-Menschen L Nur solche Haltung eines |»ya kann'Sie als4 Erzieher erstarken lassen, kann Ihrem Tun einen:j Sinn, einen menschlichen und einen jüdischen '1 Sinn geben, kann Sie über alle Resignation der.. Zeit, in der. Sie leben, und des Berufes, dem Sie > sich widmen, zufrieden werden lassen .im- Bewußtsein dessen, was die Sehnsucht jedes geistig wertvollen Menschen ist: .daß sein^ Denken und Glauben, sein. Reden und-Schaffen in anderen einen Widerhall gefunden: ' - •DaviDT )n ]n_annm Korrespondenzen. % Deutsches Reich, . Eine unbillig harte Kündigung. Hanau, -8. Juni, Das Amtsgericht Hanau entschied über eine Klage eines nichtarischen Angestellten auf Weiterbeschäftigung in einer arischen . Firma, die von nichtarischefl Inhabern das Geschäft erworben und auch denKläger, der die Teppich- und Gardmenabtßilung des Geschäftes leitete, Frontkämpfer; .und ' Kriegsgefangener war und mtt einer .Arierin ^verheiratet ist, nebst anderem Personal übernommen hatte.. In der in• der „Juristischen Wochenschrift" .mitgeteilten; Urteilsbegründung wird ausgesprochen, daß die,«Beklagte an der Tatsache, daß der Kläger Nichtarier ist, offenbar bis zur Kündigung, die ohne Angabe von Gründen erfolgt ist, keinen Anstoß genpmmen habe. Auch persönliche Differenzen zwischen den Inhabern der beklagten-Firma und dem Kläger sowie .zwischen ihm und der übrigen Gefolgschaft beständen nicht. Auch das Publikum könne sich an der Nichtariereigenschaft des Klägers nicht gestoßen haben, denn der Umsatz^ in der Abteilung des Klägers sei gestiegen; Prötestegegen die Anwesenheit des Klägers: seien auch aus dem Käuferpublikum nicht erfolgt.: Dementsprechend' sei die, Kündigung;nicht durch die Verhältnisse des Betriebes oder durch die Person-.des-Klägers bedingt.. Sie sei auch unbillig hart, denn, der Kläger ist Frontkämpfer, was schon im Hinblick auf die. allgemeine- Rücksichtnahme antf; die: -Frontkämpferman denkean die nichtarischen., beamteten- Frontkämpfer-. — besonders zu berücksichtigen ,sei. 'Der . Kläger sei auch : verheiratet'und Jiabe ein minderjähriges Kind/.Es sei auch, schließliüh besonders..zu. bedenken,r.daß er aisälterer; nichtarischer «Angestellter nur! sehr schwer Seine neue, seinem bisherigen Einkommen entsprechende Stelle werde finden..können. Das Arbeitsgericht hat deshalb auf Widerruf der Kündigung und W e i t e r b e-s c:h ä f t i g u n g d e s K1 ä -' Freund gab, man wird sein'wahres Gesicht sehen und nicht jenes hoheitsvölleT das er trug, wenn er wußte, daß sich : hinter deru Maske der Freundschaft Falschheit, hintlr dem Schein der Gelehrsamkeit Dünkel verbarg: Oder sehe man den Raw im-Verkehr mit denenj die er für echte HW.»» hielt: da-wollte er. nichts anderes sein als nur pnaiaa maa nichts, anderes sein als der Q'WR ya vbxm, wie Chana, das einst für ihren Samuel erflehtI Seine stille Liebe zum Gh^sidism.^s,, seine glühende Verehrung für den "Chofez Chäjim;—;' bis in den nahenden Morgen konnte-.er Berichten.1 über dessen Leben lauschen.;— seine .Y.erehrungsvolle; Freundschaft mit dem ^aitzener Raw $"S7,. mit' dem' ' Bendiner Raw S>"3T/' iriit diesen Männern der Hälacha — un d der'! Hefzens'größe, %11 5<Bes' %'ei^t:-!ä^c'K'" dem Fernen, was der Nahe wußte: daß ein "im Menschlichen tief bescheidener Mann es war, der sein Amt in Hoheit führte! Bescheidenheit, nicht Passivität, denn diese hätte ihn ja auch gehindert, die Nacht, oder doch ihren größten Teil, zum Tag des Lernens zu machen, _Be- . scheidenheit ließ ihn sich' hur zaudernd in den Dienst:; der; jüdischen 'Gesämtheitsärbyit stellen, Bescheidenh.eit ''bestimmte den -Verkehrston .mit den WeltUcli&i , Führern des Orthodoxien Judentum^ fe<^heiä^eftfJ und. Ve'rahtwÖrtuhgsbewußtsein; ^zugleich ließen M/iKii/.; einen für' die Gesamtheit. verBM3Uöh'^|:Psal^%iik^in:;. den aUerselte^t^NdtfäUen-'' treffen;'dänn isx&t Wenn" aus der Nacht der Zeit d r eT Malan'HhW'deY Ruf erging. Dann erst stellte er sich bereit: „Rede, denn Dein Diener hört''! — , ._ .. .... ' Wenn-:niäni!Führer'einer Gebieihschaft' ist, 'nr'der verschiedene Strömungen um die Oberhandringen und man; diesen Strömungen gegenüherzutreten:. gezwungen ist, um der Aufgabe, gerecht zu, werden, alles in den einen Strom d e s.. o rt h od oa e n* Judentums zu leiten, dann ergibt sich leider oft.Jjj ajüs dem Gegensatz in der Sache ein solcher«.: der- Personen! Aber alle Gegner werden aufstehen undl zeugen, daß es ihm im Kampf nur um die Sache;.- ging, . alle werden sie — und glaubten sie ihm inv:: Leben noch so schroff gegenüberstehen *zu dürfen — T, ' vbr der Wahrheit und der; Ewigkeit des Todes esCi bekennen« .;•! ■• . : , i;tv^jpiaro •» nan» manfc" nsvr -uw n»nby,~ ' daß esiihm um die: Sache ging, aHc'Werden sie-seihem j Gjedächtnis huldigen in dem Bekenntnis: das-war ein-, Ajann mV ISl B'BS 'pa! 1"! - 4-:5o;ijieW'Tife , Wahrheit, der inneren Bescheidenheit, des selbstlosen [Dienstes und der ThöfägrölJis!■$'&'■ Kleines Feuilleton. jPreise für Maimonidesstudien. : j -( '; _ . / j : iLiterarische Preise in 'Höhe -von' Doli.~r* 1400.—^ jbietöt die Monatsschrift „J^wish Fortim"-- in' New Yorkv^ jSOßxBroadwayj für das beste Essay-yon 50Q) bis rlOQOA;Wo.rte: über Maimonides, >^obei. der erste_ Preis. JP^oll./ flOO.— beträgt. Die. Lieferungsfrisjt ist nach der .mur izugehendeh Ä^kündiguiig; ''lütt ' den 1Ö.1 ä JuH^;festgesetzr'.; ]Zti dem Preisrichterkollegiiön gehorVi^t. -a, ^aitch^Ralj'- hiner• Dfi<})Lep"'Jung. - •jx 'l . -.:; i •.' .' c .> ■>;?; :-' lr- 0 ::;v . . j, ■. ~n.-:" --Ah.ir-.r- UJaü 'h » Kalendarisches. c im letzten Absätze .der"in»lpn\ ztt den-:^ :,,Tabeilen"' -von Dr. B, Qphns, 'V^.^wi.. rnn ist 4er Drucke fehlerö'»iabn Vs?a ns» "n*'xnn'rin'tan ja irzu berichtigen: in'n n>»? » aiin'n ^an ]a '^. : ''-'^'-V ' "Angesichts der eiMc1^eid\Sade'i£^ iCöiWeqnellzenr,'- iwelche dieser Jrrtum verursacht, sei der: genaue Wort— •' laut der i)pv des /». 'D ,vio:pp nnaa .n>?J7 pT?n^ar)n ,B?ia> hier richtig zitiert, ^ri: - ';,• ,( i'wava K'm fiv nvpvTi'iiv w 'vorn-twii nw /iw-a*' *frvo V^a*-'; D,'j?D'iS3 i>safr 'lpsoi;ni'^ip» na*m'isiw» nr »0*1 ha'wnit'nsö bz* '"''" ''"'. Leopold"Mosbacher; Wochenkalende^ Vom 15. — 22. Juni 1935 / Vom 14. — 21. Siwan 5695 „V . . .. ,-.'\:vi< ift'i; ■ i-H:\liliUi:- : \ .-C ' >y.:i H "W Wl '^»käx r,':f:;'-'r; -:-;if:-- '. " SjEUristäg- :;i , \h: 15 i.yiri IB i ikLiq:«. pialKIM J;; Sonntag i'., I;; ' 16 15 - j inö: i :♦'{?. .n^!H)]'I? ' -;'.-•.•. .' Afontag -, .17 Llr w i$ r:'::t}BS , :C' b Dienstag nh TP.: IS 1(? Ws- ' :^y^(ip ftegrs-;: .^rt' V iMittwpchHv Juni \9;irp;,; Iß i- ^^n^iihtoa-- :}iw>< Donnerstag .-*] 20 l'- 19 rü.v3**:y iicSi;XiJ - .;,Q;\5;'"i"': Eftätqfaihi •vsv 21 h-J:- 20 n^l^H;,^ -ix .-''n*.; Samstag on{ 1 ■ ...4^ 22 n'flnv ix i tlVki't. ^*m^»**>^ ^idtxxxj\ -;ix . .dj f. .4. ■ k, r>.J'- T .u.ltH Ä.cr!>::;.;iiitiiu3 "iollyly

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