Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1935)
- Date
- 1935-06-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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PjpgSP^lpB 13. Juni ,1935 Oer israelit Nr. 24 Seite 3 Die Torczyner'sche Bibelübersetzung. (Fortsetzung von Seite 1.) großer Begeisterung, noch aus leidenschaftlicher Ablehnung kommen; es ist eben eine Uebersetzung in der Hauptsache, wie sie jeder geben würde: im großen Ganzen korrekt, ohne eigenen Stil, in lesbarem Deutsch. .Wir wollen die uns vorliegende Arbeit des U ebersetz er s nicht verkleinern, wir können sie aber auch in keiner Beziehung als eine irgendwie beachtliche Leistung ansprechen. ' - Ein direkter Rückschritt gegenüber Buber ist, daß die christliche Käpiteleinteilung wieder als beherrschend in den Vordergrund tritt. Diese sinnlose Gliederung, die gerade dem jüdischen Menschen sich beim Vergleich mit unserer Thora oft so störend entgegenstellt und manchmal sinnwidrig gegen den währen Zusammenhang auftritt (wie z. B.- Num. 30, 1) die hätte der Verfasser^ bei Seite schieben, zum mindesten doch auch auf * die jüdischen Sidraus Rücksicht nehmen müssen,. die nicht einmal in der Uebersetzung angedeutet sind. So glücklich ferner die Bezeicnhungen der .einzelnen Büchern Anfänge, Wüstenzug, Rückschau n. av m. sind, so fehlt eine irgendwie den Inhalt kennzeichnende Gliederung, die für den Laien; als Leser so wichtig -ist» nicht einmal am Schluß des; Ganzen ist; eine solche Inhaltsübersicht gegeben. Jede s Mi 11 e 1 zur Erle i c h t e - rungdes Bib e 1 v e rständnisses, etwa wie bei Herxheimers Pentateuch, f e h l t. Die meisten modernen Bibeln haben Karten, um den Wüstenzug, um die palästinensischen Verhältnisse zu illustrieren; hier fehlen sie. Kurz: alles, wodurch eine Uebersetzung für den Selbstgebrauch oder für die häusliche Arbeit der Schüler nützlich sehr könnte, müssen wir vermissen. Sehr oft ist auch in der Uebersetzung ohne Grund von nun einmal klassisch gewordenen Formulierungen abgewichen. Den Vers: da sprach G'tt: es werde Licht und es ward Licht, wiederzugeben: und es sprach G'tt: es werde hell und es ward hell, ist u, E, eine unnötige Abweichung, ist Originalitätssucht, abgesehen davon, daß sie falsch ist. Aehnliches gilt, wenn der Verfasser schreibt: im Schweiße, von deinem Antlitz, statt: im Schweiße deines Angesichts, oder wenn er schachar mit Morgendunkel statt mit Morgenrot; übersetzt, eine contradictio in adjecto. (Was wird er mit Ps. 57 und 108 oder mit den Flügeln der. Morgenröte 139 machen?) Ebenso erscheint es uns als verfehlt, von der eingebürgerten. Schreibweise der hebräischen Namen, die nun einmal in alle Bücher und die Literatur eingegangen ist; abzuweichen; Par'o statt: Pharao, Menaschsche statt: Manasse, mizräisch statt: ägyptisch, Jereho statt: Jericho zu schreiben, verwirrt nur die Kinder, da sie das visuelle Bild dieses Namens nicht kennen und das akustische klanglich auch nicht mit dem Biblischen identisch ist. Zuweilen überkommt den Üebersetzer fauch Buber'scher Geist, wenn er ihn auch nicht nennt,' und er redet von: Gewältigen, ersatten, gesegnen, sich geleiden, nachten, Restling usw. Solche manierierten Bildungen passen in eine volkstümliche Uebersetzung nicht. Buber nachgeahmt 'ist auch: Dan dingt um Recht, (bei Buber: dienet um Recht)'oder: G a d gattet sich Gerotte (entsetzlich!) (Buber: Gedräng umdrängt ihn.) So "Wird in Buber'scher Manier auch das Partikelchen „es".zum Wort gezogen, z. B. bei schpm'u amim, es hörens Völker. Zuweilen wird mit Absicht von Buber abgewichen, seine Art aber beibehalten,. z B. die Erde war bloß und bar (Buber: Ir,rsal Und Wirrsal). Rokia, was Buber glücklichmit „das Gewölk", übersetzt, wird jetzt mit;; der. künstlichen Bildung „das Gefläche" wiedergegeben. Manchmal trifft der Üebersetzer jedoch "äüch??öri^^eMe "Wendungen, .sordnoaehef goh ififjdg" f schaff ^■Msi^miiäAm^Qmn'f^ 'ß?? :.«oij4i$5«|: j; Natürlich* sin!-il^rriIWcHsni^''i(li^äFm^#er}• W$VtSh&.M>^\*3i -vm. trennter Ansicht ist. Aber wenn im Segen an Esau das schwierige ka-ascher torid übersetzt wird: wenn du dich bemühst, so kannst du sein Joch abschütteln, so wird dem Spruch aller religiöse Gehalt . genommen. Wenn: jafth elaukim ljefess übersetzt wird: G'tt lasse sich zu Jefet locken, sp ist das schlecht und falsch, weil einmal jafth kein Hispael ist und zweitens dieser unnötige Anthropomorphismus eine weltgeschichtlich bedeutsame Prophetie ihres großen Sinns entleert. Oder wenn in der Segnung Rubens durch Jakob pachas kamäjim „wie Wasser ausgeleert" gedolmetscht wird, so vermissen wir darin Sinn und Kraft. Das Versprechen in der Einleitung, „unbedingte Treue zum Urtext" zu wahren, ist nicht erfüllt worden. Den Schluß des Moschesegens korrigiert der Üebersetzer mit: Du aber trittst auf ihre Leichen, statt: auf ihre Höhen. Ich mochte wissen, warum hierder viel höhere Gedanke des massoretischen Textes grundlos ins Flache, um keinen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen, gezogen wird? Die Verfasser können sich dabei auch nicht auf die Targumim oder Siporno berufen, denn diese meinen, wie jener Erklärer sagt: „selbst ihre Könige, werden sich vor dii; beugen, wie es heißt: es werden Könige deines Pagen sein, mit dem Angesicht werden sie sich " vor dir zur Erde bücken." Der bibelkritische Standpunkt kommt in der Uebersetzung glücklicher Weise selten zum Ausdruck. Ganz kann der Mensch aber nicht aus seiner Haut heraus. So etwa in dem Satz: m'auno elauke kedem: was also wiedergegeben wird: Der Zuflucht vor der Vorzeit Göttern war, Die unten nun, der Urzeit Arme. Gewiß ist der Satz vieldeutig und schwer, aber er fällt bei dieser Uebersetzung ganz aus dem Gesamtzusammenhange heraus, wo über die einzigartige Stellung des jüdischen G'ttes geredet wird und nun von dem Verfasser die heidnische Götterwelt wie in einer Gigantomachie eingeführt wird. Man kann sich dabei auch nicht auf Raschi berufen, jder die serauaus aulom auf die Könige Sichon und Og bezieht, die, obwohl als die stärksten Weltmächte, tief unter Ihm im wesenlosen Scheine lagen. Denn gerade weil die Verfasser richtiger aulom nicht als Welt nehmen wollen, klingt die Uebersetzung „die unten nun, der Urzeit Arme" an irgendwelchen kosmogonischen Unsinn an. Aehnliches ist zu sagen über: weh mir, wer wird leben von Sümo-EI, wo wir übrigens fragen: was sich dabei irgend ein normaler Mitteleuropäer denken soll? Wir fassen unser Urteil dahin zusammen: dieser erste Teil der „Heiligen Schrift" ist eine Durchschnittsleistung. Wo sie originell zu werden anhebt, ist es meist nicht gelungen. Wir bekennen ganz offen: wfr haben uns auch von dieser Bibelübersetzung nicht viel verspre- . chen können. Dreißig Jahre lang hat die Berliner Gemeinde von ihrem Plan reden gemacht; große Bewilligungen erfolgten' in der Repräsentantenversammlung. Man munkelte von Zeit zu Zeit, daß Herren aufgefordert seien, Kostproben ihrer Uebersetzungskunst . der Verwaltung einzureichen, und man hätte eigentlich gespannt sein müssen, was da herauskommt. Aber ein Patronat wie das der Berliner Gemeinde ist kein glückliches. Es versteht sich von selbst, daß sie die Mitarbeiter dieses Werkes nur unter den liberalen Rabbinern sucht, von denen außer Benno Jac o b alle auf dem Gebiet der Bibelübersetzung Neulinge sind; Das Schlimmste war, einen Mann wie Harry Torczyner an die Spitze des Unternehmens zu stellen, einen Gelehrten, der immer seine Größe in der christlich-antisemitischen Bibelkritik gesucht hat, dessen ganze Tendenz die Verheidnischung der Bibel ist, und der ebenso wie sein Mitarbeiter Elias Auerbach die Offenbarung am Sinai weginterpretieren möchte. Wenn das die Grundüberzeugung des verantwortlichen Redaktors dieses Bibelunternehmens ist, was soll dann eine Bibelübersetzung unter seiner Aegide, die „die Bibel so Wiedergeben will, wie sie durch Jahrtausende im Judentum lebendig und geheiligt gewesen ist?" Das ist doch nach seiner Ueberzeugung gar nicht die wahre Bibel, und er ist wahrhaftig nicht berufen, uns das Wort G'ttes näherzubringen. Es wird daher die'se Bibelübersetzung schwerlich volkstümlich werden, und wenn schon die große Berliner Gemeinde etwas hat tun wollen, um den. deutschen Juden eine Verdeutschung der Bibel zu schenken, dann hätte sie wenigstens bedeutend billiger sein müssen, als wie sie wirklich ist. Aber aus dem Patronat der Berliner Gemeinde, deren ehemaliger Vorsitzender seiner Zeit gegenüber einem Rabbiner das schöne Wort geprägt: „Sie haben unsere Ueberzeugung zu lehren; wes Brot ich -eß, des Lied ich sing", erklärt vielleicht manches, was sonst, in dem Buche seltsam anmutet. Z. B. wird die Stelle: w'hu jimschol boch übersetzt: doch er, er herrscht dich an. Vermutlich war der Verfasser einmal dabei, wenn ein konservativer Rabbiner knier schlotternd von seinem großmächtigen Vorsteher empfangen ward. Dort hat er dann wahrscheinlich die Gleichung vom Herrschen Anherrschen entdeckt und sie zum ewigen Besitz in die Bibelübersetzung zum Ruhme der Berliner Gemeinde miteinverleibt. Woehenrundschau, Die Kanzelfreiheit der Rabbiner* Daß die Frage der K anzelfreiheit der Rabbiner überhaupt aufkommen konnte, ist ein Verdienst der Reform, die aus dem R a w einen „Rabbiner", aus dem kompetenten Lehrer des Gesetzes, der mit der Autorität der Thora seine Gemeinde leitete, einen Gemeindebamten, aus■ -,dem .geistigen Führer einen Geistlichen .... jT's/i' TOii&iu*i'^>u. nn-sp sn^i.;•-.vvh j i t gemacht hat. Wo in einer Gemeinde" die" alte! ijäKMw! giiBuM-b *nsTSi5 croiiiu ,m>jgo9n3.«r /jx jfbiaiiunii..s4v,<] ) flgehoift .uSnSkfßaäaüStt d^.j^ib^fi^^n^chfUL | ^Vörkiissetzlungenbfe und>;iijt j usn^ü^jxf ux iübO" msrns ,$}6v&h ov/ AihuAoü'A 4 die Kanzel der sichere Port, von dem: aus der Führer seine Meinung —^ und auch seine Mahnung — unbeschränkt aussprechen darf, ja richten muß. Die Reform hat in den letzten Jahren manchen Abbruch erfahren, aber altersschwach wie sie ist, hat sie immer noch Schwer an ihren Jugendsünden zu leiden. Der allmächtige Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde glaubt nach wie vor, vom grünen Tische der Gemeindestube aus auch die Kanzel dirigieren zu können, und so wird /die Groteske erklärlich, wie man sie jetzt in der Synagoge „Friedenstempel" erlebt. In diesem* Friedenstempel, der seinen Namen, wie es" scheint, nicht ganz zu Recht trägt, sind Gemeindemitglieder dem bekannten „Rabbiner" und Prediger, Dr. Joachim Prinz aufsässig, und sie beklagten sich gegen eine von ihm am Freitag abend gehaltene Ansprache beim. Vorr&tand;(:^e^r .nahm ■ frühere' jDifferenz;mit dem - -genannten Prediger t^0^{}}l&uizi^hMeni jJiind -ihra vkurzerhand ein f!Re"cTe v e rb og iuiv die^Zukunft-ins Haus zji