Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1935)
- Date
- 1935-06-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 24 Der Israelit 13. Juni 1935 nister zu einer Reihe politischer Fragen Stellung nahm. Auf die Frage, in welchem Umfange das Reich die Absicht habe, die im Parteiprogramm der NSDAP, festgesetzten Grundsätze durchzuführen, antwortete . Reichsminister Dr. Frick, er könne sich einen Parteigenossen nicht vorstellen, der die Auffassung habe, daß das Programm der NSDAP, nicht restlos durchgeführt werden sollte. Es hängt von den Zeitumständen und von den taktischen Möglichkeiten ab, wann der eine oder andere Punkt des Parteiprogramms durchgeführt wird. Zum Schluß der Aussprache fragte Mr. Echlin, ob der Minister es für möglich halte, daß das neue detitsche Staatsbürgerrscht schon in der nächsten Zeit Gesetz werde. , Reichsminister Frick antwortete, daß die Arbeiten zu diesem Gesetzeswerk im Gange seien. Es handele sich um umfangreiche Vorarbeiten, die durch die neu zu schaffenden Sippenämter geleistet werden müssen, und die deshalb nötig seien, weil es von ihren Feststellungen abhängig sein werde, wer deutcher Staatsbürger ist und wer es nicht sein kann. Das Auftreten früherer jüdischer Anwälte vor Gericht B e r 1 i n , - 8. Juni. In der „Juristischen Wochenschrift" wird ein Beschluß des Amtsgerichts Charlottenburg vom 17. Mai veröffentlicht, durch den einem jüdischen früheren Rechtsanwalt das Auftreten vor Gericht in fremden Rechtsangelegeriheiten verweigert wird, trotzdem an Eides Statt versichert worden ist, daß der frühere Rechtsanwalt seit einem Jahre keine Vertretung vor Gericht übernommn oder ausgeführt habe, und daß er jetzt die Vertretung nur aus Freundschaft übernommen habe, ohne Bezahlung dafür zu beanspruchen. Arierparagraph für Krankenschwestern und Wohlfahrtspflegerinnen; Der sächsische Innenminister hat in einer Verordnung bestimmt, daß die Zulassung zu den Prüfungen als Wohlfahrtspflegerin, Hebamme und technische Assistentin an medizinischen Instituten, Masseurin, Säuglings- und Kleinkinderpflegerin, Säuglings- und Kleinkinderschwester, Krüppelpflege- und Erziehungsschwester sowie als Krankenpflegeperson vom Nachweis arischer Abstammung abhängig sei. Ausnahmen hiervon könnten nur beim Vorliegen besonderer Gründe gestattet werden. Histadruth-Schulwerk geht in die Verwaltung des Waad Leumi über. Jerusalem, 11. Juni. Die Histadruth Haowdim, der allgemeine jüdische Arbeiterverband Palästinas, hat sein bisher selbständiges Schulwesen dem Waad Leumi, derdie Leitung des gesamten hebräischen Schulwerks inne hat, zur Verwaltung übergeben. Der Waad Leumi wird von nun an für den Gesamtetat auch dieser Schulen verantwortlich sein, während er ihm bisher nur eine Subvention gewährte. Die Autonomie des Histadruth-Schulwerks in pädagogischer Hinsicht bleibt gewahrt. Wie von der Schulabteilüng des Waad Leumi mitgeteilt wird, beträgt die Zahl der Schüler in den Schulen der Knesseth Israel zurzeit 32,788, die der Lehrer 1217. Der Etat der Schulen beträgt rund 130.000 Pfund. Im letzten Jahr war die Zahl der Schüler 27,706, die der Lehrer 1057. In einer anläßlich der Levante-Messe im Sommer 1934 herausgegebenen Information wurde festgestellt, daß das auf dem Prinzip, der Arbeitsschule aufgebaute Schulwerk der Histadruth 102 Schulen für Arbeiterkinder mit über 4000 Schülern und 200 Lehrern in 70 Siedlungen umfaßt. Die Gesamtleistungen des jüdischen Erziehungswesens Palästinas lag bis 1933 in den Händen de Erziehungsdepartments der Jewish Agency. Dann wurde es der Knesseth Israel übertragen und der Leitung des Waad Leumi unterstellt. Man unterscheidet allgemeine Schulen, Misrachischulen und Arbeiterschulen. Mit Rücksicht auf die von manchen Seiten geäußerte Befürchtung, durch die Uebergabe der Schulen an die Knesseth Israel könnten sie in den Streit der Parteien, die in der Knesseth Israel vertreten sind, hineingezogen werden, wurde mit der unmittelbaren Leitung des Schulwerks eine aus Vertre^ tern des Waad Leumi, der Jewish Agency und des Jischuw bestehende Sonderkonimission betraut. (ITA.) Die künftige parlamentarische Vertretung der Juden Polens* Warschau, 11. Juni. In Warschau finden zurzeit Verhandlungen zwischen Vertretern der Regierungspartei und der verschiedenen jüdischen Gruppen über die Zahl der den Juden im künftigen Sejm und Senat einzuräumenden Sitze statt. Die Wahl von Vertretern der Minderheiten in Polen und insbesondere der verstreut wohnenden Juden wird bekanntlich durch das neue polnische Wahlgesetz äußerst erschwert. Auch die in letzter Zeti vorgenommenen Ergänzungen zur Wahlordnung, die die Möglichkeiten für di« Wahl jüdischer Kandidaten in einer Reihe von Städten mit starker jüdischer Bevölkerung vermehren, bieten keine völlige Gewähr für die Erzielung einer dem Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung angemessenen Vertretung im künftigen polnischen Parlament. Vorläufig ist die Regierungspartei geneigt, den Juden insgesamt 6, höchstens 7 Vertreter zuzugestehen. Da die Juden fast 10 Proz. der Bevölkerung ausmachen, hätten sie jedoch, da der neue Sejm 220 Abgeordnete zählen wird, auf etwa 20 Mandate Anspruch. Die Verhandlungen werden fortgesetzt. Von der Offensive des Revisionismus. Prag, 9. Juni. Wladimir Jabotinsky hat in Vorträgen hier und in anderen Städten der Tschechoslowakei als die Aufgabe des Zionismus in der heutigen Zeit hingestellt, den Exodus des größten Teiles der Juden aus ihren bisherigen Wohnländern zu organisieren. Gleichzeitig kündigte Jabotinsky die Einberufung des ersten Kongresses, der „Unr abhängigen Zionisten" für Dezember 1935 an. Für das revisionistische Plebiszit seien bisher etwa 100.000 Stimmen abgegeben worden. ' Das Endergebnis des revisionistischen Plebiszits in P a 1 ä s t ina zeigt, daß 6100 Stimmen für und 200 gegen die Errichtung einer Unabhängigen Zionistischen Organisation abgegeben wurden. In Paris haben sich bei dem revisionistischen Plebiszit 364 Personen für die Gründung: der Unabhängigen Zionistischen Organisation ausgesprochen. 20 Personen stimmten dagegen. Oberkommissar Mac Donald über Siedlungsmöglichkeiten in Südamerika. New Y o r k ,. 9. Juni. Oberkommissar für. Auswandererfürsorge, James Q. MacDonald, erklärte nach seiner Rückkehr aus Brasilien, er beurteile die Aussichten, für die Unterbringung Ausgewanderter in den südamerikanischen Staaten günstig. Ein Hindernis bilde jedoch die Ausbreitung der faschistischen Bewegung," Die erwartete Verbesserung der Einwanderungsbedingungen in¬ Argentinien konnte nicht erzielt werden. Außenminister Dr. Llamas und Innenminister Dr. Melo haben MacDonald mitgefeilt, daß Sonderbestimmungen im Interesse der Einwanderung von. Juden aus Deutschland nicht getroffen werden könnten. M an würde dadurch de nFasc h i sten Waffen für antisemitische Propaganda liefern. Dem Mitarbeiter Mac- Donalds, Dr. Samuel Guy Inman, wurde vom Präsidenten von Honduras, General Caries, erklärt, die Regierung würde gegen die Einwanderung; jüdischer Wissenschaftler und Lehrer aus Deutschland nach Argentinien als Landarbeiter oder auf Grund von Bürgschaftserklärungen in Argentinien ansässiger Verwandten keinen Einwanderheben. Holländische Minister bei einer Garden Party zu Gunsten eines jüdischen Hilfswerkes. Amsterdam, 11. Juni. Zu Gunsten des jüdischen Werkdorfs im: Wieringermeer Polder (trocken gelegter Teil der Zuider See), in dem bekanntlich jüdische Jugendliche aus Deutschland in Handwerk und Landwirtschaft zwecks späterer Niederlassung in Palästina und anderen überseeischen Ländern ausgebildet werden, würde auf dem Landsitz „De- Wildzangk" des Senators S. van den B e r g h , eines der bedeutendsten jüdischen Philanthropen Hollands, eine Garden Party Ms ständige Einrichtung organisiert, bei deren Eröffnung neben zahlreichen hervorragenden jüdischen und _ nichtjüdischen Persönlichkeiten auch d r e i-h 'o 11 ä n d i s c h e Minister, Prof- Slotemaker de Bruine, Dr. Oüd und Dr. Deckers, sowie der Bürgermeister des Haag teilnahmen Der Minister für soziale Wohlfahrt, Prof, Slotemaker de Bruine, gab in seiner Eröffnungsansprache einen Ueberblick über Geschichte und Erfolge des Arbeitsdorfs. Der Minister teilte mit, daß in der Siedlung jetzt 160 Personen, und zwar 142 Schüler, 7 Lehrer und 10 Haushaltsangestellte leben. Unter den 142 Schülern gibt es 25 Landwirtschaftselevinnen,. 60 junge Leute, die in Landwirtschaft und Gartenbau ausgebildet werden und 60, die ein Handwerk erlernen. Nach Abschluß der Ernte werden die 30 ersten in dem Dorf ausgebildeten Zöglinge nach Palästina abreisen; im November wird eine Gruppe von 10 jungen Leuten in Südafrika-untergebracht werden. (Wie uns von zuverlässiger Seite zu diesem ITA-Berichte mitgeteilt wird, fand das Fest an den rn5n:3W-Tagen unter vielfachem ü"Yn fiiw b"\bn statt. Mußte das sein? Der gute Zweck kann am wenigsten solche Mittel heiligen, die, wie in diesem Falle, die Religion und die in Holland zahlreichen Religionstreuen verletzen. Red, des „Israelit".)