Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1935)
- Date
- 1935-06-06
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Erziehung und Lehre Pädagogfische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands m nßl5j5T5=5T515|5ir Verantwortliche Schiiitleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis OHenback) David Kaufmann n 17- Bei der am 2. Ijar in der Synagoge zu Dieburg veranstalteten Trauerfeier sprach der Vorsitzende der „Vereinigung gesetzestreuer. - Lehrer Hessens" Herr Kahn, Höchst i. 0.; folgende Worte: „In den weiten Kreis der Trauernden um den Heimgang des L Verklärten, des langjährigen religiösen Führers der Gemeinde Dieburg, des treuen Freundes und Kollegen tritt auch die „Vereinigung gesetzestreuer Lehrer Hessens" sowie der „Bund gesetzestreuer Lehrer Deutschlands", in deren Namen ich in tiefer Ergriffenheit dem-Heimgegangenen die letzten Abschiedsgrüße widme, den letzten Dank bringe für alles, was er all denen, die ihm im Leben nabestanden, gewesen. Was wir an einem Menschen besaßen, kommt uns erst voll zum Bewußtsein, wenn wir ihn verloren haben. Und so empfinden wir erst heute den großen Verlust, den das Scheiden David Kaufmanns für uns bedeutet, sehen wir erst Heute die ungeheure Lücke, die sein Weggang in unserem Lebensbau hinterlassen. War doch seine Persönlichkeit eins seltene Vereingung all der hohlen Lebenswerte, von denen einst die Schüler Rabbi Jochanans ben Sakkai ihrem Meister kündeten; eine herzgewinnende, liebenswürdige Persönlichkeit, die keinen Feind bessß. Ihm war jenes" naio yv zu eigen, das der erste Schüler als erstrebenswerte Tugend bezeichnete, , jenes gute Auge, das_ ihn alle Dinge und Menschen im besteh Lchte sehen ließ, eine Eigenschaft, die ihn befähigte, xtöt «pS> p zu se;n, die es ihm ermöglichte, als ein 'i$>t? tfrVil -"bv ani« lange Jahre, seiner Gemeinde in 'i^P zu dienen und sie. in wahrer Menschenliebe minV anpa zu sein. Uns Lehrern aber ward er über den Kreis der Gemeinde hinaus ein aiü nan» jene vom zweiten Schüler gerühmte Tugend, der von allen als gerader, schlichter, echter, bescheidener und aufrichtiger Freund und vorbildlicher - Kollege geliebt, gesehätzt und verehrt wurde, Bis zu seinem höchsten Lebensalter ein eifriger Besucher aller Konferenzen, an denen er regen-Anteil nahm, "gedenken wir mit besonderer Genugtuung, verbunden mit Wehmut der letzten Tagung des Vereins und Bundes, zu der er sich, schon zitternd und altersschwach, noch führen ließ, um nur wieder einige Stunden im Kreise der Kollegen weilen zu können. Uns Kollegen aus der näheren Umgebung Dieburgs aber war er ein aiö pVr der sich herzlich freuen konnte/wenn Kollegen in seinein stets gastfreundlichen Hause einkehrten, um Stünden froher Geselligkeit mit ihmzu verbringen, oder ]'Vin finn? und nwin ■na-rmit ihm; zu besprechen. Dort konnten wir . feststellen, daß er auch ein i^ian n« nain war, der in kluger Voraussicht keine Handlung, sei es in dienstlicher, kollegialer oder menschlicher Hinsicht unternahm, ohne sich deren Auswirkungen vorher gründlich überlegt zu haben, um ja seinem G'tte, seinen Kollegen, seiner Gemeinde " und der Menschheit im allgemeinen keinen vermeidbaren Schmerz zu.'bereiten. Und so vollendet sich sein Lebensbild in dem großen, gütigen, liebevollen Herzen,, dem sw aV dem . Herzen - voll: Menschenliebe, das er sein Eigen nennen konnte. So leuchtet sein Bild, als das eines wahren nrna ani« wie ein heller Stern vor uns auf und so soll es weiter leuchten und uns leiten für und für, bis auch, wir den Weg: zur Ewigkeit gehen, den er durch sein . mar uns ebnete ■»«' .: , -___ ' Aufgaben der jüdischen Schule im Hin^ Palästina-Einwanderung. Von Lippmann Kurzweil in Kopenhagen. Wo auch immer in der Diaspora," wird .der Stoffverteilungsplan zu Beginn des : neuen Schuljahres das P a 1 ä stinap roblern berücksichtigen müssen. Wir sind heute schon in. der 'Situation, daß das Problematisieren; von der Wirklichkeit überholt wird. Nur so versteht man die augenblickliche. Unklarheit in •der Zielsetzung 'der Diaspora-Schulen. Dazu gesellt sich noch die Phrase des Tages, daß Krisezeiten am geeignetsten seien, das Schulwesen zu reformieren. Umbruch — wohin? Vor 1900 Jahren hieß der Umbruch Jawne und seit damals sind in allen Ländern Jawnes entstanden. Jawne war kein neues Patent, dafür aber wohlerprobt. Es erhebt sich auch bei unserm heutigen Umbruch die nüchterne Frage, wie unsere Schule ihr Jawne-Ziel erreicht. Eine beliebte Erneuerung ist der Werkunterricht in der Schule. Wenn jemand in der Gola ein Handwerk ergreifen will, erfolgt die fachliche Ausbildung erst nach Absolvierung der Schule. Mit andern Worten: Die Facharbeit gehört nichtin den Rahmen der Pflichtschule. Es werden heute schon vonseiten der Handwerksmeister Stimmen laut, daß die Schule nicht einmal den Anfangsunterricht für irgendein. Handwerk erteilen solle.' Man erziehe damit nur Pfuscher. Dies ist vielfach übersehen worden, nicht zugunsten der Aufbauarbeit in Palästina. Der Schuljugend galt ja nicht der Ruf nach Umbruch und Umschmelzung. Die Schulpflichtigen können nach wie vor die reguläre Ausbildung eines Handwerkers oder Bauern genießen. Inwieweit sich ein Jugendlicher für einen bestimmten Beruf eignet, läßt sich im" Schulalter nur ganz ausnahmsweise feststellen. Diese Erwägungen sprechen deutlich gegen die Forderung der Berufsberatungsstelleri, man solle in der Schule Werkunterricht einführen. Die Praxis geht hierbei -einen anderen Weg als die Theorie! Was die Schule neu aufzunehmen hat, um den Anforderungen _Erez Jisroels zu genügen, ist die geistige und halachische Vorberei- -t u n g. Der Geist eines pK und die Halacha eines, tnp nm«- Um einen der Aussprüche im Talmud, die vom Umbruch: unseres Geisteslebens in Erez erzählen, zu 'erwähnen, sei rup a~a' zitiert: '"kt k-pir D'ana „die Luft Palästinas macht weise", Wohl nicht so zu verstehen, als ob die. Beschaffenheit der Palästinaluft weisheitfördernd wirkt, sonst könnte man das Monopol eines stark nachgefragten Exportartikels starten lassen. Raschi z. St. meint, der nach Erez Jisroel heimkehrende Rab Sero fand die absolute Wahrhaftigkeit seines Lernens erst in Palästina. Die Luft , macht weise; sie führt zur Wahrheit. Was auf Grönland als Weisheit gilt, schüttelt unser ABC-Schütze aus dem Aermel, so relativ ist der Begriff der Weisheit. Die Künste der allgemeinen Logik dulden sogar eine Kritik wie: praktische Weisheit kann theoretische Dummheit sein und umgekehrt. Wo ist der Maßstab für die absolute Weisheit? Darauf gibt es nur eine Antwort: Erez Jisroel. ua&'nsy lastis» irVn enpenn-a"ainiz? dv» sagen die Talmudweisen in a*» ai»»a» „seitdem das Heiligtum zerstört worden ist, und wir aus unserm Lande vertrieben wurden, ist uns die Weisheit (s. l*' 5»' 3i'») genommen worden." Es mag das geschichtliche Erlebnis in Erez Jisroel schuld daran sein, daß unsere Denkungsart ungeschminkter/ist, befreit von den Gölusschlacken und der kurzsichtigen, bequemen Emanzipation. Mag sein! Ins Gewicht fallend ist jedoch das erzieherische Moment der p«a w^nn jtob, der bodenständigen Pflichten, die unsre Gedankenrichtung ganz andern Zielen und Idealen zusteuern lassen, die uns die originale jüdische Logik wieder geben. Sonderbar; jüdische Logik! Als ob Logik von Konfession. abhinge. Diesem Einwand sei erwidert, daß .nicht.die jüdische Konfession die Logik beeinflusse, wohl aber das von G'tt gewollte Leben und Streben. Absolute Wahrhaftigkeit ist bei G'tt und absolute Logik findet nur der, der in G'tteslehre forscht. Dorten, in Erez Jisroel, findet der ganz« Kreis unserer nixn Anwendung. Damit komme ich zum zweiten Punkt meiner Forderung: die Halacha. Auch hierfür ein Wort unserer Weisen s. A. (res *i"a) naana naan ym "»"tt mina mvi y* „Nirgends ist die Tauroh so wie in Erez, nirgends solche Weisheit wie in Erez." Die Weisheit hängt von der Verwirklichung der Tauroh ab. Sagt die Tauroh: „Und nun Israel, was fordert G'tt, dein G'tt, von dir? Nichts, als G'tt, deinen G'tt, zu fürchten" (Deut. 10, 12}, so meint David 'nft*vn»anmtr«-i „Anfang der Weisheit ist G'ttes f u r c h t" (Ps. 111,10.) Diese zunächst homiletischen Ausführungen sollen und müssen in der Schule feste Gestalt annehmen. Im Tauroh- Unterricht sind auch die Partien, die sich auf Erez beziehen, zu besprechen. D'yii ttd ist mit bedachter Auswahl zu lernen. Nicht zu vergessen ist der viel gefeierte und weniger beachtete Rambam D'jnt lao- Der orthodoxe Rabbinerverb and würde eine klaffende Lücke ausfüllen, wenn er die jüdische Öffentlichkeit mit der praktischen Anwendung dieser in Rambams lao erwähnten r.isn vertraut machen würde. M. E, sind eventuelle Bedenken seitens des Verbandes für eine derartige Entscheidung gegenüber dem großen bllMD ü'a-n zu unterdrücken. Wie die jüdische Schule bisher über B"'i naw usw. klaren Bescheid gab, muß sie nunmehr eindeutig lehren, was der jüdische Bauer in Erez zu beachten hat, um den Vorschriften der Tauroh zu entsprechen. Wenn nicht hierin ein Umbruch stattzufinden hat, wo sonst? Wenn nicht jetzt, wann denn? Man hört schon bisweilen von „halachischen" Entscheidungen, deren Epilog lautet: nach agudistischer Ansicht . . ., nach misrachistischer Erwägung . . .! Wenn überhaupt Hoffnung besteht, die jüdische Schule den Forderungen der Stunde anzupassen, muß dem Lehrer das nötige autorisierte Material zur Verfügung stehen. Last, a n d least ist im Zusammenhange mit der Erez-Arbeit in der Schule, die hebräische Umgangssprache zu erwähnen. Ueber dieses „and" muß noch Rechenschaft abgelegt werden, was jedoch einen besonderen Artikel erfordert. Die Mischnah als Lehrstoff im Religionsunterricht, jaipa' inr»1) Von Rabbiner Dr. Michalski in Karlsruhe. Vorwort: Dieser p Q ist in vielen übersetzten Gebetbüchern nicht übersetzt, ist vielen Betern unverständlich. Es ist auch im Hinblick auf die von liberaler. Seite erstrebte Streichung der Opfergebete, — von großer Bedeutung, dem Schüler der Oberklasse sein Verständnis zu erschließen. Er begreift dann die Stellung des •frta im Morgengebet. Das Morgengebet rüstet zum Kampf des Tages, erstrebt kampflose Unterordnung unter G'ttes Willen. Die Heiligung in Wort und Tat wurzelt in der im Gebet , und Opfer erlangten Beurteilung der Vergangenheit und der Zukunft.2-) Gegen G'tt gefehlt hat die Vergangenheit, im Dienste G'ttes stehe die Zukunft. Die Opferlehre zeigt dies mit symbolischer Handlung, so hätte die Vergangenheit sein müssen und können, so kann und soll die Zukunft werden. Selbstbeurteilung wird zur Selbstverurteilung. Sie schützt vor Unterschätzung des Ideals der G'ttestreue und vor Ueberschätzung der Wirklichkeit. Sie lehrtdie Möglichkeit und Fähigkeit des Strebens nach Heiligung. Dieses sucht nicht die Nähe G'ttes, um für sich Mittel zu erlangen, sondern sucht nur das Opfer als Mittel, um die Nähe G'ttes zu gewinnen — *pnp- Diesem Streben der Liebe zu G'tt, die freudig Opfer bringt, ohne sie als Opfer zu empfinden, ist das Opfer eine Bekenntnistat, die dem Gelöbnis Ausdruck leiht, im Leben G'tt zu dienen, Wehmut über das entschwundene, Sehnsucht nach dem einst erstehenden Heiligtum fügt die Opferlehre dem Morgengebet ein. Ausdruck gibt sie dem Wunsche, die rma? den. Liebesdienst „am" Herzen, das Gebet, der HaTan M'a». dem Liebesdienst am Altar gleich zu setzen. U'ftS» ans nn5>iMi 3) „Mit Stiereskraft möchten wir der Lippen Gelöbnis zur Tat werden lassen." Das Erforschen des G'tteswillens, der in mm und nas>» sieh offenbart, ist eine Tat.4) Auch dem Unkundigen wird sie in diesem Abschnitt ermöglicht. Er gibt die Anregung, im eigenen . Lieben der Taten und der Schickungen sich bewußt zu werden, die Veranlassung sein würden .der aufgeführten Opferarten. Wie das Opfer, soll das Gebet nicht Ersatz für die Erfüllung der G'ttesgebote, sondern Anlei- *) Aus oma» jnt' einem Mischnakommentar nach dem Forschurigssystem Rabbiner S. R. Hirschs ^"pUT c. VII. 2) Vgl. snm: § 621/2. 3) Hosea 14, 3. . j 4) 'i 'o m« *>w»