Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1935)
- Date
- 1935-06-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 Nr. 23 D e-r Ist» I i t 6. Juni 1935 Wilde, was Baruch mit innerlicher Freude als Bekenntnis des Vaters zu Palästina nahm. Also fuhren sie langsam die wellige Straße zum Bazar der alten Stadt Jaffa hinauf. Was für eine neue Welt, was für Häuser und Menschen, was für Kleidung und Sprache. Frau Ida konnte sich gar nicht satt sehen. Würdige hochbeturbante Männer saßen vor ihren Teppichen und reich gewirkten Stoffen und feilschten mit den Kunden. Verhüllte Frauen kamen tänzelnd wie Königinnen daher. Menschen in langen wallenden Röcken hielt man für Frauen und waren doch, wenn man sie von vorne sah, Männer mit Bart und vielen bunten Bändern am Kopftuch. „Fellachen oder Beduinen." erklärte Baruch. Phantastische Gestalten kamen auf kleinen Eselchen geritten, von denen man nur noch Kopf und Schweif sah. Sie wären auf einen fremden Stern verzaubert. Die schmale Gasse mündete in ein baumbestandenes Viereck. Man fuhr an einer grünen Promenade vorbei. Unvermittelt wurden die Straßen breiter, sauberre und schöner, die Häuser rechts und links — vornehm und stattlich, Schilder in hebräischer und auch englischer Sprache leuchteten blank und farbig von allen Seiten. „Wir sind in T e 1 Awiw!" verkündete Baruch. (Fortsetzung folgt.) An diesem Tage ward Dir Dein Gesetz/) Aufstöhnte der Berg in Wolken Rauchs gehüllt Vom Brausen der Posaunen wild durchbebt: Und aus des Chaos - dunklem Wogen heb*t - Sich des Gesetzes steingehaunes Bild. Und Einer stand, wie Säulen ragend stehen, Ein Pfeiler zwischen G'tt und seiner Welt: Und Mosche sah, was nie ein Mensch gesehen, ' Die Glorie" G'ttes, die Gerichtstag hält. Und dein Gesetz ward; dir an diesem Tage! —• Du standest zagend in des Volkes Menge Am Fuß des Bergs in angstgebundner Enge u * Und warst ein Zittern undf'ein Tori von Kläge, Bis daß der Eine dir die Weisung brachte. — Es neigten sieh in Furcht die Mensehenherden — Doch als der Herr sein Licht in uns entfachte, War der Gehorsam vor dem Innewerden. Ben^Chorin. Ewigkeit und Geschichtlichkeit Gedanken zur A. Marcus'schen [\ „Jüdischen Chronologie". Von B. Cohen. . 1, In den Geschichtslehrbü ehern der Vorkriegszeit pflegte zwischen den Völkern der Antike die Vor- und'Urgeschichte Israels'nicht erwähnt zu werden. Auch die alten Assyrer und Babylonier hatten darin keinen beachtlichen Ort. Die Verfasser dieser Bücher hatten ihren Gesichtskreis nicht erheblich über den etwa des Herödot hinaus geweitet und ließen es deutlich merken, daß sie den größten Teil des erzählenden Inhalts der jüdischen Bibel, für Sage hielten, die nichts im Lehrbuch für Geschichte zu suchen hat. Unter diesen Verfassern mögen sich andererseits auch bibelgläubige Gelehrte befunden haben, welche die Erwähnung der „Anfänge der HeilsgescKichte" im allgemeinen Geschichtslehrbuch vielleicht für eine Entweihung des Bibelinhalts ansahen. — Unter dem Drucke der assyriologischen und ägyptologischen Ausgrabungsergebnisse wichen aber etwa seit 1920 die Schulhistoriker-von dieser Praxis ab und gönnten auch der jüdischen und sonstigen altorientalischen Urgeschichte soviel Raum in ihren Lehrbüchern, als.es das europäische kulturgeschicht-' liehe Interesse zuließ. Der religiöse Teil der Lehrbuchverfasser überschrieb noch manchmal das Kapitel, das die jüdische Vergangenheit enthielt, mit den Worten: „Das Volk der Religion''. Dennoch war es in allen diesen. Büchern für den Schüler deutlich erkennbar, daß auch die Geschichte Altrlsraels sich nicht in einer erträumten Sagenwelt, sondern mitten im Getriebe des Völkergeschehens jener 2eit abgespielt hat. — Die neueste Entwicklnüg des Lehrbuchwesens in Deutschland "war dann eine in dieser Hinsicht rückläufige; die Erwähnung des Judentums ist, wieder auf das. Unumgängliche eingeschränkt worden. ■ ■ . ,. *J Aus dem demnächst erscheinenden Gedichtband. „Der Lieder des ewigen Brunnens neue Folge". 2. Waren nach dem Bekanntwerden der bibelbe stätigenden\, Ergebhisse allgemeiner. Geschichtsforschung aüch die Religionsihrbücher von einem wirklichkeitsnäheren Geiste erfüllt worden,- wenigstens die für die " Mittelstufe, .beistimmten? Es' lag ja nahe genug, etwa die Berichte über die .ägyptische Knechtschaft mit den Bildern über Fronarbeit zu illustrieren, wie sie in ägyptischen Grabkammern gefunden wurden;, zu den Geschichten um Omri,' Ahab und Jehu hätten gut die keilschriftlichen Erwähnun-. gen Israels als des Landse Omris,; — vielleicht auch ein Bild des Mesa-Steins gepaßt. Zu Hiskias. Belage' rung durch Sanherib hätte die Sieges-Inschrift, des Letzteren sich gut gefügt, in der die Ergebnislosigkeit der Belagerung nach Heeresbericht-Art durch Stillschweigen angedeutet ist, und auch über König Menascheh hätte die Zeitgeschichte deutliche Auskunft gegeben> Ist von alledem Gebrauch gemacht worden? Vereinzelt ist dies in — katholischen Religionslehrbüchern für das fünfte bis sechste Schuljahr geschehen; noch vereinzelter vielleicht in sonstigen, nicht bekannt gewordenen protestantischen Büchern für die Mittelstufe. Im gesetzestreuen jüdischen Kreise hat man bisher geglaubt, ohne solchen Pinn nnttx auskommen zu können, was vielleicht stellenweise, aber nur stellenweise berechtigt war, Und in sonstigen jüdischen.Kreisen war das Interesse" an wirklichkeitsnaher historischer Fundamentierung des Bibelinhalts meist jedenfalls nicht größer als es in Vorkriegs-Historikerkreisen war. Man fürchtete, die historische Religion mache „rechthaberisch" (H. Cohen, und Andere.) .... 3.. In diese verfahrene und finstere Situation leuchtete schon um die Jahrhundertwende der historische Teil des Marcus'schen „Barsüai" aufs Grellste hinein. Gegen Ende seines Lebens hat der Verfasser die rein geschichtlichen Leitgedanken genannter Schrift nochmals in einer historischen Spezialstudie zusammengestellt, die nunmehr als „Jüdische Chronologie" erschienen ist. Eine bessere Materialsammlung für ein lebenvolles und erziehendes biblisches Geschichtslehrbuch jüdischer Schulen konnten wir uns kaum denken und wünschen. Es gibt nun keinen Grund mehr, dieses Desideratum nicht zu verfassen. Nur, um dies zu veranlassen, und, ohne jede verlagsseitige Aufforderung, sind diese Zeilen geschrieben. Auch, den Geist der Gewißheit und des Stolzes, ohne den ein Geschichtslehrbuch nichts zur jüdisch religiösen Erziehung beifragen kann, müßte der Verfasser dieses Desideratums nicht erst in der Ferne suchen, sondern konnte ihn gut aus dem Buche Marcus' sei-' ber in reichstem Maße schöpfen. Es muß zugestanden werden, ■ daß Marcus den Historikern anderen oder überhaupt mangelnden Bekenntnisses stellenweise die Objektivität und die bona .fides völlig abspricht. Noch vor zwei, ja vor 1% Jahrzehnten hätte man sein Buch aus diesem Grunde unbeachtet gelassen. Im heutigen Konzerte der Meinungen würde auch das keinen Diskord ergeben; die obgenannte Entwicklung des Geschichtslehrbuchwesens bringt uns auch hierin , auf neue Gedanken. 4. Marcus ist nicht einer von denen, deren wissenschaftliches Ergebnis, wie es in Nachrufen auf ihn zu; lesen war, infolge eines blinden Dogmenglaubens vor der Untersuchung feststeht. Er kannte die Urgeschichte der Schöpfung und der Menschheit, die Entwicklungslehre und die Idee außernoachxdischer Urrassen nicht -erst aus der neuesten Naturforschung, sondern ebenso schon aus der innersten jüdischen Lehren der Kabbala. Sanh. 4, 5 lehrt die Einheit der Menschheit, —- einen unumstößlichen jüdischen Grundgedanken; Gen. 6, 4 und Num. 13, 33 beweisen die Existenz außernoachidischer Völker, deren chaotische Unkultur zu überwinden das Ziel der g'ttlichen Menschheitserziehung ist, und das ist im Marcus'¬ schen System der Sinn der Geschichte überhaupt und der jüdischen insbesondere. Ein ewiges Auf und Ab zwischen Menschheitsgefühl und Volkstum mag in fremden Lehren und Völkern mit innerer Notwendigkeit herrschen. Wie in der jüdischen Lehre das ganze Lebenssystem des Einzelnen und des Volkes; um diese beiden Pole kreist, — das muß man im ' Marcus'schen Geschichtswerk forschend mitzuerleben , suchen.; , : 5. Man lernt aus ihm jedoch auch dann auf Schritt \ und Tritt. genügend Neues, wenn man sich nur auf; die einzelnen historischen Stationen unserer Volk- : werdung'beschränkt. Hier werden alle Ereignisse unserer Vorzeit zugleich an die ihnen gebührende Stelle der außerjüdischen Chroniken und Annalen gerückt, So wie schon unsere Weisen wußten, daß die ägyptische Knechtschaft nicht 430, sondern 210 Jahre dauerte, so weist M. nach, daß auch die Zahl 480 des Königsbuchs für das Tempelbaujahr anders als üblich zu verstehen ist und daß auch R. Joße ben Chalafta über die Dauer der Perserzeit keine verläßliche "Nachricht hatte. So wird ein brauchbarer Anschluß der biblischen an die allgemeine Geschichte erzielt. Den 83. Psalm, erklärt M. aus der Situation der Richterzeit;, den 74, und den 79. aus der des Rechabeam im Schischak-Kriege. Man gewinnt aus der ganzen:- Schrift das, was; uns in .der jheutigen Zeit am meisten nöttut, nämlich eine ganz eigenartiges Vertrauen!in. das, was uns "die* Forschung der nächsten Zeit bringen wird. Nachdem die historischen Funde, die bisher hut selten 'uftd 'm' igeringer Zahl gefunden wurden, schon soviele biblische Berichte in neues -geschichtliches Licht gerückt haben, — wieviel' Se- .; gen müßte für das Volk der Bibel dann" entstehen, wenn erstens die hier bearbeiteten-Forschungen auf dem Boden. des Heiligen Landes^ und seiner Umgebung in verstärktem ..Maße und unter Mithilfe gesetzestreuer jüdischer'Ansiedler fortgesetzt und vor allem mre Ergebnisse baldigst' zu einem Lehrbuch wie dem anfangs erhofften verwertet würden! 6. Bei aller Freude über das Erscheinen der Marcus'schen Chronologie, seien für'eine .Neuauflage oder für die hoffentlich recht baldige Fortsetzung 'der Publikation einige dringliche Wunsche verstattet. Vor Allem erscheine die vorliegende Schrift, die\ ja ein Exzerpt des „Barsüai" darstellt, am besten * künftig verbunden mit einem Sach- und Namensregister zum „Barsilai", der Letzteren erst zu einer wahren* Fundgrube machen würde. Außerdem wäre «ine radikale Ausmerzung der vielen sinnstörenden Druckfehler als bwan mon geradezu eine mm vielfach errät nur der Sachkundige den Sinn. Die für die Datierung Nehemjas aufgrund 12, 11 und 21 entscheidend wichtige. Josefussteile über Bagoas sollte lieber in der deutlichen Form Barsilai- S. 321 als in der gar zu dunklen Chronol. S. 101. vorgebrachtwerden, damit man sieht, daß sie nicht etwa vor Esras Zug nach , Jerusalem:.spielt. Aus den Papyri''von Elefantine sollten auch die nach Marcus' Ableben von Üngnad bearbeiteten mitverwertet werden,, in. deren einem, nach Schade,.sogar eine yan nvsn andeutungsweise erwähnt scheint. Stellenweise wenigstens scheint eine Mit-Erwähnung der üblichen Zeitrechnung, aus Uebersichtlichkeitsgründen empfehlenswert; Aehnlich empfindet man letzteres als Bedarf bei den Schriften von R. Breuer undV~raV M. Münk über Esra. — Ebenso wie es für uns feststeht, daß G'tt, der überweltliche G'tt, Lenker .aller Geschicke; auf dieser Erde ist, ebenso muß jüdische Geschichtsforschung und -belehrung .darauf achten", daß bei aller Ueberzeugtheit vom Unvergleichlichen und Heiligen in der' Geschichte Israels doch auch der Gedanke nicht verloren gehtr Israel lebte und lebt seinen wundererfüllten Weg. durch die Gefilde der wirklichen Menschen und Völkergeschichte, denn G'ttes ist die ganze Erde. •pKn bs ■>)> »3 o»nyn bo nbio '•>}>■ nn»m Vöni östlichen Humor. U n t er Kauf.leute n. v „Ich_ kaufte mir ein Loos. Wenn ich gewinne, dann fahre ichr nach Erez: Jisroel." " ' " „Und wenn du nicht gewinnst?" ';; „Dann wird mir nichts Anderes übrig bleiben,, als nach Erez Jisroel zu fahren... . ." Gefährlicher Weg.. „Wohin so eilig?" wird ein daherkommender würdiger Mann .in Lodz von seinem Freunde angehalten;' „In den Stadtrat, wo dehn sonst? Ich bin ja' Ratffläüfl." - ~ „Hast du auch-Abschied von Weib .und Kind genommen?" ..... Man erzählt im Städtchen^ Baron Rothschild' hätte hundert Millionen _ an»Petroleumgewonnen; Sagt der Badchon (Spaßmacher) berichtigend' Ist im Ganzen wahr, es müßten nur einige Ungenauigkeiten richtiggestellt werden. Es war nicht. Rothschild, sondern Jankel, der Schammes vom Städtchen. Es waren auch nicht hundert Millionen, * sondern achtzig Groschen, unddiese hat Jankel nicht, an Petroleum, sondern an Hauschannaus — v e r 1 o r e n. Sonst stimmt alles ... Z i o n s g e b e t. Wann sagt man jvxb Rm -»im? Wann? Natürlich nach Tachnun.. ' Und wann sonst? Weiß ich nicht. r ■ — Wenn man endlich ein Zertifikat bekommen hat, „Heil dem';'der endlich nach Zion kommt! . .'; ,rh * Der P e c h v o g e 1. ' Will ich in die Sommerfrische, regnet es in Strömen. n^.Will ich früh zu Bett gehen, kommen Gäste. Warle ich auf die .Straßenbahn, kommen alle Nummern, nur nicht ,d i eV die ich brauche... Vom Zähnweh ' werde ich .. immer nur nachts befallen, wenn di'e^ Zahnärzte-schlafen, ' Eine vortreffliche Antwort auf eine Beleidigung fällt mir immer erst nach 24 Stunden ein. Der gute Rat. Rockefeller, der große Finanzmann, geht in Gedanken über die Straße von New York und merkt nicht, daß ehi Aüto1 über den Weg rast. Ein armer eingewanderter Judesieht-'es;1 -'packt den Bankier am . Arm und rettet; ihn hoch ini, letzten Augenblick? yor demsicheren Tode. . . . -; : „Wie kanh ich Ihnen nur dänfcen?" stammelt der Bankier verwirrt.. / : " ' ' „Nichts leichter wie das,'' gibt der Andere zurück, „ich bin fremd und stehe ratlos da." .; „Sie; wollen einen Rat? Den kann ich Ihnen geben. Für den Fall, daß Sie Aktien. ,der Goldgruben von Alaska besitzen, so laufen Sie schnell; jzür Börse und schlagen Sie sie ..los, morgen werden sie "Um 50 Proz, sinken;" - : :