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Der Israelit · 1935-06-06 · Heft 23 (6.6.1935) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 23 (6.6.1935)
Date
1935-06-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 23 Der Israelit 6. Juni 1935 den, ohne daß man zunächst beträchtliche Gelder hineingesteckt hat. Die Pioniere, die ihre Arbeitskraft in den Boden hineinstecken, sind unter allen Umständen auf die finanziellen Mittel der Gesamtheit angewiesen, auch wenn sie noch so sehr, zu persönlichen Opfern bereit sind. Sollte der Versuch, was G'tt verhüten möge, wiederum nicht zu einem Gelingen führen, so darf keinesfalls den Siedlern selbst oder den palästinensischen Kreisen ein Vorwurf gemacht werden. Am letzten Freitag lud der Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Kaldi, angesehene Vertreter des Jischuw aus allen Religionsbekenntnissen zu einem Tee ein, sowohl jüdische als arabische. Von Seiten der Orthodoxie waren geladen>Oberrabbiner Duschinski Rabbi Mosche Blau, Rabbiner Jonathan Horovicz, Sanitätsrat Dr. Wallach, Mosche Glückman-Porusch und die Mitglieder der Agudo-Fraktion im Stadtrat. Oberrabbiner Duschinski konnte mit Rücksicht auf den Freitag nicht teilnehmen. Die arabischen Zeitungen kritisieren den Bürgermeister, «weil er die Zusammenkunft gemeinsam für Araber und Juden veranstaltet habe. Sie greifen auch den Mufti wegen seiner Anwesenheit an und bezeichnen Dr. Kaldi nationalen Verräter. Die unaufhörliche Hetze der arabischen Presse, die fortgesetzt andauert, hat erfreulicherweise keinen großen Einfluß auf die arabische Bevölkerung, die in Ruhe leben und ihr wirtschaftliches Auskommen finden will. Anders steht es jedoch mit der Jugend, die durch Wirtschaftssorgen nicht in Ansprühe genommen ist und nichts zu tun hat. In den Kreisen dieser Jugend ist in der letzten Zeit starke Eregung zu beobachten. Sie finden kein Gefallen an der herrschenden Ruhe und veranstalten Versammlungen und Zusammenkünfte. Diese Woche fand eine Konferenz der arabischen Jugend aus dem ganzen Lande in Haifa statt. Man kann nicht leugnen, daß die arabische Jugend sich fortgesetzt politisch weiter entwickelt und der Geist der in dieser Konferenz herrscht, darf nicht unbeachtet bleiben. Nach Verlesung einiger Verse aus dem Koran erhoben sich die Versammelten auf zwei Minuten, um schweigend der Märtyrer des arabischen Volkes zu gedenken. Noch bemerkenswerter sind die giftigen Resolutionen, die die Versammlung gefaßt hat und die sich in der Hauptsache gegen die Juden kehren. Die Regierung wird aufgefordert, der „Eroberung" Erez Jisroels durch die Juden entgegenzutreten. Eine Reihe von Resolutionen suchen den weiteren Bodenverkauf an Juden zu verhindern und schlagen dafür praktisch-wirtschaftliche Mittel vor. Die politischen Resolutionen fordern Konzentration der nationalen Kräfte, um der zionistischen' Gefahr zu begegnen und die Verstärkung der Propaganda im In- und Auslande. Schließlich wurde ein Beschluß angenommen, der eine Drohung für die Regierung darstellen soll. Er lautet: „Wenn die Regierung fortfährt, die Einwanderung und den Bodenverkauf an Juden zu erleichtern, wird der Exekutivausschuß der arabischen Jugend zu dem System der Proteste übergehen." Auch an den Völkerbund wurde ein Protesttelegramm gegen die Regierung von Palästina gesandt. M. G.-P. Amnestie für die nach den Palästinaunruhen des Jahres 1929 Verurteilten, Jerusalem, 2. Juni. Wie von autoritativer Seite mitgeteilt wird, sollen anläßlich des Geburtstag Königs Georgs V, am 3. Juni 37 im Zusammenhang mit den Palästinaunruhen des Jahres 1929 Verurteilten amnestiert werden. Zehn Personen, unter ihnen die seinerzeit wegen Ueberschreitung der Notwehr zum Tode verurteilten, später aber zu lebenslänglichem Gefängnis begnadigten Juden Simcha C h i n k e s und Josef Urphali, sollen sofort auf fr.eien Fuß gesetzt, die Strafen der übrigen Verurteilten sollen herabgesetzt werden. Den Unruhen des Jahres 1929 waren 132 Juden zum Opfer gefallen. Etwa 10 arabische Aufrührer und die Juden Chinkes und Urphali wurden nach den blutigen Ereignissen zum Tode verurteilt, das Urteil wurde jedoch nur an drei Arabern im Gefängnis von Akko vollzogen. Von den Hingerichteten stammten zwei aus Hebron, wo die Araber ein furchtbares Blutbad unter den Jüngern der dortigen Jeschiwa angerichtet hatten, und einer aus Safed Chinkes war Korporal der Palästinapolizei; er ist aus Rowno nach Palästina eingewandert. Urphali ist ein in Palästina geborener sephardischer Jude. (ITA.) Die Verteilung der neuen Palästinaeinwanderungszertifikate. Jerusalem, 31. Mai. Ueber die Verteilung der Zertifikate der neuen Arbeitereinwanderungsschedule machte der Leiter der Einwanderungsabteilung der Jewish Agency, J. Gruenbaum, in einer Pressekonferenz folgende Mitteilungen: 4283 Zertifikate sind für Chaluzim und ungelernte Arbeiter bestimmt, 917 für gelernte Arbeiter und 1750 für Angehörige von Palästinaeinwohnern. Hierzu bemerkte Gruenbaum, daß seit 1933 15.000 Gesuche um Zuteilung von Verwandtenzertifi katen eingelaufen sind. Von den übrigen Zertifikaten werden 600 Arbeitern zugeteilt werden, die persönlich von Unternehmern angefordert wurden. Amerika. Gegen religiöse, nationale und Rassenintoleranz in amerikanischen Schulen. New York, 24. Mai. Gouverneur Herbert H. Lehman hat ein vor kurzem von der Legislative des Staates New York angenommenes Gesetz bestätigt, durch das eine unterschiedliche Behandlung von Schülern in den aus öffentlichen Mitteln unterstützten Schulen auf Grund von Religion, Nationalität oder Rasse untersagt wird, Gleichzeitig bestätigte der Gouverneur ein Gesetz, das den Versicherungsgesellschaften unterschiedliche Behandlung von Versicherungsnehmern wegen ihrer konfessionellen, nationalen oder rassischen Zugehörigkeit verbietet. James Marshall, der Sohn des vor einigen Jahren verstorbenen großen amerikanisch-jüdischen Führers Louis Marshall, wurde zum Mitglied der Newyorker Unterrichtskommission ernannt. In einer Ansprache verlangte er, daß in den Schulen, den Sprachen und Kulturen der Einwanderergruppen, darunter auch der jüdischen Sprache und Kultur mehr Aufmerksamkeit und Verständnis entgegengebracht werde. " Nicht durch Unterdrückung irgend eines Bevölkerungsteils, nicht durch Erzeugung von Scham und Minderwertigkeitsgefühlen, sondern nur durch Erziehung zu gegenseitiger Achtung könne ein einiges Volk geschaffen werden. Personalien. Berlin, 20. Mai. Ein großer Kreis von Freunden und Bekannten scharte sich um die nächsten Angehörigen bei der Bestattung der im 82. Lebensjahre heimgegangenen Frau Auguste L e v y geb. Jastrow. Eine lebhafte, gebildete, geistesfrische Frau ist in ihr dahingegangen, die, heiter und lebensklug, starken Einfluß auf ihre Umgebung ausgeübt hat. Dieser Einfluß wurde verstärkt durch die gewinnende Anmut ihres Wesens. Sie war eine vortreffliche Frau, die mit Ruhe und Sicherheit ihrem Hause in Posen vorstand und in ihren Räumen und überall, wohin sie kam, den Zauber edler Weiblichkeit entfaltete. An der Seite ihres heimgegangenen Gatten blieb sie — wenn sie auch..in ihrer Bescheidenheit nichthervortreten., wollte' — des . Hauses Sonne, deren Glanz alles erwärmte. Vor fast 12% Jahrzehnten siedelte sie nach Berlin, über und von neuem bildete sich lim , sie ein Kreis, geistig interessierter Freunde, denen ■ insbesondere in den letzten Jahren das Haus ihres Sohnes, Rabbiner Dr. Harry L e v y geistiger Mittelpunkt wurde. Was sie ihrer Wesensart entsprechend als Jüdin in ihrer G'tt es- und Gesetzestreue gewesen und den Ihren vorgelebt hat, das bleibt ihnen als unverlierbares Gut erhalten. Wir aber, der Kreis derer, die in stark' empfundener Verehrung uns ihr verbunden fühlten, sagen ihr für all das, was sie uns gewesen, tiefen, tiefen Dank. .TraMn Freiburg i. Br., 29. Mai. Am 22. Mai d. J. waren 25 Jahre verflossen,, seit der Vorsitzende des Friedr richsheim, in .Cailingen, Herr Rechtsanwalt Kassew i t z; in; . Freiburg i. Br. den Vorsitz des geschäftsführenden'Vorstandes übernommen hatte. Schon die Persönlichkeit des Jubilars-, der sich um die Interessen des! überlieferten Judentums als Mitglied des ha'-, dischen. Oberrates große; Verdienste 'erworben hat und dessen Name weit über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus bekannt geworden ist, würde es gerechtfertigt haben, diesen seinen Ehrentag nicht mit. Stillschweigen' zu übergehen. Die Vorbereitungen zu einer stillen und würdigen Feier am 10. Juni des Jahres, waren im vollen Gange. Da bekam der Vorsitzende Wind , von dem. PlaniV und die Feier mußte unterbleiben, weil er in seiner Bescheidenheit um keinen Preis gefeiert sein will. Um trotzdem seinem Wunsche, seine Person nicht in den Vordergrund zu stellen, Rechnungzu tragen, soll nur die Art, wie der Jubilar npnx nix» an Drr>03aa rrvv a^w erfüllt, angedeutet werden, 'Wer nun: Gelegenheit hat, Herrn Kassewitz im Hause zu beobachten und festzustellen, wie er den Schutzbefohlenen des Heimes gerecht zu werden sucht, der sieht die Worte unserer Lehrer in die Tat umgesetzt. Der Jubilar kennt jeden unserer Insassen — es sind etwa 60 — nicht nur nach Namen und Aussehen, sondern auch mit .seinen Eigenheiten und hat stets zur rechten Zeit ein rechtes Wort für ihn. Möge es dem Friedrichsheim noch lange Jahre vergönnt sein, seinen bewährten Vorsitzenden an seiner Spitze zu haben. -^"yiny Seligenstadt i. H„ 28. Mai. Am rav* den 27. April verabschiedete sich Lehrer L e v i s o h n nach fünfjähriger Tätigkeit von seiner Gemeinde in einer Abschiedspredigt, die allen zu Herzen ging. Der erste Vorstand, A. Stein, dankte dem. Scheidenden insbesondere für die viele geleistete unbezahlte Arbeit, die er zur Erhaltung des Gemeindelebens vollbrachte. Buchen, 5, Juni. Am 11. Juni feiert Ww. Jeanette Bär, die Gattin des vor einigen Jahren verstorbenen Leopold Bär (Vorsteher unserer Gemeinde und Mohel) ihren 8 0. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische. Weit über die Gemeinde hinaus ist die Jubilarin wegen ihres lauteren Charakters, ihrer wahren Frömmigkeit und ihres edlen Wohltätigkeits, sinnes bekannt. .„ ■vvmy Ancona, 31. Mai. Die Jüdische Gemeinde in Anco n a (Italien) hat am 21. . Mai (Lag-Beomer) das 25jährige Amtsjubiläum ihres Rabbiners Dr. H. R o - s.enberg gefeiert, zu welcher Feier sämtliche Behörden der Stadt Vertretungen entsandt haben. Dr. Rosenberg ist in der Tschechslovakei geboren, hat seine Ausbildung in der Rabbiner-Schule zu Preßburg, im Rabbiner-Seminar zu Florenz, und im Rabbiner-Seminar zu Berlin, und an der Universität in Zürich erhalten, hat auch bedeutende Beiträge zur Wissenschaft des Judentums geliefert. Vermischtes. Hamßurg, 20. Mai. Das Landgericht in Hamburg hat unter dem 26. April (25 Q 18/35) eine einstweilige Verfügung erlasesn, durch die einer Firma verboten wird, die Eigenschaft ihres Konkurrenten als Jude im Wettbewerb in der eigenen Werbung zu gebrauchen. Es handelt sich dabei um folgenden Tatbestand: Die Kunden einer Schlafzimmerfabrik, erhielten ein Schreiben, in dem es hieß: „Die Annahme von Ehestandsdarlehen verpflichten beim arischen Hersteller zu kaufen. Pflicht ist es, den "christlichen Unternehmer zu stützen, darum kaufe nicht beim Juden. Prüfen Sie daraufhin ihre Einkaufsquellen in Schlafzimmern. Sie kaufen von dem Juden W. Mit deutschem Gruß! Ein Nationalsozialist für Alle." In diesem Schreiben war der Hinweis auf die Firma W. handschriftlich ausgefüllt. Eine Handschriftenvergleichung führte zur Feststellung des Urhebers des Schreibens. Die Firma W. beantragte nun eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung der ferneren Versendung dieser und ähnlicher Schreiben. Sie führte zur Begründung ihres Antrages aus, es handele sich bei dieser Werbung darum, für das eigene Geschäft in unzulässiger Weise Nutzen zu ziehen. Das Gericht trat in der Begründung der einstweiligen Verfügung den Ausführungen der antragstellenden jüdischen Firma bei. Durch die einstweilige Verfügung wird bei Vermeidung einer jeweils vom Gericht festzusetzenden Geld- oder Haftstrafe der Antragsgegnerin untersagt,' künftig an Kunden der Antragstellerin Schreiben zu versenden oder versenden, zu lassen, rn: denen darauf hingewiesen wird, - daß-es Pflicht der christlichen .Unternehmer, sei, 'nicht bei Juden zu kaufen,' mit, dem Hinweis, daß die betreffenden Kunden bei dem Juden W, kaufen.; Landshut, 21. Mai. Als Abschluß unserer Winterverahstaltung sprach am letzten Gemeindeabend Dr. Kurt H o n i g b a u m über „Religiosität als Grund-.< läge des Judentums". Es war der 24. Gemeindeabend seit August vorigen Jahres. Als weitere Redner sprachen; Dozent Dr. Lewkowitz, Breslau, über „Ewigkeitswerte des Judentums"; Dr. Prinz, Breslau, Filmvortrag „Deutsche Juden in Palästina"; Dr. Breitbart, Breslau „Deutschjüdisehe Zukunft"; Stu- . dienrat Frl. Foerder, Breslau „Zweigs; Jeremias"; : Rabb. Dr. Halpern, Breslau ..EmiL Franzos, eine.-Spief [elgestalt Unserer Zeit"; . cand. phil. Kürt Schweriner,;;- Breslau „Hundert Jahre Emanzipation;der Juden";:; Prof. Dr. Grotte, Breslau, Filmvortrag ,,Kultur und Kunst des Ostjudentums"; Frau Dr. Else Meidher, Breslau „Jüdische Figuren in den Romanen der Weltliteratur; Rabb. Dr. Simöhsohn, Breslau „Maimonides als Gesetzeserklärer", — Die übrigen Vorträge und Lernäbende wurden von unserem ^Prediger Falkenstein: gehalten,; der auch alle Veranstaltungen einberufen, und geleitet hat.

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