Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1935)
- Date
- 1935-06-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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,6. Juni 1935 Dtr 1 « r a e 1 1 t Nr. 23 Seit« 9 Stadtrat aufgelöst werden soll. Daß die antisemitische Presse das Blutvergießen auf „judische Provokationen" zurückführen würde, war zu erwarten. Tschechoslovakei. Wahl der jüdischen Abgeordneten ins tschechoslovakische Parlament endgültig vollzogen. Prag, 28. Mai. Durch das am letzten Sonntag durchgeführte Skrutinium bei den tschechoslovakischen Parlamentswahlen wurde die Wahl der jüdischen Kandidaten Dr. Angelo Goldstein, Prag und Dr. Chaim Kugel, Mukaczevo auf Grund des von der Jüdischen Partei mit der Partei der tschechischen Sozialisten getroffenen technischen Wahlabkommens endgültig vollzogen. Gleichzeitig fanden die Wahlen in die Landesvertretungen der Tschechoslovakei statt. Das Endergebnis liegt noch' nicht vor, so daß auch über das Schicksal der jüdischen Kandidaturen im Osten der Republik noch nichts Bestimmtes gesagt werden kann. In Karpathorußland wurden bis jetzt 9.976 für die Jüdische Partei abgegebene Stimmen gezählt (nach privaten Schätzungen soll die Stimmenzahl bereits 10.000 übersteigen]'. Die Liste der Jüdischen Agrarier, die dem Munkacevoer Rabbiner Spira nahe stehen und auch von der agudistischen Presse des Landes unterstützt wurde, hat eine Stimmenzahl von 18 279 erreicht. Die bisher für die Jüdische Partei gezählten Stimmen reichen für ein Mandat nicht aus, dagegen werden die jüdischen Agrarier durch Listenkoppelung mit den übrigen Agrariern ihr bisheriges Mandat behalten. Die Jüdische Partei hat bei den Wahlen zur Landesvertetung der Slovakei am 26. Mai 36 430 Stimmen auf ihre Liste vereinigt. Da sie die Wahlquote nicht erreicht hat, hat sie ihr bei den Wahlen i/ J. 1928 mit einer Stimmenzahl von 45 239 errungenes Mandat an die Agrarier abgeben müssen. Ein Wahlsieg der Orthodoxie in Karpathorußland. Munkacz, 3. Juni. Die zweiten Wahlen zu der Landesvertretung in Uzhorod endeten mit einem Sieg des orthodoxen Judentums. Die jüdische Stimmenzahl in Karpathorußland dürfte sich auf 40— 50.000 beziffern, die sich früher vollkommen zersplitterten und angeblich den Sozialisten und Kommunisten zugute kamen, eine vage Behauptung, die von den Antisemiten ausging. Bei den jetzigen Wahlen stellten die Juden ihre eigenen Listen auf, und es erwies sich, daß die Jüdische Republikanische Partei 19.000 Stimmen erhielt, die Gewerbepartei annähernd 4000, die Zionisten knapp 10.000 Stimmen. Etwa 6000 Stimmen verteilten sich auf verschiedene oppositionelle Parteien. Gut zwei Drittel des karpathorussischen Judentums unterstützten somit die regierungsfreundliche Agrarpartei, aus Dankbarkeit gegen den Landespräsidenten, der den Juden stets sein Wohlwollen zeigte. Der erbitterte Kampf, den die Zionisten vor den Wahlen gegen die vom Munkaczer Rebben geleitete orthodoxe Partei führten, ist allbekannt. Der Ausgang der Wahlen zeigt, daß die Nationalen, bei all ihren Versprechungen und ihrer wilden hemmungslosen Propaganda nicht einmal ganz 10.000 Stimmen auf sich vereinigen konnten. Die Propaganda der Orthodoxie bestand in einer Droschoh des Munkaczer Rabbi, und sie brachte der Orthodoxie 19.000 Stimmen ein. Alles in allem, haben die Zionisten im Vergleiche zum Jahre 1928 rund 45 Proz. ihrer Stimmen verloren, während die orthodoxe Front unerschütterlich dasteht. Eine Mitteilung der in Munkacz erscheinenden orthodoxen „Jiddischen Zeitung", wonach die „Gewerbepartei" von der Aguda protegiert und unterstütz würde (die Munkaczer Orthodoxie steht rechts von der Aguda und in Opposition zu ihr) entspricht nicht den Tatsachen. Frankreich. Generalversammlung des Pariser Konsistoriums. Paris, 30. Mai. Die Generalversammlung des Israelitischen Konsistoriums von Paris fand am letzten Sonntag unter Vorsitz des Barons Robert de Rothschild statt. Der Bericht, den Dr. Eudlitz erstattete, widmet zu- In unserem Verlage erscheinen nächste Woche folg. Schriften: DANIEL (HEBRÄISCH) Dramatisches Spiel nach dem biblischen Buch gleichen Namens zusammengestellt von DIR. DR. ELIAS in Frankfurt am Main. Preis einzeln 80 Pfg. bei Bezug v. mindestens 10 Exemplaren 60 Pig. Mit zwei Beilagen: 1) Wiedergabe d?s Hauptinhaltes des hebräischen Textes in deutscher Sprache für das Publikum. 2) Anweisung für die Regie und die szenische Ausstattung. Das Heft ist für Schüler- und Vereinsaufführungen bestimmt und wird den jüdischen Schulen und Vereinen heute recht willkommen sein. Es stellt eine dramatische Bearbeitung des Lebens des Propheten Daniel in leichter hebräischer Sprache dar, wie es sich aus dem gleichnamigen biblischen Buche ergibt Aus diesem Buche sind sechs Episoden herausgegriffen, die in die Kindheits-, Jünglings- und Mannesjahre Daniels fallen, den Höhepunkt seines Lebens, seinen Kampf gegen Hofintrigen, seine unwandelbare Frömmigkeit und seine letzten Lebenstage, die Hoffnung, in der er stirbt, zur Anschauung bringen. Die hebräische Sprache und das gesetzestreue Judentum von Pinchas Wollmann in Frankfurt a. M. Preis 80 Pig. Der Verfasser hat es unternommen, die Bedeutung der hebräischen Sprache für die heutige Generation aufzuweisen und die besonders aktuellen Probleme zu erörtern, die sich für die gesetzestreue Judenheit hinsichtlich ihrer Einstellung zur hebräischen Sprache ergeben- Er unterbreitet der gesetzestreuen Öffentlichkeit konkrete Vorschläge, wie die sich hier ergebenden Probleme in religiösem Sinne gelöst werden können- Die Schrift sollte Gegenstand der Erörterung in den Vereinen und Arbeitsgemeinschaften der gesetzestreuen Judenheit und darüber hinaus werden. Vom Denken u. Glauben unserer Zeit Betrachtungen anläßt des Mainuni-Gedenkjahres von Ari Wohlgemuth in Riga Preis 80 Pfg. Die Schrift, die nach einem im staatlichen jüdischen Fröblerinneninstitut in Riga gehaltenen Vortrag erstmals im Israelit erschien, behandelt ein'aktuelles Thema in fesselnder Form und wird das Interesse der gebildeten jüdischen Jugend finden. Zu beziehen durch alle besseren Buchhandlungen sowie direkt vom Verlag. VERLAG DES ISRAELI! UID HERMQI6.M.B.H. FRANKFURT-M., RECHNEIGRABENSTR. 7 nächst warme Worte des Gedenkens dem heimgegangenen Baron Edmond de Rothschild, dessen Verdienste um die innere. Organisation des französischen Judentums in herzlichen Worten gewürdigt werden. Es folgen Berichte über Veränderungen im Rabbinat und im Konsistorium.- Der Finanzbericht weist in Ein- und Ausgaben etwas über 4 Millionen Franken aus und schließt mit einem Defizit von Fr. 400.000 ab, das durch Sammlungen gedeckt ist. In, seiner Schlußansprache wies der Präsident, Robert de Rathschild, auf die Schwierigkeit hin, die Einfügung der Einwanderer in die Gemeinschaft des französischen Judentums in angemessener Frist durchzuführen. Um die Gewinnung eines Nachfolgers für den heimgegangenen ostjüdischen Rabbiner Herzog sei man bemüht. Palästina. Jerusalemer Brief. Dritte Sitzung der Verhandlungen um die Gemeindeanerkennung. — Besuch in Machane Jisroel. — Ein politischer Tee im Hause des Bürgermeisters Dr. Kaldi — Entwicklungen in der arabischen Jugend. Jerusalem, 23. Ijar. Die Erregung im alten Jischuw im Zusammenhang mit den Verhandlungen um die Umgestaltung des Gemeindegesetzes hat in den letzten Tagen zugenommen. In der letzten Nummer des „Kol Jisroel" wird die Lage in einem Aufsatz unter der Ueberschrift „Große Tage" zutreffend geschildert. Von dem Verlauf und dem Ausgang dieser Verhandlung wird in der Tat vieles für die Gesamtstellung des orthodoxen Judentums im heiligen Lande abhängen. Am Montag, den 17. Ijar, traten die Parteien in dem Regierungsbüro zur dritten Sitzung zusammen. Dabei mag die interessante Tatsache verzeichnet werden, daß bei dieser Gelegenheit wohl zum ersten Male im Regierungsgebäude mit Minjan Mincho gebetet wurde. Es beteiligten sich an diesem Minjan die vier Vertreter des Waad leumi, der Agudas Jisroel und die beiden jüdischen Regierungsvertreter. Zu Beginn der Sitzung wurde ein Schreiben des stellvertretenden Obersekretärs, N u r o k , verlesen, worin die Zuversicht ausgedrückt wird, daß es den diplomatischen Fähigkeiten der Vertreter der Parteien gelingen werde, zu einem Einverständnis zu gelangen. In der vorangegangenen Sitzung hatte Rabb. Ostrowski seinen (den Grundzügen nach bereits früher im „Israelit" besprochenen) Entwurf vorgelegt. Die dritte Sitzung wurde durch ein Referat von Rabbiner Jonathan Ho ro v i c z eröffnet, worin er zu diesem Entwurf ablehnend Stellung nimmt und unter Hinweis auf die geschichtlichen Erfahrungen der Vergangenheit zur Anerkennung der unabdingbaren Forderungen der Orthodoxie mahnte. Hierauf wandten sich sämtliche vier Vertreter des Waad leumi, Rabbiner U s i e 1, Rabbiner Ostrowski, Almalech und Ben Z w i mit größter Schärfe gegen die Möglichkeit der paritätischen öffentlichen Anerkennung zweier Kehilloth. Für die Kneses Israel und das Oberrabbinat sei diese Forderung unter allen Umständen unanehmbar. Auch Oberrabbiner Kuk habe erklärt, daß wenn die Regierung diese Forderung der Agudas Jisroel genehmige, er sein Amt niederlegen werde. Auf die mit diesen Erklärungen verbundenen Angriffe antwortete Rabbi Mosche Blau in einer umfassenden, mehr als einstündigen Rede, die in eindrucksvollem Gedankenaufbau alle Argumente der Gegner zerpflückte und darauf hinwies, wie nur durch den Entwurf der Agudas Jisroel die notwendige Einheit des ganzen Jischuw in wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten gewährleistet und jede Bedrückung der Gewissen nach innen vermieden werden. Die Rede machte offensichtlich großen Eindruck auf alle Anwesenden und der Vorsitzende, Mr. Nurok, drückte dem Redner seinen warmen Dank aus. Hiermit schloß die dritte Sitzung. Obgleich von Seiten der Vertreter des Waad leumi der Abbruch der Verhandlungen gewünscht wurde, sofern die Agudas Jisroel nicht auf Anerkennung einer selbständigen orthodoxen Gemeinde verzichte, dürften die Verhandlungen sich dennoch noch weiter hinziehen. Die Führer der Poale Agudas Jisroel statteten letzte Woche in Begleitung von Rabbi Mosche Blau dem Kibbuz in Machane Jisroel einen Besuch ab. In einem Gespräch, das Ihr Korrespondent mit Rabbi Mosche Blau nach seiner Rückkehr führte, bekundete dieser seine lebhafte Befriedigung über die letzte Entwicklung in Machane Jisroel. Allerdings sei die zweifellos glänzende Zukunft der Kolonie nur dann herbeizuführen, wenn die Gola mit ganz anderer Opferfreudigkeit als bisher der Siedlung und den Siedlern unter die Arme greift. Noch niemals in der Welt ist eine Kolonie aufgebaut wor-