Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1935)
- Date
- 1935-06-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450880--81314-2539199- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
6. Juni 1933 Der Israelit Nr. 23 Seita 7 einen Erfahrungsaustausch all der Menschen' herbeizuführen, die in der Provinz und in der Verwaltung des Landesverbandes mit der Betreuung der Provinzgemeinden beschäftigt sind. Ueber die Arbeit in den Kleingemeinden vom Standpunkt der Provinzialverbände berichtete eingehend der Vorsitzende der Westfälischen Synagogengemeinden, Rechtsanwalt Dr. Willy Katzenstein, Bielefeld. Er ging auf die Fragen der Ueberalterung (Sterbeüberschuß) der Aus- und Abwanderung ein, den dadurch bedingten Rückgang der Seelenzahl und der immer schwieriger werdenden seelsorgerischen Betreuung. Die Bezirke, die von den einzelnen Beamten und den Institutionen der Provinz zu betreuen sind, würden ständig größer; immer gebieterischer werden die Forderungen nach gemeinsamer Arbeit der Provinzialverbände, der Sozialpflege der Bezirksrabbiner und der Lehrer. Ueber die Aufgabe und Tätigkeit der Bezirksrabbinate sprach zunächst Herr Bezirksrabbiner Dr. S. Auerbach, Recklinghausen,- Er erörterte das ganze große Tätigkeitsgebiet, so insbesondere die Frage der Predigt, der Seelsorge und des Religionsunterrichtes, der Schulinspektionen, der Arbeitsgemeinschaften, Anstaltsseelsorge, Jugendarbeit und die weiteren Gebiete der dem Bezirksrabbiner obliegenden Sozialarbeit. Diese Ausführungen ergänzte Bezirksrabbiner Dr. J o s p e , Schneidemühl, indem er besonders auf die nichttheologischen Arbeitsgebiete des Bezirksrabbiners einging, so die Betreuung und Beratung der Gemeindemitglieder auf den verschiedensten Gebieten des praktischen Lebens. Am Schluß der Tagung faßte Herr Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee die Ergebnisse zusammen. Vor der nächsten Zusammenkunft sollen die Bezirksrabbiner und die Provinzialverbände in einen schriftlichen Austausch ihrer Erfahrungen treten, der über den Landesverband als Zentralstelle geleitet werden soll, um der Arbeit in der Provinz neue und in diesen Tagen ganz besonders wichtige Impulse zur Vertiefung des religiösen und kulturellen Lebens zu geben. Jüdischer Frauenbund. Berlin, 29. Mai. Der Jüdische Frauenbund hat auf seiner Vorstandssitzung vom 27. Mai 1935 in Berlin beschlossen, den, ihm angeschlossenen Ortsgruppen und Vereinen erneut in Erinnerung zu bringen, daß es seit der Gründung des J. F. B. zu seinen Grundsätzen gehört, all seine Institutionen streng r i t u e 11 z u führen. Darunter ist zu verstehen, daß die Heime des J. F. B. den Ansprüchen aller Gesetzestreuen genügen müssen. Der Jüdische Frauenbund erwartet von seinen Mitgliedern, daß gerade diese Zeit sie bereit findet, an diesen Grundsätzen festzuhalten und sieht in deren Aufrechterhaltung eine Pflicht der Solidarität der jüdischen Gemeinschaft. Staatsminister Wagner zu den Münchener Vorfällen. Berlin, 3. Juni. Wie das „Berliner Tageblatt" meldet, hat der bayerische Innenminister und Gauleiter Wagner in einer längeren Veröffentlichung zu den Münchener Maßnahmen gegen eigenmächtige antisemitische Aktionen Stellung1 genommen. Er erklärt darin u. a.: Das Resultat der nationalsozialistischen Revolution habe für: das Judentum darin zu bestehen, daß heute in Deutschland nach einem Programm regiert werde, in dem die Brechung des jüdischen Einflusses einer der wichtigsten Punkte sei. Trage das Judentum in seinem Gebaren dieser unwiderruflichen Entwicklung nicht Rechnung, so. habe es das erneute Anwachsen einer antisemitischen Welle auf sein eigenes Schuldkonto zu setzen. Wenn er als Innenminister trotz dieser Erkenntnis in seinem „Erfaß gegen Terrorgruppen in München" gegen antisemitische Ausschreitungen vorgegangen sei, dann nicht, weil er die Juden unter seinen besonderen Rechtsschutz stellen wolle, - sondern deshalb, .weil 1. diese Art des Kampfes der großen und bisher siegreichen nationalsozialistischen Bewegung unwürdig sei, 2. durch solche Terroraktionen das-'Ansehen der Staatsautorität schwer gefährdet und-'dadurch indirekt die nationalsozialistische Die Woche. Eisenach. Nach einer Meldung der „Nationalsozialistischen Parteikorrespondenz" befindet sich unter den Themen, die auf dem Frühjahrslager für sämtliche Amtsträger der „Deutschen Burschenschaft" in Eisenach behandelt werden, auch die Judenfrage. U. a. hält auch Oberstleutnant a. D. Fleischhauer, der bekannte Sachverständige im Berner Prozesse, ein Referat über „Die Protokolle der Weisen von Zion". Oldenburg. In der Nacht zum 28. Mai wurden auf dem jüdischen Friedhofe zu Oldenburg zahlreiche Grabsteine umgeworfen und zertrümmert, u. a. auch der Gedenkstein des Kriegsgefallenen Peter de V r i e s , eines Patenkindes des verstorbenen Großherzog von Oldenburg, dessen Gebeine seinerzeit auf Kosten des Großherzogs aus dem Felde nach Oldenburg überführt . wurden. Die Polizei fahndet nach den Uebeltätern. Kassel. Für das große „Himmelfahrtsfest" auf dem „Heiligen Berg" war-die Aufführung eines Laienspieles „Grenzmark" von Otto Bruder vorgesehen. Als sich herausstellte, daß der Verfasser von jüdischer Abstammung sei, lehnten es, nach einem Berichte der „Kurhessischen Landeszeitung", die Laienspieler ab, am Spiele mitzuwirken. Das Volksfest fand unter anderem Programme statt. Gießen. Wie der „Gießener Anzeiger" meldet, fand in G e - d e r n in Oberhessen der zweite judenfreie Prämiierungs- und Krämermarkt statt, der noch besser, besucht und beschickt war, als der erste. Brüssel. Der hier dieser Tage verstorbene jüdische Finanzmann und technische Erfinder, Robert G o 1 d - schmidt, war ein Freund und der wissenschaftliche Berater des verstorbenen König Albert wie auch des jetzigen Königs. Das Königshaus sandte an die Familie herzliche Beileidstelegramme. Warschau. Die Erstaufführung der Oper „ D i b b u k ", die nach dem bekannten Drama von S. Anski von dem jungen italienischen Komponisten Ludovico R o c c a geschrieben wurde und vor einiger Zeit ihre Uraufführung in der Mailänder Scala erlebte, fand in Warschau im Staatlichen Opernhaus unter außerordentlichem Erfolge statt. Riga. In Anwesenheit von Vertretern der Regierung und der Armee wurde auf dem jüdischen Friedhof von Riga ein Denkmal für die in den 1 e 111 ä n d i s c h e n Freiheitskämpfen der Jahre 1919 und 1920 gefallenen Juden enthüllt. Kairo. Zu Ehren des neuen Leiters des Kairoer jüdischen Krankenhauses, Dr. Hugo Picard, der früher am Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin tätig war, wurde vom Aerztestab des Krankenhauses und der jüdischen Gemeinde ein feierlicher Empfang veranstaltet. Haifa. Das neue große Ruthenberg-Kraftwerk ist am 30. Mai durch den High Commissioner feierlich eröffnet worden. Jerusalem. Wie amtlich bekanntgegeben wird, wanderten im April d. J. 4556 Juden in Palästina ein. 273 hatten ein Mindestkapital von je 1000 Pfund. — Die Palästinaregierung hat der Stadtverwaltung von Jerusalem einen Betrag von 15.000 Pfd. zur Durchführung dringender öffentlicher Arbeiten zur Verfügung gestellt. — Hier :| wurde eine Gesellschaft „Hasamir Brith Ola-* mith' Lesimrath Jis.rael" gegründet, die es ' sich zum Ziel gesetzt hat, das hebräische; Lied überall in der Welt zu verbreiten und hebräische Lied-Dichter und -Komponisten •\ zu fördern. In regelmäßigen Zeitabständen •: sollen „Tage des hebräischen Liedes" stattfinden, alle, zwei Jahre sollen sich die hebräischen Chöre an irgendeinem Punkte zu . einem grandiosen Liederfest treffen. — 17 Araber, die widerrechtlich Boden des Jüdischen Nationalfonds in der Gegend von Haifa betraten, sind von der Polizei verhaftet worden. Vor Eintreffen der Polizei versuchten die jüdischen Siedler, die den Boden bearbeiten, die Araber zu bewegen, sich . zu entfernen. Dabei kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Siedjern und Arabern, wobei vier jüdische Siedler verlejzt wurden. .— Ein arabischer Fellache wurde wegen 'versuchten, Mordes an einem jüdischen Wächter in Ramat Hakovesb im^Waadi Ha- .. varit zvilj. 5 J all r e n G e f ä n g'n i s verurteilt. . Im Verlaufe der .Gerichtsverhandlung stellte sich heraus, daß der Fellache Mit- ■ glied einer organisierten Horde war, , die planmäßige Ueberfälle auf jüdische Siedler unternahm. ' Aufbauarbeit in Mitleidenschaft gezogen werde, und 3. ein solcher Kampf das Judentum nicht treffen könne; denn den Schaden für zertrümmerte Fensterscheiben zahlten schließlich die Versicherungen, den Schaden aber, den das deutsche Volk und sein neuer Staat durch Beschädigung seines Ansehens in der Welt erlitten, habe das gesamte deutsche Volk und nicht das Judentum zu bezahlen. Ein offenes Wort müsse auch an die Geschäftsleute gerichtet werden, die jenen Elementen Geld zur Verfügung gestellt hätten. Indem sie sich an diesen finsteren Bestrebungen beteiligten und unbekannten und mit keiner Legitimation versehenen Leuten zu unkontrollierbaren Zwecken Geld gegeben hätten, hätten sie schwere Schuld auf sich geladen. Die Auflösung des Bürgervereins in Hamburg. Hamburg, 31. Mai. Im Anschluß an die Auflösung des „Bürgervereins für Harvestehude und Rotherbaum" durch die Hamburger Polizei schreibt das „Cuxhavener Tageblatt" u. a.: „Die Ariergesetzgebung hat sich darauf beschränkt, bestimmte öffentliche Berufe, Beamte, Rechtsanwälte, Schriftleiter usw. von Juden freizuhalten. Es hat aber auch von privater Seite her alles zu erfolgen, die Juden aus der Volksgemeinschaft selbst auszuschalten. Es kann nicht angehen, daß Juden Mitglieder irgend welcher nichtjüdischer Vereinigungen sind. Welcher Art dieser Verein ist, ist unerheblich. Ein Jude darf nicht in einem deutschen Sportverein die Möglichkeit haben, seine körperliche Ertüchtigung vorzunehmen. Ganz abwegig ist die Gedanke, die deutschen Sportinteressen auch fernerhin noch durch Juden vertreten zu lassen, wie das z. B. auf dem Gebiete des Tennissports früher durch den Juden Prenn geschehen ist. Der Vorfall des Bürgervereins zwingt dazu, die Forderung nach einem nationalsozialistischen Vereinsrecht nachdrücklichst zu unterstützen. Das Vereinsgesetz gibt allen Reichsangehörigen das Recht, zu Zwecken, die den Strafgesetzen nicht zuwiderlaufen, Vereine zu bilden und sich zu versammeln. Nach nationalsozialistischer Auffassung darf dieses Recht künftighin nur durch deutsche Volksgenossen ausgeübt werden. Juden darf dieses Recht nur unter bestimmten Voraussetzungen und unter ständiger Kontrolle der Polizei und auch nur für bestimmte Zwecke erteilt werden. Der Jude kann von seiner Art nicht los, er muß zersetzend wirken. Er wird daher immer versuchen, Vereinigungen, in denen er mit Deutschen zusammen ist, für seine eigenen politischen, wirtschaftlichen und völkischen Ziele einzuspannen und auszunutzen, genau wie er es früher mit den Parteien, mit der Presse und mit wirtschaftlichen Verbänden getan hat. Nur unter ständiger Kontrolle und Aufsicht des Staates dürfen Juden sich zusammenschließen . . ." Keine Reklame jüdischer Firmen bei der Reichsbahn. Dortmund, 28. Mai. Wie die „Westfälische Landeszeitung Rote Erde" in Dortmund mitteilt, ist sie im Anschluß an Anfragen über die Reklame jüdischer Firmen auf der deutschen Reichsbahn dieserhalb an die maßgebenden Stellen herangetreten. Sie hat vor kurzem von der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft in Berlin ein Schreiben erhalten, in dem es heißt; „Wie wir bereits in unserem Schreiben vom 31. August 1934 ausgeführt haben, darf Reklame jüdischer Firmen auf Reichsbahngebiet nicht mehr zugelassen werden. Dieses Verbot haben wir im Hinblick auf Verfügungen des Reichswirtschaftsministeriums insofern gemildert, als in den Fällen, in denen der Name eines Unternehmens nicht auf jüdische Abstammung schließen läßt, von einem, Nachweis der Ariereigesnchaft abzusehen ist. In dem vorliegenden Falle war der Deutschen Eisenbahn-Reklame GmbH, nicht bekannt, daß die Firma Gebr. Kauf-