Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1935)
- Date
- 1935-06-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 23 Der liraelji 6. Juni 1935. Ohne uns mit den Wünschen, Forderungen und kulturellen Intentionen der Revisionisten irgendwie zu identifizieren,. müssen wir doch den Mut und den Elan bewundern, mit denen diese Fraktion ihr Eigenleben gegenüber der großen Organisation zu wahren und zu behaupten weiß. Sie könnte darin anderen Fraktionen, die viel Wichtigeres und Heiligeres im Zionismus zu hüten haben: wie etwa den Sabbat und den religiösen Geist bei der jüdischen Arbeit und in der jüdischen Erziehung, als Muster gelten. Die verdiente Lektion. Wir berichteten jüngsthin an dieser Stelle über die unerhörten „Uebergriffe eines amerikanischen Rabbinerverbandes", der sich anmaßte, in Sachen der A g u n o t h wie der Geburtenregulierung religionswidrige Entscheidungen zu treffen. Wir riefen dabei die zuständigen Rabbiner Amerikas und Europas auf, die unternehmungslustigen Herren in die Schranken zu weisen ... In Amerika selbst fand unser Ruf das gewünschte Echo. Wie die ITA. mitteilt, hat de- Orthodoxe Rabbinerverband Amerikas (Union of Orthodox Rabbis in the United States and Canada) auf einer eigens zu diesem Zwecke in New York einberufenen Konferenz gegen die Beschlüsse der Rabbinical AssemblyschärfsteVerwahrung eingelegt. Ganz im Sinne unserer Ausführungen wird in dieser Gegenerklärung auf die Unsinnigkeit und Unmöglichkeit von ">N3n f'JPlTp Natur und Offenbarung. Eine Festbetrachtung. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Im glanzvollen Schmucke des Lenzes grüßen wir alljährlich das Geburtsfest unserer Religion, dem wir mit sehnendem Herzen entgegenzählen. Es ist, als ob sich die Natur selbst in ihr prächtigstes Festtagsgewand hüllt, um den Tag zu verherrlichen, an dem sich G'tt als ihr Schöpfer und Eigener, als ihr Träger und Erhalter offenbart als 'san als den Unendlichen, den Einen, durch den alles ist, lebt und webt. In ihrer sinnigen Art sagen unsere Lehrer: minn m n*apn pups k'?k vnp noK «? o'Dir los tö d'Jdi« mss Kb tpy'tns «V mss •. ybtt "i 'JK bipn xri »nnai pnv D^wn Als der Herr die Thora gab, da zwitscherte kein Vogel und regte sich kein Flügelschlag. Die Seraphim unterbrachen ihren Heiligkeitssang, die ganze Welt schwieg und lauschte horchend der Stimme, die zum ersten Male durch die Lüfte drang und rief: „Ich bin der Ewige dein G'tt". In ehrfurchtsvolles Schweigen versank die ganze Natur, aber auch die hingewiesen. Aus längerer Abwesenheit oder langem Verschollensein könne auch nicht die Todesvermutung abgeleitet werden. Diesen Grundsatz von *po ÖJl^ T*&V Ö'ö müssendie. Herren Theologen von der Rabbinical Assembly nicht wissen, aber dann sollten sie ihre Finger lassen von einer Materie, für deren Bearbeitung ihre Vorbildung nicht ausreicht. Da sie es leider nicht taten, konnten sich die berufenen Hüter der Religion in Amerika eben nicht anders dagegen zur Wehr setzen, als indem sie alle auf Grund jener religionswidrigen Verordnung getroffenen Scheidungen a priori als ungültig erklärten und für Rabbiner, die bei der Wiederverehelichung einer dergestalt „geschiedenen" Frau mitwirken sollten, den Präventivbann aussprachen. Ueber Verfassung und innere Zusammensetzung der Rabbinical Assembly berichtet die ITA, daß der Verband jene amerikanischen Rabbiner umfaßt, die der „dort sogenannten konservativen Richtung angehören und eine Mittelstellung zwischen Orthodoxie einerseits und Reformjudentum einnehmen." Ihre Graduierung erhielten sie von dem Jewish Theological Seminar y. Wir dürfen hoffen, daß nach ihrem letzten Spiele mit jüdischen heiligen Werten den Herren — auch mit amerikanischen Maßstäben gemessen — endlich der Nimbus des religiösen Konservativismus genommen wird und sie aus der Ehrenstellung in der Mitte zwischen Orthodoxie und Reform ausscheiden. Himmlischen hielten ihren Atem an, als G'tt zum Erdenkinde sprach. Jetzt war die Stunde gekommen, wo die Altäre des Wahns ins Wanken gerieten und sich dem Menschengeiste das Dunkel lichtete und eine neue Welt der Sittlichkeit und Moral ins Dasein trat. Schon vor dem Tage des Sinai hatten die Großen und Erleuchteten unseres Volkes G'ttes Stimme vernommen, von seinem Sein und Walten gelesen im großen Buche der Natur. Die Menschen aber in ihrer Gesamtheit' vergaßen über dem Werke, den Meister preisend zu verherrlichen, sahen nicht Ihn, dernpw vnnna "\bv der ordnend das Vielerlei in Harmonie und Eintracht zusammenhält, so daß nirgends auf Erden die Liebe und Freiheit waltete, und Macht und Schrecken unter den Menschen das Szepter führte. Da kam jener 6. Siwan, seit langem angekündigt und erhofft, an dem sich der Herr auf des Sinais Hohen herniederließ und einem ganzen Volke seinen Willen offenbarte. Seit jenem welthistorischen Tage, an dem sich der Himmel senkte, um die Erde zu erheben, redet nicht die Natur allein die Sprache des Heiligen, künden nicht die Himmel nur G'ttes Ruhm und Größe. Die wunderbare Zeichensprache der Natur wird vielmehr seitdem von Israel, dem Trager der Offenbarung, mit liebendem Versenken in die Lehre der Wahrheit gedeutet und in den mannigfachsten Weisen und Tönen besungen zum Nutzen und Frommen aller, die sich der erhabenen Sinaibotschaft nicht verschließen und ihre herrlichen Laute zu erfassen su- Wenn sich in jeder Stadt — und im Osten, gibt es ja Tausende — auch nur einer findet, der sich für die Sache des Aufbaüs der Sprache interessiert, können wir ■ durch Verbindung der Kräfte eine mächtige Bewegung schaffen, um die Sprache im Geiste der Thbra und der Ueberlieferung zu entwickeln. Zu diesem Zwecke muß man vor allem eine hebräische Sprach-Abteilung im Darkenu errichten, die lediglich der Frage der hebräischen Sprache dient und an der sich unsere Schriftsteller, Rabbinen und Lehrer beteiligen. Man muß ferner eine Art „hebräischorthodoxe Sprach-Zentrale" errichten, eine Art orthodoxen Waad Halaschon, der sich mit all diesen Fragen beschäftigt. Wie bereits bemerkt, bedarf ein solches Institut weniger der materiellen, als der geistigen Mittel. Man braucht dafür weniger Geld, als Wissenschaft, Organisation und Arbeit. Sicher werden sich viele geeignete Kräfte auf diesem Gebiete finden, die einstweilen einen Teil ihrer Zeit der Sache widmen und später sich in fester Weise damit verbinden. Die Aufgaben der orthodoxen Sprachzentrale würden sein: 1. Die Ausarbeitung des Arbeitsplanes, 2. Die hebräisch-orthodoxe Bewegung zu leiten und dafür zu sorgen, daß sie sich in der ganzen Bevölkerung ausbreitet (insbesondere jetzt,, da ein Brith Iwrit Olamith gegründet worden ist) und alle Religiösen in der Welt umfaßt. 3. Hebräische Werke und Uebersetzungen herauszugeben und zu verbreiten. 4. Hebräische Werke und Bücher orthodoxen Charakters, die neu erscheinen bezüglich der Grammatik und des Stils zu prüfen und zu verbessern. 5. Eine junge Generation von hebräisch-orthodoxen Schriftstellern heranzuziehen, die Grammatik und Stillehre gründlich verstehen (die meisten Schriftsteller vokalisieren nicht, weil sie die Gesetze der Vokalisation nicht gründlich kennen), damit sie nachher das große Programm verwirklichen können, das wir uns in Erez Jisroel aufgestellt haben. 6. Ueberhaupt soll diese hebräisch-orthodoxe Sprachzentrale alle sprachlichen Fragen behandeln, die zur Diskussion stehen im Einvernehmen mit dem Mauezes Gedaule Hathauro oder in Gemeinschaft mit deren Bevollmächtigten. Ueber die Einzelheiten wäre noch zu sprechen. Dies ist ein Teil der schweren Probleme, die zur Debatte stehen und die noch nicht gelöst sind. Anbei eine graphische Darstellung und schematische Uebersicht der (speziell im Teil III u. IV) aufgezeigten aktuellen und schweren Sprachprobleme, die noch ihrer Lösung harren sowie unserer Aufgaben auf dem Sprachgebiete, die unsere Mitarbeit erfordern. chen. In Israel verankert sind die Sinaiworte bestimmt, aller Menschen Gemeingut zu werden, alle Herzen zu erwärmen und alle Geister zu erleuchten, der Sonne vergleichbar, die neidlos allen ihren reichen Segen spendet. Die Güter der Natur sind niemand vorenthalten, .und auch das Heil der Offenbarung soll der ganzen Menschheit aufgehen, wie es unsere Alten ausdrücken: ^ap'! xa' bzpb nmn bs „Wer von der Lehre nehmen will, komme und nehme mti vollen Händen." Natur und Offenbarung, diese beiden nie versiegenden Quellen der G'tteserkenntnis, rieseln rein und lauter, jene seit der Schöpfung Urbeginn,. diese, seitdem der Herr mit seinen zehn Aussprüchen am Sinai eine neue Schöpfung, die der sittlichen Welt, vollbrachte, — jene sich gtereu dem Willen des Höchsten fügend, indem sie den Gesetzen gehorcht, die der Schöpfer in sie gelegt, -r- und diese, in die aiw hineingelegt und im Judentum verkörpert, bestimmt, der Menschheit das verlorene Paradies zurückzugewinnen. Es sind gewaltige machtvolle Klänge, die nicht mehr zum Schweigen gebracht werden können. Die Natur mahnt, und die heilige Lehre spornt und weckt das Gewissen, daß die Menschen doch aufhorchen. Israel hat die besondere Verpflichtung, seiner übernommenen Aufgabe getreu, durch ein: Leben strengster Pflichterfüllung und Unterordnung, durch Hingabe und Selbstläuterung anderen wegweisend zu werden. Das ist wohl auch, der Sinn jener Midrascherzählung. Nach der Offenbarung, nachdem das Gna- Die hebräische Sprache und das gefetzestreue Judentum Von Pinchas Wollmann in Frankfurt a. M. (Schluß.) IV. Ein Vorschlag. Wenn wir nun die obenerwähnten Maßnahmen verwirklichen und vereinigen 1. den hebräischen Gedanken, die literarische Arbeit, 2. die Uebcrsetzungsarbeiten, 3. das hebräische Sprechen, 4. die orthodoxen Schulen, 5. die orthodoxe Presse und 6. die wissenschaftliche Forschungsarbeit, dann können wir auch die Sprachentwicklung beeinflussen, daß sie im religiösen Sinne geschieht und dadurch auch die Entwicklung des ganzen Volkes in der Zukunft beeinflussen. Denn, wenn die neuen Ausdrucksformen, Begriffe und Gedanken das Herz des Volkes erobern, dann werden diese Errungenschaften von selbst Allgemeinbesitz des Volkes, das sich ihrer bedient. Auf diese Weise wird die hebräische Sprache irr. Laufe der Zeit sich zu einer modernen Verkehrssprache entwickeln und trotzdem den Heiligkeitscharakter bewahren und zwar durch die heiligen und erha benen Gedanken, die — im modernen Gewände — in sie hineingebracht werden. Das ist ein Versuch der Lösung der unumgänglichen Frage: wie soll man heute die hebräische Sprache erweitern und diese Erweiterung im religiösen Sinne zu beeinflussen. * Hier ist eine wichtige Aufgabe für die Talmide-Chachomim, Schriftsteller, Wissenschaftler und religiöse Intellektuelle, die in unserem Schrifttum bewandert sind, unsere Kräfte zu vereinigen und unsere zahlreichen berufenen Männer für die vereinte Tätigkeit der Heiligung des g'ttlichen Namens zu organisieren.