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Der Israelit · 1935-06-06 · Heft 23 (6.6.1935) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 23 (6.6.1935)
Date
1935-06-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 23 Der Israelit 6. Jtmi 1935 werde. Die sogenannte „Prosperity" komme hauptsächlich im Häuserbau zum Ausdruck, der jedoch keine dauernde Erwerbsquelle für die Massen sein könne. Ein Teil des Kapitals wurde zum Ankauf von Orangengärten verwendet, die jedoch zu 9 Proz. von Juden bei anderen Juden gekauft wurden. Der Revisionismus verlange eine Massenaktion der Judenheit der Welt zur Durchsetzung einer gründlichen' Reform der palästinensischen Gesetze. Die jüdische Wirtschaft in Palästina müsse durch Agrar- und Zollreformen und durch Erschließung des Ostjordanlandes saniert werden, bevor die drohende Krise einsetzt. (Siehe auch Wochenrundschau.) Neue Bestimmungen zur Durchführung des Wehrgesetzes Berlin, 2. Juni. In einer Verordnung über die Musterung und Aushebung im Jahre 1935 werden Dienstanweisungen für Musterung und Aushebung der Wehrpflichtigen der Jahrgänge 1914 und 1915, in Ostpreußen auch des Jahrganges 1910, gegeben. Nach § 19 der Verordnung ist arische Abstammung Voraussetzung für den aktiven Wehrdienst und Arbeitsdienst. Als nichtarisch im Sinne des § 15 des Wehrgesetzes gilt, wer von nichtarischen, insbesondere jüdischen Eltern oder Großeltern abstammt. Wehrfähige Dienstpflichtige nichtarisc'her Abstammung, die innerhalb der Frist von zwei Wochen nach dem Musterungstage keinen Antrag auf Heranziehung zum aktiven Wehrdienst dem „Prüfungsausschuß für die Zulassung zum Wehrdienst" einreichen oder deren Antrag vom Prüfungsausschuß abgelehnt wird, sind der Ersatzreserve II zu überweisen. Nach § 15 des Wehrgesetzes entscheidet der Prüfungsausschuß darüber, ob und in welchem Umfange .Ausnahmen von dem Erfordernis der arischen Abstammung zugelassen werden können, was, nach Mitteilungen des Generals von Reichenau in einer Pressekonferenz, insbesondere auf solche Nichtarier und Personen zutrifft, die mit Frauen nichtarischer Abkunft verheiratet sind und sich freiwillig zum aktiven Wehrdienst melden. Reinrassige Juden werden zum aktiven Wehrdienst danach nicht herangezogen. Nach der neuen Verordnung haben Dienstpflichtige arischer Abstammung bei der Musterung eine Erklärung über ihre arische Abstammung abzugeben, wobei sie anzugeben haben, es sei ihnen bekannt, daß sie die sofortige Entlassung aus dem aktiven Wehrdienst zu gewärtigen hätten, falls sich diese Erklärung als unrichtig erweisen sollte. Wie der „Pforzheimer Anzeiger" mitteilt, hat das Standesamt in Pforzheim die Eheschließung eines Mannes mit einer "Jüdin abgelehnt. Die Begründung hierfür stützt sich auf die Bestimmung des Wehrgesetzes-, wonach den Angehörigen arischer Abstammung der Wehrmacht und des Beurlaubtenstandes das Eingehen der Ehe mit Personen nichtarischer Abstammung verboten ist. Angehörige der Wehrmacht sind nicht nur die Soldaten, die aktiv dienen, sondern auch Angehörige des Beurlaubtenstandes und der Ersatzreserve, d. h. alle Wehrpflichtigen bis zum 45. Lebensjahr. Die Zahl der ausgewanderten Aerzte- Berlin, 31. Mai. Aus einem Bericht Dr. Hans Dorneddens im „Deutschen Aerzteblatt" vom 25. Mai über „Deutschlands Aerzteschaft" ergibt sich, daß 1307 Aerzte in den letzen zwei Jahren ausgewandert sind, d. i. 2,4 Proz, des deutschen Aerztebestandes. Rund zwei Drittel (860) befanden sich im Alter von 30—45 Jahren, über ein Zehntel (150) waren jünger und noch nicht ein Viertel (297) älter, während die Gesamtärzteschaft sich auf diese Altersgruppen zu etwa fünf Zehntel, ein Zehntel und vier Zehntel verteilen dürfte. Bei einem Gesamtanteil von 6,85 Proz. Aerztinnen stellte das weibliche Geschlecht zu den Auswanderern 16 Proz. Allein aus Berlin sind 572 Aerzte ausgewandert, 58 aus Hamburg, 59 aus Frankfurt a. M. und 375 aus den übrigen deutschen Großstädten, während noch 125 der Auswanderer in Städten mit 50.000—100.000 Einwohnern und nur 158 in den kleineren Gemeinden beheimatet waren. Genau 584 der Auswanderer sind ins Ausland ohne weitere Angabe abgemeldet. Der Verfasser berichtet, daß von den übrigen statistisch erfaßten Aerzten 33,6 Proz. nach Palästina gegangen sind, 45 Proz, sind in Europa geblieben, z. B. 7.7 Proz, in Frankreich, 7,6 Proz. in England, 5.8 Proz. in der Schweiz, 2,4 Proz, in der Tschechoslovakei. Nach Amerika sind 13 Proz., nach Afrika 2,9 Proz. und nach Asien 5,5 Proz. abgemeldet. Das Arbeitsprogramm der Mandatskommission, Genf, 2. Juni. Die am 3, Juni unter dem Vorsitz von Marqui T h e o d o 1 i beginnende XXVI. Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes wird auch die Jahresberichte der Mandatsgebiete von Palästina und Syrien (französisches Mandat) zu prüfen haben. Schließlich wird sich die Kommission mit der Prüfung einer erheblichen Zahl von Petitionen aus den verschiedenen Mandatsgebieten, Palästina mitinbegriffen, zu beschäftigen haben. In ihrer Eröffnungssitzung, die am Montag Vormittag abgehalten wird, wird sie die Wahl des Vorsitzenden und des stellvertretenden Vorsitzenden vornehmen. Als Vorsitzender wird Marqui Theodoli (Italien) wiedergewählt werden. Als stellvertretender Vorsitzender wird an Stelle des verstorbenen Holländers van Rees wahrscheinlich der Belgier Orts gewählt - werden. Gegenwärtig gehören der Mandatskömmission an; Marquis A. Theodoli (Italien), Vorsitzender, Baron F. M. van Asbeck (Holland), Frl. V. Danevig (Norwegen), Lord Lugard (Groß-Britannien), Fr. Manceron (Frankreich), Pierre Orts (Belgien), Prof. L. Palacios (Spanien), Graf Penha-Garcia (Portugal), Prof. William Rappard (Schweiz), N. Sakenobe (Japan) und als Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes Mr. Weaver (Groß-Britannien). Als Generalsekretär der Commission fungiert der Direktor der Mandatsabteilung des Völkerbundssekretariates V. Catastini (Italien). Außer der kurzen und rein formellen Eröffnungssitzung sind die Beratungen der Mandatskommission streng geheim. Da die Kommission nur ein beratendes Organ des Völkerbundrates ist, werden die Berichte über ihre Verhandlungen und ihre Empfehlungen an den Rat der OeffentHchkeit erst zugänglich gemacht, nachdem sie dem Völkerbundsrat vorgelegt sind Der offizielle Verhandlungsbericht wird daher erst Anfang September veröffentlicht werden. Die Debatte über den Jahresbericht der palästinensischen Mandatarmacht wird voraussichtlich in Anwesenheit des stellvertretenden Generalsekretärs der Palästinaregierung M oody zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen. Um das, Tel Awiwer Rabbinat. . Jerusalem, 29. Mai. Die Rabbiner der Gemeinde J a f f ä - T e I Awiw übermittelten der Gemeindeverwaltung eine Denkschrift, in der sie verlangen, daß der Nachfolger des Rabbiners Aronsohn im Wege dir e k t e r W:a h I e n von den Gemeindeangehörigen gewählt .werden soll. Sollte der Gemeindevorstand diesen Vorschlag nicht: akzeptieren, möge./ die Angelegenheit dem O b er - rabbiner K uk in Jerusalem zur Entscheidung vorgelegt werden. Bürgermeister Dizengoff richtete an die Gemeinde ein Schreiben mit der Forderung, sich vor der Ernennung des neuen Oberrabbiners mit der Stadtverwaltung ins Einvernehmen, zu setzen, da zum Oberrabbiner eine Persönlichkeit bestimmt werden soll, die befähigt wäre, die gesamte Bevölkerung zu repräsentieren. Zusammenarbeit zwischen Zeiiriin und Poaliin in Jerusalem. Jerusalem, 5. Juni. In einer gemeinsamen Sitzung von Vertretern der P o a 1 e und Ze i i r e Agudas J i sroel in Jerusalem wurde ein gemeinsames Aktionskomitee geschaffen, dem die Mitglieder beider Organisation angehören. Das A. C. trat gleich, an die Arbeit. In einem gemieteten großen Lokale treffen sich die Mitglieder allabendlich zu. gemeinsamen Schiurim. Ein eigenes Sekretariat erledigt die laufenden Geschäfte. Am Lagbeomer fand eine gemeinsame Feier statt, auf der u. a.; Rabb. M. Blau und H. Lieberm a n n Ansprachen hielten. Man darf aus diesem Zusammengehen der beiden orthodoxen Organisationen eine günstige Regelung der Arbeitsvermittlung für orthodoxe Arbeiter erwarten, die gerade in Jerusalem auf eine Hilfe von anderen Organisationen nicht rechnen können. Amerikanische Hilfe für die deutschen Juden in Palästina. New York, 3. Juni. Felix M. Warburg gibt als Leiter der diesjährigen Aktion des UnitedJewish A p peal für das Gesamtgebiet der Vereinigten Staaten, bekannt, daß bisher über 750.000 Dollar iür die Hilfsarbeit zugunsten der Juden in Deutschland, und Osteuropa und für die Ansiedlung .von Juden in Palästina aufgebracht wurden. Programmgemäß wird ein Sammelergebnis von 3,250.000" Dollar für das Jahr 1935 angestrebt. 47 Gemeinden, die die Sammelaktion schon zu'Anfang des Jahres organisiert hatten, haben die für sie festgesetzten Quoten bereits aufgebracht. Hundert- Teilaktionen sind zurzeit im Bundesgebiet im Gange. Weitere werden in den nächsten Tagen, eröffnet. Es ist zu erwarten, daß die erste Million binnen 14 Tagen erreicht sein wird. Das Spendenausmaß hat in vielen Städten die vor der Wirtschaftsdepression übliche Höhe erreicht. Viele Gemeinden melden 10 bis lOOprozentige Erhöhungen der Spendensummen .im Vergleich; zum vergangenen Jahr. Wöchenkalender. Vom 8. — 15. Juni 1935 / Vom 7. — ,14. Siwan 5695 pnv ip Samstag - 8 ■■ c' _j 'JtÖ K33 s Sonntag 9 8 KD Montag 10 9 aS - Dienstag juai 11 1° aa Mittwoch 12 ]1»Ö 11 Donnerstag 13 12 Tis Freitag 14 13 V Samstag 15 14| TS '3. UV ft1»3^ an mos

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