Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1935)
- Date
- 1935-06-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a. M, i 6. Juni 1935 5. Siwan 5695 Nummer 23 des Revisionismus Von dem von den Revisionisten v e r - ans falteten P 1 e b i s z i t betreffend _ die Gründung einer U n a b h an g i g e n Zionistis c h e n Organisation liegen die ersten Ergebnisse vor. Die erst begonnene Zählung der Stimmen in J e r u s a 1 e m ergab 812 „Ja"- und 24 „Nein" - Stimmen. In Tel Awiw wurden 3832 „Ja"- und, 67 „Nein"-Stimmen gezählt In Warschau samt Vorstädten wurden insgesamt 5415 Stimmen abgegeben.. Für die Gründung einer Unabhängigen Zionistischen Organisation stimmten 5257 Personen. Die Ergebnisse aus der Provinz werden erst morgen vorliegen. In Wie n beteiligten sich an dern revisionistischen Plebiszit 1531 Personen. 1467 stimmten mit „Ja", 64 mit „Nein". In New York wurden 1090 „Ja"- und 62 „Nehr'-Stimmen abgegeben. Abstimmungsergebnisse aus anderen amerikanischen Städten sind noch nicht eingetroffen. Im Anschluß an diese Resultate der revisionistischen Enquete sei hier einiges aus einer Rede Vladimir Jabotinskys im Wiener Konzerthaus wiedergegeben. J. verwahrte sich gegen die Auffassung, die Revisionisten seien Gegner Englands, sie seien nur mit der Palästihaverwaltung unzufrieden und glauben heute noch, daß England einmal die Balfourd e k La ratipn ganz zur Geltung bringen werde. Zionismus sei mehr wie /.Nationalheim" oder „Judenstaat", Zionismus sei A u f h e b u.n g der Diaspora. Wenn man von den 500.000 Stimmen, die die Höchstzahl aller bisherigen Kongreßwahlen ausmachten, die 100.000 revisionistischen Stimmen abziehe, blieben für die Zionisten nur 400.000 Stimmen übrig, die sie gewiß nichtlegitim i e r e n , i m Namen der 15 bis 1 6 Millionen Juden, -von denen mindestens die Hälfte palästinozentrisch eingestellt seien, z u sprechen. Die Konsequenz dieser Erkenntnis müsse zur G r ü nr durig einer eigenen Unabhängig en Z i o n i s t i s c h e n Organis a t i o n nach den revisionistischen Grundsätzen führen. Zu der Frage der juristischen A k - tionsmöglic h k e i t der zu gründenden U. Z. 0. bemerkt Jabotinsky, daß Artikel IV des Mandates der Zionistischen Organisation kein wirkliches Monopol auf die Vertretung der jüdischen Palästinainteressen einräumt. Es werde im Gegenteil ausdrücklich das Vorhandensein von anderen am Palästinaaufbau beteiligten jüdischen Gruppen, die außerhalb der Z. 0. stehen, vorausgesetzt. Der Unterschied zwischen den beiden Richtungen, in die von nun an die zionistische Bewegung gespalten erscheint, liege, abgesehen von der Stellungnahme zum Anbeitsproblem, vor allem in der Abschätzung der gegenwärtigen Lage in Palästina. Diese bedeute für die alte Z. O. „Prosperity", für die Revisionisten eine Inflation und eine Gefahr. Die Revisionisten fordern als Vorbedingung einer erfolgreichen Massenkolonisation ein „kolonisatorisches Regime": Agrarreform, staatliche Bodenreserven, Erschließung des Ostjordanlandes, ausreichenden Zollschutz für die einheimische Produktion, verstärkten Sicherheitsschutz auf beiden Seiten des Jordan durch Zuziehung jüdischer Kontingente. Da dies alles in Palästina jetzt fehlt, sei auch die heutige außerordentliche Anstrengung des jüdischen Volkes zu Mißerfolg verurteilt. Dies werde dadurch bewiesen, daß bloß 2% Proz, aller jüdischen Kapitalsinvestitionen des Jahres 1934 in der Landwirtschaft vorgenommen wurden, da unter den jetzigen gesetzlichen Zuständen Bodenerwerb fast unmöglich sei. Nur 4lA Proz. der Kapitalsinvestitionen betrafen die Errichtung neuer Industrien, da kein Zollschutz für die inländische Produktion besteht und der palästinensische Markt mit Auslandsprodukten überschwemmt (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Arierparagraphen des Wehrgesetzes . Seite 2 Das Arbeitsprogramm der Mandatskommission Seite 2 Um das Tel Awiwer Rabbinat . . . Seite 2 Amerikanische Hilfe für deutsche Juden in Palästina . . .-.Seite 2 Der Streit um die Führung.....Seite 3 Die revisionistische] Offensive Seite 1 und 3 Die hebräische Sprache und das gesetzestreuc Judentum (Schluß)...... . Seite 4 Der totale G'ttsstaat. Von Ben Chorin. Seite 5 Palästinaberichte ......Seite 6, 7 und 8 Zentralrat der polnischen Agudas Jisroel < Seite 8 Die .Wahlen in der Tschechoslovakei . Seite 9 Beilagen! Aus Welt und Leben Literarische Warte Erziehung und Lehre Thora u. Jugend. Habet acht auf die Söhne der Unwissenden, denn durch sie wird die Thora neu^belebt! (Sanh. 96a). Habet acht auf die Söhne der Armen, denn durch sie wird die Thora neu belebt! (Ned. 81a). I. Wissen ist Reichtum, aber nicht das Vorrecht der Reichen, Wissen ist Macht, aber nicht das Vorrecht -der Mächtigen! Wissen ist auch nicht'das Vorrecht einer Kaste, in der Erkenntnis und Weisheit sich von den Vätern auf die Söhne vererbt! Diese Wahrheit, die man oft vergißt, ist alt; in den (obigen Sentenzen findet sie ihren klassischen Ausdruck! Diese Sentenzen sagen uns aber noch ein Weiteres: daß es gilt, jedem neuen Geschlecht neu das Wissen zu erschließen, die Erkenntnis zu vermitteln: habet acht auf die Jugend! Jedes neue Geschlecht tritt unter veränderten Verhältnissen und Gegebenheiten in die Welt, sorget, daß dies n e u e Geschlecht sich satt« trinkt an der. alten Wahrheit! Und daß es weiß, daß diese alte Wahrheit nicht dargestellt 'wird' in den Worten, den Begriffen „Wissen" und „Kenntnis" — daß es für diese „Wahrheit" vielmehr nur den einzigartigen und unübersetzbaren Begriff „Tauroh" gibt! Stellt Euch in Liebe und Sorge vor dies neue Geschlecht, seht Euch seine Menschen an, laßt Euch nicht von Vorurteilen blenden, von äußeren Dingen beeinflussen: Tauroh ist kein Erbgut, das der gelehrte Vater seinem Sohn vermacht, das der reiche Mann seinem Erben testiert: Tauroh ist der Gewinn, den jeder sich selbst in Mühe und Anstrengung erarbeitet, darum habet gut acht! II. Wenn jemals einer Zeit die Mahnung wurde, auf die Jugend zu achten, dann unserer! Man braucht nicht das jedem Bekannte zu wiederholen, Wir leben ja mitten in dieser Zeit und erleben sie und ihre Forderungen als unser eigenes Schicksal und das Schicksal unserer Kinder. Heute ist es anders als früher! Vor wenigen Jahren noch da traf uns der Ruf, für die jüdische Jugend Deutschlands, für ihre geistige Entwicklung, für ihren Weg zur Jeschiwoh hin zu sorgen, wie eine Aufforderung, der wir mehr oder minder gutwillig entsprachen, wie man sich etwa im Interesse eines Nachbarn oder eines guten Bekannten interessiert und bemüht! Wenn h e u t e~ Feueralarm ertönt, dann wissen wir: es ist unser Haus, das brennt, es ist unser Sohn, um den es sich handelt! (Fortsetzung siehe Seite 3,)