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Der Israelit · 1935-05-29 · Heft 22 (29.5.1935) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 22 (29.5.1935)
Date
1935-05-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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29. Mai 1-935 D 1 i t - Nr. 22 Saite 7 -u - - Schweiz. Bericht ,der/Mandatskommission über Palästina vom Völkerbundsrat entgegengenommen, , > .Genf, 23. Mai. Im Völkerbundsrat referierte der Berichterstatter für Mandatsfragen, jder tschechoslovakische Gesandte in Paris, Dr._ O s u; s k y über-den: Bericht der. Mandatskommission des Völkerbundes - betreffend P a - 1 ä s t i n a. Er gab eine Darstellung der Arbeit der Mandatskommission und schlug vor, daß -der Völkerbundsrat das . von der englischen, und von der französischen Regierung über die Grenzen zwischen , Syrien und Palästina getroffene Abkommen genehmige. Nach Ansprachen des italienischen Vertreters Baron Alodsi; -und; des englischen Delegierten Lord Eden wurde der Bericht Dr Osuskys angenommen. . : . : (ITA.} Ungarn, „Rabbiner in der Nationalen Einheitspartei". Budap est, 17. Mai. Mit dieser Ueberschrift betitelt die „8-srai Ujsag", das Blatt Graf Bethlen's, der heute bekannterweise in Opposition zu der Einheitspartei des Ministerpräsidenten G'ömbös steht, seinen aufsehenerregenden Artikel über den Eintritt von Rabbinern in die Regierungspartei, Den Anstoß .hierzu gab der. neologe Rabbiner Dr. Franz H e v e s i, Sohn des Budapester neölogen 'Oberrabbiners, der vor kurzem in der Gründung der ungärischTjüdischen Frontkämpferpartei teilnahm, 'dann; einen radikal-bürgerlichen Politiker unterstützte und nun in der Einheitspartei landete. Nach der Information der „8-o. U." erstrebt nun die Nationale Einheitspartei' — die im Uebrigen den Juden gegenüber sich äußerst korrekt und zuvorkommend benimmt — den korporativen Eintritt vorerst der neologen Rabbiner, die in den Kirchen-Ausschüssen der Partei ihr Arbeitsgebiet. finden sollen. Ob auch die orthodoxen Rabbiner diesem Beispiel folgen könnten, hierauf erhielt die ,,8-o. U." von zuständiger Stelle nachstehende Aeußerung: „Die orthodoxe ■ israelitische Landeskanzlei, die staatlich arierkannte Vertretung der ungarischen Orthodoxie, weiß nichts von Verhandlungen, die den korporativen Eintritt 'des"orthodoxen Rabbinerstanides in die Nä-: tionale . Einheitspartei erzielen wollten: -Die Gesamtheit^ des orthodoxen—Rabbinerstandes verfügt auch nicht über eine Vereinigung, oder sonstiges Organ, das einem solchen korporätiyen Eintritt als Rahmen dienen könnte.- - o Im Uebrigen befaßt sich unser Rabbinerstand als solcher überhaupt. nicht mit Tagespolitik, wenn auch selbstverständlich individuell jeder Rabbiner seine politische Meinung haben .mag." - Nach Meldung der orthodoxen „Zsido Üjsag" hat die Budap'ester orthodoxe Gemeinde ein Mitglied wegen öffentlicher Entweihung des Sabbats aus seiner Mitte ausgestoßen. Der Ausgestoßene, der von Schabbos-Hagodaul angefangen sein Geschäft offen hielt, wurde vor die Gemeindeleitung zitiert. Er berief sich auf die „schweren Zeiten" (als wäre es nur für ihn schwer!) und darauf, daß er selbst am Schabbos sein Geschäft nicht betritt, nur seine nichtjüdische Angestellte. Da^ die Gemeindeleitung seine Argumentation nicht annehmen konnte, sah sie sich gezwungen, ihn auf Grund der Gemeindestatuten auszuschließen. /! . -' Das ,,Merchas Alijas-Tiferes", die Erez Jisroel- Leitung der agudistischen Jugend Ungarns, veranstaltete^ unlängstdm Prachtsaal der orthodoxen Gemeinde eine großangelegte Feier zur Verabschiedung ihrer neuesten Aulim. -Die Feier war mit einem wp tp.DVO auf ira 'OD verbunden, die von den Mitgliedern der Budapester handwerklichen Hachschoro zu Ende gelernt wurde. Der Rausch-bes-Din, Rabbiner S uß m a n n, begrüßte die Erez Jisroel-Bewegung der Jugend und richtete, an den anwesenden Ge-: meindepräsidenten, Herrn von- A.? Freudiger, öffent-- lieh die Aufforderung, füf?die Weiterentwicklung der E, J,-Arbeit seitens der Baale-Batimeinzutreten. Es sprachen noch die; HH: von A. Freudiger, M. Klein,' Vorsitzender der man rrv, Schuldirektor Dr; -Deutsch und seitens' der_AuUm''die;'Herr.eh-Paneth und Braun; Es ist hier zu verzeichnen, daß ein . .Teil' der"<Aulini vor der Abfahrt eine Heirat. eingegangen sind. Die Woche- 'Berlin. Der Bunde«Vorsitzende des RjF. gibt bekannt, daß Fahnen des Bundes nur bei Gedenkfeiern für Gefallene oder bei B e i s e t zun g verstorbener Kameraden zu zeigen sind. — Nach Mitteilung des „Schild," wurden am 21. Mai Walter Callmann und Leo Bernhardt vom Polizeipräsidenten die Medaille für Rettung aus Gefahr überreicht. . Die dazugehörige Urkunde besagt, daß die Auszeichnung „vom Führer und Reichskanzler mit -Erlaß. vom 30. April 1935 für eine Rettungstat am 15. September 1934" veranlaßt sei.. Die Urkunde ist unterzeichnet vom Reichs- und preußischen Minister des. Innern.. Hamburg., Mit. Hilfe der jüdischen Zentralstellen in Berlin hat die Deutsch-Israelitische Gemeinde in Hamburg - das Erholungsheim W i 1 h e 1 m i - nenhöhe in Blankenese als Heim für die jüdische J'u ge n d eingerichtet. Köln. In Bad Hon e f f am Rhein sind Plakate angebracht mit der Inschrift: „Für Juden ist in Bad Hone ff kein Platz". Dresden. - Die Nationalsozialistische Tageszeitung, „Der Freiheitskampf" in Dresden, hat eine Sond erb e i 1 a g e mit dem Titel „Juda — der Nationalsozialist ist Antisemit" herausgegeben. Sämtliche Artikel sind der Auseinandersetzung mit den Judengewidmet. Gießen. Wie der Landespressedienst des- „Deutschen Nachrichtenbüros'* meldet, hat der-Gemeinderat von Nidda in seiner letzten Sitzung folgenden Beschluß "gefaßt: ,Jn der. Folge werden nur noch diejenigen Handwerker, Fuhrleute, Geschäftsleute usw. mit Lieferungen und Arbeiten für die Stadt berücksichtigt, die der Bürgermeisterei gegenüber eine e id e ss t a 11 - liehe Erklärung abgeben, daß sie und ihre Familienangehörigen mit nichtarischen Personen keine Geschäfte tätigen." Gießen. _Wie der „Gießener Anzeiger" meldet, fand aus Anlaß des ' zweiten „judenfreien Marktes" in Lang-Göns eine Kundgebung statt, auf der Landesbauernführer Dr. Wagner und Reichsstatthalter Sprenger Ansprachen hielten. Freiburg i. Br. Wie „Der Alemanne" berichtet, fand in Freiburg eine große Kundgebung statt, auf der Oberstleutnant a. D. Fleischhauer auf Grund seines Gutachtens und seiner Erfahrungen in Bern ein' ausführliches Referat" hielt. Auch Dr." Ursprung, einer der Verteidiger der Beklagtenpartei, ergriff das . .Wort. Stettin. Der „Angriff" berichtet; „Im Kreise N e us t e 11 i n hat 'die Bevölkerung beschlossen, der zunehmenden Aufdringlichkeit der Ju- _ den dadurch zu begegnen, daß von nun ab an allen Ein- und Ausgängen der Ortschaften Plakate angebracht werden: Juden sind nicht erwünscht. Juden haben an diesem Ort nichts verloren. Judenhändler werden an diesem Ort keine Ware los. Juden;jhassen wir, Juden sind unsere . Feinde.' Wien/ Zum ersten Male ist in Wien eine Versammlung des sogenannten „Antisemitenbundes", in dem Organisationen verschiedenster politischer Richtung zu gemeinsamer .antisemitischer Propaganda zusammengefaßt --sind, verboten worden. - Der „Äntisemitenbiuid" hat sich vor einiger Zeit intensiv mit der Propagierung des inzwischen beschlagnahmten ■ „Ritualmord- Buches" von Christian Loge .befaßt. Genf. Oer Völkerbundsrat hat zum Nachfolger des verstorbenen französischen Mitglieds der Ständigen Mandatskommission M. Merlin den Franzosen Fr. Manceron ernannt, , der seinerzeit Resident General in Tunis und später französischer Gesandter in Kopenhagen war. Bern. Aus verschie- * denen jüdischen " Gemeinden der Welt, so .' auch aus Saloniki, wurde an die Jüdische Kultusgemeinde, in Bern das Ersuchen gerichtet, ihnen das Protokoll der Verhandlung "zum Zwecke der Abwehr antisemitischer Angriffe zu überlassen. Warschau. Das führende nationaldemokratische Blatt, „Gazeta Warschawska" hat sein Erscheinen -ei n g es t e 11t. Das Blatt, das im Dienste der. Opposition gegen Pilsudski und die Regierungstandr -führte auch einen unversöhnlichen Feldzug-gegen die Juden in Polen. 'Nöwyork. 1200 Lehrer der hebräi- ' sehen Schulen Newyorks sind zum Protest gegen die geringe und unregelmäßige i Auszahlung,r ihrer Gehälter in den Streik getreten^, - , . Rumänien. Brief ans Rumänien. Bukarest, 23. Mai. Das Kultusministerium hat in der Streitigkeit um das Rabbinat in C a r e i i (früher Magykaroly) Stellung genommen und Abisch Horowitz, den Schwiegersohn des „Sapinker Rebben" in seinem Amt bestätigt. Die Entscheidung erledigt auch den alten Streit um das Wahlrecht jener Gemeindemitglieder, deren Frauen ihr Kopfhaar nicht verhüllen. Minister Lepedatu hat beschlossen, daß auch diesen sowohl das aktive, wie atjch das aktive Wahlrecht gebührt. Schließlich will der Minister die Gegensätze der aschkenasischen und chassidischen Elemente innerhalb der orthodox-israelitischen Kultusgemeinde dadurch überbrücken, daß er beiden Parteien das Recht einräumt, auf Kosten der Gemeinde je einen Rabbiner und einen Schochet anzustellen. Nach außen hin müssen sie aber eine einheitliche Gemeinde bilden, die finanziellen und administrativen Aufgaben müssen von einer gemeinsamen Leitung gelöst werden, welche die Autonomie der beiden Parteien unbedingt respektieren soll. Die Ministerialverordnung - enthält angeblich auch Feststellungen bezüglich der Rechte der Orthodoxen israelitischen Zentralkanzlei, deren Wortlaut einstweilen nicht in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. Es ist abzuwarten, bis der Wortlaut einwandfrei festgestellt ist und die Orthodoxie dazu Stellung genommen hat. Das Gesetz vom Jahre 1924, welches das Staatsbürgerrecht regelt, hat verfügt, daß diejenigen, welche die rumänische Staatsbürgerschaft anstreben, sich den Vorschriften entsprechend erst zehn Jahre bewähren müssen. Nun sind aber in zehn Jahren die 32.000 Gesuche, die im Justizministerium liegen, immer noch nicht erledigt; die Naturalisation der vielen Staatenlosen ist noch immer nicht erreicht und in der antisemitischen Presse hat bereits eine Campagne gegen die : „Galizianer" begonnen, die sich die Staatsbürgerschaft „erschleichen" wollten. In Wahrheit handelt es sich hier um autochtone Bürger, die aus irgendwelchen Gründen, aus Nachlässigkeit oder Absicht derv Behörde, bei der Konskription aus der Liste der Staatsbürger herausgekommen sind. Die rumänische Presse beruft sich-auch auf das Beispiel Palästinas, welches Land nur in beschränkter Zahl die Einwanderung der Juden gestattet und will es trotz mehrmaliger Aufklärung nicht verstehen, daß es sich in Palästina um Einwanderer handelt, hier aber um Einheimische. . Dr. W. Fi 1 d ermann, der Vorsitzende der Union der rumänischen Juden, stellt in der Tageszeitung „Dimiheata" fest, daß die Bewegung gegen die Einbürgerung von ganz falschen Voraussetzungen ausgehe. Erstens ist in Rumänien die Arbeitslosigkeit ganz unbedeutend. Bei einer Gesamtbevölkerung von 18 Millionen gibt es laut der offiziellen Statistik bloß 50 000, laut inoffiziellen Feststellungen 85.000 Arbeitslose. Von *einem Ueberfluß an Aerzten kann auch nicht in einem Lande gesprochen werden, in welchem die Kindersterblichkeit 60 Proz. ausmacht. Nur die juristische Fakultät ist überfüllt, hingegen gibt es nur 296 Studenten im Veterinärfach, während der Viehstand der größte Schatz der rumänischen Wirtschaft ist. Auch die Zahl der Analphabeten ist erschreckend, also besteht in Rumänien keine Ueberproduktion der Lehrkräfte. Die ganze Bewegung rührt von Leuten her, die ohne Rücksicht auf die Interessen der .Gesamtheit, sich eine Monopolstellung sichern möchten. ■ England. Palästinafragen im Unterhaus. London, 21. Mai. In der Sitzung des Unterhauses fragte Captain S t r i c k 1 a n d den Kolonienminister, ob er wisse, daß infolge des Bettenmangels im Tel Awiwer Städtischen Krankenhaus pflegebedürftige Einwohner vielfach in auswärtigen Kränkenhäusern untergebracht, werden müssen. Der Abgeordnete fragte weiter, ob der Minister mitteilen könne, daß die Regierung nunmehr. dem Ansuchen der Tel Awiwer Stadtverwaltung um Erweiterung des Krankenhauses entsprechen wolle .Der Minister antwor-

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